Wie frei ist die sexuelle Selbstbestimmung mit Behinderung?

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Themenersteller
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29. Jun 17

Wie frei ist die sexuelle Selbstbestimmung mit Behinderung?
Ich habe einen sehr interessanten Fernsehbeitrag,, aus der Sendereihe ... Selbstbestimmt gesehen.

Katharinas verbotene Liebe

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Als Jacek in Katharinas Leben tritt, sitzt sie im Rollstuhl und ist auf Hilfe angewiesen. Jacek stellt sich als ihr neuer Pfleger vor. Zwischen beiden beginnt eine liebevolle Beziehung.
Doch ihre Liebesbeziehung empfinden viele als suspekt, unmoralisch.
Denn eine Beziehung zwischen Patientin und Pfleger ist in den Pflegeregularien weder vorgesehen, noch erlaubt.
Jacek verlor seine Arbeit.


Wer sich mit dem Thema Sexualität mit Behinderung auseinandersetzt, dem fällt evtl. folgender Widerspruch auf ....
Auf der einen Seite das (angeblich) selbstbestimmte Recht geistig wie auch körperlich behinderter Menschen auf das aus- und erleben von Sexualität und Liebe.
Auf der anderen Seite bestimmen aber auch oftmals eher außenstehende Menschen (Betreuer, pflegend Angehörige, Pfleger, karitative Institutionen / Organisationen) was sexuell und in der Liebe in Ordnung oder moralisch verwerflich oder Missbrauch ist.

Doch wer wird denn oftmals die größte Empathie für behinderte Menschen haben ?
Meistens doch genau die Menschen, die im Alltag mit dem Umgang behinderter Menschen vertraut sind, weil sie Menschen tagtäglich um sich haben, betreuen, in Werkstätten oder im Pflegebereich tätig sind.

  • Habt ihr (als betroffene Menschen) oder wenn Ihr Euch vorstellt in solch einer Situation zu sein, dass Gefühl frei über Euer Sexual- und Liebesleben entscheiden zu können ?

  • Würdet ihr Euch zutrauen vorurteilsfrei über das Sexual- oder Liebesleben eines anderen Menschen entscheiden zu können ?

  • Wie empfindet ihr es (weil ihr selber betroffen seid) oder würdet ihr es empfinden, wenn außenstehende Menschen Euer Sexual- und Liebesleben oder die Wahl Eurer Partner/in beurteilen und bewerten würden ?



Angeblich sind sich alle einig.

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Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung bedeutet, selber zu wählen, wie und mit wem Sexualität gelebt wird. Die Realisierung dieses Anspruchs ist für viele Menschen mit Behinderung aber nicht so selbstverständlich wie für Menschen ohne Behinderung.

Menschen mit geistiger Behinderung haben ein Recht auf eigene Kinder. Niemand darf sie daran hindern, gleichgeschlechtlich zu lieben und eine gleichgeschlechtliche eingetragene Partnerschaft einzugehen.
 
 
29. Jun 17

Hier sollte klar zwischen dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und den Etikregeln für Mediziner und Pflegeberufe unterschieden werden.
Auch bei Patienten ohne Handikap sind sexuelle Beziehungen zwischen Arzt/Pfleger und Patienten untersagt. Auch hier kann es zur Entlassung führen.

Gemäß dem ARD Bericht wurde ihm ja nahegelegt, eine andere Pflegestelle zu suchen. Nur beide wollten das nicht, was auch wiederum verständlich ist, jetzt pflegt er sie, ohne Pflegedienst, als Angehöriger. Dafür gibt's jetzt das Pflegegeld.

Das hat erstmal nichts mit dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu tun.
 
 
29. Jun 17

Hey zusammen
Rechtlich/gesetzlich ist das ja klar geregelt.
Gefällt mir das?
Teils/teils
Wenn ich mich, als Betroffener mit "körperlichem" Handicap in meine Pflegekraft/Therapeuten/-in verliebe UND umgekehrt, ist mir das Gesetz zunächst mal wurscht - dann findet man eine gemeinsame und legale Lösung (leider mit vielen Einschränkungen). Auch, wenn viele das als schräg empfinden mögen.
Bei einseitiger sexueller Anziehung, sieht das natürlich völlig anders aus - klar.
Ebenso bei einer psychisch/geistiger Beeinträchtigung. Dann bestimmen das leider Dritte.
Ich persönlich bin unbedingt dafür, dass auch diese Jungs und Mädels ihre Sexualität frei ausleben.
Lieben Gruß vom Cat
 
Themenersteller
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2. Jul 17

Das hat erstmal nichts mit dem Recht auf sexuelle Selbstbestimmung zu tun.

Wenn Regeln oder Gesetze Einfluss auf das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung nehmen, sollten diese Regeln und Gesetze überprüft und den neuen Wertevorstellungen entsprechend angepasst werden.

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Pflege = sexuell befreiter Raum?

Hierzu zeichnet sich aber allmählich ein Wandel ab, der unter anderem durch die UN-Behindertenrechtskonvention angestoßen wird. Diese besagt nämlich, dass auch Menschen mit Behinderung ein Recht auf sexuelle Selbstbestimmung haben. Diese Autonomie ist zu wahren - darin sind sich die meisten Pflegenden einig.

Es stellt sich vielmehr die Frage des Wie.
Ein Pflegender hat selbstverständlich nicht die Aufgabe, dem pflegebedürftigen Menschen zur sexuellen Erfüllung zu verhelfen. Gleichzeitig übernimmt er aber die Verantwortung dafür, den schwerbehinderten Menschen in seiner Selbstbestimmung zu unterstützen sowie Wege aufzuzeigen, damit sich die Grenzen zwischen den Bereichen Sexualität und Pflege nicht weiter verwischen.



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Die Einrichtung sexualpädagogischer Beratungsstellen für Menschen mit einer geistigen Behinderung ist ein wichtiger Schritt in Richtung Eigenverantwortung und Selbstbestimmung.
Umfassende Ziele sind die Entwicklung und der Erwerb von sozialer und sexueller Verhaltens- und Handlungskompetenz sowie die Übernahme von Eigenverantwortung für gelebte Sexualität.


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Beratungsstelle "Liebe, Lust und Frust"

Alles wichtige Ansätze und Überlegungen, aber am Ende ist für viele Menschen, meiner Meinung nach, doch kein sexuell selbstbestimmtes Leben möglich.
Solange außenstehende Menschen weitreichende Entscheidungen treffen und die Sachlage nach Ihren eigenen Werten und Vorstellungen beurteilen, bewerten und entscheiden, ist weder ein freies und selbstbestimmtes Leben möglich, noch das ausleben einer freien und selbstbestimmten Sexualität.

Jeder Mensch war mal jung und sollte sich fragen, wie es wäre die eigene Sexualität nach den Wertevorstellungen der Eltern, Lehrer, der Norm und Ansichten der Gesellschaft leben zu müssen ?
Ich persönlich finde den Gedanken schrecklich.

Nun gut ich bin noch, in der glücklichen Situationen, dass ich frei entscheiden kann.

Aber von heute auf morgen (Unfall, Krankheit) kann es jeden Menschen treffen oder spätestens evtl. irgendwann im Alter (Seniorenheim, Pflegeheim, Senioren-WG) bin ich und viele andere Menschen auch, solch einer fremdbestimmten Situation ausgesetzt.

Nicht um sonst ist genau solch eine Situation (nicht mehr frei bestimmen und entscheiden zu können) die größte Angst vieler Menschen.

Doch wer soll solche Regeln und Gesetze verändern, wenn nicht wir Selbst ?
 
 
2. Jul 17

Die in Rede stehende Sendung habe ich leider nicht gesehen.
Entscheidend dürfte aber die Frage sein, ob der Betroffene, also der behinderte Mensch, selbst einen freien und von Krankheit unbeeinflussten Willen bilden und danach handeln kann. Kann er das, so ist auch sein Wille maßgeblich. Selbst dann, wenn eine rechtliche Betreuung intalliert ist. Es gibt inzwischen auch viele Einrichtung, vornehmlich auch Einrichtungen, in denen jüngere Menschen leben, wo es keine moralichen Bedenken gibt, wenn "Liebesdienste" extern eingekauft werden.
Eine sexuelle Beziehung zu einem unmittelbar am Hilfeprozess beteiligten Mitarbeiter, dürfte allerdings sehr kritisch beäugt werden. Hier kommt dann das Strafgesetzbuch ins Spiel, u.a mit § 174 c StGB.

Leider wird oftmals wird den behinderten Mensch das "Recht auf Sexualität" abgesprochen, gerade auch in Pflegeeinrichtungen, die unter konfessioneller Führung stehen. Ein Umdenken ist hier meiner Meinung nach dringend erforderlich.
 
 
2. Jul 17

Die in Rede stehende Sendung habe ich leider nicht gesehen.
Entscheidend dürfte aber die Frage sein, ob der Betroffene, also der behinderte Mensch, selbst einen freien und von Krankheit unbeeinflussten Willen bilden und danach handeln kann. Kann er das, so ist auch sein Wille maßgeblich. Selbst dann, wenn eine rechtliche Betreuung intalliert ist. Es gibt inzwischen auch viele Einrichtung, vornehmlich auch Einrichtungen, in denen jüngere Menschen leben, wo es keine moralichen Bedenken gibt, wenn "Liebesdienste" extern eingekauft werden.
Eine sexuelle Beziehung zu einem unmittelbar am Hilfeprozess beteiligten Mitarbeiter, dürfte allerdings sehr kritisch beäugt werden. Hier kommt dann das Strafgesetzbuch ins Spiel, u.a mit § 174 c StGB.

Leider wird oftmals dem behinderten Menschen das "Recht auf Sexualität" abgesprochen, gerade auch in Pflegeeinrichtungen, die unter konfessioneller Führung stehen. Ein Umdenken ist hier meiner Meinung nach dringend erforderlich.
 
Themenersteller
 Themenersteller
2. Jul 17

selbst einen freien und von Krankheit unbeeinflussten Willen bilden und danach handeln kann. Kann er das, so ist auch sein Wille maßgeblich.

Wie soll das gehen bei einer geistigen Behinderung ?
Einen Willen haben diese Menschen mit Sicherheit trotzdem, auch wenn diese Gedankengänge nicht immer für jederman nachvollziehbar oder verständlich sein mögen.

guter Film zum Thema

DORA oder die sexuellen Neurosen unserer Eltern

 
 
2. Jul 17

Bei geistigen Behinderungen wird es dann tatsächlich schwieriger; sowohl aus rechtlicher als auch - wie ich meine - moralischen Sicht.
Ich hatte lediglich eine körperliche und eine allenfalls leichte mentale Einschränkung unterstellt.
Der Film scheint aber sehr interessant zu sein.
 
Themenersteller
 Themenersteller
2. Jul 17

Der Film scheint aber sehr interessant zu sein.

Ja das ist er *spitze*
 
 
31. Jul 17

Das Thema betrifft auch Sinnes behinderte..Blinde..Taubblinde..Gehörlose...
Vieles wurde bereits dargelegt an gesetzlichen Bestimmungen...
Was fehlt ist der Abbau von Barrieren in den Köpfen der Mitmenschen.
Bis zur vollständigen Umsetzung der UN Behindertenrechtskonvention...werden noch Jahrzehnte vergehen...
Inklusion beginnt zuerst in den Köpfen... *g*
Es ist kein Verdienst gesund zu zu sein
Sondern ein Geschenk welches jederzeit genommen werden kann!
 
 
9. Aug 17

sexuelle Selbstbestimmung
Menschen die “behindert“ sind, haben die gleichen Bedürfnisse, das gilt selbstverständlich auch für Liebe, Sex und Gefühle. Leider ist es für Viele noch nicht normal und das zu Zeiten, wo man mit der Inklusion “Hand in Hand“ gehen will. Eigentlich ist es traurig, wie viele Menschen in alten Schubladen denken. Hier muss noch viel Aufklärungsarbeit geleistet werden... Allerdings bin ich auch der Meinung, das sich auch die “Behinderten“ nicht so oft einschränken lassen sollten. Ein “Minirevolutzer“ steckt in jedem. *zwinker*
 
Themenersteller
 Themenersteller
10. Aug 17

Allerdings bin ich auch der Meinung, das sich auch die “Behinderten“ nicht so oft einschränken lassen sollten.


Ich bin zwar nicht betroffen, aber ich könnte mir vorstellen, dass vielen betroffenen Menschen die Kraft fehlt selbst eine Minirevolution zu starten.

Der Wandel muss meiner Meinung nach, vor allem aus der Mitte der Gesellschaft kommen, da es ja auch jeden Menschen betreffen könnte ...... leider denken daran zu wenige Menschen.
 
 
10. Aug 17

Das stimmt zum Teil
Es gibt seit den 80 er Jahren eine Bewegung..selbstbestimmt Leben.
Entstanden von Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen.
Aber Menschen die in Heimen leben ..die schwer körperlich beeintråchtigt sind .Menschen mit schwerer geistiger Behinderung..Mehrfach Behinderte...haben es sehr schwer ihre Bedürfnisse zwar mitzuteilen..aber die Umsetzung ist schwierig bis unmöglich..in der Realität einen Partner/ in zu finden..die ssich darauf einlassen.
 
 
10. Aug 17

Da stimme ich ...
bedingt zu. Ich glaube das diese Personengruppen einfach zu viel Angst haben, das die “Gesunden“ sie einfach nicht für “vollwertig“ , was für ein blödes Wort, nehmen. Wie ich schon erwähnt habe, ds braucht es noch sehr viel Arbeit und das von allen Seiten.
 
 
10. Aug 17

Ich schreibe durchaus aus Erfahrung..
Da ich seit 20 Jahren in der Selbshilfe und auch in Behindertenbeirat aktiv bin.
Auch in der Landespolitik zur Umsetzung der Inklusion.
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