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Frau zweiter Klasse

**********lerin Frau
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Themenersteller 
--- Klick ---

Ich bin acht Jahre alt, und ich besitze eine Schatztruhe. Sie ist mit Rosenstickern und welchen von Bibi Blocksberg beklebt, und in ihr befinden sich bunte Glassteine, ein alter Ohrring meines Kindermädchens und ein glitzernder Kristall, den ich auf dem Schulhof neben dem Klettergerüst gefunden und mit einem harten Faustschlag gegen einen Jungen aus der Nachbarklasse verteidigt habe. Manchmal lege ich die Schatzkiste auf meinen Schoß, nehme mein Taschenmesser in die Hand und stell mir vor, dass es ein echter Piratenschatz ist. Meiner allein. Erbeutet mit meiner Kraft und meiner Pistole, mit meiner List und Raffinesse und Grausamkeit, und keinesfalls, weil ich wie die Piraten im Kinderbuch stets brav meine Hausaufgaben mache.

Soweit ich weiß, bin ich das reichste Mädchen in meinem Umfeld. Nicht wegen dieser kindhaften Schatzkiste, sondern weil ich echtes Geld besitze. Ich bewahre es in einem Portemonnaie auf, das mir ein Freund meiner Eltern geschenkt hat. Jede Woche bekomme ich zwei Mark Taschengeld, und eine davon spare ich. Manchmal gibt mir die nette Nachbarin Aufgaben in ihrem Garten, für die es fünfzig Pfennig zu verdienen gibt, und manchmal bekomme ich etwas von den Großeltern.

Wenn wir Eis essen gehen und alle zwei Kugeln bekommen, frage ich meine Mutter mit Todesverachtung, ob ich heute das Geld für eine Kugel für mich bekommen kann und dafür nur eine Waffel mit einer Kugel darin.

Es gibt kein festes Ziel, auf das ich spare. Kein Fahrrad, kein Gameboy, kein Buch oder etwas anderes Schönes. Ich spare, um reich zu sein. Eines Tages, das habe ich entschieden, werde ich ganze fünfzig Mark besitzen. Reich wie eine Millionärin werde ich dann sein! Und anders als meine Eltern muss ich nichts von diesem Geld für wichtige Dinge wie Rechnungen ausgeben. Ich werde mich auf mein Mädchenfahrrad setzen, das Taschenmesser griffebereit in der Tasche, um meinen Reichtum zu verteidigen, und dann werde ich durch die Fußgängerzone bummeln.

Eine reiche Frau, die sich leisten kann, was immer sie haben will.

Ich klappe das Taschenmesser auf und zu, während ich das Geld zähle, das ich bereits besitze, und von diesem großen Tag träume. Fünfzig Mark! Es wird eine Ewigkeit dauern. Aber wenn ich sie besitze, dann ist es wirklich und wahrhaftig mein Geld, nicht einfach das Geschenk reicher Großeltern, wie bei anderen Kindern aus meiner Klasse.

Der große Tag wird kommen.

--- Klick ---

Ich bin vierzehn. Meine Mutter und die Nachbarin unterhalten sich über Männer. Heute jedoch nimmt das Gespräch eine neue Wendung, und ich lausche aufmerksam. Denn dieses Mal geht es um Männer, die mehr Geld als Frauen verdienen.

"Warum ist das so?", frage ich. Inzwischen habe ich ein feines Gespür dafür entwickelt, wann ich beim Lesen auf dem abseits stehenden Sessel die Klappe halten sollte und wann meine Neugier willkommen ist.

Die beiden erklären mir, dass Männer egoistischer sind als Frauen. Während Frauen bei ihrer Berufswahl primär danach gehen, dass sie etwas Gutes für die Gesellschaft bewirken wollen und später auch für ihre Kinder sorgen können, achten Männer vor allem auf die Verdienstchancen. Das führt dazu, dass Frauen dann später auch dann bei ihrem Partner bleiben müssen, wenn sie ihn nicht mehr lieben. Sogar dann, wenn sich der Mann als ausgemachtes Arschloch erweist.

"Das Schlimmste ist, dass solche Frauen sich dann für etwas Besseres halten", erklärt meine Mutter. "Das habe ich bei den Elternabenden in der Grundschule gemerkt. Da sitzen dann Frauen, die den ganzen Tag nichts zu tun haben außer sich einzukremen, zu schminken und die Wohnung vom Geld ihres Mannes einzurichten. Und die bilden sich ein, dass sie was Besseres sind als ich, weil ich nicht dazu komme, euch morgens die Brote zu schmieren und mit Petersilie zu garnieren!"

"Das brauchst du doch auch nicht", sage ich erstaunt. "Du gehst doch morgens früher aus dem Haus als ich, und ich konnte mir meine Brote schon im Kindergarten schmieren."

"Da habe ich aber noch helfen mussen."

Ich schmolle etwas bei der Vorstellung, dass ich je so unselbstständig war, aber vermutlich hat sie recht. "Und solche Frauen halten sich wirklich für etwas Besseres, weil sie nicht arbeiten und du schon?"

Das Nicken der beiden Frauen schockiert mich. Die Vorstellung einer erwachsenen Frau ohne eigenes Bankkonto flößt mir keine Bewunderung ein, sondern Abscheu und Mitleid.

"Die sind schlimmer als Prostituierte", sagt die Nachbarin trocken. "Bei einer anständigen Hure weiß man wenigstens, dass sie es für das Geld tut, und sie belügt darüber nicht die ganze Welt."

Ich verstehe nicht, warum die beiden darüber lachen, aber ich lache mit.

Man hat mir immer gesagt, dass ich klug bin, dass ich es im Leben weit bringen kann, dass ich viele Talente mitbringe. Aber wie viele Frauen kenne ich tatsächlich, die es im Leben weit gebracht haben?

Zum ersten Mal begreife ich, dass ich später kein eigenes Segelboot in der Karibik besitzen werde. Wenn überhaupt, dann wird es ein Mann sein, dem das Boot gehört. Aber wenn ich mich in ihn verliebe, um mitsegeln zu dürfen, bin ich keine freie Piratin mehr, sondern eine Hure.

--- Klick ---

Ich bin vierunddreißig Jahre alt. Es ist beinah Gegenwart, nur noch ein Jahr trennt mich vom Hier und Heute. Der Raum ist eine Fuckup-Night. Ein Event, auf dem Männer davon erzählen, wie sie als Unternehmer große Träume hatten und gescheitert sind.

Frauen dürften bestimmt auch davon erzählen, aber auf der Bühne steht keine. Meinesgleichen hat wohl auch große Träume, aber wir kommen gar nicht erst so weit, dass wir scheitern können.

In der Pause versuche ich zu networken, andere Menschen kennenzulernen und mehr über diese seltsam dynamische Welt voller Learnings, Success und personal Development zu lernen. Die Menschen in dieser Business-Welt sprechen einen seltsamen Slang. Mich beschleicht der finstere Verdacht, dass die Leute genauso Schemata nachbeten wie jeder andere. Hier ist niemand, von dem ich lernen kann, mutig zu sein und meinen eigenen Weg zu gehen.

Oder?

Auf der Damentoilette begegne ich ihr. Sie steht vor mir in der Schlange. Ihr Kleid ist zu kurz, ihr Ausschnitt zu tief, und ihr Make-up ist zu heftig für den Anlass. Während die anderen Frauen den Anschein machen, dass sie vor allem ihren Freund begleitet haben, um ihn zu unterstützen, wirkt diese Frau wild, verzweifelt und dickköpfig. Sie passt nicht zu diesen anderen Frauen, von denen mindestens die Hälfte später die Hauptverantwortung für das Einkommen auf einen Mann abwälzen wird. Die Fremde ist cica zehn Jahre jünger als ich, hat riesengroße Augen und ein Kinn so zart wie das einer Elfe.

Ich will sie an mich ziehen und vor allem Bösen auf dieser Welt beschützen.

"Hallo", sage ich zu ihr. "Findest Du es auch immer so schwierig, auf diesen Networking-Events wildfremde Menschen anzusprechen?"

Sie mustert mich kritisch von Kopf bis Fuß. "Das kommt darauf an, was es für Menschen sind. Ich bin nämlich sehr wählerisch."

In meinen Augen flammt etwas auf. Etwas, was zuletzt in einer Januarmondnacht vor beinah zehn Jahren gebrannt hat, wild und herausfordernd. "Ich auch", ergreife ich ihren Fehdehandschuh und denke an Sex mit dem Universum. "Wer bist du?"

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*********Mojo Paar
202 Beiträge
Ich liebe deine Schreibe. Sehr schön!
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Wer bist du, habe ich Felix gefragt, in dieser Januarmondnacht. Nicht mit Worten, sondern durch mein Tun. Bist du der Mann, der mein Sein validiert? Beschützt du mich auf dem Weg in die Dunkelheit, ins Wasser, wo ich nach Reinigung suche und der Schmutz der Vergangenheit von mir abfällt, nicht, weil ich sie mit brutaler Gewalt und einer Messerklinge entferne, sondern weil der Mond und das eiskalte Wasser mich reinigen?

Ohne ihn hätte ich diesen Weg nicht gehen können. Ich hatte kein Auto, mit dem ich in dieser Nacht an den See hätte fahren können. Ohne seine Frage hätte ich nicht gewagt, seine Hand an meine Brust zu führen, und nie erfahren, welches Feuer, welche Lust und welcher intensive Hunger auf Leben in mir auf ihren Weg ins Leben gewartet haben. Tu mir weh, habe ich gesagt, und mein Körper hat zu brennen begonnen. Endlich musste ich nichts mehr zurückhalten, durfte mich mit meinem ganzen Sein in die Umarmung eines Mannes stürzen und wurde gehalten, anstatt verloren zu gehen und mich zu schämen.

Wer bist du wirklich, habe ich ihn ohne Worte gefragt, aber galt die Frage wirklich ihm oder nicht doch eigentlich mir?

Ich bin die Frau, die bereit ist, ihr ganzes Leben loszulassen. Alles, was sie je über sich gelernt hat, in einer Nacht voller Magie von sich abzuwaschen und Raum für das zu schaffen, was sich dahinter verborgen hat. Eine Frau, die viel wilder und verletzlicher ist, als ich gedacht hätte, aber auch größer und mutiger. Eine Frau, die jetzt gerade in Felix' Armen im Auto liegt, an sein Herz geschmiegt und sich fragt, was es ist, was sie da gefunden hat. Diese entsetzliche Verletzlichkeit, wenn man nichts mehr zurückhält und nicht mehr weiß, wer man vor diesem besonderen Augenblick gewesen ist, denn bis dahin war man nie völlig ...

Wer auch immer ich bin.

Wie geht es weiter, frage ich mich in diesem Moment, in dem der Himmel sich allmählich von schwarz zu dunkelblau verfärbt. Wir werden noch einmal vögeln, bevor es nach Hause geht, aber ... wie geht es danach weiter? Was soll aus dieser Frau werden, zu der ich gerade geworden bin, deren Namen ich kenne, über die ich aber sonst noch nichts weiß?

Ich bin nicht ganz ehrlich, als ich Felix frage. Dank der Flüstergeschichte meiner Freundin weiß ich ja bereits, dass er eine offene Beziehung hat. Doch offiziell weiß ich es nicht, deswegen versucht die Frau, zu der ich geworden bin, eine Brücke zu bauen. Sag mal ... Du und deine Freundin ... Habt ihr eigentlich eine offene Beziehung, oder ist das hier eher die Art Ausrutscher, die man hinterher für sich behält und an die man hin und wieder mit einem Lächeln zurückdenkt?

Ich kenne die Regeln nicht mehr. Alles ist so entsetzlich neu, und ich fühle mich weich und klein, zart und verletzlich, bereit für irgendetwas Neues, was ich noch nicht verstehe und trotzdem bereits zu erahnen glaube.

"Ach du ...", sagt Felix liebevoll und streichelt mir über die Haare. "Das ist alles nicht so einfach."

"Hm?"

"Meine Freundin und ich ... Da ist im Lauf der Zeit viel schiefgegangen. Wir haben uns auseinandergelebt, könnte man sagen."

"Oh." Ich bin überrascht und nervös.

In meiner Vorstellung war Felix jemand, der frei genug ist, um mir in Freiheit begegnen zu können. Jemand mit einer festen Beziehung, in die er zurückkehren wird. Jemand, und das ist für mich zu diesem Zeitpunkt sehr wichtig, der meine Freiheit nicht in Gefahr bringt. Denn seit bald eineinhalb Jahren, seit dem Ende einer kurzen und heftig toxischen Beziehung, kann ich Männern nicht mehr vertrauen. Ich will sie nicht mehr in mein Herz lassen. Von außen werde ich als stark und frei wahrgenommen, weil ich Sex und Liebe trennen kann, aber die Wahrheit ist, dass ich Liebe nicht mehr ertrage.

Mein dritter Freund hat viel zerstört.

Es macht mir Unbehagen, dass Felix nicht das ist was zu finden erwartet habe.

"Ehrlich gesagt ..." Er zögert. "Ich weiß gar nicht, warum ich dir das jetzt erzähle. Aber irgendwie fühlt es sich an, als ob ich dir vertrauen kann."

Ich bin geschmeichelt. "Ich kann auf jeden Fall Dinge für mich behalten, keine Sorge."

"Meine Freundin und ich ... Wir haben uns schon lange auseinandergelebt. Ich suche noch nach den richtigen Worten, um es ihr zu sagen. Es wird wohl auf eine Trennung herauslaufen, aber ..." Er lacht selbstkritisch. "Noch bin ich zu feige dafür."

"Das tut mir leid." Ich lege meine Hand mitfühlend auf seine. "Ich weiß selbst noch gut, wie es sich anfühlt, wenn man in so einer Beziehung feststeckt. Man will dem anderen nicht wehtun, und spürt trotzdem, dass es bald an der Zeit sein wird, zu gehen. Das ist eine unglaublich harte Zeit."

"Ja! Genauso ist es." Er klingt erleichtert.

"Mein Beileid", sage ich leise. "Ich wünsche dir viel Kraft für das, was auf dich zukommt."

"Danke, Tara." Er zieht mich enger an sich, streichelt mich erneut, und unser Kuscheln schlägt allmählich um in etwa Erotischeres. Während ich mich am See rein und frei gefühlt habe, fühle ich mich jetzt geborgen und geliebt. Wertvoll nach harten Zeiten, die mich das Vertrauen in meinem Wert als Mensch und als Frau verlieren ließen.

Als ich an seinen Oberschenkeln emporstreichele und nach seinem Schwanz greife, hält er meine Hand fest und stoppt meine Zärtlichkeit.

"Was ist?", frage ich leise.

"Ich muss dir etwas sagen, Tara."

"Hm?"

"Du bist eine ganz besondere Frau, ja? Ich kann so etwas spüren, auch wenn wir uns noch nicht lange kennen. Du trägst etwas ganz Besonderes in dir. Ich spüre, dass man dir vertrauen kann."

"Ach du! Du dummer Schmeichler." Ich lache, um nicht zuzugeben, dass ich selbst geschmeichelt bin.

"Ich meine das ernst." Er sieht mir in die Augen, und ich begreife, dass das Licht inzwischen grau geworden ist und der Tag sich nähert. "Tara, bei dir kann ich ich selbst sein. Das hat mir schon viel zu lange gefehlt."

Ich weiß nicht, was ich darauf antworten soll, und ich küsse ihn hungrig, damit er aufhört, so dummes Zeug zu reden.
********lara Frau
5.738 Beiträge
Wow!
**********lerin Frau
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**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
In den Tagen danach gehe ich durch einen seltsamen Nebel. Natürlich verschlafe ich den Sonntag beinah komplett, verpeile die Wäsche und denke erst abends um zehn an den Bericht, den ich morgen meiner Praktikumsvorgesetzten vorlegen soll. Es kümmert mich nicht. Die Arbeit erledigt sich beinah von selbst, wie in einem seltsamen Traum, und mein Körper schreckt vor den Erinnerungen zurück. Ein klein wenig brennt mein Hintern, wenn ich mich auf Stuhl oder Sofa bewege, doch das Gefühl verblasst viel zu schnell.

Felix hat mich zum Abschied nach meiner Telefonnummer gefragt, aber bisher hat er sich nicht gemeldet. Ich bin mir nicht sicher, ob mich das mit Traurigkeit oder Erleichterung erfüllt. Es war eine magische Nacht. Sie hat mich angefüllt mit etwas, für das ich keine Worte habe. Ob eine alltäglichere Begegnung mit einer solchen Magie mithalten kann? Wir müssten so oder so komplett von vorn damit beginnen, uns kennenzulernen. Zaubernächte sind eine schlechte Grundlage für eine richtige Beziehung, vermute ich.

Und doch ...

Irgendwo bleibt da diese seltsame Hoffnung. Dass Felix sich nach einer richtige Liebesbeziehung sehnt. Er hätte das über seine Freundin nicht sagen müssen, oder? Ich hatte doch schon signalisiert, dass ich grundsätzlich okay damit wäre, wenn er mich im Rahmen der offenen Beziehung zu seiner Freundin häufiger sehen möchte. Wenn er etwas Derartiges von mir gewollt hätte, hätte er einfach darauf eingehen können.

Ich stelle mir vor, wie er mit sich kämpft. Wie er in dieser Nacht am See etwas in sich entdeckt hat, was neu und rein und klar ist, genau wie ich es in mir gefunden habe. Eine Quelle der Kraft, die dann zu sprudeln beginnt, wenn man sich selbst so akzeptiert, wie man ist, und sich in dieses Gefühl hineinfallen lässt. Ich kämpfe ebenfalls mit mir. Eigentlich wollte ich nicht mehr lieben, nur noch Onenightstands, aber ich hatte noch keinen, der so gut war wie dieser. Mein Körper erinnert sich an das Glück und mein Herz fragt sich, ob es ein Leben geben könnte, in dem man regelmäßig so genial gevögelt wird und auch sonst so geborgen fühlt.

Auf der Arbeit werde ich mutiger. Obwohl ich nur Praktikantin bin, traue ich mich und zeichne neben den gewünschten Illustrationen für eine Werbekampagne ein Maskottchen dazu, dessen schelmisches Lächeln mich in Entzücken versetzt. Meiner Chefin gefällt es ebenfalls und sie verspricht, es dem Kunden schmackhaft zu machen. "Es lächelt beinah wie du", sagt sie, und mein Gesicht wird heiß.

Nach Feierabend beginne ich ein neues Gemälde. Mit energischen und zärtlichen Strichen zeichne ich eine Frau, die in einen See unter dem zunehmenden Mond eintaucht, um sich selbst zu erneuern. Ich skizziere das Wasser, die Bäume am Ufer und am hinteren Seerand, und zeichne einen Baum nach vorne links, in dessen Konturen sich ein Mann zu verbergen scheint, der die Frau im Wasser schützt und behütet. Und den es nach ihr verlangt. Es scheint eine tiefe Wahrheit in diesem Bild zu liegen, denn es verfolgt mich bis in meine Träume, und manchmal schrecke ich hoch und springe auf, um die nächsten Striche zu zeichnen, bevor sie erneut im Nebel des Träumens vergehen.

Immer wieder denke ich an Felix' Worte über das Potenzial, das in mir steckt. Daran, wie er davon erzählt hat, was es bedeutet, sein eigener Chef zu sein und die Verantwortung für eine Firma zu tragen. Die Vorstellung kitzelt in meinem Bauch. Ich weiß nicht genau, ob sie das tut, weil ich ihn für diese Stärke bewundere, oder weil ich davon träume, es selbst zu tun.

Probehalber kritzele ich den Entwurf für ein eigenes Firmenlogo auf ein Schmierblatt neben der Staffelei. Grafik-Design Tara. Tara-Design. Noch überzeugt es mich nicht, aber vielleicht kann die Idee wachsen und aufblühen.

Was Felix wohl zu meinen großen Plänen sagen würde, wenn er davon wüsste?

Als er sich nach einigen Tagen meldet, lächele ich. Irgendwie wusste ich, dass das passiert.

Hallo, schreibt er. Hier ist Felix. Hast du wieder gut zurück in die Realität gefunden?

Ein wenig. Ich schicke ihm ein lächelndes Smiley. Aber manchmal ist es schön zu träumen, oder?

Ganz bestimmt!

Ich zögere. Erwartet er jetzt eine Antwort von mir?

Drei Punkte zeigen mir, dass er am Tippen ist, und schließlich kommt die erlösende Frage, auf die ich gewartet habe. Darf ich dich demnächst einmal zum Essen ausführen? Ich würde dich gern besser kennenlernen.

Ich zögere nicht. Mit Frauen, die sich künstlich interessant machen, indem sie viel beschäftigt tun, konnte ich noch nie viel anfangen. Ich mag ihn, und natürlich will ich ihn wiedersehen.

Klar. Was genau schwebt dir denn vor?
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Wir gehen in ein Lokal, das ich mit meinem Gehalt als Praktikantin niemals ausgewählt hätte. Ein komisches Gefühl, nachdem unser erstes Date an einem Ort stattfand, der keinen von uns einen Cent gekostet hat. Ich kann nur hoffen, dass er mich einlädt, aber ich habe mein letztes Geld für diesen Monat zusammengekratzt, um im Zweifelsfall auch für mich selbst einstehen zu können. Dann gibt es danach halt eine Woche lang Nudeln und Haferflocken.

Der Kellner ist sehr freundlich. Er grüßt Felix wie einen alten Bekannten, wirft mir ein verständnisvolles Lächeln zu und führt uns an einen diskreten Zweiertisch. Mir ist ein wenig mulmig zumute. Tue ich gerade nicht genau das, vor dem meine Mutter mich immer gewarnt hatte? Wäre ich mit einem Typen aus der Kreativbranche, der genauso wenig verdient wie ich, nicht glücklicher? Der würde vom Lifestyle besser zu mir passen, vermute ich ...

Ich fühle mich wie ein Fremdkörper und mein Rock ist zu kurz für diesen Ort, auch wenn Felix gesagt hat, dass ihm mein Styling gefällt. Er bestellt sich ein Bier und ich mir ein Bitter Lemon, und dazu nehme ich das einzige vegetarische Gericht auf der kleinen Speisekarte. Irgendetwas mit Salbei und Rote Beete und Orangenschaum, und das Wort Maultaschen stand auch irgendwo inmitten der französisch klingenden Worte, die ich nicht kenne. Vielleicht hätte ich Wein bestellen sollen, der würde hier vermutlich besser passen, aber ich möchte einen klaren Kopf.

Felix scheint meine Unsicherheit zu spüren und erzählt wieder von seiner Arbeit. Ich taue auf und erzähle ebenfalls von meiner, und davon, dass ich seit unserer ersten gemeinsamen Autofahrt angefangen habe, von meiner eigenen kleinen Designagentur zu träumen. "Auf so eine Idee wäre ich früher nie gekommen", sage ich verlegen. "In meiner Familie sind alle nur angestellt, deswegen hab ich wohl gedacht, das sei der einzige Weg ins Leben."

"Du wirst bestimmt großartig sein." Sein warmes Lächeln wirkt beinah überzeugend. Eine Spur zu professionell, finde ich plötzlich, aber ich wische den Gedanken weg.

"Dann muss ich wohl anfangen, BWL zu lernen, was?"

"Das auch, aber das wichtigste, was du als Chefin deiner eigenen Firma brauchst, ist etwas anderes."

"Was?"

"Instinkt. Und den hast du, meine ich."

Ich lache verlegen auf. "Keine Ahnung."

"Frauen sind meist dichter an ihrem Instinkt dran als Männer, habe ich beobachtet. Sie sollten einen solchen Weg viel öfter gehen. Aber die Welt hat ihr Vertrauen in die weiblichen Instinkte verloren, und das ist schade."

Ich sehe ihn bewundernd an. Auf so einen Gedanken wäre ich nie gekommen, erst recht nicht bei der Frage nach der Gründung eines eigenen Unternehmens. Meine weiblichen Instinkte sollen mir dabei helfen können?

"Kennst du die Geschichte der Mondpriesterinnen im alten Ägypten?", fragt er.

Ich muss an Morgaine von Avalon denken, aber ich schüttele den Kopf. Er sieht aus, als ob er gern erzählen möchte.

"Sie haben im alten Ägypten die Wirtschaft kontrolliert und aus dem Schatten alles gesteuert. Deswegen hat das Land so floriert. Weibliche Instinkte, verstehst du?"

"Wow!"

"Aber sie hatten Gegenspieler, verstehst du? Deswegen mussten sie im Verborgenen agieren. Im Geheimen. Und über die Jahrhunderte hinweg haben sie sich angepasst, aber sie mussten versteckt bleiben, und ..."

Mir schwirrt der Kopf. Das klingt etwas anderes als die Wicca-Story der letzten Priesterinnen von Avalon, die ich als Mädchen verschlungen habe. Felix erzählt weiter, bis unser Essen kommt, und hört auch dann nicht auf, während ich staunend jeden Bissen der kunstvollen Komposition zelebriere. Ich verstehe nicht genau, was Felix meint, aber es scheint darauf hinauszulaufen, dass zwei Geheimorden hinter den Kulissen der offiziellen Wirklichkeit immer noch Regierung und Wirtschaft kontrollieren.

"Und die gehen bis zurück zu den Mondpriesterinnen im alten Ägypten?", frage ich nervös. Irgendwie klingt das alles gerade etwas seltsam. Von diesem Mann, der durch meine erotischen Fantasien der vergangenen anderthalb Wochen gespukt ist, hätte ich keine solche Geschichte erwartet. "Und welcher dieser Orden ist jetzt der gute?"

"Sie sind beide degeneriert." Felix schnaubt. "Nur noch auf Macht versessen, und sie haben ihre Ideale verraten. Deswegen ist die Welt so, wie sie heute ist."

Tief in mir klingelt eine Alarmglocke. Wenn er weiterredet, werde ich nicht mehr mit ihm vögeln können, signalisiert sie mir. Dann verliere ich irgendetwas, was ich brauche, um mich hingeben zu können. Und ich will mit ihm vögeln, ich will es mehr als alles andere. Am vergangenen Wochenende war ich wieder auf der Suche nach einem Onenightstand, aber kein Typ hat mich interessiert. Ich will mich wieder fühlen wie in der ersten Nacht mit Felix, ich will wieder brennen und high werden von meinen eigenen Endorphinen, wenn er diese Dinge mit mir tut, für die ich keine Worte habe und trotzdem geschaffen wurde.

Ich greife nach seiner Hand, streichele mit dem Daumen darüber und sehe ihm scheu in die Augen.

Tatsächlich unterbricht er den Monolog und sieht mich ebenfalls an. Verträumt, liebevoll und ein wenig hungrig. "Möchtest du noch einen Nachtisch?", fragt er mich.

"Schon, aber nichts von hier", erwidere ich und fühle mich sehr schlagfertig.

Er lacht leise. "Dann sollten wir allmählich zahlen. Möchtest du dich noch mal einen Moment frisch machen gehen?"

Ich erschrecke. "Wieso, ist mit meinem Make-up etwas nicht in Ordnung?"

Er lächelt entzückt. "Nein. Das war die Frage, ob ich dich zu diesem Abendessen einladen darf, Tara."

"Möchtest du das gern?"

"Es wäre mir eine Ehre."

"Danke schön." Ich senke verlegen den Blick. "Ich freue mich. Und ich glaube, ich werde mich tatsächlich eben einmal frisch machen gehen." Meine Blase drückt und ich bin nervös. Außerdem möchte ich mich untenrum noch einmal kurz waschen, nur um sicherzugehen, weil die Dusche schon beinah zwei Stunden zurückliegt.

Felix deutet einen Luftkuss an, der mich heißere Küsse ersehnen lässt, und ich verschwinde kurz hinter der Tür mit dem Damensymbol.
****ra Frau
855 Beiträge
Ich liebe Deinen Schreibstil, er lässt mich völlig dabei sein.
******der Mann
68 Beiträge
Zitat von ****ra:
Ich liebe Deinen Schreibstil, er lässt mich völlig dabei sein.

Liebe Allira, ich kann dir nur beipflichten, zustimmen....
Wer das "Harfenspiel" der Sprache so schön beherrscht, die lauten wie die leisen Töne moduliert, sowie die akkordsphärische Gedanken/Begehrens/Gefühls/Bildsprache selbst liebt, der kann ich auch nur völlig gebannt in der Geschichte folgen.
*ja*
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Es ist neun Jahre später und ein anderes Damen-WC. Die meisten Frauen sind jünger als ich, und vermutlich hatte noch keine von ihnen eine Fehlgeburt.

"Du heißt Artemis?", frage ich nach, weil ich den Namen der Frau in der Schlange vor mir nicht richtig verstanden habe. "Und was um alles in der Welt ist dieses Design Thinking, auf das du dich spezialisiert hast?" Ich bin erst 34 Jahre alt, aber ich fühle mich ein wenig abgehängt.

"Nicht Artemis. Eloise! Aber du darfst mich in Zukunft Artemis nennen, der Name gefällt mir."

Mir dagegen gefällt ihre freche Art und die Klugheit in ihren Augen, und wir plaudern miteinander, während die Schlange allmählich voranrückt. Als wir uns nach kurzer Trennung an den Waschbecken wiederfinden, ist es beinah, als sei sie eine alte Bekannte von mir, und ich lasse mir gern von ihr zwei Papierhandtücher reichen. Zurück im Vortragssaal stelle ich fest, dass sie einen männlichen Begleiter dabeihat, aber er stört uns nicht, als wir in der zweiten Vortragshälfte nahezu jeden Satz auf der Bühne persiflieren, imitieren, zur Grundlage für einen neuen Scherz machen und zwischendurch auch anerkennend nicken.

Es ist herrlich mit Artemis. Nach dem Ende des Vortrags schickt sie ihren Mann Cocktails für uns holen, und wir reden weiter, weiter, weiter. Sie liebt meinen Traum von der Grafik-Agentur, lässt sich mein Portefolio auf dem Handy zeigen und nimmt mein Geschäftsmodell extrem streng auseinander. "So wie du es angehst, wird es nicht funktionieren, aber warum versuchst du es nicht stattdessen mit der und der Methode? Und warum diese Zielgruppe, ich glaube, du wirst mehr verdienen, wenn du ..."

Ihre Worte lassen es klingen, als sei es nicht nur ein wirrer Traum von mir, sondern etwas ganz Konkretes, was nur noch ein wenig Überarbeitung braucht.

"Was genau machst du noch mal beruflich?", frage ich nach, weil ich ehrlich gesagt keine Ahnung habe, was genau Design Thinking bedeutet.

"Ich bin selbstständige Unternehmensberaterin", sagt sie, doch dann verpufft ihr Selbstbewusstsein plötzlich. "Um genau zu sein ... Ich bin arbeitslos. Ich habe einen Bachelor in BWL und habe zwei Auslandssemester, und dann war ich neun Monate bei einen Start-up. Aber ich bin mit denen nicht klargekommen."

"Warum nicht?", frage ich vorsichtig.

"Ich liebe Start-ups, ja? Ich will etwas bewirken, und ich glaube, ich habe ein gutes Verständnis dafür, an welchen Stellschrauben man ansetzen muss, damit sie funktionieren. Aber ich bin auch ehrgeizig und will aus allen Dingen das Bestmögliche herausholen, und damit habe ich mich wohl etwas unbeliebt gemacht. Irgendwann war die Stimmung so mies, dass ich mich kaum noch zur Arbeit getraut habe."

Ich mustere ihren tiefen Ausschnitt und die schönen, beinah weißen Brüste, und weil ich schon etwas angetrunken bin, ist es ein genüssliches Mustern. "Waren dort andere Frauen?", frage ich. "Und: Waren sie weniger schön als du?"

Ich vermute, dass das der Fall ist, doch ihr erstaunter runder Mund macht mir klar, dass sie auf eine solche Idee nie gekommen wäre.

"Du warst zu sexy für die", sage ich genauso knallhart, wie sie vorher meine Geschäftsidee seziert hat. "Such dir eine anspruchsvollere Aufgabe, würde ich sagen, bei Leuten, die dich zu schätzen wissen."

Sie explodiert und hält mir einen bitterbösen Vortrag darüber, dass die Kompetenz einer Frau nicht von ihrem Äußeren abhängig gemacht werden soll und sie keine Lust hat, sich in einen Herrenanzug zu zwängen und die langen Haare hochzustecken, damit man sie ernst nimmt. "Frauen sind Frauen, und das darf man auch sehen! Das hat nichts mit Kompetenz zu tun, ein solches Denken ist generationell antiquiert und ..." Sie schimpft weiter und ich bin absolut hingerissen.

Nicht zuletzt davon, dass ihr Mann uns irgendwann zwei neue Cocktails holt.

Nach dem dritten Cocktail stellen wir fest, dass alle außer uns inzwischen gegangen sind und irgendjemand anfängt, den Raum aufzuräumen. Erstaunt realisieren wir, dass es bereits Mitternacht ist. Wir verlassen den Raum nur missmutig und nur, nachdem wir uns fest versprochen haben, uns in spätestens einer Woche wiederzusehen. Dann wollen wir planen, wie man aus meiner diffusen Geschäftsidee ein funktionierendes Unternehmen bauen kann.

"Ich kann dich aber nicht bezahlen", sage ich hastig. "Ich habe zwar ein paar Rücklagen, aber die sind ..."

"Für dein Unternehmen, schon klar. Ich mache dir einen anderen Vorschlag."

"Na?"

"Ich pimpe dich, bis du Erfolg hast und zu den Sternen strahlst. Du hast nämlich das Zeug dazu und ich glaube an dich. Und dann wirst du meine Referenz, mein Erfolgsmodell, mit dem ich hausieren gehe, und du schreibst mir die Empfehlungen, die ich brauche, um neue Kunden zu bekommen."

"Artemis ..."

"Nicht weinen, sondern Erfolg haben", sagt sie streng. "Bist du mit dem Auto hier oder mit der Bahn? Falls um die Zeit nichts mehr fährt, können wir dich ansonsten mitnehmen."

Sie und ihr Mann fahren einen winzigen Lupo oder irgendein anderes Auto, dem man ansieht, dass es nicht viel gekostet hat. Ich kenne mich mit Marken nicht so gut aus. Aber ich nehme vorne Platz und staune darüber, wie energisch Artemis ausparkt und auf die Straße einschert.
****h18 Frau
2.274 Beiträge
Liebe TE,

du hattest das eigene Sehen der Frau, wie sie sich selbst wahrnimmt/wahrgenommen hat beschrieben. Wie sie sich bei Felix gefühlt hat, das sie weinen musste, weil ihr selbst klar geworden ist, wie schön sie eigentlich war (auch ohne Schminke, aufreizende Klamotten...)...

du kannst dir gar nicht vorstellen wieviel ich darin von mir selbst wiedergefunden habe. Mir stehen jetzt noch ein paar Tränen in den Augen, weil es so tiefe Erinnerungen in mir hervorgerufen hat, dass ich darüber nachdenke, meine wahre Geschichte über mich mal zu schreiben. Doch zum Eigenschutz werde ich sie hier nicht veröffentlichen. Muss meine Schutzmauer (hier) aufrecht halten!

Ich danke dir so sehr für deine tolle Art zu Schreiben. Du beschreibst es so bildlich, dass ich es mir klar vor Augen vorstellen kann. Wirklich, ein herrausragendes Tallent, wie ich finde *knicks*

Deine dir weiter folgende Leserin *zwinker*
**********lerin Frau
664 Beiträge
Themenersteller 
Natürlich war es nicht Artemis, die das Auto vor einem Jahr so schwungvoll ausgeparkt hat. Ich nehme an, dass es ihr Mann war und dass er so unauffällig fuhr wie Felix in einer anderen Nacht neun Jahre früher. Artemis hatte an diesem Abend schließlich genauso getrunken wie ich, und einen letzten Rest Vernunft hat sie immer besessen, genau wie ich. Aber ich weiß, wie sie Auto fährt, und der Kontrast zu Felix' ruhigerem und vorsichtigem Fahrstil gehört an dieser Stelle erwähnt. Bei Felix wusste man beim Autofahren, dass einem vermutlich nichts Schlimmes passiert.

Artemis dagegen fährt so, dass man spürt, dass das Leben eines Tages enden wird und jede Sekunde bis dahin gelebt werden sollte.

An einer Ampel nimmt Felix meine Hand. "In dieser Nacht am See ..."

"Ja?"

"Ich war ganz schön nervös, als du das zu mir gesagt hast."

"Das mit dem Wehtun?"

"Ja. Normalerweise macht man bei so etwas immer erst ein paar Vorgespräche. Man spricht darüber, was einem gefällt und was nicht. Das schafft für beide Seiten mehr Sicherheit."

Ich sehe ihn verlegen an. "Das ist ein Problem."

"Warum?"

"Weil ich keine Ahnung habe, was mir gefällt, okay? Es war mein erstes Mal. Und irgendwie hast du alles richtig gemacht."

"Ach du ..." Er drückt meine Hand fester. "Aber ein bisschen reden sollten wir vielleicht trotzdem. Gibt es irgendetwas, was du dir auf keinen Fall vorstellen kannst? Wo du sagst, das willst du nicht? So etwas muss ich nämlich respektieren, und das will ich auch."

Ich habe das Gefühl, dass mein Gesicht inzwischen einer violetten Tomate gleicht, doch ich verstehe, warum er fragt. Er möchte sich schließlich genauso sicher fühlen, wie ich es soll. "Bestimmt gibt es das", sage ich deswegen. "Aber ich weiß noch nicht, was es ist. Sollen wir einfach sagen, dass ich dir Bescheid gebe, wenn ich merke, dass ..."

Er streichelt meine Hand. "Das ist okay. Ich werde auch aufpassen, und zwischendurch vielleicht mal nachfragen, ja?"

Ich nicke verlegen.

"Du weißt, was ein Safeword ist?"

Ich nicke wieder, als die Ampel auf grün springt.

"Hast du eins? Oder möchtest du eins?" Er schaltet und fährt an.

"Einfach Mayday?", schlage ich vor. Das Wort habe ich bei der Netzrecherche gefunden.

"Das kann ich mir merken." Ich höre das trockene Grinsen mehr, als ich es sehe.

Ein bisschen nervös bin ich. Diese Art von Gesprächen bin ich nicht gewöhnt. Freund Nummer 3 war anders, auch wenn ich daran in diesem Moment nicht denken möchte. Es macht mich verlegen, derart sachlich über meine Sexualität zu sprechen, vor allem, wenn ich sie selbst noch nicht kenne oder verstehe.

Wir erreichen Felix' Zuhause. Er parkt achtsam ein, mit mehrfachem Vor- und Zurücksetzen, und hält mir die Tür auf. Er wohnt in einer Mietwohnung. Sie ist ein wenig unpersönlich eingerichtet, aber alles ist blitzsauber. Nein Danke, ich möchte nichts trinken. Sobald ich meine Schuhe ausgezogen habe, wende ich mich ihm zu und suche den Schutz seiner Umarmung. Er hält mich, und sein Herz pocht so schnell wie meins.

Es wird tatsächlich passieren. Und dann ist es kein Onenightstand mehr.

Die Vorstellung flößt mir Unbehagen ein, doch das zerfließt, als er mich küsst und meinen Kopf dabei etwsa fester hält, als er müsste. Von jetzt an muss ich nicht mehr denken, begreife ich glücklich. Ich muss nicht mehr bestimmen, nicht mehr den Kopf aufrecht halten, nicht mehr auf alles aufpassen und die Welt unter meiner Kontrolle halten.

Von jetzt an ist er es, der führt und bestimmt.

Mit einem glücklichen Seufzen lasse ich mich in seine Umarmung fallen und presse mein Becken hungrig gegen ihn.
********lara Frau
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Dieses "Sich-fallen-lassen-können"... bei jedem anders und doch irgendwie gleich. Unbeschreiblich!
****h18 Frau
2.274 Beiträge
Durch deine Geschichten verstehe ich immer mehr was eine Sub dazu bringt eine Sub sein zu wollen und was es ihr gibt.
Natürlich wusste ich oberflächlich worum es ihnen geht, aber das so erzählt zu bekommen ist doch noch etwas anders.

Danke, das du auch noch meinen horizont erweiterst *blumenschenk*
**********lerin Frau
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Themenersteller 
Session
Felix führt mich bis zur Schlafzimmertür und zeigt mir die Haken, die er am oberen Balken befestigt hat. "Stell dich hier hin", zeigt er mir. "Beine auseinander. Bis du den Türrahmen mit den Füßen berührst."

Ich gehorche, lege die Hände auf den Rücken, wie er es mir signalisiert, und lasse ihn meine Bluse aufknöpfen. Er lässt sich Zeit, öffnet einen Knopf nach dem anderen und streichelt mit der Fingerspitze über die Haut, die er damit freilegt. Es tut gut. Mein Hunger wird größer dadurch, aber es stresst mich nicht so, wie mir das früher beim Vorspiel und Schmusen oft ging. Da ist nicht mehr diese Angst vor dem Moment, wo ich mit dem Schweben aufhören und Dinge tun, mitsprechen und Richtungen bestimmen muss. Stattdessen darf ich fühlen. Fließen. Halt spüren.

Der Mensch sein, der ich bin.

Ganz egal, wie es weitergeht, es wird okay sein. Ich darf vertrauen. Ich werde gehalten, und es ist nicht mehr schlimm, wenn dieses warme, glühende Gefühl in meinem Schoß sich auf eine Weise in meinem Körper ausbreitet, die ich nicht verstehe und die weit heftiger ist als das, was ich sonst kenne. Es ist nicht mehr bedrohlich. Felix wird nicht zurückschrecken, wenn das Feuer in mir emporflammt, das spüre ich. Ich bin in Sicherheit.

Zärtlich fährt er die Konturen meines BHs nach und öffnet ihn, streift ihn mir über die Arme und befreit meine Brüste von dem Druck der Bügel. Ich strecke sie ihm ungeduldig entgegen, doch er macht ein leises Geräusch, umfasst meine Schulter und schiebt mich etwas zurück. Trotzdem muss ich mich nicht schämen, weil ich es wollte. Felix' Blick sagt, dass es okay ist. Ich darf wollen. Ich darf allem nachgeben, was ich fühle. Es überfordert ihn nicht, sondern erfreut ihn. Auch, wenn er es ist, der entscheidet, was tatsächlich passiert.

Wie gut sich das anfühlt!

Er führt meine Arme an den Türrahmen und zeigt mir, wie ich sie über Kopf dagegendrücken soll. "Stehenbleiben", wispert er. "Ich bleibe in der Nähe."

Ich bleibe stehen, und die Welt wird etwas bedrohlicher, sobald er nicht mehr direkt vor mir steht, doch ich vertraue seinen Worten. Und tatsächlich ist er schnell zurück. Es fühlt sich seltsam an, mit nacktem Oberkörper vor ihm zu stehen, während er noch voll bekleidet ist, doch gleichzeitig erregt es mich. Er hat ein wenig Seil mitgebracht und beginnt damit, mein eines Handgelenk zu umwickeln und mit dem Haken im oberen Balken zu verbinden. Es wird allmählich unbequem, so zu stehen, mit gespreizten Beinen und die Arme seitlich nach oben ausgebreitet, doch ich strecke meine Brüste stolz nach vorn. Früher oder später wird er mich dort streicheln und berühren, sanfter, fester, ich weiß nicht wie. Es ist nicht wichtig. Wichtig ist nur, dass es dann passiert, wenn er es will und nicht, weil ich ihn dazu gebracht habe.

Immer wieder spüre ich den Stoff seines Pullovers über meine Brüste streicheln, während er über mir hantiert, und ich atme den guten Duft seiner Haut ein. Alles ist richtig, spüre ich. Wirklich alles.

Schließlich ist er zufrieden mit der Fesselung und macht einen Schritt nach hinten, um mich bewundernd zu betrachten. Ich fühle mich ausgeliefert und brenne davon.

"Wie geht es dir?", fragt er.

Es ist okay, will ich sagen, doch meine Worte stocken. Er ist mehr als einen Meter von mir entfernt. Jetzt spüre ich, wie nackt ich bin, und ... mir ist irgendwie schwindelig. Kommt es von der Verlegenheit, oder liegt es daran, dass ich die Hände über dem Kopf halte?

"Mein Kreislauf", sage ich leise und geniere mich, weil ich ... Weil es zu viel für mich ist, in diesem Moment, und ich nicht sicher weiß, woran es liegt. "Mir ist ein wenig ... ein wenig schwummerig zumute."

"Dann mache ich die Fesseln besser wieder auf", sagt er mit normalerer Stimme. "Hältst du es so lange noch aus?"

Ich will nicht, dass es endet, ich will aber auch nicht diskutieren, deswegen nicke ich. Er löst die Knoten an meinen Handgelenken mit geübten Griffen, und sobald ich die Arme nach unten nehme, lässt der Schwindel nach. Vielleicht lag es tatsächlich daran, aber vielleicht wird es gerade auch besser, weil ich wieder direkt vor ihm stehe und der Abstand überbrückt wurde. Ich schäme mich, weil ich mir vorstelle, dass er bestimmt noch etwas mit mir vorhatte, wie ich da so verlockend ausgeliefert in der Tür stand. Hoffentlich ist er jetzt nicht enttäuscht von mir.

Er lässt das Seil an der Tür hängen und führt mich zum Bett. "Willst du dich einen Moment hinlegen?", fragt er und setzt sich neben mich.

Ich schüttele den Kopf und schmiege mich an seine Schulter. Halbnackt, während er Kleidung trägt, und das spüre ich nach wie vor bis ins Mark meiner Knochen. "Halt mich einfach einen Moment fest, ja?"

Felix legt die Arme um mich und ich kuschele mich an.
**********lerin Frau
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**********lerin Frau
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********lara Frau
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Das rote Banner, das die wahre Erotik verbirgt. Schade, schade...
**********lerin Frau
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Und jetzt starre ich auf die Worte, die ich geschrieben habe. Es ist verwirrend. Ich habe das Gefühl, dass sich zehntausend Fäden vor mir ausbreiten, sich ungeduldig in den Vordergrund drängeln und als Nächstes in meinen Webstuhl gespannt werden wollen, damit ich sie ordnen kann. Klick. Klick. Klick-Klick-Klick.

Meine Erinnerungen passen nicht zu dem, was ich erwartet habe. Wenn ich mein Devotsein so sehr hasse, dass ich es abschneiden will, für immer in die Feuertonne kloppen und mit einer gigantischen Ladung Spiritus in eine Stichflamme verwandeln, deren Funken bis ins Firmament sprühen und neue Sterne erschaffen ...

Wie kann es dann sein, dass ich in dieser lange verdrängten Erinnerung an Felix' Berührungen unendlich glücklich bin?

Es ist seltsam, was für Streiche einem die Erinnerung spielt. Ich hatte erwartet, Schmutz zu finden. Respektlosigkeit und Wertlosigkeit. Aber obwohl ich mich nicht mehr an jedes Detail der ersten Nacht in Felix' Schlafzimmer erinnern kann, ist das, was vor meinem inneren Auge entsteht, überdeutlich. Ich war glücklich. Er war respektvoll mit mir. Ein wenig unsicher, vielleicht, weil ich so unerfahren war, aber ich habe mich absolut sicher und geborgen gefühlt.

Was, wenn es in Wahrheit okay ist?

Was, wenn es völlig in Ordnung ist, devot und masochistisch zu sein, von solchen Dingen erregt zu werden und zu explodieren und sich nach mehr von dieser süßen Droge zu sehnen, die Felix mir damals so überreichlich verabreicht hat, zu seinem und meinem Vergnügen?

Und doch ist da dieses dumpfe Gefühl, dieser Schmerz, der mich auseinanderreißt und mir meine Würde raubt. Er verwandelt mich in eine Frau zweiter Klasse, die niemals das Zeug dazu haben wird, mit aufrechtem Kopf den Weg in die Chefetage ihrer eigenen Firma zu gehen. Wertlos. Eine Belastung. Unwürdig, in anständiger Gesellschaft mit normalen Leuten an einem Tisch zu sitzen. So fühle ich mich, aber wo kommt es her?

Er ist mit dem Devotsein verknüpft, dieser Schmerz, ich spüre es ganz deutlich. Es ist dieser Teil von mir, der falsch ist. Ich muss ihn abschneiden, ansonsten kann ich jederzeit stolpern und alles verlieren, was ich mir aufbauen will.

Wo soll ich weitersuchen?

Ich beiße die Zähne zusammen und starre auf meinen Antrag für einen Gründungszuschuss aus dem Bundesfonds für Nachwuchs-Unternehmen. Ich muss das hinkriegen. Das hier ist es, worauf es ankommt, nicht die Auseinandersetzung mit meiner Sexualität. Ich muss mich konzentrieren, egal, wie chaotisch mein Kopf ist. Die Worte wellen sich vor meinem inneren Auge.

Mein Denken setzt aus. Ich werde nie, nie, nie in der Lage sein, mich auf dem Markt durchzusetzen und die Konkurrenz zu übertreffen. Ich bin nichts wert. Nach meinem Scheitern werde ich bei Lidl an der Kasse sitzen und muss dafür noch in beschämender Weise dankbar sein, und ...
********lara Frau
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😱welch Absturz!
**********lerin Frau
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Zitat von ********lara:
😱welch Absturz!
*ggg*
**********lerin Frau
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Artemis und ich sitzen im Freien und haben alkoholfreie Cocktails bestellt. Es ist das erste Treffen. Seit unserem Kennenlernen sind knapp zwei Wochen verstrichen, in denen wir vorsichtig hin- und hergeschrieben und einander abgecheckt haben. Wir sind neugierig aufeinander, immerhin trennt uns ein Altersabstand von beinah zehn Jahren und wir leben in völlig verschiedenen Welten. Was war es, was uns in dieser Nacht zueinander zog? Die Chance auf berufliche Zusammenarbeit oder etwas anderes?

Sie trägt einen veganen Blazer in Wildleder-Optik, der mich sehr beeindruckt. Geschäftsfrau mit Stil, sagt er. Die Handtasche ist eine billige Abwandlung eines Designerstücks, aber sie verrät Stil, wo meine Pragmatismus und Zurückhaltung verkündet. Meine Bluse ist selbstgenäht und hat einen tiefen Ausschnitt, weil ich mit Artemis' kurzem Kleid am Kennenlerntag mithalten will.

Schritt für Schritt checken wir einander ab. Das Ziel ist eine berufliche Zusammenarbeit, also müssen wir verstehen, wie die andere tickt. Ich habe gehört, dass Männer es oft anders tun, da arbeitet man erst zusammen und erzählt viel später von privaten Dingen. Artemis tickt hier jedoch wie ich, stelle ich erleichtert fest. Wir gleichen den Partnerschafts-Status ab (beide verheiratet), die Positionierung im Freundeskreis (wir mögen beide Frauen, die sensibel und klug zugleich sind), die Kindheit, Geschwisterreihenfolge und Beziehungsverletzungen ...

Natürlich gehört das zum Thema! Wie soll man bei etwas so Wichtigem wie der Positionierung in der Unternehmenswelt wissen, was man von der anderen zu erwarten hat, wenn man nicht versteht, wo sie brennt, wo ihr Herz warm glüht und wo sie vor Angst beinah erstarrt?

"Mit 25 war ich schon einmal kurz davor, mich zu trauen", erzähle ich Artemis schließlich. "Aber es ist nichts daraus geworden. Irgendwie hatte ich nicht den Mut, aus meiner Idee ein richtiges Konzept zu entwickeln."

"Warum nicht?", fragt sie unerwartet liebevoll.

"Eine Männergeschichte." Ich schlucke. "Es gab da jemanden, der ... Er hat mich inspiriert. Und ich dachte, er glaubt an mich."

Mein Mund füllt sich mit Schweigen, das so dick ist, dass ich kaum Luft bekomme.

Wieder dieser verständnisvolle Blick von Artemis. Bei all ihrer fülligen Zartheit besitzt sie ein großes Herz und eine innere Stärke, die mich an Stahlbeton erinnert. Etwas Solides und Starkes, an dem man sich festhalten und auf das man bauen kann. Sie mustert mich aufmerksam. "Ich weiß nicht, ob es mich etwas angeht, und wenn ich indiskret bin, musst du mich stoppen … Aber du guckst gerade, als ob ... Was für ein Kerl war das, der dich davon abgehalten hat, die Welt heller zu machen?"

Ich versuche, das Schweigen hinunterzuschlucken, doch es klebt an meinen Zähnen und lähmt meine Zunge.

Artemis lächelt zynisch. "Er weiß schon, was er der Welt damit vorenthalten hat, ja? Man müsste blind sein, um nicht zu sehen, was für ein Potenzial du hast, Tara."

Schon wieder dieses Potenzial. Als ich ein Kind war, haben es viele gesagt, aber ich habe nie viel darauf gegeben. Solche Dinge sagen Erwachsene, wenn sie große Kulleraugen sehen und Liebe empfinden. Liebe ist gut, aber sie verfärbt den Blick auf die Realität.

Ich schlucke hart. Meine Lippen bleiben aufeinander, denn ich habe keine Worte für das Grauen, das mich plötzlich erfüllt. Felix, will ich sagen. Doch die Wahrheit ist, dass es nicht Felix war. Es gibt etwas anderes, was noch weiter zurückliegt. Etwas, woran ich mich kaum erinnern kann, wo mir beinah zwei Jahre meines Lebens fehlen und ich mich nur an winzige Bruchstücke erinnere. Jemand, der ...

"Bei mir war es der Freund meiner Mutter", durchbricht Artemis das Schweigen, das sich immer zäher ausgebreitet hat. Ihre Stimme klingt absolut leer und emotionslos.

"Ach du Scheiße." Ich greife nach ihrer Hand und zögere in der letzten Sekunde, doch sie greift nach meiner.

"Er hat mich nie angefasst", sagt sie hastig, aber ihre Stimme bleibt tonlos. "So einer war er nicht. Aber …"

Ich schweige. Manche Dinge sind zu furchtbar für Worte.

"Ich habe gespürt, wie er mich angesehen hat", sagt sie schließlich. "Aber niemand hat mir geglaubt."

"Ich glaube dir", sage ich sofort und verfluche ihre Mutter, die es nicht getan hat.

Wir halten uns an der Hand und ertragen beide die Bilder in unserer Erinnerung, für die es so wenige Worte gibt. Artemis' Horror hat nichts mit Devotsein zu tun. Ihre Finger krampfen sich in meine. Ich hätte sie so gern beschützt.

Ich wäre selbst ebenfalls gern beschützt worden, begreife ich ganz allmählich. Doch es gab niemanden, an dem ich mich festhalten konnte. Bis heute, bis zu dieser Mädchenfrau mit einem Herz aus Gold und einem Rückgrat aus Industriestahl.

"Bei mir war es etwas anders", sage ich schließlich, als das Schweigen ihr Gesicht zu verkleben scheint. "Ich bin ... Ich stehe darauf, wenn ein Mann Macht über mich hat. Das ... Das ist kinky für mich. Und ... Das ist ... Einmal, beim allerersten Mal mit einem passenden Gegenüber, da ist das fürchterlich schiefgegangen. Und seitdem habe ich das Gefühl ..."

Dass ich nichts mehr wert bin.

Ich schaffe nicht, es auszusprechen, genauso wenig wie Artemis in der Lage ist, die grässlichen Gedanken in Worte zu fassen. Doch irgendetwas in ihrer Haltung sagt, dass sie dasselbe fühlt. Dass es auch bei ihr diese Gefühl ist, das nichts mit der Arbeit zu tun hat und über das sie trotzdem jedes Mal stolpert, wenn sie die Welt von ihrem Talent überzeugen will.

Genau wie bei mir.
********lara Frau
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Harter Tobak ...
**********lerin Frau
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Ich weiß, das hier ist keine Geschichte von der Sorte "Beim nächsten Dom wird alles besser". Tut mir leid, wenn ich da falsche Erwartungen geweckt haben sollte. Sexualität bedeutet mehr als die Suche nach dem perfekten Höhepunkt. Den hatte ich bereits, in dieser Nacht mit Felix. Vielleicht hätte ich die Geschichte dort enden lassen sollen. Dann wäre mein Businessplan weiterhin leer, aber dieser Text hätte ein Happy End.

Nur, leider, leider, wäre das nicht die Wahrheit gewesen. Im Moment verspüre ich keinerlei Happyness beim Gedanken daran, devot zu sein. Ich habe von Anfang an mit offenen Karten gespielt und gesagt, dass ich hasse, was ich bin. Dass ich es abschneiden will.

Hass kommt nie von ungefähr.

Als Mädchen mochte ich meine Sexualität. Ich habe euch von meinem ersten Freund erzählt und der Reise im Campingbus an den Stausee. Sex ist etwas Cooles, dachte ich. Tatsächlich gibt es eine ganze Branche mit Filmen und auch mit Büchern rund um dieses schöne Thema. Funken, die fliegen, Schwänze, die stehen, Pussys, die überfließen. All diese Geschichten haben eins gemeinsam: Sie klingen federleicht und vergnüglich. Knallhart, abgebrüht, explodierend und voller Stärke. Niemand hat Angst zu versagen. Niemand fühlt sich wertlos, verstellt sich, täuscht etwas vor, und …

Niemand ist verletzlich.

Was hat das mit der Realität zu tun, frage ich euch jetzt. Wo wird ein Mensch verletzbarer als dort, wo er nackt ist? Was zerstört einen Mann mehr als die Erkenntnis, dass seine Gefährtin nie ihn wollte und begehrt hat, sondern seinen Status und sein Geld, während sie sich für die heißen Momente einen Liebhaber suchte? Zeige nie auf den Penis deines Partners und lache, lernen junge Frauen. Kritisiere ihn niemals. Damit zerstörst du sein Vertrauen in sein Mannsein. So etwas ist grausam. Und dann, nur nebenbei gesagt, ganz ohne zynisches Mundwinkelzucken, kann er nicht mehr erfolgreich sein. Das wäre doch schade.

Während ich auf meinen leeren Businessplan starre, frage ich mich, ob das umgekehrt ihn ähnlicher Weise für Frauen gilt. Zerstöre ihr Vertrauen in ihre Sexualität. Damit zerstörst du gleichzeitig ihr Vertrauen in ihr Frausein. Und dann, auch ohne es gezielt zu planen, kann sie nicht mehr erfolgreich sein. Ist es das, wovon diese Geschichte handelt?

Mein unausgefüllter Plan zur Unternehmensgründung.

BDSM ist kein Kuschelsex. Beim Spiel mit der Macht geht es nie nur um Einvernehmlichkeit, ganz egal, wie sehr wir uns das einreden, auf Safewörter achten und Vorlieben abchecken. Es geht auch nie nur um überfließende Pussys und knallharte Schwänze. Ich bin devot. Und das heißt, dass ich auf Dinge reagiere, die nichts mit rationalen Sicherheitsabwägungen zu tun haben. Ich reagiere darauf, wenn ein Mann Macht über mich ausübt und ihn das erregt. Ich reagiere auf Schmerz.

Und deswegen ist es mein Recht, meine Veranlagung zu verachten und zu hassen. Ich will eine normale Frau sein.

Wo ist mein Messer?
*********Mojo Paar
202 Beiträge
Als der erste Teil dieser Geschichte am 14.09. erschien habe ich mich kurz gefragt, ob es eine fiktionale Geschichte oder Teil deines Lebens ist, was Du uns hier zum lesen gibst. Ich beantwortete diese interne Frage mit: fiktionale Geschichte.

Mit jedem weiteren Teil der Story wurde es für mich immer wahrscheinlicher, dass hier dein Leben eine große Rolle spielt. Ich kann mich natürlich irren, aber es ist faszinierend zu lesen, wie sich die Protagonistin immer mehr in die Erzählerin wandelt.

Die unerwarteten Wendungen, die Sprache und vor allen Dingen dieser zwischen den Zeilen schimmernde Schmerz.
Großes Kino, ich bin komplett gefangen.
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