Verhütung und Safer Sex sind in unserer heutigen Zeit selbstverständlich. Sowohl zur Verhinderung einer ungewollten Schwangerschaft als auch zur Vermeidung der Ansteckung mit einer sexuell übertragbaren Krankheit wie HIV und AIDS. Beides ist bisher nicht gebannt oder kann geheilt werden.
Der Welt-Aids-Tag bäumt sich auf gegen das Vergessen und ignorante Leugnungstheorien. Am 1. Dezember 2011 jährt er sich zum inzwischen 23. Mal und steht in Deutschland unter dem Motto "Positiv zusammen leben. Aber sicher!". Die Kampagne wirbt dementsprechend für mehr Toleranz und Respekt gegenüber HIV-positiven Menschen.

Positiv zusammen leben. Aber sicher!
Ziel dieser nationalen Kampagne ist es, Stigmatisierung und Diskriminierung abzubauen und HIV und AIDS innerhalb unserer Gesellschaft zum Thema zu machen. Initiatoren der Kampagne sind das Bundesministerium für Gesundheit, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, die Deutsche AIDS-Hilfe und die Deutsche AIDS-Stiftung.
"Der Umgang mit Betroffenen ist in Deutschland auch heute noch längst nicht immer 'normal'. Zwar hat sich seit Beginn der AIDS-Aufklärung ein gesellschaftliches Klima gegen Stigmatisierung und Diskriminierung etabliert. Aber immer noch erfahren von HIV betroffene Menschen in ihrem Alltag Diskriminierung und sprechen aus Angst davor nicht über ihre Infektion", betonte Prof. Dr. Elisabeth Pott, Direktorin der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). "Mit unserer Kampagne wollen wir Offenheit und Solidarität in der Gesellschaft fördern und Betroffenen Mut machen, ihre Infektion zu thematisieren..."
Die Deutsche AIDS-Stiftung macht darauf aufmerksam, dass insbesondere junge Menschen mit HIV, die sich ihr Leben gerade erst aufbauen, Unterstützung aus ihrem sozialen Umfeld benötigen. "Ihnen fällt es besonders schwer, mit anderen über ihre Infektion oder Krankheit zu sprechen", sagte Dr. Ulrich Heide, Geschäftsführender Vorstand der Deutschen AIDS-Stiftung. "Noch problematischer wird es, wenn eine HIV-Infektion darüber hinaus zu materieller Bedürftigkeit führt. Das passiert schnell, wenn betroffene Menschen nicht mehr arbeiten können und nur kleine Renten erhalten."
25 Jahre HIV/AIDS-Präventionsarbeit - ein Rückblick
Am 5. Juni 1981 erschien erstmalig ein Bericht über das Krankheitsbild AIDS in einem amerikanischen Magazin. Die heutige Forschung zeigt, dass HIV/AIDS bereits seit vielen Jahren unerkannt in kleinem Umfang verbreitet war.
1985 erscheint die erste Informationsbroschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zum Thema AIDS. Sie wird in einer Postwurfsendung an alle bundesdeutschen Haushalte versandt. In Deutschland wird zudem der Test aller Blutprodukte auf HIV Pflicht. In Atlanta (USA) findet die erste internationale AIDS-Konferenz statt.
Das "Sofortprogramm der Bundesregierung zur Bekämpfung von AIDS" und die Kampagne "GIB AIDS KEINE CHANCE" der BZgA starten 1987. Die AIDS-Telefonberatung der BZgA beginnt ihre Arbeit und die deutsche AIDS-Stiftung "Positiv leben", die Nationale AIDS-Stiftung und der Nationale AIDS-Beirat der Bundesregierung werden ins Leben gerufen.
1988 wird der erste Welt-Aids-Tag von den Vereinten Nationen ausgerufen und 1990 findet der bekannte TV-Spot "Supermarkt" mit Hella von Sinnen und Ingolf Lück große öffentliche Beachtung und wird ganz nebenbei zu einem Kult-Spot.
Die "Rote Schleife" wird 1991 zum ersten Mal als Zeichen für Solidarität mit HIV-Betroffenen getragen und 1993 sorgen die ersten "mach's mit"-Kondomwerbungsgroßplakate für Aufmerksamkeit.
1996 löst die antiretrovirale Kombinationstherapie auf dem Welt-Aids-Kongress in Vancouver große Euphorie aus, doch schon 1998 werden die massiven Nebenwirkungen und Resistenzbildungen bei den neuen HIV-Therapien bekannt. 1999 machen diverse Comedians gemeinsam mit der BZgA in Hörfunkspots auf den Kampf gegen HIV/AIDS aufmerksam.
Die BZgA organisiert 2000 das erste Treffen der "European Public Aids Communication". Teilnehmer sind die Verantwortlichen für die nationale AIDS-Prävention in west-, mittel- und osteuropäischen Ländern. Derweil ist das Virus nicht unter Kontrolle zu bekommen. 2001 registrieren Fachleute in Deutschland - wie zuvor schon in anderen Industrieländern - eine Zunahme neuer HIV-Diagnosen und anderer sexuell übertragbarer Infektionen.
Der dramatische Anstieg der HIV-Zahlen in Osteuropa und in Asien, verstärkte Migration und Mobilität lassen Konsequenzen für die HIV-Entwicklung in Deutschland und ganz Europa deutlich werden. 2005 verabschiedet die Bundesregierung daher ihre HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie, bei deren sieben Handlungsfeldern die Prävention eine herausragende Rolle spielt.

Im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft verabschieden 2007 hochrangige Regierungs-Delegationen aus ganz Europa die "Bremen Declaration", die der AIDS-Prävention einen hohen Stellenwert gibt. Die Bundesregierung konkretisiert mit ihrem "Aktionsplan zur Umsetzung der HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie" die zukünftigen Schritte und Projekte zur umfassenden AIDS-Bekämpfung. Eine Schwerpunktkampagne der BZgA anlässlich des Welt-Aids-Tags "Gemeinsam gegen AIDS" aktiviert über das Internetportal www.welt-aids-tag.de Tausende von Botschafterinnen und Botschaftern und unterstützt Hunderte Aktionen vor Ort. Zahlreiche prominente Persönlichkeiten unterstützen die auf drei Jahre bis 2009 angelegte Aktion.
2009 startet die BZgA eine neue AIDS-Präventionskampagne "mach's mit - Liebesorte" und 2010 startet die Antidiskriminierungskampagne "Positiv zusammen leben. Aber sicher!" zum Welt-Aids-Tag. Diese stellt zugleich das Motto für den diesjährigen Welt-Aids-Tag.
Wichtige aktuelle Fakten über HIV und AIDS
- Täglich infizieren sich weltweit etwa 7.000 Menschen mit HIV.
- Weltweit lebten Ende 2010 nach Schätzungen der UN mehr als 34 Millionen Menschen mit HIV.
- Mehr als 2,5 Millionen Kinder leben weltweit mit HIV.
- Am schwersten betroffen ist Afrika südlich der Sahara, doch sind auch in den letzten Jahren die Infektionszahlen in großen Teilen Osteuropas sowie in Ost- und Zentralasien stark angestiegen.
- In Deutschland leben heute mehr als 70.000 Menschen mit HIV und AIDS, davon etwa 80% Männer.
- Circa 90% der HIV-Infektionen werden sexuell übertragen.
- Etwa 30.000 Menschen sind bisher in Deutschland an Folgen von AIDS gestorben.
- 2010 wurden in Deutschland rund 3.000 Neuinfektionen diagnostiziert.
- Unter den westeuropäischen Ländern, die HIV-Zahlen erheben, hat Deutschland eine der niedrigsten Quoten von HIV-Neudiagnosen.
- Durch neue Medikamente konnte die Lebenserwartung und Lebensqualität von Menschen mit HIV und AIDS erheblich verbessert werden. Jedoch entgegen vieler immer wieder verbreiteten und auch gern geglaubten Meldungen: ein Heilmittel gegen HIV gibt es nicht! HIV-Infizierte, die mit Medikamenten behandelt werden, leben mit dem Risiko schwerer Nebenwirkungen. Und generell besteht die Gefahr von Ausgrenzung und Verarmung.
- Daher sind die wirksamsten und wichtigsten Instrumente bei der Bekämpfung von HIV nach wie vor Aufklärung, Schutz und Solidarität. Die deutschen Maßnahmen und Kampagnen reagieren dabei ständig auf neue Entwicklungen, Bedarfslagen und Präventionsmöglichkeiten. Dabei stützen sie sich fortlaufend auf gesicherte Erkenntnisse und Zahlen nationaler und internationaler Institutionen.
Jeder kann etwas tun!
Der Welt-Aids-Tag erinnert uns daran, dass jede und jeder von uns etwas tun kann, damit wir alle - HIV-Positive, HIV-Negative und Ungetestete - positiv zusammen leben können. Jeder kann Solidarität zeigen und Ausgrenzung abwehren, wenn Menschen mit HIV diskriminiert werden. Und jeder kann selbst aktiv werden. Nicht nur am Welt-Aids-Tag, sondern an jedem Tag im Jahr. Zum Beispiel, indem er sich informiert, HIV zum Thema macht, ehrenamtlich arbeitet oder spendet.
© Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2011
www.welt-aids-tag.de





















