05.09.2014

Bei Anruf Sex!
Phonebitch berichtet aus zehn Jahren Telefonsex-Business

Magazin

Das große Sex- und Erotik-Magazin mit vielen Anregungen, Tipps und Tricks wird dein Sex-Leben bereichern und aufregender machen. Immer wieder neu und aktuell!

Egal ob blond, braun oder schwarz - Telefonsexanbieterinnen sehen natürlich immer so aus, wie es die Kunden wollen.
Egal ob blond, braun oder schwarz - Telefonsexanbieterinnen sehen natürlich immer so aus, wie es die Kunden wollen.

Ich möchte mich Ihnen vorstellen: Mein Name ist Phonebitch. Ich bin ein jenes Wesen, das Ihnen nachts, per Bildschirm, die Aufforderung eines erotischen Techtelmechtels ins Ohr haucht: "Ruf mich an!" Mit dem Versprechen, dass genau du - und wirklich nur du - es verdient hast, ein Verwöhnprogramm der Wollust und Ekstase bis hin zur völligen Befriedigung zu erleben.

Mein Mund und dein Mund werden sich finden. Wir werden uns gegenseitig entkleiden, liebkosen, beißen, lecken, saugen, in allen nur erdenklichen Stellungen übereinander herfallen. Du darfst mich heiß und zügellos rannehmen, mir es besorgen wie ein willenloser Hengst. In mir, über mir, auf mir kommen. Ich werde deine Blondine sein, mit wallender Mähne und einem goldschimmernden Körper. Oder deine dunkelhaarige Domina in Latexstiefeln mit Peitsche in der Hand, bereit, dich zu erniedrigen und zu demütigen. Und auf Wunsch sogar vielleicht diese anzügliche Rothaarige mit wilder Lockenpracht, alabasterfarbender Haut, grün glühenden Augen, die dein Gesicht fixieren, während sie mit ihren vollen Lippen dein Glied umschließt.

Das alles nur über das Telefon. Nur meine Stimme und deine. Ich werde deine Bitch sein. Deine Phonebitch. Sei es die Morgenlatte, der Ständer in der Mittagspause oder die abendliche Erektion, die dich dazu verführt, meine Nummer anzurufen. Ich werde für dich da sein. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche, immer unter derselben Telefonnummer.

Aber wie um Himmels Willen kommt man dazu, eine Phonebitch zu werden?

Phonebitch: Meine ganz persönliche Story

Vor ungefähr zehn Jahren begann dieser Boom. In Gedanken sah ich mich und meine erotische Stimme dort mitmischen. Wie es der Zufall so will, sollte ich die richtige Person kennenlernen, die mir ermöglichte, eine dieser heiß begehrten Nummern zu ergattern. Über Sex hatte ich mir bis dahin keine Gedanken gemacht, den hatte man oder auch nicht. Dass aber so viele geile Männer genau solche Nummern immer und immer wieder wählen und in eine Art Sucht verfallen, war mir zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst. Für mich waren solche Nummern eigentlich immer eine Lachnummer, die Teenager bei dummen Jungenspielen wählten, aber doch keine gestandenen Mannsbilder, die vor lauter Verzweiflung nicht wissen, wohin mit ihrer Erektion.

Da hatte ich plötzlich diese Nummer und Männer jeglichen Alters riefen mich an. Ich, der absolute Durchschnitt einer Frau, wurde begehrt von Polizisten, Ärzten, dem biederen braven Rentner, dem Ehemann, der neben seiner schlafenden Frau liegt, den Telefonhörer in der einen und sein bestes Stück in der anderen Hand.

Und das Telefon sollte in den folgenden zehn Jahren nicht mehr stillstehen.

Von Männern, Mahnungen und Moneten

Selbst während der Arbeitszeit können es manche Männer nicht lassen, sich ihre tägliche Portion Liebe per Telefon abzuholen.
Selbst während der Arbeitszeit können es manche Männer nicht lassen, sich ihre tägliche Portion Liebe per Telefon abzuholen.

Aus normalen Kunden wurden Stammkunden, die regelmäßig ihre Portion Liebe und Geborgenheit bei mir abholten. Liebe und Geborgenheit? Ja, auch ein solches Gefühl kann ich meinen Kunden vermitteln. Ich wurde zur Beichtmutter vieler Männer, sie erzählten mir ihre Sorgen und Lasten. Die Person am anderen Ende der Leitung ist für sie, genauso wie für mich, gesichtslos, anonym. Und dann verfällt der Kunde gerne in den Erzählmodus. Ganze Lebensumstände von Männern sind mir bekannt. Ich wusste den Namen der Ehefrau, die Geburtstage von Kindern und Enkeln. Sogar bei der Entscheidung am Kauf eines Autos samt Lieferfarbe war ich beteiligt. Darunter Männer, die mich anrufen, um sich Ratschläge erteilen zu lassen, wie sie ihre Partnerin richtig verwöhnen können. Vielleicht mit einem Dreier am Telefon?

Mir wurde schon alles geboten und angeboten: Von riesigen Summen für eine einzige Nacht bis hin zu Ferien auf Trauminseln. Aber auch Schmerzen muss ich ertragen, wenn die eifersüchtige Ehefrau hinter die Anrufe kommt und mir die Hölle heiß macht. Im Minutentakt rief mich eine solche an, nur um mir mit einer Trillerpfeife das Trommelfell zu massieren. Es rufen auch wollüstige Pfarrer an, um mich nach getaner Arbeit darauf hinzuweisen, diesen Job doch nicht sonntags auszuführen. Das sei der Tag des Herrn und ich soll mich in den Erdboden schämen, falls ich es doch tun werde. Oder Rentner, die nicht richtig auflegen und die weiterlaufende Verbindung mir eine recht ansehnliche Summe beschert. Und letztendlich Männer, die ihre Jobs verlieren, da sie dem Drang nicht widerstehen können, auf der Arbeitsstelle immer wieder meine Servicenummer zu wählen und damit für eine dreistellige Telefonrechnung sorgen. Monat für Monat. Abmahnung über Abmahnung.

Arbeitsalltag einer Phonebitch

Kann eine Frau wie ich eigentlich in einer normalen Partnerschaft überleben? Ja, kann sie und das sogar mit einem recht guten Gewissen. Ich trenne beides. Keine Telefonsexgespräche in Gegenwart des Partners. "Gearbeitet" wird nur, wenn er außer Haus ist.

Ob ich Männer als Schweine sehe? Nein, ganz sicher nicht. Zumindest nicht alle. Der sexuelle Trieb, die Geilheit und die Suche nach Liebe, so kitschig das auch klingen mag, verleitet jeden von uns, sei es Männlein oder Weiblein, zu doch sehr außergewöhnlichen Methoden. Wenn diese Methode eben darin besteht, eine Telefonnummer zu wählen und sich selbst zu befriedigen, habe ich beim besten Willen kein Problem damit.

Aber sicherlich gibt es auch Verrückte oder Kranke mit perversen Wünschen, die auch ich nicht bereit bin zu erfüllen: Von blutig geschlagenen Gesichtern bis hin zu gebrochenen Knochen. Dort hört Sex auf. Ich werde den Teufel tun, meinen Arm immer und immer wieder gegen den Tisch zu schlagen, nur damit der Kunde am anderen Ende des Telefons abspritzen kann.

Ich wechsle mit Freuden die Tonlage meiner Stimme auf Wunsch, doch sobald das Tabuwort "Kinderstimme" fällt, lege ich auf. Auch ich habe Grenzen und sobald die überschritten sind, wird mir wieder bewusst, dass auch ich nicht alles für Geld tun werde.

Wem im Bekanntenkreis erzählt man von solch einem Nebenjob? Nicht jedem. Ich habe einen Vertrauenskreis von ungefähr zehn Leuten, die von diesem Job wissen. Und die Familie. Deswegen gelte ich aber nicht als schwarzes Schaf, auch nicht als Schlampe oder Hure. Obwohl ich Sex für Geld verkaufe. Und dies nicht gerade billig, da ich zwei Euro die Minute koste und davon 1,24 Euro in meine Tasche wandern. Und jeder, der jetzt bei einem acht Stunden Arbeitstag die fast unglaubliche Summe von fast 600 Euro vor sich sieht, soll sich eines bewusst machen: Der Durchschnittsfick am Telefon dauert zwei Minuten. Ich kann von Glück reden, wenn das Telefon mehr als 40 Mal am Tag klingelt.

Zwischen steifen Nippeln und dem Abwasch

Männer denken, sie räkelt sich auf dem Bett. Dabei macht die Phonebitch ihren Haushalt.
Männer denken, sie räkelt sich auf dem Bett. Dabei macht die Phonebitch ihren Haushalt.

An einem sehr guten Tag bügele ich 20 Hemden, putze die Wohnung staubfrei und räume auf. Der Mythos, dass eine Telefonsex-Anbieterin 18 Stunden am Tag auf einer roten Samtcouch oder dem Himmelbett verbringt, stimmt natürlich nicht. Leicht bekleidet, in Strapsen und Stöckelschuhen durch die Wohnung umherstöckeln? Wohl eher im Jogginganzug oder Pyjama. Ungeschminkt, mit Pferdeschwanz und barfuß wandere ich mit dem Headset durch die Wohnung, während ich dem Kunden die Illusion verkaufe, im String und durchsichtigem Top, mit kussrotem Mund und langen roten Fingernägeln, lasziv mit leicht gespreizten Beinen und rasierter Muschi auf dem Bärenfell vor dem Kamin liegend, mich selbst zu befriedigen, während ich seinem Gestöhne am Telefon zuhöre.

Ware muss an den Mann gebracht werden und in diesem Fall bin ich die Ware. Und genauso wie die Rotlichtlampe über der Fleischtheke im Supermarkt, die die Steaks noch etwas saftiger und frischer erscheinen lässt, verkaufe auch ich mich zum höchst ansehnlichen Preis. Die Brüste haben 90C, die Nippel sind so scharf wie Rasierklingen, immer hart und erregt. Die Muschi nach Wünschen des Kunden mit oder ohne Schamhaar, saftig durchblutete Schamlippen, zwischen denen die Klitoris herauslugt, um zart mit der Männerzunge berührt zu werden.

Wenn der Kunde das Wasser plätschern hört, verkaufe ich ihm den Abwasch als erotisches Bad, in dem ich mich gleich mit der Duschbrause verwöhnen werde.

Telefonsex: Die Frage der Moral

Vor sieben Jahren häuften sich Geschichten, die ich am Telefon erlebte und so entstand eine Art Tagebuch, im Internet veröffentlicht. Die Zahl der Leser nimmt seitdem von Tag zu Tag zu, bis hin zu der Anfrage eines Verlags zur Veröffentlichung eines Buches. Seitdem gibt es "Schmutzige Nummern: Kuriose Erlebnisse vom anderen Ende der Sexhotline". Wer will nicht hinter die Kulissen einer Telefonsex-Hotline schauen? Vermutungen, dass es hinter einer solchen nicht immer mit rechten Dingen zugeht, konnte ich somit bestätigen. Die Leserschaft kontert mit witzigen Kommentaren. Die weiblichen mit Lachen, schon immer um die Lügen wissend, die hinter einer Hotline stecken. Die männlichen Leser sind wohl eher erstaunt und gleichzeitig enttäuscht. Aber selbst eine solche Nummer angerufen, hat natürlich kaum einer und wenn, dann nur der Neugierde wegen.

Über die Frage, ob Telefonsex "fremdgehen" sei, haben meine Leser und ich wochenlang diskutiert. Ich werde mich aber hier und jetzt nicht dazu äußern. Das muss jeder mit seinem Gewissen ausmachen.

Hat der Cam-Sex den Telefonsex überrundet? Nicht wirklich. Ich bediene sehr viele ältere Männer und genau das ist die Nische. Die ältere Generation - und ich rede hier nicht von 50-Jährigen, sondern von einem Alter ab 70 aufwärts - hat entweder nicht das Wissen oder die Geduld, mit den fortschrittlichen Medien standzuhalten, und erfreut sich daher, über das Telefon Befriedigung zu erhalten. Und solange dies der Fall ist, wird Telefonsex nicht so einfach von der Bildfläche verschwinden. Und ich auch nicht.

 

Wer mehr aus dem Leben von Phonebitch erfahren will, schaut einfach mal auf ihrer Homepage vorbei. Hier erzählt sie aus ihrem Alltag als Telefonsexanbieterin. Die lustigsten Geschichten hat sie bereits in ihrem Buch "Schmutzige Nummern" zusammengefasst.

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