16.08.2013

Bondage für Anfänger - Fuß- & Oberkörperfesselung
Schritt für Schritt zum erfüllenden Bondage-Erlebnis

Die Variation des Standardknotens aus der letzten Anleitung.
Die Variation des Standardknotens aus der letzten Anleitung.

Bondage erfreut sich immer größerer Beliebtheit. Immer mehr begeisterte Fesselfreunde geben für die Dauer einer Bondage-Session nur zu gerne die Kontrolle ab und genießen das Machtgefälle, die Hingabe, Vertrautheit und speziell seitens des Aktiven auch ein Stück weit die Kontrolle über das Geschehen und die Möglichkeit, dem ganz eigenen Sadismus nachzugehen, in genau der Intensität, wie es für beide legitim ist.

ATER_CRUDUS, erfahrener Seilkünstler und überzeugter Vertreter der Ansicht, dass Bondage nicht immer ausschließlich festen Regeln folgen muss, ist sich sicher, dass jeder sein ganz eigenes Bondage entdecken, ausleben und verfeinern kann. Dabei möchte er gerne helfen und gibt uns als Basis für diese Entdeckungsreise einige Grundlagen an die Hand.

Begonnen haben wir zuletzt mit einigen grundlegenden Überlegungen zum Thema und einer Variante eines Standardknotens, auf dem unsere weiteren Anleitungen aufbauen werden. Euch erwarten diesmal eine einfache Fußfesselung und eine Oberkörperfesselung.

Direkt zur Oberkörperfesselung

Wichtige Hinweise für eine gelungene und sichere Bondage-Session

An dieser Stelle, an der wir allmählich dazu übergehen, in den Fesselungen komplexer zu werden, noch einige grundlegende Hinweise zu drei wichtigen Themen, die für eine Bondage-Session von essentieller Bedeutung sind:

Beim Bondage absolut unerlässlich: Kommuniziert mit eurem Partner!

Bondage für Anfänger

Es ist wichtig, dass ihr während einer Bondage miteinander kommuniziert. Dies können einfache Rückfragen nach der Befindlichkeit sein, vorher verabredete Codewörter oder ihr kommuniziert mittels Händedruck.

Es ist leicht, im Verlauf der Bondage ab und an die Hand des Partners leicht zu drücken. Drückt der Partner beispielsweise zweimal zurück, signalisiert dies, es ist alles in Ordnung. Drückt der Partner einmal zurück, heißt das, es ist alles in Ordnung, die Intensität soll aber nicht erhöht werden. Drückt der Partner nicht mehr zurück, heißt das, man sollte die Situation abbrechen oder zumindest entschärfen.

Diese Art der Kommunikation ist allerdings nicht immer praktikabel, denn gerade bei sehr emotionalen oder erregenden Fesselungen kann es vorkommen, dass der Gefesselte so sehr erregt ist oder emotional "fliegt", dass er den Druck als Kommunikationsmittel nicht mehr wahrnimmt.

Aber auch hier gilt: Man wächst gemeinsam mit Bondage und wird hier über kurz oder lang zu einem eingespielten Team.

Das Miteinander bei einer Fesselung

Gerade dann, wenn die ersten Grundtechniken sicher beherrscht werden, sollte man sich von innen heraus bemühen, sich auf das Geschehen und den Partner einzustellen. Beispielsweise ist es eigentlich nicht von Nöten, dass der Gefesselte während den gemeinsamen Übungen oder Momenten seine Brille trägt. Denn es sollte doch das Hauptaugenmerk auf den Empfindungen und auf den Berührungen des Partners liegen, anstatt kleinlich zu schauen, "was der denn da treibt" oder beim Blick auf das Bücherregal zu bemerken, dass man mal wieder Staub wischen müsste.

Auch gibt es nur selten einen Grund, dass sich der Gefesselte brav vor den Partner stellt und die Arme leicht vom Körper wegspreizt, um zu signalisieren, es könne losgehen. Das Miteinander schließt den wichtigen Aspekt ein, dass sich beide emotional und auch körperlich wohlfühlen. Warum nicht bequem hinter dem Partner sitzen, ihn umarmen, mit dem Seil umgarnen und so in eine Situation einsteigen?

Bondage für Anfänger

An dieser Stelle sei auch jenen, die das Seil in der Hand führen, der Hinweis gegeben, dass es vom Partner nur in den seltensten Fällen als anregend empfunden wird, wenn man unsicher um ihn herumtänzelt und sich ständig um den Partner dreht, um dem Seil richtig folgen zu können. Sucht den Kontakt zu eurem Partner und seid ihm stets nah.

Auch sehr beliebt ist, dass der Gefesselte versucht, dem Partner zu helfen: Da wird sich unbequem gewunden, um dem Seil einen freien Weg zu gewährleisten. Da werden Arme verrenkt, um Hilfe zu geben, das Seil an dieser oder jener Stelle besser führen zu können. Und es wird der Po gehoben, wenn das Seil unter dem Körper ist, weil man der Meinung ist, man helfe dem Partner damit. Nein, auch hier gilt, der Gefesselte sollte bei seinen Emotionen abgeholt werden und sich nicht um die Seilführung kümmern! Und derjenige, der das Seil in der Hand hat, sollte schon ein stückweit signalisieren können, dass er am Ende des Seils das Geschehen in der Hand hat! Klemmt das Seil irgendwo, wird euer Partner es sich schon holen. ;)

Zum Miteinander gehört jedoch auch noch ein wichtiger Hinweis an alle, die nun das Seil in die Hand nehmen: Die hier gezeigten Möglichkeiten zeigen euch stets Seile, die mit einem Knoten an den Enden versehen sind. Bitte achtet stets darauf, dass herumfliegende Seilenden im Eifer des Gefechts beim Auftreffen auf die Augen nicht selten ein Veilchen als Ergebnis haben. Und wer will schon Fesselspuren und blaue Augen! Es ist daher darauf zu achten, das Seil mit Bedacht zu führen. Aber auch hier bringt der regelmäßige Umgang Routine und Sicherheit.

Tipp: Setzt euch einfach mal hinter euren Partner, sucht den Kontakt zu ihm, berührt ihn, ihr kennt seine Vorlieben. Und lasst nun in eure Berührungen - ganz ohne das Ziel, eine aufwändige Fesselung zu kreieren - das Seil einfließen. Dies kann das sanfte Ziehen des Seils über die Brust sein; ein Seil, welches den Partner fest an einen heranzieht; die Seillagen, welche die Brustwarzen umschmeicheln oder ein Knoten, der über die Scham streift...

Wichtige Sicherheitsaspekte während der Bondage

Um Fesseln genießen zu können, haben sich einige Punkte als unerlässlich erwiesen. Auch "Seilprofis" halten sich überwiegend und routiniert an diese oder ähnliche Regeln:

Bondage für Anfänger

  • Fesseln sollte ausschließlich im gegenseitigen Einvernehmen erfolgen. Neben der Tatsache des gesunden Menschenverstandes hat dies auch rechtliche Gründe. Denn geschieht eine Fesselung nicht einvernehmlich, erfüllt sie den Tatbestand einer Freiheitsberaubung und ist somit eine Straftat. Bei einigen Konstrukten wie RACK (risk-aware consensual kink – ein moralisches Verhaltensmodell für Handlungen und Spiele im BDSM-Kontext) oder Rapegames ist streng genommen beim Einlassen auf diese Sichtweisen die Einvernehmlichkeit gegeben.

  • Eine gefesselte Person ist nicht allein zu lassen. Kommt es zu körperlichen Zwischenfällen oder psychischen Auffälligkeiten wie Panikattacken, muss man eingreifen können.

  • Ein Seil hat am Hals nichts verloren! Es sei hier auf den Carotis Sinus Reflex hingewiesen. Zudem kann es ebenso leicht zum Erdrosseln kommen.

  • Eine Schere (Empfohlen sei eine EMT-Schere. Deren gehärtete Schneidblätter schneiden problemlos sogar Leder und dünnes Metall und ihre abgerundeten Ecken schützen vor Verletzungen) oder spezielle Cutter müssen immer griffbereit sein. In Notfällen gewährleistet nur eine Schere das schnelle Entfernen der Seile.

  • Bondage sollte man überwiegend in einer entsprechenden Atmosphäre betreiben. Ein kalter Keller eignet sich hier sicherlich nur bedingt.

  • Darüberhinaus gilt ein gewisses Verständnis der und ein achtsamer Umgang mit den medizinischen Aspekten als Grundvoraussetzung.

Und damit zu den nächsten einfachen Anleitungen …

Ein Bondage-Standardknoten an den Füßen

Wie einige Kommentatoren im Forum durchaus richtig anmerkten, ist es nicht sonderlich schwer, sich aus dem zuletzt präsentierten Standardknoten herauszuwinden. Aufbauend auf dieser Variante eines Standardknotens kann man diesen nun noch abwandeln, um die Bewegung des Partners und die Chance auf Befreiung zu minimieren. Wir präsentieren euch diese Abwandlung anhand einer Fußfesselung.

Generell gilt der Grundsatz, dass erst eine Kombination verschiedener Grundtechniken die Bewegung nachhaltig einschränken wird.

Bondage für Anfänger

Die ersten fünf Schritte erfolgen analog zur Technik unseres Standardknotens!

Bondage für Anfänger
Bondage für Anfänger
Bondage für Anfänger
Bondage für Anfänger

Bis zu diesem Punkt galt die Standardknoten-Formel: "zweimal rum, überkreuzen".

Bondage für Anfänger

Nach dem Überkreuzen wird nun der "Zipfel" zwischen den Füssen nach hinten geführt.

Bondage für Anfänger

Und wird nun oberhalb der Seillagen wieder nach vorn geführt.

Bondage für Anfänger

Vorn angekommen wird ein erster Knoten gesetzt.

Bondage für Anfänger

Ein zweiter Knoten vollendet den Doppelknoten und es wird prüfend gesichert, dass sich der Knoten unter Zug nicht weiter zuzieht.

Achtung: Das Aufeinandertreffen bzw. Reiben der Knöchel kann zeitweilen recht unangenehm sein.

Tipp: Diese Variante mit dem durchgezogenen Seil geht natürlich auch an den Händen, um ein Befreien noch nachhaltiger zu unterbinden!

 

Der Rest des Seils an den Füßen kann nun beispielsweise im Liegen an die auf Seite zwei dieses Artikels durchgeführte Oberkörperfesselung herangezogen werden. Hier ist Fantasie gefragt…

Direkt zur Oberkörperfesselung

Habt ihr Fragen zu dem hier Gezeigten? (96 Beiträge)