BDSM und die Lust am Schmerz, am eigenen oder dem des anderen. Lust zu unterwerfen oder dominiert zu werden. Was "subs" und "tops" so alles miteinander erleben, dem sind eigentlich nur durch die gemeinsamen Spielregeln Grenzen gesetzt. Und ein kleines bisschen von alledem steckt mindestens in jedem vierten von uns…
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BDSM - in jedem Fall mehr als "Blümchensex"
Den gemeinsamen sexuellen Vorlieben freien Lauf zu lassen eröffnet ungeahnte Sinnesreiche. Auch und erst recht, wenn diese vom 08/15-Sex der breiten Masse, dem so genannten "vanilla"- oder Blümchensex abweicht - so wie es bei den verschiedenen Spielarten des BDSM der Fall ist.
BDSM (Bondage&Discipline, Dominance&Submission, Sadism&Masochism) ist eine vielschichtige Abkürzung für alle sexuellen Neigungen, die mit Dominanz und spielerischer Bestrafung, mit Lustschmerz und Fesselungsspielen in Verbindung zu bringen sind. In erotischen Rollenspielen wählen Sadomasochisten für ihre gemeinsame "session" freiwillig ein extremes Machtgefälle, das beiden einen Lustgewinn beschert.
Die Zahlen von Untersuchungen und Befragungen schwanken zwar erheblich, aber zusammenfassend bekennen sich weltweit wohl ungefähr 5% von uns Erdenbürgern ausdrücklich zu BDSM und 5-25% binden Elemente mit Lustschmerz bzw. Macht-Ohnmacht-Konstellationen regelmäßig in ihr Liebesleben ein. Es überrascht kaum, dass sich noch weit mehr Menschen in ihren Phantasien solchen Praktiken hingeben: Stichwort Kopfkino!
Wer hier nicht mehr nur denken mag, kann sich in unserem Forum mit Gleichgesinnten austauschen und so vielleicht den Mut finden, sich sogar mal ans Ausprobieren zu wagen…
Das Gesetz der Szene
Das Glaubensbekenntnis und selbst auferlegte Gesetz der BDSM-Szene: SSC
SSC steht für "safe, sane and consensual", zu Deutsch sicher, gesund und einvernehmlich. Diesen Grundsätzen ist die Szene verpflichtet. Das heißt mündige Partner lassen sich in gegenseitigem Einverständnis und freiwillig auf die verschiedenen Spiele ein. BDSM hat also rein gar nichts mit psycho-pathologischen Zuständen eines Realsadismus oder -masochismus zu tun. Ausgiebige Absprachen über Vorlieben, Abneigungen, einzelne Details und auch über medizinische Voraussetzungen sind vor allem vor den ersten gemeinsamen Erlebnissen üblich.
Die außergewöhnlichen SM-Spiele verlangen einen besonders behutsamen und einfühlsamen Umgang miteinander.
"Safewords" schützen davor, dass der eine den anderen versehentlich überfordert. Diese vorher festgelegten Kennwörter, die einen sofortigen Stopp der Aktionen zur Folge haben, ersetzt der „bottom“, der devote Partner, falls nötig durch Hand- oder Augenzeichen. Der Ehrkodex wird hochgehalten!
BDSM in der Gesellschaft
Und trotzdem: Die Gesellschaft straft mit Ablehnung. Anders als das Thema der gleichgeschlechtlichen Liebe wird die BDSM-Subkultur in der öffentlichen Meinung oft übel verurteilt: Pervers, krank oder abstoßend findet man was da so vor sich geht.
Ist es die Angst vor den eigenen heimlichen, viel zu ähnlichen Phantasien, die hier federführend ist? Die Medien jedenfalls konnten sich bisher noch kaum zu einer würdigen Berichterstattung durchringen: Was sie zum Thema bringen, ist in der Regel einseitig, manipulativ und reißerisch. Soziale "coming-outs" sind damit auch heute noch oft eine Bedrohung für die gesellschaftliche Stellung des mutig Bekennenden.
Da nehmen es die Gesetzeshüter schon entspannter: Bei gegenseitigem Einverständnis befinden sich BDSMler zumindest in Deutschland nicht auf rechtwidrigem Gebiet. Erfreulich auch: Langsam aber sicher formiert sich auch hierzulande die Szene, bilden sich Netzwerke und Beratungsstellen. Das lässt doch hoffen!
Sexbibeln: Vom Kamasutra bis zur Geschichte der O
Erste Zeugnisse von Lustschmerz- und Unterwerfungssex gehen zurück bis ins 6. Jahrhundert vor Christus. Doch am ehesten werden SM-Neigungen mit dem Marquis de Sade und Leopold von Sacher-Masoch in Verbindung gebracht. Beide jedoch haben, abgesehen davon Namensgeber zu sein, wenig mit freiwilligen erotischen BDSM-Spielen zu tun.
Umso mehr dafür das sagenumwobene Kamasutra. Hier finden sich wohl die ersten sadomasochistischen Anleitungen: Luststeigernde Schlag-, Beiß- und Kneiftechniken werden vorgeschlagen, diverse lüsterne Schmerzenslaute des "subs" beschrieben.

Eine herausragende Stellung nimmt das Buch "Die Geschichte der O" von Dominique Aury ein. Die unkonventionelle Beschreibung der Unterwerfung einer Frau, die wertfrei und subtil aus der Perspektive der Heldin geschrieben ist, versorgte die Szene mit vielen Begriffen. Der bedeutungsvolle Ring, den O trägt, war Vorlage für den so genannten Ring der O, der lange als Erkennungszeichen für BDSMler diente, wenn er auch zunehmend mainstream-Schmuck geworden ist.
Bilder: Pixelquelle.de




























