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Hanky Codes

Die Bedeutung von farbigen Taschentüchern in Gesäßtaschen
18. Oktober 2012

Hanky Codes sind Signale innerhalb einer sozialen Gruppierung, die sexuelle Vorlieben in der Öffentlichkeit symbolisch zur Schau stellen.

Sexuelle Begierde wird oft mit Körpersprache ausgedrückt. Lange Blicke, nervöses Haarezwirbeln oder zaghaftes Berühren sind einige Anzeichen, die der menschliche Körper bei Verlangen aussendet. Doch es fordert manchmal viel Geduld bis ein Blickkontakt erwidert wird.

Vor allem in der Schwulenszene haben sich deshalb Hanky Codes etabliert. Sie dienen der geradlinigen Kommunikation, die keinerlei größeren Aufwand benötigt. Heutzutage vielfach in Vergessenheit geraten, rücken wir die farbigen Tücher wieder in den Mittelpunkt.

Der Begriff Hanky Code leitet sich vom englischen Wort "hanky", eine Kurzform von handkerchief, zu Deutsch Taschentuch, ab. Deshalb ist der Ausdruck Taschentuch-Code ebenso gebräuchlich. Je nach Farbe und Stelle der getragenen Stofftücher kommuniziert der Träger des Hanky Codes sein sexuelles Interesse. Bleibt nur abzuwarten, wer dieses teilt.

Hanky Codes in der Schwulenszene

Im Wilden Westen war es üblich, Halstücher zu tragen. Damals verbarg sich jedoch kein Hanky Code hinter den modisch-funktionalen Accessoires. Die Idee, Tüchern eine symbolische Bedeutung zuzuordnen, entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts auf der Tanzfläche.

Farbige Tücher trugen bereits Cowboys im Wilden Westen. Eine Bedeutung erhielten sie allerdings erst später.
Farbige Tücher trugen bereits Cowboys im Wilden Westen. Eine Bedeutung erhielten sie allerdings erst später.

Square Dancer aus San Francisco litten damals unter Frauenmangel in ihren Tanzvereinen. Um die Choreografien beizubehalten, teilte sich die männliche Tanzgemeinde und markierte die Gruppenzugehörigkeit mittels farbiger Stofftücher. Tänzer, die den männlichen Part verkörperten, trugen blaue Tücher. Die weiblichen Rollen wurden mithilfe roter Stofftücher markiert.

Allmählich integrierte sich der Nutzen, eine Rollenverteilung durch das Tragen farbiger Tücher zu inszenieren, in der angloamerikanischen Homosexuellen- und Lederszene. Die Sitte, seine sexuelle Ideologie offen mitzuteilen, wurde um weitere Trage- und Variationsmöglichkeiten erweitert. Die aussagekräftigen Tücher wurden je nach der Gegebenheit der Kleidung unterschiedlich fixiert: an den Handgelenken, um den Hals, an Gürtelschlaufen oder in den Hosentaschen.

Die Farbpalette der Hanky Codes

Die Verbreitung der Hanky Codes innerhalb der Lederszene führte dazu, dass verschiedene Sexualpraktiken einer bestimmten Farbe zugeordnet wurden.

Die folgenden Beispiele zeigen, welche Farbe für welche sexuelle Praktik in der Regel steht:


Mittlerweile existiert eine lange Liste der Hanky Codes, die teilweise in den Farbbedeutungen auch variieren können. Die Codierung nimmt kein Ende, denn viele Farben lassen sich wie der Farbton Blau zusätzlich in hell und dunkel differenzieren. Ein weiteres Beispiel hierfür ist die Farbe Grün, die für die Präferenz von Rollenspielen steht: Ein olivgrünes Tuch bedeutet in der Regel, dass der Träger auf Militärspiele steht; Waldgrün hingegen symbolisiert die Vorliebe für ein Rollenspiel zwischen "Vater und Sohn", einem älterem und einem jüngeren Part.

Hanky Codes richtig deuten

Mit der Länge der Liste wuchsen ebenso die Probleme, die Zeichen in der Schwulenszene zweckgemäß anzuwenden. In dunklen Räumlichkeiten, wie zumeist Clubs, ist es schwierig, die Hanky Codes zu interpretieren. Die Farben ähneln sich im dämmernden Licht und animieren zum Rätselraten.

Die Vielzahl an Farben bringt Interpretationsspielraum.
Die Vielzahl an Farben bringt Interpretationsspielraum.

Während Hanky Codes früher eindeutige Signale sendeten, werden sie heutzutage als Einstiegsthema für ein Gespräch genutzt. "Welche Farbe trägst du da?" An diesem Punkt stellt sich die Frage: Ist der klassische Blickkontakt nicht erotischer? Denn die Aufgabe von Hanky Codes besteht darin, auf Small Talk zu verzichten, um ohne Umwege zur Sache zu kommen.

Das Tragen eines Hanky Codes gibt ebenfalls darüber Auskunft, welche Person welchen Part beim Liebesakt einnehmen wird. Jemand, der sein Tuch linker Hand trägt, sagt damit aus, dass er beim Sex den aktiven Part einnehmen möchte. Ein Rechtsträger sieht sich in der Rolle des passiven Parts. Wer das Erkennungszeichen mittig trägt, outet sich als Switcher.

Eine erfolgreiche Partnervermittlung mittels Hanky Codes besteht erfahrungsgemäß dann, wenn sich Sexualpartner finden, die die gleiche Farbe auf unterschiedlichen Körperhälften tragen.

Social Media killed the Hanky Code?

Gegenwärtig hat die Verwendung von Hanky Codes in freier Wildbahn abgenommen. Seitdem Partnerportale den virtuellen Raum erobert haben, lassen sich sexuelle Symbiosen in Sekundenschnelle mithilfe eines Mausklicks online filtern. Hanky Codes erwecken den Anschein, aus der Mode gekommen zu sein. Dabei war es nie leichter, ein Abenteuer zu finden.