21.03.2007

Hängebondage

Grundsätzlich besteht bei Hängebondages immer ein grösseres Gefahrenpotential als bei Bondages am Boden.

Gefahren und Maßnahmen

Etwas vom Wichtigsten ist hier die Kommunikation zwischen dem Aktiven und dem Passiven. Fühlt sich der passive Part noch wohl? Ist eine Fesselung zu fest? Alles Punkte, denen "in der Luft" eine viel grössere Bedeutung zukommt.

Bei Unbehagen oder gar eine Panikattacke des passiven Part ist der Aktive bedeutend mehr gefordert. Hier gilt es in erster Linie einen kühlen Kopf zu bewahren. Der Passive soll unverzüglich aus dem Bondage frei geschnitten werden.

Dazu befreit der Aktive zuerst die Beine des Passiven, so dass dieser wieder "festen Boden" unter den Füssen hat. Der Passive soll stehen und so die Fesselung des Oberkörpers - die Hauptlast liegt immer im Bereich des Oberkörpers - entlasten, damit auch dieser frei geschnitten werden kann.

Gau

Mit Sicherheit als GAU (grösster anzunehmender Unfall) bei Hängebondages muss jene Situation bezeichnet werden, bei der der passive Part einen Kreislaufkollaps erleidet und nur noch "in den Seilen" hängt.

Für den Aktiven gilt in diesem Fall: "Arbeite mit Bedacht, es eilt!"

Ziel aller Tätigkeiten des Aktiven muss in diesem Fall sein, den Passiven so schnell und so schonend wie möglich aus seiner Fesselung zu befreien, ihn zurück auf den Boden zu bekommen und anschliessend zu betreuen.

Auch hier muss als erstes die Fesselung der Beine aufgeschnitten werden. So ist zumindest dieses Gewicht am Boden.

Anschliessend kommt das Hauptproblem - der Aktive muss den noch in der Luft hängenden Passiven aus seiner Fesselung befreien und ihn gleichzeitig vor dem zu Boden fallen schützen.

DER PASSIVE PART DARF NIEMALS ZU BODEN FALLEN - ER WÜRDE SICH DABEI SCHWER VERLETZEN!

Aus diesem Grund sollte man sich auch mit den Aufhängepunkten auseinander setzen.

Aufhängepunkte

Vorausgesetzt wird, dass der Aufhängepunkt eine genügende Tragfähigkeit aufweist und nicht einfach so aus der Decke fällt.

Konventioneller Karabinerhaken, Ösen, Ringe

Diese sind als Verankerungspunkt ungeeignet, da die hängende Person daraus nicht schonend und rasch befreit werden kann. Die einzige Möglichkeit wäre, das Seil zu zerschneiden. Da der passive Part aber meist mit dem Gesicht zum Boden hängt, würde er in diesem Fall wie ein Sack zu Boden fallen und möglicherweise schwere (innere) Verletzungen davon tragen. Den Sturz kann der passive Part auch nicht abfedern, da Arme und Hände in der Regel gut verschnürt sind.

Panikhaken

Von der Verwendung eines Panikhakens - wie er des Öftern im Zusammenhang mit Bondages erwähnt wird - raten wir ab. Die aus dem Pferdesport bekannten, auch unter Last lösbaren Panikhaken bieten auf den ersten Blick zwar Sicherheit, bei näherer Betrachtung weisen sie jedoch die gleichen Nachteile auf, wie sie konventionelle Karabinerhaken besitzen.

Hängebondage

Ein Panikhaken kann zwar mit einer Hand entriegelt werden, doch muss dieser Vorgang direkt am Panikhaken vorgenommen werden. Da der Panikhaken meist unter der Decke hängt, wird es für den Aktiven nicht möglich sein, den Panikhaken zu lösen und gleichzeitig den passiven Part am Boden „in Empfang“ zu nehmen. Des Weiteren ist der Panikhaken so konstruiert, dass er sich eigentlich nur dazu eignet, in einen Metallring (Zaumzeug) einzuhängen. Bezüglich Tragfähigkeit sind uns keine Daten bekannt, diese dürfte aber nicht allzu gross sein.

Schnappschäkel

Die aus dem Segelsport stammenden Schnappschäkel sind unserer Meinung nach die einzigen geeigneten Festpunkte.

Hängebondage

Sie sind – je nach Typ – für sicheres Arbeiten mit Lasten bis 650 kg geeignet und weisen eine Bruchlast von mehr als 3'900 kg auf. Es empfiehlt sich, lieber einen etwas grösseren Schnappschäkel zu kaufen, da bei diesem problemlos mehrere Seile durch den Schäkel passen.

Doch auch hier ist vorher etwas Vorbereitung gefordert, will man nicht die gleichen Nachteile wie bei konventionellen Karabinerhaken haben. Es muss eine genügend lange Reissleine am Aufreissring des Schnappschäkels befestigt werden. Damit diese im normalen Gebrauch nicht stört und ein versehentliches Auslösen verhindert wird, sollte diese - mit einen kleinen Karabiner versehen - in Griffweite bereit liegen. Dank dieser Reissleine kann auch ein unter der Decke hängender Schnappschäkel - mit einem kräftigen Ruck an der Reissleine - vom Boden aus gelöst werden. Dabei kann der passive Part durch den Aktiven schonend in Empfang genommen werden.

Bei der Anwendung muss jedoch darauf geachtet werden, dass der Schnappschäkel in der richtigen Richtung eingebaut wird. Der öffenbare Teil muss dabei unten sein. Dies hat zwei Gründe: einerseits gibt der Schnappschäkel so nur die Seile frei, bleibt selbst aber an der Decke und verletzt daher niemanden. Andererseits muss die Achse des Auslösemechanismus gegen den Boden zeigen, da nur in diesem Fall der Zug der Reissleine den Schnappschäkel auch sicher öffnen kann.

Flaschenzüge

Auch diese sind als Verankerungspunkt geeignet. Es muss jedoch so viel Seil vorhanden sein, dass der Flaschenzug bis auf den Boden abgelassen werden kann.

Umlenkrollen

Umlenkrollen können verwendet werden, doch gehört dazu immer auch ein Flaschenzug oder ein Fixpunkt, der ein sanftes Ablassen des passiven Parts ermöglicht (z.B. Klampen aus dem Segelzubehör).

Grundsätzlich sollte berücksichtigt werden, dass bei Bondages nicht mit statischen, sondern mit dynamischen Lasten zu rechnen ist. Und wenn sich der aktive Part mit seinem Oberkörper auch noch zärtlich auf den hängenden Part legt, kommen da ganz schnell schöne Lasten zusammen. Ich setze da in meinen Überlegungen zur Sicherheit immer so gegen 500 kg (statisch) ein.

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Autor: faustspiele

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