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Wie kann ich gefahrlos das Fesseln genießen?

Unfallgefahren minimieren und das Fesselspiel richtig genießen
02. Dezember 2019

Bondage birgt auch Risiken. Je extremer die Praktiken, umso höher die Verletzungsgefahr. Was ihr über die Risiken und gesundheitlichen Aspekte wissen müsst, erklärt euch Seil-Experte Ater Crudus.

Die meisten Unfälle passieren immer dann, wenn man sich an Fesselungen wagt, bei denen der Bauch und Kopf eigentlich deutlich Nein sagen und man es dennoch tut. Wer derbe Folter-Fesselungen wagt oder mal eben eine Schwebefesselung (Bondage-Suspension) macht, der muss damit rechnen, dass sein Wissen nicht reicht, um einen gesundheitlichen Schaden zu vermeiden.
Ater Crudus

Gesundheitliche Risiken beim Bondage

Abdrücken von Venen und Arterien

Venen transportieren sauerstoffarmes Blut zum Herzen, Arterien mit Sauerstoff angereichertes Blut vom Herzen in den Körper. Einige Venen und Arterien verlaufen ungeschützt direkt unter der Haut und u.a. an den Beugeseiten der Gelenke.

  • Verfärbungen der Haut treten immer dann auf, wenn Venen, Arterien oder kleine Blutgefäße durch den Druck des Seils beeinträchtigt werden.

  • Eine leichte Verfärbung ist also nur ein Hinweis darauf, dass eure Fesselung anscheinend eine gewisse Festigkeit hat oder Zug auf dem Seil ist.

  • Lasst immer euren gesunden Menschenverstand walten. Sobald sich die Haut eures Fesselpartners in einem ungesunden Maße verfärbt oder er euch Taubheit, Missempfindungen oder anderes Unwohlsein mitteilt, löst sofort die Fesselung.

 

Druckschäden von Nerven

  • Überall da, wo Nerven liegen, gilt: Ein Seil darf hier verlaufen. Allerdings müsst ihr bei Druck auf diesen Stellen, sei es durch einen festen Knoten oder durch Zug auf das Seil, mit Irritation von Nerven rechnen.

  • Klagt euer Partner über Kribbeln, Taubheit, Missempfindungen, Kraftverlust oder andere motorische Einschränkungen, so liegt die Ursache zumeist in einem der oben benannten Bereiche. Löst sofort das Seil, um den Nerv zu entlasten.

  • Direkter Druck auf der Daumenseite des Handgelenkes in der "Kerbe" zwischen Unterarm und Handgelenk sollte vermieden werden. Dies passiert häufig, wenn die Hände irgendwohin gezogen werden und die Hauptlast an dieser Stelle ist.

Nervenschädigungen treten in den allermeisten Fällen bei Schwebefesselungen (Suspensions) auf. Fast immer, wenn der Körper oder ein Körperteil ganz oder teilweise nach oben gezogen wird, entsteht ein erhöhtes Risiko, Nerven zu schädigen. Bleibt einfach am Boden und wagt euch nur mit der Unterstützung erfahrener Fessel-Freunde an Schwebefesselungen heran.
Ater Crudus

Im Slider zeigen wir euch einen kleinen Überblick über Nerven, die im Zusammenhang mit Bondage einer besonderen Aufmerksamkeit bedürfen.

Wie vermeide ich Unfälle beim Bondage?

  • Kommunikation: Kommunikation vor, während und nach einer Bondage-Session ist unerlässlich. Sprecht vor jeder Session miteinander, legt einen Rahmen fest, geht auf Besonderheiten, mögliche Vorerkrankungen und körperliche Beeinträchtigungen des Gefesselten ein. Behaltet während der Session das Wohlergehen eures Partner stets im Blick – ob verbal oder mittels prüfender Griffe.

  • Verantwortungsbewusstsein: Der Fessler ist in der Pflicht, alles Erdenkliche zu tun, um die Risiken für beide Seiten zu minimieren. Ebenso ist es die Pflicht des Gefesselten, sich dieser Verantwortung bewusst zu sein und den Rigger bei der Durchführung sicherheitsrelevanter Handlungen zu unterstützen. Zu dieser Verantwortung gehört auch, eine gefesselte Person niemals allein zu lassen. Auch haben Alkohol- und Drogenkonsum keinen Platz in einer Bondage-Session. Beides macht den Verstand träge und trübt im Zweifel das klare Urteilsvermögen.

  • Selbsteinschätzung: Macht nur, was ihr euch auch sicher zutraut. Unfälle passieren immer dann, wenn man sich an Fesselungen wagt, die über die eigenen Fähigkeiten hinausgehen.

  • Das richtige Bondage-Equipment: Das verwendete Material sollte immer dem Zweck der jeweiligen Bondage-Session gerecht werden. Unerlässlich ist, eine Notfallschere oder andere Notfallwerkzeuge immer griffbereit zu haben.

  • Bondage-Workshops: Mit solidem Grundwissen und einem sensiblen Umgang mit dem Thema Sicherheit könnt ihr Bondage emotional und so sicher wie nur möglich genießen. Eine gute Grundlage bieten fachkundige Bondage-Workshops, die auch das Thema Sicherheit vehement und klar verständlich behandeln.

  • Austausch mit Anderen: Nichts ist so wertvoll wie der persönliche Austausch mit anderen Seilbegeisterten. Sinniert gemeinsam über Mittel, Wege, Techniken und Risiken. Lernt gemeinsam von- und miteinander, um Bondage so sicher wie möglich zu praktizieren.

Wenn ihr miteinander redet, nur tut, was ihr euch auch ohne fachliche Anleitung wirklich zutraut, dann reduziert ihr das Risiko beim Bondage schon enorm und könnt sicher und lustvoll fesseln.
Ater Crudus

 

Dieser Beitrag stellt nur einen kleinen Auszug über die häufigsten Risiken beim Bondage dar. Eine umfangreiche und vollständige Auflistung findet ihr auf der Webseite von Ater Crudus.

 

Seil-Experte Ater Crudus

Bondage Künstler Ater Crudus
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Ater Crudus ist Bondage-Experte und Seilkünstler aus Leipzig. Er wird euch Schritt für Schritt in 15 kostenfreien Video-Tutorials zeigen, wie ihr das Seil unkompliziert, lustvoll und sicher in euer Liebesleben integriert.

Aktuelles zu seiner Arbeit findet ihr in seinem Profil hier im JOYclub oder auf seiner Webseite Sensual Contact.