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Wie kann BDSM die Beziehung bereichern?

SM-Praktiken und die Frage der Gleichberechtigung
19. Oktober 2016

Rohrstock statt Rosen: Wie die Hauptcharaktere in "Shades of Grey" führen auch Nina und Marcus eine Liebesbeziehung, in der sie die harten Praktiken bevorzugen. Doch wie mag der Beziehungsalltag eines BDSM-Paares fernab des Spielzimmers funktionieren? Wie steht es um die Gleichberechtigung innerhalb der Partnerschaft, wenn Sadomaso nicht 24/7 gelebt wird?

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BDSM in der Beziehung: Partnersuche mit gewissen Vorlieben

Nina und Marcus nahmen sich die Zeit, uns von ihrem Eheleben mit BDSM zu berichten. Im Interview deckt das Paar nicht nur Parallelen zwischen sich und den fiktiven Figuren aus der Roman-Trilogie auf, sondern nennt auch intime Details, wie das Spiel mit dem Lustschmerz ihr Liebesleben bereichert.

Fallen wir gleich einmal mit der Tür ins Haus: Wie seid ihr zu BDSM gekommen? Wart ihr euch über eure jeweiligen Neigungen schon vor eurem Kennenlernen bewusst oder habt ihr BDSM erst zusammen entdeckt?

Nina: Die Neigung war wohl schon immer da. Sie war im Grunde Bestandteil unseres Kennenlernens. Ich wusste also direkt, worauf ich mich einlassen würde. Marcus und ich haben dann gemeinsam unsere ersten tiefen Erfahrungen machen dürfen. Ohne Missverständnisse.

BDSM sollte eine Beziehung sicherlich nicht bestimmen.

Marcus: Ich für meinen Teil hatte tatsächlich immer diese Vorliebe, konnte sie jedoch in meiner vorherigen Beziehung nicht ausleben. Nach meiner Trennung habe ich mir geschworen, immer offen und ehrlich in eine neue Beziehung zu gehen. Somit habe ich Nina mit meiner Frage, ob ich sie mal festmachen darf, irgendwann konfrontiert. Und das Ergebnis leben wir heute nun voll aus.

 

Scheinbar hat es auf Anhieb zwischen euch gepasst. Wie und wo seid ihr euch begegnet?

Marcus: Wir sind beide leidenschaftliche Musiker und haben uns, als meine Band eine neue Sängerin suchte, kennen und dann lieben gelernt.

Podcast: Zwei Subs, ein Dom

Wie kann BDSM die Beziehung bereichern?
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Der JOYclub-Talk als Podcast! Wir haben uns mit dem JOYclub-Paar MedullaFalbalus und der JOYclub-Dame Taraspa über ihre BDSM-Beziehung unterhalten. Das Besondere: Sie führen sie zu dritt! Riskiere mit unserem Podcast einen Blick hinter die Kulissen einer BDSM-Dreiecks-Beziehung - und erfahre ihre tiefsten Geheimnisse!
 

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Hiebe während der Liebe: BDSM im Beziehungsalltag

Das JOYclub-Paar FaveAble demonstriert die unverkennbare Rollenverteilung in ihrer Beziehung.
Das JOYclub-Paar FaveAble demonstriert die unverkennbare Rollenverteilung in ihrer Beziehung.

Nun seid ihr mittlerweile nicht nur seit über sieben Jahren ein Paar, sondern habt auch vor zwei Jahren geheiratet. Wie stark bestimmt BDSM dabei euren Ehealltag?

Marcus: BDSM sollte eine Beziehung sicherlich nicht bestimmen.

Nina: Genau, denn wir bestimmen den BDSM. Es ist ein gutes Mittel für uns, über gewöhnliche Grenzen hinauszugehen, um offen und ehrlich neue Dinge anzusprechen und auch auszuprobieren. Eben dem Alltag zu entfliehen, ohne sich zu langweilen oder zu nerven. Die Möglichkeiten sind da genauso grenzenlos, wie wir sie handhaben und zulassen.

Marcus: Ich und meine Frau haben durch unsere anspruchsvollen Berufe auch nicht immer den Kopf frei, um zu spielen. Dennoch vergeht keine Woche ohne Anspielungen per SMS oder im Gespräch. Hin und wieder entsteht dann auch ein schönes Spiel für das Wochenende oder den Abend.

Wenn wir in unseren Räumlichkeiten spielen, bin ich gern Regisseur und liebe es, für meine Erinnerung Bilder zu erschaffen.

Nina: Zu jedem Hoch gehört eben auch ein Tief. Das bedeutet, dass auch wir hin und wieder längere Perioden haben, in denen die Luft oder die neuen Ideen mal raus sind. Solange bis die Sehnsucht wieder drängt. Wie Marcus schon sagte, das Einzige was der BDSM im Alltag bei uns bestimmt, ist die verbale Kommunikation. Es vergeht kein Tag, an dem in den eigenen vier Wänden nicht über die kleinen "Perversitäten" gesprochen wird.

Im Ehebett lieber hart als zart

"Shades of Grey"-Leser wissen, bevor es ans Spielen geht, werden Hard Limits und Soft Limits festgelegt. Welche Praktiken aus der Welt des BDSM sind denn für euch unerlässlich? Was mögt ihr wiederum weniger?

Nina: Im Grunde mögen wir es erst einmal klassisch. Fesselungen, Spanking. Authentisches und stilvolles Interieur dazu. Andreaskreuz, Fickstuhl, Fesselbett und Käfig werden ebenfalls gern genutzt. Persönliche Grenzen werden von Zeit zu Zeit erweitert oder verschwinden. Andere Grenzen entstehen.

Auch Bestandteile aus anderen Praktiken lassen sich gut mit dem klassischen BDSM verbinden. Ich habe manchmal eine Schwäche für Foodfetisch. So kann man zum Beispiel innerhalb einer Fesselung mit Pudding beworfen und beschmiert werden. Das spielt sich dann alles am Rande der Ernsthaftigkeit ab, aber es ist machbar.

SM geht für mich weit über Rohrstock, Peitsche oder Flogger hinaus.
Bondage gehört für Nina dazu. Doch es gibt auch Tabus in einer BDSM-Beziehung.
Bondage gehört für Nina dazu. Doch es gibt auch Tabus in einer BDSM-Beziehung.

Marcus: Ich mag es, wenn Nina sich nach meinen Aufforderungen kleidet und ich sie vorführen darf. Ich weiß dann meist allein, welche Dinge sie trägt oder auch welche Spielzeuge gerade dabei sind. Wenn wir in unseren Räumlichkeiten spielen, bin ich gern Regisseur und liebe es, für meine Erinnerung Bilder zu erschaffen, die man auch mit einer Kamera nicht einfach festhalten kann, wenn man nicht dabei gewesen ist.

Das Spiel ist immer ein langes ausgedehntes Vorspiel für mich. Geschlechtsverkehr ist dabei nicht immer das Ziel. Ich stelle gern Aufgaben und Regeln auf, nachdem sie sich verhalten soll.

Nina: Weniger zu haben sind wir für Kliniksex. Blut, Nadeln und die drohende Gefahr, bleibende Schäden zu hinterlassen, sind nichts für uns. Wobei eine nette Fesselszene auf einem schönen Gynstuhl wiederum recht anregend ist. Wie man sieht, verschwimmen da die Grenzen. Wichtig ist, dass man sich als Paar einig ist. Manche Dinge entwickeln sich von ganz alleine, wenn man so eine Vertrauensbasis hat, die wir haben.

Marcus: Ich hasse es, wenn ich auf Privat- oder Club-Partys gehe und dort die devoten Partner danach bemessen werden, wie viel sie einstecken können! Das ist nicht meine Spielart. SM geht für mich weit über Rohrstock, Peitsche oder Flogger hinaus.

 

Ihr sucht also in der Szene beheimatete Clubs auf. Lebt ihr dort auch eure Lust aus?

Nina: Gerne treffen wir in Clubs auf Mitspieler, aber weniger, um tatsächlich zu spielen, sondern mehr zum anregendem Austausch. Ab und an mag die Sympathie wachsen, dann wird auch mit anderen öffentlich gespielt. Zudem sind wir kinderlos und haben den Vorteil, einen eigenen gut ausgestatteten Raum zu besitzen.

Marcus: Wir inszenieren gern Zuhause allein, mit befreundeten Paaren oder in einschlägigen SM-Clubs.



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Gleichberechtigung in der BDSM-Beziehung

Nina, du bist devot, und Marcus, du bist dominant – eine klare Rollenverteilung. Wie steht es da um die Gleichberechtigung innerhalb eurer Partnerschaft?

Nina: Ich betone immer wieder gerne, dass ich noch nie zuvor eine gleichberechtigtere Beziehung gehabt habe. Das ergibt sich einfach daraus, dass der devote Part sich selber gut kennen und wissen muss, was ihm oder ihr gut gefallen könnte. Dazu gehört Mut und Stärke, diese Wünsche offen und ehrlich zu formulieren und in letzter Instanz die Führung dem Partner zu übergeben.

Andersherum ist ein Dom auch kein Dom, der seine Schwächen nicht kennt oder nicht einsehen möchte, dass der Partner vielleicht gerade eine persönliche Grenze anspricht. Ein Dom darf und sollte auch einem Thema gegenüber Bedenken aufgreifen können. Das führt zwangsläufig zu einem gleichberechtigten Umgang.

Der Dom ist deshalb Dom, weil er die gesammelten Informationen zusammensetzt und ein Spiel kreiert, indem er mächtig genug ist, die Oberhand halten zu können. Ziemlich komplex. Aber deshalb bin ich ziemlich stolz auf uns. Es gibt viele verheiratete Paare, die sich nichts mehr zu sagen haben. Das würde uns nicht passieren.

Es gibt viele verheiratete Paare, die sich nichts mehr zu sagen haben. Das würde uns nicht passieren.
Marcus fesselt Nina nicht nur gern, er hält seine Kunstwerke auch mit der Kamera fest. Auf seinem Fotografen-Profil bondage_art präsentiert Fotografien aus der BDSM-Welt.
Marcus fesselt Nina nicht nur gern, er hält seine Kunstwerke auch mit der Kamera fest. Auf seinem Fotografen-Profil bondage_art präsentiert Fotografien aus der BDSM-Welt.
 

Im BDSM-Schmöker "Shades of Grey" wird ein langes Brimborium um den SM-Vertrag veranstaltet. Was sagt ihr: Notwendig oder überflüssig? Wie handhabt ihr das?

Nina: Wir inszenieren gerne stilvoll und ein Sklavenvertrag gehört dazu. Es ist eine zeremonielle Besiegelung, meinetwegen auch ein Leitfaden, auf den man sich berufen kann. So ein Vertrag darf aber keine rechtliche Wirkung vor dem Gesetz darstellen.

Marcus: Darüber hinaus gilt unser Vertrag nur dann, wenn ich Nina als Favea anspreche.

Wie real ist "Shades of Grey"?

Auch ihr habt "Shades of Grey" gelesen. Was haltet ihr vom gehypten Bestseller und wie schätzt ihr die Beziehung zwischen den Hauptcharakteren ein, scheint sie reell sein zu können?

Nina: Kein BDSM-Paar gleicht dem anderen. Bis auf gewisse Verhaltensregeln in der Öffentlichkeit, spielt sich in den eigenen vier Wänden das ab, was die Neugier und die Neigung zulässt – ebenso wie bei anderen Paaren. Ich möchte einfach sagen, dass es keine Norm gibt, was auch gut so ist.

Ich bin 28 Jahre jung und begegne spielenden Paaren, die schon genauso lange spielen, wie ich lebe, doch viele Dinge anders beurteilen. Das Buch "Fifty Shades of Grey" finde ich unterhaltsam, gerade weil es überspitzt, ja fast "Teenie-mäßig" an die Thematik herangeht. Manchmal habe ich mich dort wieder gefunden. Manchmal fand ich es zu langatmig. Und oft habe ich die Stirn gerunzelt.

Aber ich bin kein Typ, der sich Geschichten durchliest oder anschaut, weil sie ja so reell sind. Dazu brauche ich kein Buch. Ich lese ein Buch, weil es mich unterhalten soll. Und wenn der Hype dazu führt, dass sich auch junge Leute damit beschäftigen, dann freue ich mich darauf, genau diese Leute kennenzulernen.

Marcus: Mich erinnert "Shades of Grey" an eine andere Geschichte: Ein wenig setzt man hier auf das Konzept, das in dem Film "Pretty Woman" schon funktioniert hat. Es geht um den mega-erfolgreichen Mann und die unterwürfige Frau. So sind auch einige "Über-Doms" in der Club-Szene unterwegs und versuchen, mit ihrem "Mr. Grey"-Auftreten dominant zu wirken.

Ich kann jedoch sagen, dass dieses Konzept von allen Playern sofort durchschaut wird. Wir selbst spielen sicherlich auch auf etwas höherem Niveau und wollen auch "auftreten", allerdings freuen wir uns über jedes junge Paar, welches offen und ehrlich mit uns kommuniziert. Wir haben schließlich auch mal angefangen.

 

Bilder © bondage_art

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