11.10.2014

Homosexualität – Der lange Weg zur Akzeptanz
Ein Streifzug durch die Geschichte der gleichgeschlechtlichen Liebe

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Heute ist Homosexualität kein Tabuthema mehr. Aber das war nicht immer so.
Heute ist Homosexualität kein Tabuthema mehr. Aber das war nicht immer so.

"Seit ich denken kann, denke ich schwul", dies verriet Harpe Kerkeling unlängst in der Talksendung von Sandra Maischberger. Homosexualität wird in Deutschland heutzutage ohne Umschweife und Tabuisierung thematisiert. Niemand braucht hierzulande Repressalien aufgrund seiner gleichgeschlechtlichen Orientierung zu fürchten.

Doch bis zu dieser Selbstverständlichkeit und der heutigen Emanzipation von Homosexuellen in Deutschland war es ein langer und steiniger Weg. Von der Akzeptanz in der Antike bis zur Strafverfolgung im Kaiserreich, von der ersten Homosexuellenbewegung in der Weimarer Republik bis zur Verschleppung in Nazi-Deutschland, vom Stonewall-Aufstand in den 1960er Jahren bis zur Homo-Ehe im 21. Jahrhundert: Am internationalen Coming Out Day wagen wir einen Streifzug durch die Geschichte der gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit Homosexualität.

Von der Akzeptanz in der Antike zur Strafverfolgung im Kaiserreich

Homosexuelle Liebe ist nahezu in allen historischen Perioden und gesellschaftlichen Gruppen nachweisbar. Bereits in Gedichten aus der Antike sollen sexuelle Verhältnisse zwischen Männern thematisiert worden sein. Auch Vasenmalereien aus dieser Epoche stellen gleichgeschlechtliche Akte dar. Geschichtswissenschaftler sind sich sicher: Homosexualität wurde in dieser Zeit akzeptiert und partiell sogar unterstützt.

1872 wurde Homosexualität gesetzlich unter Freiheitsstrafe gestellt.
1872 wurde Homosexualität gesetzlich unter Freiheitsstrafe gestellt.

Mit zunehmendem Einfluss des Christentums führte gleichgeschlechtliche Sexualität in Europa jedoch vermehrt zur Ausgrenzung. Im Mittelalter galt Homosexualität als Sodomie und wurde somit als perverse und unnatürliche Sexualpraktik eingestuft. Betroffene wurden verfolgt und oftmals sogar auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die feindliche Gesinnung riss über die Jahrhunderte nicht ab und wurde im deutschen Kaiserreich sogar gesetzlich manifestiert. So trat 1872 der Paragraf 175 des Reichsstrafgesetzbuches in Kraft, in dem festgelegt wurde, dass gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen unter Männern mit Freiheitsentzug zu bestrafen seien.

Jähes Ende der ersten Homosexuellenbewegung in Nazi-Deutschland

Der Arzt und Sexualforscher Magnus Hirschfeld sprach sich gegen die Diskriminierung homosexueller Menschen aus und verlangte öffentlich deren Straffreiheit. Grundlage waren seine Forschungsergebnisse, nach denen Homosexualität keine Krankheit, sondern vielmehr eine angeborene sexuelle Neigung sei. Nicht zuletzt die Stimmung der Weimarer Republik trug dazu bei, dass Hirschfelds Forderungen Gehör fanden und der Reichstagsausschuss 1929 für die Aufhebung des Paragrafen stimmte.

In der NS-Zeit wurden nicht nur sexuelle Handlungen, sondern auch beispielsweise homosexuell anmutende Blicke bestraft.
In der NS-Zeit wurden nicht nur sexuelle Handlungen, sondern auch beispielsweise homosexuell anmutende Blicke bestraft.

Mit der Machtübernahme Hitlers fand die erste Homosexuellenbewegung Deutschlands jedoch ein jähes Ende. Der nationalsozialistischen Denke nach verunreinige die unsittliche Beziehung unter Männern das deutsche Volk. Homosexuelle wurden in Nazi-Deutschland erneut unterdrückt, der Paragraf 175 sogar weiter verschärft. Nun führten nicht nur sexuelle Körperkontakte zur Strafverfolgung, sondern jegliches homosexuell anmutende Verhalten, so beispielsweise auch entsprechend interpretierte Blickkontakte. Ab 1940 wurden Homosexuelle sogar in Konzentrationslager verschleppt.

Auch in den Nachkriegsjahren konnte nicht an die Emanzipationsbemühungen von Magnus Hirschfeld angeknüpft werden. Gleichgeschlechtliche Liebe mündete weiterhin in gesellschaftliche Ausgrenzung und Freiheitsentzug.

Der Stonewall-Aufstand als Auslöser für eine neue Homosexuellenbewegung

In New York kam es 1969 zum legendären Stonewall-Aufstand, der als Antrieb für die neue Schwulen- und Lesbenbewegung galt. Den Namen verdankt die Revolte der Schwulenbar "Stonewall Inn". Hier widersetzten sich Gäste erstmals polizeilichen Festnahmen und Diskriminierungen. Die mehrere Tage andauernden Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Homosexuellen rückten die Situation von Lesben und Schwulen in den Blick der Weltöffentlichkeit. Für viele Betroffene war der Stonewall-Aufstand Anlass, um sich ebenfalls gegen Unterdrückung und Diskriminierung zu wehren.

In den 1970er Jahren bildeten sich Homosexuellenbewegungen, die für Toleranz und Gleichbehandlung kämpften.
In den 1970er Jahren bildeten sich Homosexuellenbewegungen, die für Toleranz und Gleichbehandlung kämpften.

Im gleichen Jahr wurde in Deutschland der Paragraf 175 des Strafgesetzbuches entschärft. Homosexualität zwischen Erwachsenen stand nun nicht mehr unter Strafe. Zweifelsohne war dies für gleichgeschlechtlich Orientierte eine große Erleichterung, dennoch: Ein wirklich uneingeschränktes Leben war aufgrund von noch immer vorhandener gesellschaftlicher Tabuisierung nicht möglich. In der Folge bildeten sich ab den 1970er Jahren immer mehr Gruppierungen, die die Interessen von Lesben und Schwulen vertraten und für Gleichstellung in der Gesellschaft kämpften. Auch heute noch organisieren Anhänger der Homosexuellenbewegung in Erinnerung an den Stonewall-Aufstand 1969 jährlich in vielen Ländern und Orten den Christopher Street Day.

Homosexualität heute: Akzeptiert, toleriert und gleichgestellt?

Heute ist die Homo-Ehe nahezu vollständig der klassischen Ehe gleichgestellt.
Heute ist die Homo-Ehe nahezu vollständig der klassischen Ehe gleichgestellt.

Zweifelsohne kann man sich heute kaum mehr vorstellen, dass homosexuelle Paare aufgrund ihrer Zuneigung ins Gefängnis gesperrt werden. Der Paragraf 175 wurde 1994 unwiderruflich aus dem Strafgesetzbuch eliminiert. Seit 2001 können homosexuelle Paare in Deutschland heiraten. Es dauerte jedoch noch weitere Jahre, bis sie vor dem Gesetz die gleichen Rechte hatten wie heterosexuelle Paare. So waren zum Beispiel steuerliche Vorteile wie das Ehegattensplitting nicht möglich. Seit Juni 2013 ist die Homo-Ehe nun einer heterosexuellen Ehe gleichgestellt. Lediglich im Adoptionsrecht gibt es noch minimale Unterschiede. Eingetragene Lebenspartner können zwar das Kind ihres Partners annehmen, die gemeinsame Adoption eines fremden Kindes ist jedoch noch nicht möglich.

Lang währte der Kampf der Homosexuellen in Deutschland für diese neue Freiheit und Gleichbehandlung. In vielen anderen Ländern ist er längst nicht ausgestanden. Umso wichtiger erscheint es, sich nicht nur am World Coming Out Day selbstbewusst und selbstbestimmt zu seiner Sexualität zu bekennen und für diese einzustehen.