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Frau zweiter Klasse

**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
--- Klick ---

Ich bin 22. Wenn meine Freundinnen fragen, was ich an meinem neuen Lover finde, dann zwinkere ich und sage: Ich rebelliere gegen meine Mutter. Er ist 13 Jahre älter als ich, besitzt eine Eigentumswohnung und veranstaltet pünktlich jeden Donnerstagabend einen Brettspieltreff in seiner Wohnung. Das krasse Gegenteil von einer studierenden Lebenskünstlerin mit klimpernden Ohrringen und einem Skizzenblock unter dem Arm, die sich durch den Künstlereingang in Konzerte schleicht, deren Eintritt sie nicht bezahlen kann. Seine wildeste Rebellion gegen das Establishment besteht in einem orangenen Hemd in einer Zeit, in der jeder zweite Mann auf der Straße diese Modefarbe für sich entdeckt hat.

Die Wahrheit ist, dass es etwas anderes ist, was mich zu ihm zieht.

Wenn wir kuscheln, tut er etwas, was Freund 1 oder 2 niemals getan hätten. Ich habe keine richtigen Worte dafür. Es ist etwas in der Art, wie er mich anschaut, wie er mich berührt und auf die Matratze drückt. Ihn erregt nicht die Nähe zu mir, die Zärtlichkeit, die Intimität, sondern die Macht, die er über meinen schlanken Studentinnenkörper hat. Dieser Blick löst Resonanz in mir aus. Mein Unterleib beginnt zu glühen. Seine liebste Art von Sex besteht darin, dass er neben mir sitzt, meine Beine auseinanderdrückt und zwischen meinen Beinen herumhantiert, damit ich abgehe. Weil er jedes Mal zielsicher nach der Klitoris tastet und auf ihr herumdrückt, bereitet er mir damit oft mehr Schmerz als Lust, doch meine Pussy wird trotzdem feucht. "Nein", zische ich oft, "hör auf", doch er macht weiter. Er scheint die Macht zu genießen und ich das Gefühl, ausgeliefert zu sein.

Früher oder später komme ich jedes Mal.

Als meine WG sich auflöst, ziehe ich zu ihm, obwohl wir erst wenige Monate verpartnert sind. Zeit für ein neues Leben.

--- Klick ---

Ich bin 23, und ich gehe nicht mehr in Konzerte. Mein neuer Lover kann den Kopf nicht auf diese schüchterne Weise einziehen, wie man es muss, um sich durch den Hintereingang hineinzuschleichen und mit einem Lächeln für den Türsteher durchzukommen. Er mag meine Musik nicht, und wenn wir ausgehen, bezahlt er für mich. Mir gefällt das nicht, aber er mag die günstigen Studi-Kneipen nicht, in die er sonst mit mir gehen müsste. "Schreib es auf die Liste", sagt er jedes Mal mit einem ironischen Lächeln und einem Hauch Herablassung. "Irgendwann zahlst du es mir zurück."

Irgendwann. Abends oder nachts, wenn er eine Erektion bekommt und sie abarbeiten will. So nennt er das jedes Mal. Es spielt keine Rolle, ob ich ihn wegdrücke, den Kopf schüttele oder "Nein" zische. Er ist stärker als ich. Und ein Teil von mir, ein widerlicher, verbotener, abzuschneidender Teil genießt das Gefühl, ausgeliefert und machtlos zu sein. Inzwischen hasse ich mich dafür, dass ich jedes Mal komme, ganz egal, wie sehr ich mich am Anfang gewehrt habe.

Ich sitze in der Küche und habe eine Kerze angezündet. Freund Nummer 3 steht am Herd und macht Kürbissuppe. Der Raum ist stilvoll eingerichtet, die Wand bedeckt eine orangefarbene Mustertapete. Viel hübscher als die WGs, in denen ich früher wohnte und ein und aus ging.

"Mach den Herd aus", sage ich plötzlich. "Setz dich zu mir."

"Warum?" Irgendetwas in meiner Stimme muss entschlossen genug gewesen sein, dass er die Gasflamme tatsächlich abdreht und sich zu mir dreht.

"Wir müssen reden." Ich räuspere mich. Mit Freund 1 oder 2 war es leichter. Da hätte ich nie eine Kerze anzünden müssen, um Mut für ein solches Gespräch zu finden. Aber von einer Sekunde auf die andere ertrage ich diese Mittelstandshölle nicht mehr. "Irgendetwas zwischen uns stimmt nicht mehr."

"Was ist los, Monster?"

"Setz dich", sage ich erneut. "Es ist wichtig."

"Okay." Es ist das erste Mal seit langem, dass er auf etwas reagiert, was von mir kommt, stelle ich fest. Ich mache keine Vorschläge mehr dafür, wie wir ausgehen könnten. Sie gefallen ihm ohnehin nicht. Genauso wenig, wie es ihm gefällt, wenn ich allein losgehe und mich mit Menschen treffe, die er nicht einschätzen kann. Auch das habe ich mir mittlerweile abgewöhnt.

"Es geht darum …" Ich hole tief Luft. "Manchmal, ja? Wenn wir kuscheln. Und wenn ich dann den Kopf schüttele oder Nein sage. Ich möchte, dass du das respektierst, verstehst du? Das ist keine Aufforderung zum Weitermachen."

"Wirklich nicht?" Er lächelt, und wie so oft bilde ich mir ein, in diesem Lächeln Zynismus und Gift zu sehen. Ich blinzele, damit die Wahrnehmung verschwindet. Was ist falsch mit mir, dass ich in ihm nicht die Freundlichkeit und Güte sehen kann, von der er mir immer wieder erzählt? Er ist geduldig und nachsichtig mit mir, das sagt er mir immer wieder, und ich bin undankbar, weil ich das nicht zu schätzen weiß!

Wie in vielen Gesprächen zweifele ich auch jetzt an meiner eigenen Wahrnehmung, doch ich versuche es erneut. "Wenn ich Nein sage, ja? Bitte … Bitte … Also, bitte fass mich dann auch nicht an, ja? Ich …" Ich meine das ernst, will ich sagen, doch unter der plötzlichen eisigen Kälte in seinem Blick verstumme ich. Du merkst selbst, was für einen Unfug du redest, sagt dieser Blick. Mit dir stimmt etwas nicht. Aber sei froh, dass ich so nett bin, denn ich werde dir vergeben. "Es tut mir leid", sage ich leise. Meine Worte klirren. Mein Körper fühlt sich seltsam taub an, in Nebel gehüllt und wie das Eigentum einer fremden Person.

Wir reden weiter, doch ich verstehe die Worte nicht mehr. Und als er mich schließlich auffordert, mit ins Schlafzimmer zu gehen, stehe ich auf und folge ihm.

--- Klick ---

Ich bin 24, und ich weiß noch nicht, dass ich neun Monate später Felix begegnen werde. Felix wird einer von vielen Onenightstands sein, mit denen ich versuche, mir den Schmutz dieser zwei Jahre aus Pussy, Herz und Seele zu pimpern. Ich weiß noch nicht, dass ich in den Januarsee eintauchen und mich im eiskalten Wasser vor dem Mond verbeugen werde, um die Reinheit wiederzufinden, die mir verlorenging. Und natürlich habe ich keine Ahnung, dass ich jemanden brauche, der mich beschützt, nicht nur auf dem Weg ins eiskalte Wasser, sondern schon jetzt.

Meine früheren Freundinnen haben inzwischen ihren Abschluss. Ich dagegen strauchele seit mehr als einem Jahr. Sobald ich die Wohnung von Freund Nummer 3 verlasse, bekomme ich Panikzustände. Die Straßenlaternen und Autos, die Menschen und Zäune und Fenster, sie alle strahlen eine geheime Bedrohung aus und scheinen ihre feste Form zu verlieren, sobald ich sie aus den Augen lasse. Sie verwandeln sich in Nebel, der nach mir greift und mich vernichten will. Natürlich müsste ich mich irgendwann wieder bei meinen Freundinnen melden, doch das kommt mir entsetzlich anstrengend vor. Sie sind alle viel erfolgreicher als ich.

Ich schaffe es nur noch selten, zur Uni zu gehen.

Freund Nummer 3 geht zu meinem Erstaunen sehr liebevoll damit um. "Wenn du bald durch die Abschlussprüfung gefallen bist, dann … Dann suchen wir dir hier in der Nähe eine Stelle. Ich habe schon gesehen, dass sie bei Lidl eine Verkäuferin suchen, vielleicht wäre das etwas für dich?"

Ich starre ihn verwirrt an. Verkäuferin? Das ist ein ehrenhafter Beruf, aber nicht meiner. Ich bin Grafikdesignerin. Irgendwann werde ich meine eigene Firma haben, das … das ist doch … So war das immer geplant!

Erklärend fügt er hinzu: "Du solltest bald mit dem Suchen anfangen, damit du mir nicht für den Rest deines Lebens auf der Tasche liegst und immer neue Schulden machst. Aber keine Sorge, ich helfe dir dabei."

"Das kannst du nicht ernst meinen", sage ich tonlos. "Ich zahle jeden Monat meinen Anteil an der Miete."

"Und ich bezahle deine Rechnung, wann immer wir ausgehen, weil du das aktuell nicht kannst. Genau wie unseren Urlaub. Inzwischen sind es … etwa eineinhalbtausend Euro, die aufgelaufen sind. Ganz genau habe ich nicht mitgezählt."

In diesem Augenblick begreife ich endlich, dass ich gehen werde.

--- Klick ---
******ter Mann
1.190 Beiträge
Bei dem Abschnitt sieht man wie wichtig Safewords sind und ein vernünftiger Umgang damit.
Widerstand kann ja Spiel sein und es ist ja auch voll ok, wenn man möchte, dass dieser gebrochen wird.
Nur muss man halt seine Grenzen kennen und diese vertreten können ohne dann Angst vor irgendwelchen Folgen zu haben.

Das ist ja auch mit ein Punkt, warum Fifty Shades so zerrissen wurde. Grey geht halt auch über Grenzen und nutzt die unerfahrene Anna aus - was ihn als Dom disqualifiziert. Als Sahnehäubchen präsentiert er sich später ja sogar noch als Opfer und nutzt damit dann sogar noch emotionale Erpressung um seine Bedürftigkeit auf Anna zu projektieren.
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
"Warum mögen es Menschen, andere Menschen kaputtzumachen?", fragt Artemis tonlos. "Es ist doch viel schöner, sie aufzubauen und ihr Potenzial zum Leuchten zu bringen."

Sie kommt mir entsetzlich jung vor. Eben war sie noch die kompetente Beraterin, die mir zeigte, wie ich meine Ideen in Cashflow verwandeln werde. Wie seltsam, dass man schon mit Mitte dreißig anfangen muss, von den Jüngeren zu lernen, während man sie gleichzeitig noch beschützen will.

"Es geht um Macht", sage ich genauso leise und hoffe, dass in meinen Worten Stärke und Halt für sie liegen.

Macht. Das ist es, was mich als devote Frau zu Männern zieht. Das, was mich an ihnen erregt. Ich hasse das. Mein Ehemann ist anständig. Wenn wir kuscheln, habe normalerweise ich die Oberhand. Dabei komme ich nie so heftig, wie es bei Felix der Fall war, leider. Aber ich bin in Sicherheit vor diesen seltsam verdrehten Knoten in meinem Hirn, die Exfreund 3 dort hineingedreht hat und die ich jetzt Fädchen für Fädchen auskämme, geduldig und immer wieder kurz davor, nach der Kettensäge zu greifen.

"Ich will stark genug werden, dass mir nie wieder jemand wehtun kann", sagt Artemis entschlossen.

"Du bist unendlich stark", sage ich liebevoll und weiß nicht, ob ich die andere Frau meine oder mein jüngeres Ich. "Wenn das reichen würde, um sicher zu sein, hätte uns beiden niemals jemand wehgetan."

Vermutlich braucht auch sie mehr als nur eine Referenz für ihre Karriere, begreife ich. Sie braucht Liebe und jemanden, der an sie glaubt. Genau wie ich hat sie etwas verloren, was sie für ihren Weg in die Zukunft dringend benötigt.

Stück für Stück erzählen wir einander von unseren Verletzungen, die sich manchmal erschreckend ähneln und sich manchmal ganz anders anfühlen. Wir erzählen von einer Ehe, in der wir Sicherheit gefunden haben, die sich allmählich wie ein Gefängnis anfühlt, über das man hinauswachsen will – doch wenn nachts um drei die Dämonen kommen, brauchen wir unseren Beschützer.

"Ich habe immer noch Angst vor Freund Nummer 3", sage ich leise, nachdem die Kellnerin unsere zweite Cocktailbestellung aufgenommen hat und ich Artemis versprochen habe, dass ich sie als Gegenleistung für ihre Unternehmensberatung einlade. "Es ist neun Jahre her, aber … er hatte so viel Macht über mich. Es war, als ob er das überschrieben hätte, was ich in Wahrheit bin. Ich habe ihm geglaubt, dass meine einzige Aufgabe im Leben darin liegt, seine Wünsche zu erfüllen."

Weil ich devot bin, ergänzt die Stimme in meinem Kopf die schreckliche Wahrheit, die ich selbst heute nicht aussprechen mag. Deswegen konnte er meine Gedanken vergiften. Wenn ich eine normale Frau wäre, wäre ihm das nicht gelungen. Dann wäre ich niemals mit einem Mann zusammengezogen, der mein Nein beim Sex ignoriert, denn dann wäre ich von so etwas nicht zum Höhepunkt gekommen. Ich wäre aufgestanden und zu meinem eigenen Schutz gegangen, statt liegenzubleiben und zumindest in der ersten Zeit wieder und wieder zu kommen.

"Wie bist du von ihm losgekommen?", fragt Artemis mit einer Stimme voller Zärtlichkeit und Liebe. "Wenn du davon erzählen magst."

Ich lache auf. "Das war … Rückblickend ist es lustig, aber damals …"

"Na?"

"Ich hatte Hilfe. Aber es war die Art Hilfe … Na ja. Man könnte es vom Regen in die Traufe nennen."

Mit einem Hauch Selbstironie erzähle ich die Geschichte des charmanten Heteros, der mich unbedingt mit seinem WG-Partner verkuppeln wollte. Der WG-Partner war nämlich bi und hatte sich in den Hetero verliebt. Das bedeutete für ihn eine Menge Stress und er war hochmotiviert, mich in Herz und Bett des Bisexuellen zu treiben. Deswegen erklärte der Hetero sich zu meinem neuen besten Freund und bearbeitete mich Woche für Woche: Eigentlich bist du in deiner Beziehung schon lange nicht mehr glücklich, oder? Vielleicht ist es allmählich an der Zeit, weiterzugehen, auch andere Mütter haben schöne Söhne …

"Er war ganz schön nachdrücklich", spotte ich rückwirkend. "Ich wünschte, ein Mann hätte sich irgendwann so viel Mühe mit mir gegeben, weil er mich um meiner selbst willen wollte und nicht nur, damit ihm sein Mitbewohner nicht mehr auf den Arsch glotzt."

Artemis lacht vergnügt. "Und dann?"

"Schließlich habe ich tatsächlich Schluss gemacht. Allein hätte ich es nicht geschafft, und deswegen werde ich dem Hetero ewig dankbar sein. Er hat dann eine kleine Party geschmissen, um meinen neuen Status als Single zu feiern, und wollte mich dort mit dem Mitbewohner verkuppeln. Der zeigte jedoch kein Interesse, und … Irgendwann … Also, es war eine sehr kleine Party, und sehr viel Alkohol. Irgendwann saß ich auf dem Schoß der Hete und habe mein verpfuschtes Leben beweint, und dann hatten wir Sex, und dann …"

"Moment mal, ich dachte, er hatte eine Freundin?"

"Das stimmt. Die habe ich später auch noch kennengelernt, aber da durfte ich natürlich kein Wort über den Vorfall verlieren."

"Männer." Artemis schüttelt den Kopf.

Die Kellnerin kommt und wir stoßen an. Dann holt Artemis ihren Block heraus und notiert, was wir bisher über mich, meine Marke und mein Unternehmen herausgearbeitet haben. Ich lächele, als sie die Worte "leidenschaftlich", "brennen" und "Regeln brechen" leise vokalisiert. So hätte ich mich selbst nie beschrieben. Tara, die Chefin ihrer eigenen Firma. Die Frau, die leidenschaftlich dafür brennt, mit ihrem Design die Regeln der Welt in Brand zu setzen ...

So sieht sie mich also?
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Ich liege neben Felix im Bett. Es ist mitten in der Nacht, die Zeit, in der die Welt aus Schatten und Herzklopfen besteht. Er hat einen Arm um mich geschlungen und zieht mich an sich, obwohl er vermutlich schläft. Es könnte sich wie Geborgenheit anfühlen, aber es macht mir Unbehagen. Seit Exfreund Nummer 3 fühle ich mich nicht mehr geborgen, wenn mich ein Mann beim Schlafen festhält. Das ist einer der Gründe dafür, dass ich seitdem nur Onenightstands hatte.

Bis zu dieser magischen Nacht am See mit Felix, in der der alte Alptraum von mir abfiel. Seitdem fühle ich mich wieder sicher. Ein Safeword ist ein seltsames kleines Etwas. Ich benutze es nie, aber ich weiß, dass Felix es achtet. Darin liegt Heilung nach den verdrehten Gedanken aus einer anderen Zeit.

Trotzdem ist mir unbehaglich, wenn ich beim Schlafen so festgehalten werde. Ich versuche, mich aus Felix' Umarmung zu lösen und mir meinen eigenen Raum an einer anderen Stelle der Matratze zu suchen. Felix zieht mich zurück und fängt an, mich im Halbschlaf zu streicheln. Die Zärtlichkeit vertreibt das bange Gefühl, gefangen zu sein. Es ist gefährlich, wenn man andere Menschen zu dicht an sich heranlässt, das habe ich gelernt. Aber die Art, wie Felix mich berührt, beherrscht und in Ekstase versetzt, wenn er es darauf anlegt ... Die tut gut. Die heilt etwas anderes in mir, von dem ich vergessen hatte, wie weh es tut.

"Ich habe von dir geträumt", brummt er mir leise ins Ohr.

"Hm?" Ich drehe mich zu ihm und küsse ihn sanft, und die Panik an der Grenze des Halbschlafes verfliegt. Ich bin in Sicherheit, rufe ich mir in Erinnerung. Das hier ist ein anderer Mann als Exfreund 3.

"Wir waren verheiratet, glaube ich." Er streichelt genießerisch über die Stelle, wo meine Taille in meine Hüfte übergeht. "Auf jeden Fall haben wir zusammengelebt, in einem Haus, dass sehr schön war. Wir hatten zwei oder drei Kinder, und ich habe mich jeden Abend unendlich darauf gefreut, nach Hause zu kommen und von euch begrüßt zu werden. Da war so viel Wärme in diesem Bild ..." Er küsst mich sanft hinter das Ohr und verbirgt seine Nase in meinen Haaren.

"Ich wusste nicht, dass du so ein Romantiker bist", sage ich verlegen. Das Bild, von dem er erzählt hat, wärmt mich ebenfalls. Die Vorstellung eines solchen Lebens heilt etwas in mir, von dem ich nicht gewusst hatte, wie zerbrochen es war. Wärme. Geborgenheit. Ein eigenes Zuhause, in dem ich in Sicherheit bin und beschützt werde, in dem ich heil genug bin, dass ich anderen etwas geben kann. Wann hatte ich verlernt, von so etwas zu träumen?

Aus zärtlichem Streicheln wird mehr. Es kommt mir vor, als würde von Felix' Herz ein gewaltiges Wärmefeld ausgehen, das mich einhüllt und mir schon jetzt die Geborgenheit schenkt, von der mir in diesem Bild erzählt hat. Seine Hände setzen mich aufs Neue in Brand, und ich revanchiere mich mit zärtlichem Streicheln und Verwöhnen, solange er mich noch nicht völlig ins Nirvana gekickt hat. Irgendwann, es ist mir schleierhaft, wie es dazu kommen konnte, zwicke ich ihn frech in die Seite, beiße ihn ins Ohr und bin alles in allem so störrisch, dass ihm wohl keine anderen Wahl bleibt, als mir die Hände auf dem Rücken zusammenzuhalten. Wir kabbeln, wir kämpfen, und ich schmiege mich abwechselnd weich wie fließender Honig an ihn und wehre mich dann wieder gegen die aufbrandende Lust. Ihm bleibt offenbar keine andere Wahl, als mich schließlich auf den Bauch zu zwingen und mir erneut den Hintern zu versohlen, und wenn ihm eine Wahl geblieben wäre, hätte ich ihm klar und deutlich signalisiert, was ich davon halte.

Eins führt zum anderen, und als ich erneut völlig erschöpft in seinen Armen zusammenbreche, genieße ich seinen Höhepunkt so sehr wie meinen.

Beim Wegdämmern steigt ebenfalls ein Traumbild in mir auf, vielleicht inspiriert durch seines, wer weiß. Wir stehen barfuß inmitten eines Kornfeldes voller reifer Ähren, der Himmel ist blau und sommerlich schön. Die feuchte Erde liebkost meine Fußsohlen. Ich trage einen langen Rock und meine Haare, er eine Stoffhose und sein Lächeln. Als er mich umarmt und küsst, verwandelt sich unsere Umarmung in einen Lichtbogen, der von der Erde bis in den Himmel reicht.
********lara Frau
5.738 Beiträge
Sehr schön! Wie kann das nur schiefgehen?
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Die Wochen vergehen. Felix und ich schreiben uns kleine Textnachrichten während der Arbeitszeit. Manchmal werden sie länger, beschreiben detailliertere sexuelle Fantasien, Abgründe und Träume. Es sind Dinge, die ich noch nie jemandem offenbart habe und die hier auf ein fasziniertes Gegenüber treffen. Ich wünsche mir, dass wir uns wiedersehen, doch Felix hat nur selten Zeit. Seine Firma fordert viel von ihm, und er muss oft verreisen. Auf meinen Vorschlag, dass ich mir einmal zwei Tage frei nehmen und ihn begleiten könnte, reagiert er ausweichend. Das würde nicht passen, meint er.

Wenn wir uns sehen, ist es so schön wie beim ersten Mal. Er greift Elemente aus den Fantasien auf, die ich ihm geschrieben habe, er verändert sie, formt sie neu und macht daraus das, was ihn selbst am meisten erregt. Und genau dadurch kickt er auch mich ins Nirvana. Bei jedem Treffen freue ich mich schon Tage vorher darauf, ihn endlich wiederzusehen, und es wirkt mehrere Tage nach. Ich fange an, mich gesünder zu ernähren und mache mehr Sport, damit ich bei den seltenen Honigmomenten mit ihm mehr leuchte und er noch mehr lächelt.

Nur eine Frage stelle ich nie. Er braucht noch Zeit, und das weiß ich. Denn auch, wenn er eine eigene Wohnung hat ... Er ist nach wie vor mit seiner Freundin zusammen.

Manchmal braucht man Zeit, um sich wirklich zu einer Entscheidung durchzuringen. Ich weiß noch gut, wie lange ich bei Exfreund Nummer 3 gebraucht habe. Von dem Moment, wo ich wusste, dass ich gehen werde, bis zum ungeplanten Onenightstand mit dem Heteromann sind Monate vergangen.

Trotzdem frage ich mich manchmal, wie lange es wohl noch dauert.

Und als ob er gespürt hätte, dass ich an ihn denke, meldet sich Exfreund Nummer 3 auf meinem Handy. Wie geht es dir?

Ich starre auf die Worte und spüre, wie er erneut nach mir greift. Seine Macht über mich ist nie völlig verschwunden. Ich habe gehorcht, wenn er etwas von mir wollte. Ich habe mich unterworfen. Für eine Sekunde kribbelt meine Pussy beim Gedanken daran. Ich ekele mich und befehle mir mit scharfer Gedankenstimme, dass ich stark bleiben werde.

Danke, tippen meine Finger, ohne dass ich es will. Wie geht es dir?

Ich vermisse dich.

Die Worte machen mich wütend. Wie oft hat er mir gesagt, dass er nicht weiß, ob er mich noch liebt? Wie oft hat er gesagt, dass ich anstrengend bin, eine Last, dass ich froh sein kann, dass er mich genommen hat, denn sonst würde das niemand tun, dass ich ein ...

Ich dich nicht, schreibe ich zurück. Mein Herz rast heftig. Es fühlt sich an wie Gotteslästerung, und ich ertappe mich bei der wilden, freudvollen Erkenntnis, dass in Blasphemie eine ganz eigene, sündhafte und kurze Befriedigung liegt. Direkt danach scheint sich Schmutz auf mich zu legen, aber die Erinnerung an den kurzen Moment der Freude bleibt.

Können wir uns sehen?

Nein, will ich schreiben, aber ich schreibe: Ich weiß es nicht.

Bitte. Und dann, nach einer kurzen Pause: Es gibt einige Dinge, die ich dir während unserer Beziehung nie sagen konnte. Dinge, die ich erst herausgefunden habe, nachdem du gegangen bist.

Das ist zehn Monate her.

Ich habe so lange gebraucht. Und jetzt möchte ich es dir gern sagen. Und mich für ein paar Dinge entschuldigen.


Du hast mich vergewaltigt, will ich schreiben. Ich habe Nein gesagt, aber du hast es trotzdem getan. Du warst stärker, und seitdem kann ich nicht mehr vertrauen. Und jetzt, zehn Monate später, willst du mir erzählen, dass es dir leidtut? Meinst du nicht, dass das ein kleines Bisschen zu spät kommt?

Das kannst du auch am Handy, schreibe ich.

Ich möchte dich sehen.

Wie von ihm und mir erwartet, gebe ich nach. Ein Teil von mir mag es, besiegt zu werden. Ein Teil von mir liebt die Demütigung der Niederlage und das Gefühl, auf diese Weise gewollt und begehrt zu werden. Ich blicke auf mein Handy, aber es gibt keine Nachricht von Felix. Und so mache ich mich drei Tage später auf den Weg zu einem Mittagstreff mit Exfreund Nummer 3. An einem öffentlichen Ort, wie ich es mir gewünscht habe. An einem kleinen Café in der Nähe des Flusses.
*********Mojo Paar
202 Beiträge
Puhhhh
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Es ist 14.30 Uhr vor neun Jahren. Ich habe früher Feierabend gemacht und stehe vor der Behörde, in der Exfreund Nummer 3 arbeitet. Für einen Moment frage ich mich, warum ich es war, die den ganzen Weg durch die Stadt genommen hat, damit er es bequem hat, aber dann beruhige ich mich. Ich hätte gar nicht gewollt, dass er vor meinem Praktikumsplatz auf mich wartet.

Als ich ihn sehe, schnürt sich mein Bauch zu. Rein optisch ist er überhaupt nicht mein Typ. Was hat mich damals bloß zu ihm gezogen? Doch selbst jetzt spüre ich diesen seltsamen Sog. Zurück zu ihm. Er hat mir zwar oft wehgetan, aber manchmal hat er mich auch getröstet. Und irgendwie hatte ich es ja auch so gewollt, sonst wäre ich niemals mit ihm zusammengezogen ...

Es fühlt sich an, als würde sich ein seltsamer Nebel um mich legen. Die Welt wird wieder so dumpf und schwer, wie sie es zwei Jahre lang war, und er ist der einzige Fixpunkt und Halt. Als er mich zur Begrüßung umarmt, bin ich beinah dankbar dafür, dass der Halt zurückkehrt, aber nur beinah.

"Gibt es hier in der Nähe ein Café?", frage ich. Ein öffentlicher Ort, hatte ich geschrieben. Ein Ort, an dem er keine Dummeheiten machen kann und man sich zivilisiert unterhalten kann.

"Ein Café, das ist eigentlich nicht der Ort, an dem ich mit dir reden wollte. Da sind so viele andere Leute."

"Genau deswegen wollte ich das."

"Ich habe etwas aufgeschrieben, was ich dir vorlesen möchte. Einen Brief, gewissermaßen. Der geht niemanden außer dir etwas an."

Wir gehen nicht ins Café. Stattdessen folge ich ihm an den Fluss, wo ein längerer Weg zum Spazierengehen einlädt. Es ist nicht völlig von der Welt abgeschnitten, weil immer mal wieder Spaziergänger vorbeikommen, aber im Wesentlichen sind wir allein. Ich bemühe mich um Small Talk. Erzähle stolz, was ich in der Zwischenzeit erreicht habe. Ich brauche dich nicht, heißt das. Von wegen Verkäuferin bei Lidl! Ich folge meinem eigenen Traum.

Mit jedem Wort scheint mehr Energie zu entweichen und ich fühle mich schwächer. An der ersten Bank sitzen bereits Leute, also gehen wir weiter. An einer Stelle führt ein kleiner Betonsteg ins Wasser, an dem Boote anlegen können. "Lass uns dorthin setzen", sage ich. "Dann kannst du mir diesen blöden Brief vorlesen, den du mir nicht einfach so geben willst." Die Nähe zum Wasser verspricht Heilung und Halt. Sie erinnert mich an eine Januarnacht, die jetzt schon vier Monate zurückliegt.

Als ich sitze, realisiere ich, dass ich mir den Rückweg abgeschnitten habe. Er setzt sich zwischen mich und dem Weg zurück ans feste Land. Scheiße. Aber es ist ein öffentlicher Ort. Er wird mir nichts antun, was ich nicht will. Wenn er mich anfasst, schreie ich laut um Hilfe. Irgendjemand wird mich hören.

Das Vorlesen beginnt. Er erzählt mir, mit sorgfältig gedrechselten Worten, dass er sein ganzes Leben lang nicht genug Liebe bekommen hat und es deswegen unglaublich schwer fand, sich an die Vorstellung zu gewöhnen, dass es auch einmal anders sein konnte. An der Stelle bekomme ich einen vielsagenden Blick. Scheiße. Der meint das ernst. 10 Monate nach der Trennung, und er kommt mit so etwas. Ich durchsuche meine Hosen- und Jackentaschen, doch außer einem zerfaserten, alten Taschentuch finde ich nichts. Also reiße ich ein kleines Stück ab, zerknülle es und werfe es ins Wasser.

Als er die erste der eng beschriebenen Seiten umdreht und mit der Rückseite beginnt, frage ich nach. "Wie viele Seiten sind das insgesamt?"

"Dreieinhalb Bögen." Er fährt fort damit, mir von seiner verqueren Kindheit vorzulesen. Offenbar hat er tatsächlich recht wenig Liebe bekommen, und das ist tatsächlich bedauerlich. Ich reiße ein weiteres Stück vom Taschentuch ab, knülle es zusammen und werfe es ins Wasser.

Es ist das erste Mal überhaupt, dass er mir von damals erzählt. Ich will es nicht hören. Es ist vorbei, vorbei, vorbei! Mein letzter Onenightstand liegt zu lange zurück. Meine Haut erinnert sich nicht mehr an den dreckigen Rausch, in den es mich gestoßen hat, dass ich endlich frei war und mir die Kontrolle über meinen Körper zurückholen konnte. Der Mann neben mir ist wie ein schwarzes Loch. Ich kann ihm nicht mehr helfen. Ich will es nicht. Seine Kindheitsverletzungen werden nicht heil, nur weil ich zulasse, dass er mich beim Schlafen auch dann begrapscht, wenn ich Nein sage.

Schließlich ist er am Ende angekommen. Der Himmel auf Erden wartet auf mich, Verzeihung, auf ihn, wenn ich mein Abenteuer endlich beende und zurück zu ihm komme. Er hat schon eingekauft und wird heute Abend für mich kochen, und er hat sich wirklich geändert. Jetzt weiß er nämlich, dass er mich liebt und mich braucht, und er hofft, dass auch ich ihn liebe und brauche.

Scheiße.

"Du meinst das ernst, ja?", sage ich vorsichtig.

"Ja." Er öffnet die Arme, als ob er darauf wartet, dass ich hineinflüchte. Als ich nicht reagiere, streckt er die Hand aus, um mich zu sich zu ziehen.

"Fass mich nicht an", zische ich und weiche nach hinten, so weit ich kann. "Es ist zu spät, ja? Ich will dich nicht mehr."

"Tara ..."

Es ist furchtbar, dass er immer noch so viel Macht über mich hat. Ein Teil von mir will besiegt werden, aber ich, ich will es nicht! Ich suche nach etwas, um mich daran festzuhalten, was mich davor bewahrt, jetzt nach seiner Hand zu greifen, und ich finde den Traum, in dem Felix und ich barfuß in diesem Kornfeld stehen. Der Himmel ist strahlend blau und die Erde dunkelbraun und fruchtbar. Am Rand dieses Kornfeldes steht ein Haus, in dem wir eine Familie gründen werden. Denn Felix und ich, wir passen zusammen. Sexuell und auch sonst. So gut, wie ich noch nie mit einem Mann zusammengepasst habe.

"Es geht nicht mehr", sage ich entschlossen. Wenn ich jetzt nachgebe, wenn ich mich jetzt unterwerfe und besiegen lasse, dann zerstöre ich damit das Bild von Felix und mir. Es wird nicht mehr entstehen, kein Teil der Wirklichkeit werden, aber das muss es. Ich brauche diese Zukunft, in der ich mich sicher fühle und wachsen kann.

"Sag wenigstens, dass du darüber nachdenken wirst", bittet er.

"Nein", sage ich leise, und eine Träne läuft kalt über meine Wange bei der Erinnerung daran, wie wenig wert dieses Wort immer für ihn besessen hat. "Es geht nicht mehr, verstehst du? Ich habe jemand anders kennengelernt. Er und ich ... Das ist vom Schicksal so bestimmt. Seine und meine Seele ... Wir gehören zusammen. Das wurde ... irgendwo da oben entschieden. Bei Wasser und Vollmond und Kornfeld, verstehst du? Das ist der Mann, für den ich geschaffen wurde. Und deswegen ..." Ich hole tief Luft. "Selbst, wenn du und ich jetzt noch zusammen wären ... Dann müsste ich jetzt Schluss machen. Für diesen Mann. Wir gehören zueinander. Ich liebe ihn, wie ich noch nie jemanden geliebt habe, und er mich umgekehrt genauso. Dazwischen ist kein Platz für irgendjemand anders. Auch nicht für ..." Ich gucke sehr streng. "Für dich."

Die Entschlossenheit in meinem Blick ist neu. Exfreund Nummer 3 scheint das ähnlich zu sehen. Er redet weiter, er versucht es erneut, aber die seltsame Macht, die er so lange über mich hatte, ist gebrochen. Felix beschützt mich auch dann, wenn er nicht da ist.

Wir stehen auf und gehen den Weg zurück in Richtung seiner Behörde. Er versucht, beim Gehen immer wieder vorsichtigen Körperkontakt zu mir aufzunehmen, aber ich weiche zurück. Felix und ich sind vom Schicksal füreinander bestimmt, wiederhole ich in Gedanken. Er und ich, wir gehören zusammen. Ich bin endlich in Sicherheit.

"Hör auf, mich so anzustarren", sage ich zu Exfreund Nummer 3. "Ich bin kein Teller Spagetti. Lass mich endlich in Ruhe!"

Und dann verlagere ich mein Gewicht auf die Zehenspitzen, renne los und halte erst dann inne, als ich total verschwitzt und außer Atem die Haltestelle der Straßenbahn erreicht habe.
*****t38 Mann
36 Beiträge
Sehr schön... prima gemacht, Tara! *bravo*
*****t72 Frau
85 Beiträge
Die Macht eines Momentes, eines Traumes oder einer Erinnerung die einen trägt. Das ist etwas sehr wertvolles.
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Manchmal ist das Spiel mit der Zeit wie ein Vergrößerungsglas, das unerwartete Dinge in den Fokus rückt und andere in den Hintergrund treten lässt. In dieser Geschichte stimmt ein Detail nicht, würde Artemis sagen, und mich mit diesem aufmerksamen Blick ansehen, den keine Frau so gut kann wie sie. Es liegt etwas Hypnotisches in diesem Blick, was mir nie erlaubt, mich hinter bequeme Wahrheiten und gewohnte Denkmuster zurückzuziehen. Artemis gibt sich nie mit weniger als meinem vollen Potenzial zufrieden. Es hat einen Grund, dass ich diese Frau gleichzeitig hasse und liebe.

Worum geht es wirklich, würde sie sagen. Was ist das zentrale Problem, das wir lösen wollen?

Ich zupfe an meinen Fäden, unterdrücke die aufkeimende Hilflosigkeit, das Gefühl von Schmutz und die diffuse Sorge, mich in verbotene Gefilde zu wagen. Es war immer tabu, devot zu sein, als Teenager, als junge Frau, auch später in meiner Ehe. Mein Mann mag es, wenn ich führe und die Kontrolle habe, zumindest im Schlafzimmer. Beruflich dagegen käme er damit klar, der Hauptverdiener zu sein, hat er mal gesagt. Vor allem, wenn mich das glücklich mache und ich dann mehr Zeit habe, um unser Heim in einen sauberen Ort zu verwandeln und das Essen nicht immer erst spät abends fertig ist. Ich habe genickt, aber mein Bauch hat sich zusammengezogen.

Mein Mann sieht mich nicht als Unternehmerin, das ist leider so. Ich bin zu verspielt, hat er gesagt. Selbstständigkeit bedeute harte Arbeit, keine vergnügten Reisen quer durch das Land, kreative Selbstverwirklichung und Partys mit coolen Leuten bei Sekt, hipper Mode, albernem Gekicher und genialen Ideen. Ich würde gern mit dem Fuß aufstampfen und ausrasten, weil er an meinem großen Traum zweifelt, aber ob er mich dann ernster nimmt?

Devot, wiederhole ich das böse Wort, das mir so viel Kummer gebracht hat. Exfreund Nummer drei. Und Felix. Das waren die einzigen beiden Männer, bei denen ...

Moment.

Ist dieser wilde, süße Rausch, den ich in den verzauberten Nächten mit Felix erlebt habe, wenn ich in seine sadistischen Fantasien gefallen bin, um zu fliegen und nach den Sternen zu greifen, die selbstverständlich nur leuchten, um mich als erwachende Unternehmerin in Flammen aufgeben zu lassen, damit ich meinen Traum leben kann ... Sind diese Sterne der Schlüssel zu meiner Karriere? Beinah kommt es mir vor, als ob dort das Feuer brennt, dass ich brauche, um den Antrag auf Gründungszuschuss auszufüllen und die Lücken im dreimal verfickten Businessplan zu füllen.

Es gibt einen Unterschied, begreife ich, auch wenn ich ihn noch nicht ganz habe. Es sind zwei verschiedene Fäden, die an verschiedene Stellen in meinem Webstuhl gehören, von denen ich nur einen durchschneiden möchte. War die Hingabe an Felix wirklich dasselbe Gefühl wie das freiwillige Ausliefern an Exfreund Nummer drei, vor dessen Macht über die verdrehten Regionen meines Gehirns ich mich heute noch fürchte?
********lara Frau
5.738 Beiträge
Schreiben ist wie Lesen - therapeutisch ...😇
*******olf Mann
50 Beiträge
sensationell - danke, dass ich das hier lesen darf - abgesehen vom perfekten Schreibstil für mich auch psychologisch (zumindest in meiner kleinen Welt) ein Meisterwerk
*******olf Mann
50 Beiträge
Einen kleinen Gedanken möchte ich beisteuern und mich damit an alle (vermeintlich?!) dominanten Männer richten. "Ein Orgasmus wiegt kein "Nein" auf" !
Ich fürchte, diese Botschaft ist zu einfach für den Tiefgang der Geschichte der Harfenspielerin, aber vielleicht eine der vielen Essenzen, die sich aus ihrer Geschichte ziehen lassen. Wie oft denke dominate Männer "sie ist doch gekommen, ist doch alles gut?! Ich hab doch eine prima Job gemacht?!" Aber wer so denkt, sollte innehalten und überlegen, ob es nur Mechanik war ...
Wie gesagt, nur ein kleiner Gedanke vor dem Hintergrund der Ausführungen über "Mann 3" ...
Gleichwohl, nochmals danke für die Teilhabe und Alles Gute
****h18 Frau
2.274 Beiträge
*danke*, liebe Hafenspielerin, dass du uns daran teilhaben lässt.

Ist es nicht öfters so, dass Leute, die im Berufsleben erfolgreich sind und Führungspositionen haben, im Sexleben eher devot sind und anders herum? Ein Ausgleich um vielleicht das Gleichgewicht wieder herzustellen *gruebel*

Also daher bist du nicht alleine und es ist nicht so ungewöhnlich *top2*
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Ich bin 25, und mir gefällt es, wie ich mich bei Felix fühle. Ich mag ihn. Den Duft seiner Haut und das Gefühl, in ihm zu ertrinken. Ich könnte nicht sagen, warum ich ihm so tief vertraue, aber es ist so. Alles an ihm und mir ist richtig.

Wir können uns nicht so oft sehen, wie ich gern würde. Das macht mich traurig. Ich möchte ihm nicht davon erzählen, denn die Momente, wo wir beieinander sind, sind selten und kostbar. Sie gehören zelebriert wie kostbarer Wein. Sie mit Ängsten und Sorgen zu belasten erscheint mir falsch, nicht zuletzt, weil sämtliche Zweifel immer wieder verfliegen, sobald er mich auf diese liebevolle Weise anschaut und ich in seine Arme flüchte.

Wenn wir uns nicht sehen können, schreiben wir miteinander. Das liebe ich. Wir erzählen uns von Ideen und von Fantasien, von Lust und Schmerz, wir träumen von gemeinsamen Reisen und immer wieder auch vom Zusammenleben. Wie es wohl wäre, wenn wir dann ein Bett hätten, auf dem man jemanden die ganze Nacht gefesselt liegen haben kann, bereit zum Schmusen, geborgen und verletzlich, geliebt und wunderschön?

Es gibt viele Dinge, von denen wir in dieser Zeit träumen.

Allmählich entwickelt sich ein neues Spiel zwischen uns. Angefangen hat es mit einem Vorschlag von mir. Welche Unterwäsche soll ich heute tragen? Die schwarze oder die rote?

Ich würde es toll finden, wenn du heute ein kleines Band um deinen Handgelenk knotest, schreibt mir Felix ein paar Tage später. Nur an eines, damit es asymmetrisch ist. Nicht zu eng, es soll nicht einschnüren, nur so, dass du es spürst. Den ganzen Tag durch, und damit du immer wieder an mich denkst. Und wenn du es gerade mal wieder bemerkst, dann schreib mir darüber.

An diesem Tag brenne ich, ich hasse es, ich liebe ihn, und abends bitte ich ihn das erste Mal überhaupt darum, dass ich kommen darf, anstatt die Frage danach mit mir allein auszumachen. Eigentlich ist mein Handgelenk nicht sonderlich erotisch, aber dieses Band ... Da geht es nicht mehr um Lust, wie ich sie früher kannte. Es geht um Kontrolle, und sie schmeckt aufregend, süß und unendlich richtig.

Ganz langsam, ganz fließend, bekommt unser Miteinander eine neue Komponente. Ich bin bereit für ihn, ganz egal, was sonst in meinem Leben los ist. Ich sitze im Büro? Trotzdem gehöre ich ihm, und das gefällt mir. Ich fahre Straßenbahn? Ich bin gleichzeitig sein Eigentum, und das ist gut so. Hausarbeit, Einkauf, Haare kämmen? Alles Teil davon. Das, was ich bin, wird schöner, wird wertvoller, wird reiner und klarer, weil ich ihm gehöre. Weil er jederzeit die Möglichkeit hat, auf diese ganz sanfte und verspielte Weise, die so tief knallt, Kontrolle über mich auszuüben.

Es geht auch für ihn unglaublich tief, sagt er mir. So, wie er für mich fühlt, hat er noch nie zuvor für eine andere Frau empfunden.
*******ant Frau
25.230 Beiträge
Mir ist der Thread völlig entschlüpft! 😱
Viel nachzulesen heute Abend.
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Vielleicht wird es allmählich Zeit für Klarheit. Felix' Freundin wird spüren, dass etwas zwischen ihnen nicht stimmt, und das wird auch ihr Leben allmählich in einen Alptraum verwandeln. Inzwischen ist es Juni, und er hat mir schon im Januar erzählt, dass er über eine Trennung nachdenkt. Damals, als ich ihm angeboten habe, unsere erste Begegnung als Casual Onenightstand abzuhaken und diskret zu sein. Er empfindet etwas für mich, was er noch nie bei einer anderen Frau empfunden hat, sagt er. Mir geht es ähnlich. Es geht tiefer als Liebe. Er validiert meine Existenz als devote Frau und macht mich auf eine Weise richtig, wie ich es nie zuvor war.

Wenn ich mir überlege, wie schlimm es sich immer angefühlt hat, neben einem Mann im Bett zu liegen, den ich nicht mehr liebte, während ich gleichzeitig noch nicht so weit war, mir selbst gegenüber die Notwendigkeit zu einer Trennung anzuerkennen und auszusprechen ...

Vielleicht ist Felix in einer ähnlichen Situation und braucht jemanden zum Reden, der ihm dabei hilft, die Gedanken zu sortieren? Ich hatte damals den Hetero-Mann mit dem bisexuellen Mitbewohner, der mir dabei geholfen hat, Klarheit zu finden. Felix hat vielleicht niemanden. Diese Sache mit der Sexualität zwischen uns, dieses verwirrende Machtgefälle, was sich mehr und mehr in den Alltag schiebt, das ist kein einfaches Thema. Ich habe schließlich auch niemanden außer ihm, mit dem ich darüber reden kann.

"Wie geht es dir im Moment so?", eröffne ich vorsichtig das Gespräch.

Felix verschränkt zufrieden die Arme im Nacken und räkelt sich in den Kissen. "Ausgesprochen gut."

Ich lache und ziehe die Decke so hoch, dass sie mir bis zum Hals reicht. "Okay, die Frage war blöd gestellt."

"Wie hast du sie gemeint?"

"Insgesamt." Ich zögere. "Dein Leben. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Wie fühlst du dich damit?"

Er stupst mich gegen die Nase und lächelt mit dieser Mischung aus Wärme und Faszination, die ich so liebe. Dann wickelt er eine Strähne meiner Haare um seinen Finger und zieht sanft daran. "Du stellst ganz schön schwere Fragen, Tara!"

Ich erschauere wegen dem Gefühl, auf diese Weise festgehalten zu werden, und stupse ihn gegen die Nase. "Was für ein Glück ich habe, dass du mir dann auch ganz schön schwere Antworten gibst, mein Herr und Gebieter!"

Er lacht und zieht meinen Kopf an der Haarsträhne ganz leicht zu sich, lockert den Griff, ohne mich ganz freizugeben. "Mein Leben ... Da muss ich etwas überlegen. Aber die Antwort lautet vermutlich ebenfalls 'ausgesprochen gut', verstehst du? Ich lebe meinen Traum. Ich stehe mit dreißig da, wo andere ihr ganzes Leben nicht hinkommen, an der Spitze einer eigenen Firma, und nächste Woche kaufe ich mir endlich ein neues Auto. Ein Cabrio mit einer mitternachtsblauen Lackierung. Sonderanfertigung."

Er erzählt weiter, von der Konkurrenz, die er neulich bei einem wichtigen Deal ausgestochen hat; davon, wie sein Vater nie an ihn geglaubt hat und jetzt machen muss, was Felix sagt; von einem Mitarbeiter, der ein Waschlappen sei, bei dem es ihn nicht wundert, dass ihn kürzlich die Partnerin betrogen hat, wovon der ihm mit Tränen in den Augen erzählt hat ... Das letzte lässt er klingen wie etwas sehr Lustiges, und ich lache tatsächlich, weil ... weil ... Ich weiß nicht, warum ich mitlache, aber Felix scheint es lustig zu finden, dass der andere Mann so ein Lappen ist und er selbst nicht.

"Deswegen bin ich mit meinem Leben zufrieden, verstehst du, Tara?" Er wickelt die Haarsträhne ein weiteres Mal um den Zeigefinger und erhöht den Zug. Es schmerzt und ich leiste nur leichten Widerstand, komme näher und bleibe in der Position, in der er mich küssen kann, wenn er dazu bereit ist. Zwinge meine Mundwinkel nach oben, auch wenn etwas in meinem Bauch rumort und Widerstand leisten will.

Seine Freundin. Von der hat er nicht erzählt, nicht mal in einem Nebensatz. Ist sie so unwichtig?

Ich greife nach meinen Haaren, löse sie von seinem Finger, kreise mit den Schultern und halte die Hand vor den Mund, als ob ich gähnen müsse. Dann gähne ich tatsächlich, bis ich meine Gesichtszüge wieder unter Kontrolle habe. Seine Erzählung war nicht das, was ich erwartet habe. Seit Monaten kämpft er schon damit, wie er seiner künftigen Exfreundin sagen wird, dass er sich von ihr trennt.

Müsste er nicht allmählich ein Nervenbündel sein, genau wie ich?
*********Mojo Paar
202 Beiträge
Wie schon in der vorherigen Posts kündigt sich an, was leider in vielen (Neben)Beziehungen der Fall ist.
Felix ist nicht bereit auf den Komfort seiner Hauptbeziehung zu verzichten und nimmt die "Zweitbeziehung" mit, so lange es geht. Ich könnte das Buch zu Ende schreiben 😉
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
--- Klick ---

Ich bin 25, und bis eben habe ich gedacht, dass ich bei Felix in Sicherheit bin.

Er hätte am Anfang nicht lügen müssen, sage ich mir höchst erstaunt. Ich hatte doch gesagt, dass ich mit einem One-Night-Stand einverstanden wäre. Und ich weiß, weil man es mir erzählt hat, dass er und seine Freundin eine offene Beziehung haben. Ich habe direkt nach dem ersten Sex gesagt, dass ich unter solchen Umständen durchaus an einer Wiederholung interessiert wäre.

Warum hätte er mir unter solchen Umständen erzählen sollen, dass er seine Freundin nicht mehr liebt und bald mit ihr Schluss machen will?

Es ist nicht logisch, wiederhole ich immer wieder. Wenn er den Sex mit mir mochte ... Ich wäre doch bereit dafür gewesen, es auf einer solchen Ebene zu halten! Das hatte ich doch direkt nach unserem ersten Mal kommuniziert. Auf diese Weise wäre es sogar noch bequemer für ihn gewesen. Kein späterer Ärger wegen Emotionen, wegen Beziehung, wegen irgendetwas ... einfach regelmäßige Treffen mit höllisch gutem Sex, der sich anfühlt, wie nach Hause kommen. Klartext erleichtert das Miteinander für alle Beteiligten.

Wenn er mit seiner Freundin gar nicht Schluss machen will ... Warum hat er mir dann so etwas erzählt?

Er ist doch immer der faire Typ gewesen, der auf mein Safeword achtet und bei dem ich in Sicherheit bin ...

--- Klick ---

Ich bin 34, und Artemis überprüft meinen Businessplan. "Schon viel besser", lobt sie mich. "Es gibt ein paar Stellen, an denen ist es noch diffus, schau her, ich habe sie dir angemarkert."

"Kein Wunder, dass sie diffus sind, ich weiß da selbst noch nicht so genau, wie es laufen soll." Ich zwinkere.

Sie berät mich und wir arbeiten eine Dreiviertelstunde sehr konzentriert an meinem Dokument. Dann seufze ich. "Mehr kriege ich heute nicht in meinen Kopf rein. Gibt es jetzt stattdessen etwas, wo ich dir beistehen kann?"

Artemis erzählt mir von etwas, was sie 'kalte Empathie' nennt. Unser Gespräch fühlt sich an wie eines, das ihre Mutter mit ihrer Nachbarin geführt haben könnte, und mich erschüttert die Erkenntnis, dass die Erwachsenen auch nicht alles wissen. Kalte Empathie ist etwas, was manche Menschen haben, erklärt sie mir, eine Gehirnstörung. Anders als bei Autismus sind diese Menschen durchaus in der Lage, die Emotionen ihres Gegenübers zu lesen, zu deuten und darauf einzugehen.

Das, was diese Leute von Menschen wie Artemis und mir unterscheidet, ist irgendein anderer kleiner Schalter. Offenbar fühlen sie nicht auf die gleiche Weise mit. Schmerz beim Gegenüber berührt sie nicht. Und deswegen gibt es für sie auch keinen Grund, ihn zu verhindern.

"Hat Felix mich deswegen damals angelogen?", frage ich. Meine Zähne schlagen plötzlich aufeinander, obwohl mir gar nicht kalt ist. Ich kann die Frage einfach nicht vergessen, warum er mir in der Anfangszeit so viel von Liebe erzählt hat, von gemeinsamer Zukunft, obwohl ich doch bereit für Casual Sex gewesen wäre. Klartext wäre so viel fairer gewesen und hätte so viel Schmerz verhindert.

"Du wärst bereit dazu gewesen, mag sein", sagt Artemis mit ihrem strengen, prüfenden Blick. "Aber war es auch das, was du wolltest?"

Ich presse meine Kiefer aufeinander, damit die Zähne nicht aufeinanderschlagen.

"Hast du nicht gesagt, dass er dich besser lesen konnte als du selbst?"

--- Klick ---

Ich bin 25, und dieses Mal führe ich das Gespräch mit Felix, bevor ich ihm an die Wäsche gehen werde. Ganz egal, was über mich hereinbrechen wird, wenn er fort ist - und ich habe wirklich Angst vor Exfreund Nummer 3 -, ich will es wissen.

Ich ertrage die Vorstellung nicht, dass ich nie wieder Sex von der Sorte haben werde, die mich wirklich befriedigt zurücklässt, so sehr, dass ich es noch Tage später fühle.

Ganz abgesehen von der Frage, ob es mit einem anderen Mann so sein könnte wie mit Felix. Inzwischen habe ich im Netz ein wenig mehr recherchiert, und diese leisen Alltagselemente ... diese Vorgaben, welche Unterwäsche ich tragen soll, welche Frisur, all diese verträumten Verliebtheiten, die meinen Alltag durchziehen ... Welcher andere Mann würde so etwas wollen? In welchem Universum könnte ein Platz für die Frau existieren, die ich bin, wenn Felix ...

Wenn ...

"Wie läuft es aktuell mit dir und deiner Freundin?", frage ich. Ich hebe mein Kinn, als würde ich die Stufen zur Guillotine emporschreiten.

Und tatsächlich läuft es nicht gut, wie er mir erklärt, gar nicht gut. Ich muss sehr genau hinschauen, um den Moment zu erwischen, an dem sein Gesicht von zufriedener Gelassenheit zu einem Zustand der unruhigen Besorgtheit umschlägt. Wenn ich geblinzelt hätte, hätte ich den Augenblick übersehen, in dem er prüfend zu mir blickt, ob mein Gesicht seine neu eingeschaltete Mimik in angemessener Weise spiegelt.

Tatsächlich seien er und seine Freundin aktuell zusehends voneinander entfremdet, erklärt er mir. Sie übernachten kaum noch beieinander, und wenn, dann laufe da nichts mehr. Aber vor einigen Monaten hätten sie sich einen gemeinsamen Hund gekauft, und er befürchte, wenn er jetzt Schluss mache, dann würde er den Kleinen nicht mehr sehen, und der sei im Moment doch der hellste und wichtigste Lichtblick in seinem Leben, ohne ihn wäre alles nur noch stupider Leistungsdruck ...

Etwas in Felix' Blick verhindert, dass ich danach frage, wie es mit der Bereitschaft der Freundin zu einem geteilten Sorgerecht für den Hund aussähe, wenn ich mich in Geduld übe und er die Trennung erst in einem oder zwei Monaten ausspräche.

Da in meinem Blick offenbar nicht genug Hundeliebe liegt - ich bin Katzenmensch -, fährt Felix fort damit, mir sein beklagenswertes Schicksal zu schildern. Der Vater seiner Freundin habe eine nicht unbeträchtliche Menge Geld als zinslosen Kredit in Felix' Firma investiert, und aktuell laufen die Geschäfte nicht gut genug, dass er ihm das Geld sofort vollständig zurückzahlen könne.

Auch hier verhindert etwas in seinem Blick, dass ich die naheliegendste Frage der Welt stelle: Um was für eine Summe handelt es sich, und wie lange wirst du für die Teilzahlungen brauchen, damit ich weiß, wie lange ich noch auf Fairness, Ehrlichkeit und den offiziellen Status als Partnerin warten muss?

Ein dumpfes Gefühl breitet sich in mir aus, das mich an andere Gespräche mit Exfreund Nummer 3 erinnert. Alles verwandelt sich in Nebel. Ich weiß nicht länger, wie sich der Mond und das Januarwasser angefühlt haben, bei denen ich an Felix' Seite nach Reinigung und Wiedergeburt suchte. Alles, was Felix sagt, klingt so vollkommen logisch, zumindest ist es das, was sein Blick behauptet, mit diesem Hauch von Dominanz und Herrschaft, auf den ich so reagiere. Ganz offenbar liegt ein Wahrnehmungsfehler vor, und der Fehler liegt ausschließlich bei mir.

--- Klick ---
******ter Mann
1.190 Beiträge
Der letzte Satz ist essentiell.

Tara neigt dazu ihre Partner zu idealisierten. Sie extrapoliert einzelne Situationen und erschafft sich ein illusionäres Bild eines Partners in den sie sich verliebt. Nur leider kann die Realität einem solchen Ideal nie auf Dauer standhalten.
Solange das Ideal besteht fällt dann auch die Trennung schwer, denn müsste durch die Selbsttäuschung ja vom perfekten Partner erfolgen.
Die Ent-Täuschung anzunehmen um die Illusion zu brechen ist aber ebenso schwer, da man sich dafür seine Selbsttäuschung eingestehen muss.

Was hilft? Mein Weg ist ein stärkerer Fokus auf sich selbst (der dann auch bei Businessplänen hilft), dann hat man ein fiktives Ideal nicht mehr nötig, sondern kann die Menschen im eigenen Leben annehmen, respektieren und lieben wie sie wirklich sind.
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Wenn ich heute an damals zurückdenke ... Dann fühle ich den Grusel, den ich mir damals nicht eingestehen konnte. Worte, die beinah stimmten, aber nicht ganz. Eine Wahrheit, die unter der Oberfläche brodelte, die schwarz und schmierig und widerlich schmeckte und sich mit Widerhaken in meinen Haaren verfangen wollte, die an diesem Tag nicht mehr auf dem Kissen ausgebreitet wurden.

Und auch nicht am Tag danach.

Vielleicht solltest du dir erst mal ein wenig Zeit nehmen, habe ich zu Felix gesagt, in diesem Moment, in dem ich begriff, dass seine Worte nicht stimmten, dass man in seinem Gesicht die Lüge erkannte, wenn man genau genug hinsah. Um zu sortieren, was du wirklich möchtest.

Vielleicht eine gute Idee, hat er gesagt. In seinem Blick lag etwas Prüfendes. Irgendwie wussten wir beide, dass in Wahrheit ich es war, die prüfen musste, wozu sie noch bereit war.

Warum, wollte ich fragen, und ich will es heute noch. Warum hast du nicht von Anfang an gesagt, dass es um eine Nebenbeziehung geht? Dass du jemanden für schöne Stunden suchst, um zu träumen, zu fliegen und der Realität für eine Weile zu entkommen?

Es gibt unendlich viele Arten, mit jemandem verbunden zu sein. Ich habe viele davon erlebt, vor ihm, nach ihm, und alle waren schön. Na ja, zumindest der Teil ohne Exfreund Nummer 3. Ich war Nebenbeziehung und Hauptbeziehung, und es hat immer gestimmt, wenn es ehrlich war und alle davon wussten.

Warum hast du dieses hässliche Spiel mit mir gespielt?

Denn es war ein Spiel, das weiß ich heute. Seine Freundin und er hatten tatsächlich eine offene Beziehung, aber die bezog sich nur auf SM ohne Sex. Und nur mit Jessy, die ich an jenem ersten Abend in der Disco gesehen habe, die eine Freundin seiner Freundin war und von ihr als vertrauenswürdig eingestuft wurde. Parallel zu mir gab es übrigens eine vierte Frau, habe ich später erfahren, die ebenfalls in dem Glauben lebte, dass Felix seine Freundin bald verlassen und sie zur festen Partnerin machen würde, und die meiner Ansicht nach genau wie ich unsichtbar und schweigend litt ...

ich würde gern sagen, dass ich Schluss gemacht habe. In diesem Augenblick in meinem Lieblingsclub, in dem ich sein Gesicht sah, in dem die Emotionen erst mit Verzögerung einsetzten, in dem Felix mit der niedlichen Hundegeschichte erst mein Herz überzeugen wollte und dann mit dem angeblichen Kredit meinen Verstand. Alles, was weiter unten lokalisiert war, kontrollierte er ohnehin. Unser Machtgefälle war Teil dieses Blickaustauschs, das wusste er so gut wie ich.

Ich würde gern behaupten, dass ich nur deswegen für vier lange Monate an seine Lüge geglaubt habe, weil durch die Zeit mit Exfreund Nummer 3 etwas in mir zerbrochen war und ich keinen Selbstwert mehr besaß. Vielleicht war das, was mich zu Felix gezogen hat, nicht die gesunde Resonanz zwischen Dominanz und Devotion, sondern etwas, was sich für eine devote Frau entsetzlich ähnlich anfühlen kann, wenn sie halb verhungert ist. Raubtiere greifen oft nach dem schwächsten Tier einer Herde.

Aber die Wahrheit ist, dass ich ihn schon beim allerersten Date durchschaut hatte. In jenem Augenblick, in dem er mir in seinem edel ausgeleuchteten Restaurant von den zwei degenerierten Orden erzählte, die auf die Hohepriesterinnen im antiken Ägypten zurückgingen. Zwei mysteriöse Kulte, die hinter den Kulissen unsere Politik und Wirtschaft beeinflussen, während sie erbittert mit allen Mitteln um die Vorherrschaft kämpfen. Schon klar, Süßer, hätte ich normalerweise gesagt. Stattdessen habe ich nach Felix' Hand gegriffen und ihm einen hingebungsvollen Schlafzimmerblick zugeworfen, weil ich wusste: Wenn er noch mehr solcher Dinge erzählt, kann ich mich ihm nicht länger unterwerfen.

In diesem Augenblick wusste ich, dass ich brennen wollte, ganz egal, welchen Preis ich dafür zahlen würde. Weil es richtig war. Weil es etwas war, was ich nie zuvor gefühlt hatte, diese Mischung aus Schmerz, süßer Hingabe und Demütigung.

Ich bin devot.

Manchmal hasse ich diese Welt, in der man Mitleid immer nur mit den Starken hat.
********lara Frau
5.738 Beiträge
Ich verfolge gespannt und fühle mit. Oft ist alles so offensichtlich, und doch weigert man sich, es zu sehen.
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Ich würde gern um Felix trauern, doch ohne Schlusspunkt geht das nicht. Und ich sehe ihn jedes Wochenende in meinem Stammclub zum Party machen.

Es ist ein Spiel geworden, zwischen ihm und mir. Ein Spiel um die Macht und die Kontrolle über die Situation. Früher oder später, sagt sein Blick jedes Mal, werde ich mich hingeben. Dieser Moment wird für ihn genauso lustvoll sein wie für mich. Wir wissen schließlich, wie heftig mein Körper reagiert, wenn mein Stolz versagt und ich besiegt vor Felix auf die Knie sinke.

Manchmal ist mir schlecht vor Angst bei der Vorstellung, mich zu unterwerfen, ohne dass er mich liebt. Wenn ich auf diese Weise meine Würde verliere, gibt es kein Zurück mehr in die Zeit vor dem Machtgefälle. Dann gehöre ich Felix und er bestimmt die Regeln, ganz egal, wie unfair sie sind.

Doch noch kämpfe ich. Jeder Tag, jede Minute, in der ich Felix keine Nachricht schicke, ist ein Sieg. Jedes Mal, wenn ich beim Masturbieren Pornos schaue, statt an ihn zu denken, ist es ein Sieg. Es ist auch dann ein Sieg, wenn ich Inliner fahre, ein neues Kleid nähe, Freund:innen treffe, Fenster putze oder Sit-ups trainiere. Es ist sogar ein Sieg, wenn ich stundenlang Youtube-Videos glotze, die mich nicht interessieren.

Jeder neue Tag erhöht die erotische Spannung der Niederlage, die auf mich wartet.

Erinnert ihr euch noch an den Hetero-Mann mit dem bisexuellen Mitbewohner?

Nachdem ich wegen unseres Onenightstands die Klappe gehalten habe, sind wir auf seltsame Weise Freunde geworden. Er weiß, dass ich Liebeskummer habe, auch wenn ich ihm die beschämenden Einzelheiten verschwiegen habe. Vermutlich plagt ihn manchmal das schlechte Gewissen, weil ich aufgrund seiner Initiative mit Exfreund Nummer 3 Schluss gemacht habe (wenn er wüsste!), jedenfalls lädt er mich zu seiner Geburtstagsparty ein, damit ich auf andere Gedanken komme. Ich sage zu und frage nach den Einzelheiten.

Mein Buddy hat zusammen mit einem anderen Freund ein Jugendzentrum gemietet. Einer aus der Clique wird DJ sein, ein anderer Cocktails mixen. Das Motto lautet: Rotlicht in Las Vegas. Neben einer Poledancestange wird es auch Poker und einen Roulette-Tisch geben.

Ich bin schwer begeistert und überlege mir bereits ein Kostüm. "Wer wird noch kommen?"

Unter den geladenen Gästen sind einige, die ich kenne. Bei einem Namen zucke ich zusammen und hoffe, dass mein Buddy es nicht bemerkt.

"Felix? Der mit den blonden Haaren?"

"Ja. Ihr kennt euch?"

In diesem Augenblick zuckt ein süßer Blitz durch mich hindurch und ich weiß, dass ich verlieren werde.
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Mein Outfit wird eine Mischung aus Catwoman und Mad Max.

Ich ziehe zwei zerrissene Strumpfhosen übereinander und male mit der Wimperntuschenbürste etwas darauf, was Leopardenflecken sein könnten. Dazu eine Shorts, eine Weste und darunter einen BH. Mit Wasser, Wimperntusche und Eyliner konzipiere ich weitere Leopardenflecken für Bauch und Dekolletée. Das ist nicht wirklich Las Vegas, aber es ist wild und sexy und ich mag mich damit. Ein Lederjäckchen im Eighties-Style, toupierte Sturmfrisur und heftiges Make-up runden das Outfit ab. Nein, nicht ganz: Ich ziehe die brutalsten Heels an, die ich besitze, und arbeite einen Haarreif mit Katzenohren in die Frisur ein. Jetzt bin ich bereit.

Die Bekannten, die mich abholen, bejubeln mein Outfit. Die beiden Jungs tragen schwarze Hosen mit Lackschuhen, Hemd und Krawatte, was langweilig wäre, wenn sie dazu nicht noch Hüte aufgesetzt hätten. Ihre Freundinnen tragen ein knallkurzes Glitzerkleid und einen Body mit Overknee-Stiefeln unter einem langen Mantel.

Das hier wird keine Geburtstagsparty wie jede andere ...

Ich glühe und habe das Gefühl, dass ich die Blicke der anderen physisch spüre und greifen kann. Wild und frei und verwegen. Kein Halsband, obwohl ich darüber nachgedacht hatte. Spielt mit mir. Versucht, mich einzufangen, wenn ihr mich haben wollt. Ich gehöre niemandem, nur mir selbst. Und dem Mann, der am Ende würdig ist und dem es gelingt, mich zu zähmen und einzufangen.

Ich greife nach der Flasche, die man mir auf der Rückbank reicht. Als wir das Ziel erreichen, sind wir bereits in bester Stimmung und lassen uns vom Türsteher einige Croupons für den Roulette-Tisch in die Hand drücken. Erst mal Cocktails sichten! Und Ambiente, Atmosphäre, mein Gott, was für coole Outfits die alle haben, da hängt ja schon jemand an der Pole, und haben die allen Ernstes im Zimmer neben dem Pokertisch ein Separee mit Seilen, Sexspielzeug und Gerte eingerichtet, das nur durch einen Vorhang von der Runde am Kartentisch getrennt ist?

Schließlich sehe ich ihn. Etwas platzt in meinem Herz und verteilt sich warm unter meinen Rippen. Zwischen meinen Beinen wird es glitschig. Ich bilde mir ein, die Blicke aller Menschen im Raum auf mich zu spüren, wie ich hier stehe, wild, frei, sexy und bereit, meinen Geliebten zu empfangen. Ich trinke seine Silhouette hungrig in mich hinein. Alles an ihm sieht so richtig aus. Die Art, wie er steht, wie er die Hand hält, wie er ...

Neben ihm steht eine andere Frau. Sie legt die Hand auf seinen Arm, mit einer Geste, aus der viel zu viel beiläufige Vertrautheit spricht. Der Anblick tut weh. Ich mag sie nicht, aber sie tut mir gleichzeitig leid. Ein seltsames Mischmasch. Geh weg, hässliche Frau. Geh weg, geh weg, geh weg. Ich mag dich nicht.

Sie tut es tatsächlich, aber nur, um ihre Jacke wegzubringen. Felix dreht sich um, als hätte er meinen Blick gespürt. Ein verstohlenes Lächeln huscht um seinen Mundwinkel und er zwinkert mir zu. Ihm scheint zu gefallen, was er sieht. Mir dagegen, mir gefällt es nicht, denn für diesen kurzen Moment sind alle Gefühle klar in sein Gesicht geschrieben.

Er liebt nicht mich. Er liebt, dass ich sein devotes Geheimnis bin.
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