Wie gestaltet sich eine Beziehung mit Behinderung?

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Themenersteller
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9. Feb 16

Wie gestaltet sich eine Beziehung mit Behinderung?
Hallo liebe JOYclubber,

Liebe kennt keine Grenzen. Lässt sich diese Volksweisheit auch ohne Weiteres auf eine Beziehung übertragen, in der ein Partner behindert ist?

Welche Erfahrungen habt ihr hier schon gemacht?
Wie sieht die Partnersuche aus? Muss der Nicht-Behinderte auf irgendwas verzichten? Hat man mit Vorurteilen zu kämpfen und wie gestaltet sich der Alltag?

Lasst uns an euren besonderen Beziehungserfahrungen teilhaben.

Liebe Grüße,
Miss_Mood
 
 
9. Feb 16

so pauschal nicht zu beantworten
ob die Behinderung eine Rolle spielt und welche ist doch total unterschiedlich. Es gibt geistige und körperliche Behinderungen, es gibt auf die Sinnesorgane bezogene, auf die Körperfunktionen bezogene Behinderungen.
Wobei jemand durch die Einschränkung wie stark behindert oder gehindert wird und wie gut er oder sie das kompensieren (ausgleichen) kann, wird entscheidend sein.
Ich selbst hatte meine längste Beziehung mit einem "schwerbehinderten" Partner. Ich hatte nur Vorteile dadurch (freie Eintritte oder Bahnfahrten, weil in seinem Schwerbehindertenausweis die Notwendigkeit einer Begleitperson bescheinigt war). Er hatte sich dieses Privileg nicht erschlichen, sondern ist mit einer Spastik auf die Welt gekommen, und nur durch konsequentes krankengymnastisches Training (Vojta) seine Kindheit hindurch als Erwachsener nun in der Lage, selbständig zu leben, laufen zu können, etc. Und muss die Übungen immer noch zweimal täglich machen, weil er sonst ein erheblich schlechteres Gangbild entwickelt, häufig stolpert, etc.

Für mich gestaltete sich die Beziehung also: vor allem normal, ich hab ein bisschen bei der KG assistiert und als "Begleitperson" ab und an finanziell profitiert.

Im übrigen haben wir alle mehr oder weniger unsere Einschränkungen, Begrenzungen, und müssen mit diesen zurecht kommen. Je größer diese im Vergleich zu anderen sind, je stärker also die Behinderung, desto mehr wird derjenige halt damit konfrontiert und muss sich damit auseinander setzen. Was die Persönlichkeit deutlich interessanter machen kann.
 
 
9. Feb 16

Stimme meiner Vorrednerin zu: Aus den dort genannten Gründen ist eine pauschale Antwort nicht möglich.

Daher meine persönlichen Erfahrungen:

Welche Erfahrungen habt ihr hier schon gemacht?
Meine erste längere Beziehung hatte ich anfang zwanzig mit einer zu Beginn unserer Beziehung schwertsbehinderten Frau (Tetraplegikerin)

Wie sieht die Partnersuche aus?
Nicht anders wie sonst auch: Wir haben uns kennengelernt, ineinander verliebt und eine Beziehung begonnen, später auch geheiratet.

Muss der Nicht-Behinderte auf irgendwas verzichten?
Natürlich war in der Sexualität am Anfang nicht alles möglich, aber ich habe es nicht als auf etwas verzichten müssen erlebt.

Hat man mit Vorurteilen zu kämpfen und wie gestaltet sich der Alltag?
Im näheren Umfeld gab es ganz zu meiner Überraschung weniger Vorurteile als Besorgnis, ob wir beide das auf Dauer packen. Den Alltag habe ich nicht sonderlich kompliziert erlebt. Wir haben die Dinge gemacht die möglich waren und hatten viel Spaß zusammen, so auch beim Versuch mit dem Rollstuhl einen Waldspaziergang zu machen*traenenlach*. Ansonsten haben wir zusammen viel Gehübungen gemacht und der gemeinsame Wille und Glaube dass es einen Weg aus dem Rollstuhl gibt hat uns eher Kraft gegeben. Nach einem Jahr war der Rollstuhl überflüssig und nach einem weiteren Jahr auch die Krücken. *zwinker*
 
 
9. Feb 16

Bei uns in der Partnerschaft
war das NIE ein Thema auch wenn die Behinderung erst nach der Hochzeit gekommen ist.
Wir haben uns immer ergänzt und zusammen gekämpft. Auch jetzt wo der andere Partner auch behindert wurde haben wir keine Probleme damit.
Eher das Umfeld hat Probleme mit den Behinderungen von uns.
Im Freundeskreis haben wir sehr viele einbußen gemacht, damit hätten wir allerdings nie gerechnet *snief*
aber auch hier ist es eher schwer was zu finden, da mein Mann durch die starken Medikamente recht gut an Gewicht zugelegt hatte. Sind zwar wieder viele Kilos runter aber ist hier doch noch schwer was zu finden. Aber wir und unsere Kinder haben damit gelernt zu leben und um zu gehen und die anderen die damit nicht klar kommen sollen uns mal ganz gewaltig am Arsch lecken *g* weil es wird auch Menschen geben die damit kein Problem haben das wir so sind wie wir sind *g*
 
 
10. Feb 16

Ich freue mich ja immer solche Artikel zu lesen und dass es auch im Joyclub eine Extra "Ecke" für dieses Thema gibt. Dennoch deprimiert mich der Artikel auch da ich mal wieder das Gefühl bekomme, selbst unter "den Behinderten" als besonders schwerer Fall zu gelten.

Es ist schade, dass Leute die an ihr Bett gebunden sind, nie erwähnung finden. In diesen Artikeln und Forenthreads werden immer nur Rollstuhlfahrer und anderweitig mobile Menschen beleuchtet.
 
 
10. Feb 16

Was mich persönlich interessieren würde: sind hier auch Menschen anwesend, die als sexualassistenz arbeiten? wenn ja würde ich gern wissen welche/s Ausbildung /Studium man dafür benötigt?
 
 
10. Feb 16

Wusste gar nicht, das es das gibt, aber interessant. War neugierig und habe ein wenig gesucht und habe das gefunden:

Links nur für Mitglieder

Vielleicht kennst Du das aber auch schon.

ASM90:
Es ist schade, dass Leute die an ihr Bett gebunden sind, nie erwähnung finden
Hast Du eine Idee warum das so ist?
 
 
10. Feb 16

Vielen Dank an Kathrin_TV für den Link.

Ich habe mir mit Interesse die Seite angesehen, da auch ich vorher noch nie von diesem Job gehört hatte.
Ich denke, diese Art der Sexualberatung, bzw die Sexualassistens wird für die Betroffenen eine ganz wichtige und daher sehr löbliche Sache sein. Ich finde es toll, dass es Menschen gibt, die solche Jobs machen.
So gibt sich der Verfasser der Seite auch sehr viel Mühe, dieser Tätigkeit durch die Art der Beschreibung und der benutzten Begriffe (Institut, Ausbildung,Surrogatpartnerschaft, etc.) eine hochehrenwerte Note zu geben, die ich auch keinesfalls bestreite. Ich halte das tatsächlich ebenfalls für eine sehr gute und auch dringend benötigte Angelegenheit in unserer Gesellschaft.
Trotzdem handelt es sich doch lediglich um eine weitere Idee, wie man mit Sex Geld verdienen kann.
Also letzlich doch um einen Nebenzweig der Prostitution.
Bitte diese Folgerung nicht falsch verstehen. Ich negativiere damit nichts. Für mich ist auch die Prostitution nichts unehrenhaftes. Diese Frauen helfen sexuell benachteiligten Männern oft über schwere Zeiten hinweg. Wenn auch, wie jeder andere Beruf, natürlich für Geld.
Wie gesagt; eine wichtige und ehrenswerte Angelegenheit! Und genau wie die eigentliche Prostitution wichtig für jede Gesellschaft. Aber warum nennt an diesen Job dann nicht beim richtigen Namen.
Wohl deshalb, weil man diese Tätigkeit behinderten Menschen anbietet und nicht gesunden Menschen.
Das scheint mir tatsächlich der einzige Unterschied zu sein.
Und da schleicht sich bei mir dann schon die Frage ein, um hier nicht behinderte Menschen dazu benutzt werden, um dem finanziellen Gewinn durch Sex (also Prostitution) in der Gesellschaft besser etablieren zu können.
 
 
10. Feb 16

Hallo!

Ich finde es interessant, dass beim Thema "Wie gestaltet sich eine Beziehung mit Behinderung?" Sexualbegleitung gleich so prominent ins Spiel gebracht wird.

So weit ich weiß, ist das, was (zumindest in Österreich) Sexualbegleiter_innen dürfen, beschränkt. "Geschlechtsverkehr und alle Handlungen, bei denen es zum Kontakt zwischen
Schleimhäuten bzw. Schleimhaut und Körperflüssigkeiten kommt, sind mit LIBIDASexualbegleiterinnen
und LIBIDA-Sexualbegleitern nicht möglich
" (Links nur für Mitglieder)

Sexualbegleitung dürfen übrigens auch Frauen in Anspruch nehmen *zwinker* und auch Menschen ohne Behinderung.
 
 
10. Feb 16

Das scheint dann in Österreich anders zu sein als in Deutschland.
So ist es jedenfalls dem oben erwähnten Link der ISBBTrebel.de zu entnehmen.
 
 
10. Feb 16

Aja, tatsächlich, finde ich gut! Nichtsdestotrotz gibt es kein Anrecht auf eine bestimmte gewünschte sexuelle Handlung, steht da.
 
 
10. Feb 16

kompliment!
ein tolles Interview mit Thalon und Julia! *top*
 
 
10. Feb 16

Ich finde das Interview und die beiden Magazinbeiträge sehr gelungen.
Ein Danke an die Redaktion dafür.
Ich würde mir mehr solcher Beiträge, jenseits der üblichen Oberflächlichkeit vieler anderer Magazinbeiträge, wünschen.

@sieundich2005
Ja und, selbst wenn es so wäre, was ist daran nun das Problem?

Ich habe einen helfenden Beruf, verdiene damit mein Geld und das nicht allzu schlecht. Einem anderen Menschen kostenlos helfen kann jeder, nennt sich Nachbarschaftshilfe u.a., dennoch gibt es einen grundlegenden Unterschied.
Ich habe sehr lange gelernt um möglichst zielführend Unterstützung anzubieten und jemanden zu begleiten, damit dieser Mensch selbst zu Lösungen findet. Nennt sich Hilfe zur Selbsthilfe.
Dabei wahrzunehmen, wo steht derjenige, was braucht er und mich und meine Arbeit zu reflektieren und Grenzen zu wahren gehört dazu.

Und genauso sehe ich die Sexualassistenz. Ein helfender Beruf, der mitnichten auf reine Sexarbeit reduziert werden kann. Auch wenn die Körperlichkeit ein Bestandteil der Arbeit ist. Dennoch sehe ich diese Begleitung als Hilfe zur Selbsthilfe und zur Unterstützung der Entwicklung der eigenen Persönlichkeit an, zu der die eigene Sexualität gehört. Und ich glaube zudem diese Arbeit können möglicherweise nur Menschen anbieten, die mit sich und ihrer eigenen Sexualität im Reinen sind.

Ich denke sogar, dass auch für manche nichtbehinderte Menschen z.B. Sexualtherapie durchaus hilfreicher sein könnte, verlässt sie den Weg der ausschliesslichen kognitiven Entwicklung von Persönlichkeit und bezöge Körperlichkeit mit ein. Ein Tabubruch offenbar, denn diese Grenze zu überschreiten bedeutet offenbar, sich den bestehenden gesellschaftlichen Moralbegriffen zu entziehen, die Sexualität als Dienstleistung sofort abwerten.
 
 
10. Feb 16

Ich finde Assistenz für behinderte Menschen sollte kostenlos sein, da man diese nur ausnutzt. Kindergärtnerin übrigens auch. Und altenpflegerin besonders bei demenzkranken. Die merken nicht einmal mehr wie sie von ihren Pflegerinnen benutzt werden!
 
 
10. Feb 16

Sexualbegleiter helfen übrigens auch paaren,bei denen beide eine Behinderung haben ihre Sexualität so auszuleben, wie diese es möchten (Bsp lifter). Dass man auch für einen Beruf, den man gerne macht und bei dem man anderen Menschen hilft, bezahlt werden möchte, sollte dabei aber selbstverständlich sein. Eine Notlage ausnutzen (und beispielsweise nach und nach immer höhere Zahlungen fordern) Nein. Aber eine faire Entlohnung dafür, dass Menschen ein Stück Lebensqualität bekommen, auf das sie sonst verzichten müssen ist nur natürlich.
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