04.08.2011

Die Muschi-Massage

Manche mögen's feucht

Unsere Kolumnistin Sohie Andresky ist prinzipiell für alles zu haben, was mit Sex zu tun hat. Warum also nicht auch einmal eine Muschi-Massage in einem Tantrastudio ausprobieren? Was sie bei der Yonimassage erlebte und ihre ganz eigenen Gedanken zum Thema Tantra Massage

Riesen-Lingams und penisförmige Gummibärchen

"Ich liebe Massagen und ich liebe Sex."
"Ich liebe Massagen und ich liebe Sex."

Ich liebe Massagen und ich liebe Sex. Was lag also näher, als beides zu verbinden und einmal eine tantrische Yonimassage auszuprobieren? Mein Verhältnis zu Tantra war ziemlich gespannt, seit mich eine große deutsche Frauenzeitschrift zwecks Selbstversuch-Reportage auf die Suche nach einem Tantra-Workshop geschickt hatte und ich dabei auf einen Meister gestoßen war, der anbot, gegen sechzig Euro Fellatio an seinem geweihten "Riesen-Lingam" (Zitat) zu erlernen.

Statt diesen Workshop zu besuchen, war ich dann übrigens bei einem Partnerseminar des Berliner Beate-Uhse-Museums, bei dem es penisförmige Gummibärchen zu knabbern gab und uns mitgeteilt wurde, man solle verständnis- und rücksichtsvoll miteinander umgehen und die Wäschespinne nicht im Schlafzimmer aufstellen.

Erste Kontakte mit Tantra

Ich stellte mir jetzt also in weißes Leinen gekleidete, entrückt lächelnde Menschen vor, die über esoterische Dinge nachdenken oder reden und dabei tief in ihre spirituellen Zentren atmen und inneres Licht sehen, während sie stundenlang sexuelle Positionen durchturnen, ohne dass ihnen dabei einer abgeht. Für mich keine besonders verführerische Vorstellung, denn ich bin ungeduldig und was Genüsse jeder Art angeht, geradezu gierig.

Längere und intensivere Orgasmen finde ich interessant, keine oder nur spätere Höhepunkte reizen mich eher weniger. Außerdem gab es in meiner Teeniezeit eine Sendung, in der ein Pärchen, das auf dem Kopf, unter den Achseln und natürlich im Schritt medusig behaart war, tantrischen Sex vorführte, wobei sie Ewigkeiten nackt ineinander verknotet dasaßen, während ein ebenfalls nacktes Kleinkind um sie herumkrabbelte und die beiden schließlich - der Höhepunkt und damals ein Fernsehskandal - anpieselte.

Längere und intensivere Orgasmen dank Tantra?
Längere und intensivere Orgasmen dank Tantra?

Alle, die sich freuen, dass es jetzt endlich mal pervers wird, muss ich enttäuschen. Töpfchen-Erotik gehört zu den Dingen, die mich einfach nicht interessieren und über die ich weder schreiben noch nachdenken möchte – daran hat selbst die legendäre Szene in Oshimas "Im Reich der Sinne" nichts geändert, wobei hier die Geisha auch nicht pinkelt, sondern ejakuliert, auch wenn Fans des gelben Flusses ohne Wiederkehr das gern anders hätten.

Tantra, um auf das eigentliche Thema zurückzukommen, war also keine Leidenschaft von mir, aber bei meiner Massage ging es ja nicht um einen Sex-Workshop oder spirituelle Grundlagen, sondern um Entspannung und vor allem: um meine "Yoni". Schon bei diesem Wort fühlt sich keines meiner Körperteile angesprochen oder zuckt auch nur müde. Ich muss zugeben, dass ich Menschen, die eine Möse "Yoni" nennen, auch gerne unterstelle, dass sie ihre Radieschen streicheln, bevor sie sie in den Salat schnipseln, oder dass sie sich die Köpfe mit Alufolie umwickeln, damit die Aliens nicht ihre Gedanken lesen können.

Erste Schritte im Tantrastudio

Als mir eine ältere Frau in weißem Leinengewand (die Schwester von Rainer Langhans? Zumindest mussten sie einen gemeinsamen Friseur haben) die Tür öffnete und mir Frieden in Geist und Körper wünschte, schwante mir, dass hier zwei Welten kollidieren würde. Ich hätte sie gern einiges gefragt: Wie man zum Beispiel dazu kommt, beruflich fremde Menschen untenrum zu massieren. Ob sie selbst nicht mal gern schnell und schmutzig Sex hat, an die Wand gepresst, keuchend und ohne jede Erleuchtung. Und was eigentlich ihre Liebesgabe von schnöder Prostitution wie Handentspannung unterscheidet.

"Zu tiefes Atmen beim Sex ist etwas, das ich wärmstens empfehlen kann."
"Zu tiefes Atmen beim Sex ist etwas, das ich wärmstens empfehlen kann."

Die Frau lächelte milde, reichte mir ein Handtuch und zeigte mir die Dusche. Ihr Angebot, gemeinsam zu baden, lehnte ich ab. Ich finde, auch wenn es elitär und snobistisch klingt, dass bei sexuellen Dienstleistungen die Fronten klar sein müssen, von Fraternisierungen im Schaum halte ich nichts, und unterhalten möchte ich mich bei einer derartigen Geschäftsbeziehung auch nicht.

In ein Handtuch gewickelt, betrat ich kurze Zeit später ein Zimmer, in dem rote Leinenvorhänge, Unmengen von Kerzen und Kissen eine gemütliche Atmosphäre schaffen sollten. Während ich noch überlegte, ob all diese Matten, Decken und Nackenrollen nach jeder Kundin gewaschen würden, sollte ich mich auf ein Laken legen, die Beine spreizen, die Augen schließen und tief atmen.

Die Haltung kannte ich vom allmonatlichen Muschirupf bei meiner Depiladora und das Atmen vom Yoga. Zu tiefes Atmen beim Sex ist übrigens etwas, das ich wärmstens empfehlen kann, vorausgesetzt, man liegt unten oder ist weich abgestützt, damit man sich nicht verletzt, wenn einem dabei schwindlig wird. Vor allem in den letzten Minuten vor dem Orgasmus hat Überatmung den Effekt eines Grillanzünders: Es flasht doppelt so gut.

Öle spielen bei vielen Massageformen eine wichtige Rolle.
Öle spielen bei vielen Massageformen eine wichtige Rolle.

Massieren lasse ich mich gern und das nicht nur im klassischen Schulternacken-Bereich. Wenn ich in einem Wellnessinstitut auf dem Bauch liegend geknetet werde, stelle ich mir gern vor, die robuste Mitfünfzigerin sei eine junge, schmale Thailänderin mit zarten Händen, die sich langsam zwischen meine Beine vorarbeitet und, ohne ihre streichenden Berührungen zu unterbrechen, einen leicht vibrierenden Vibrator in meine Möse schiebt, wo er leise weitersurrt, während sie sich dem Venushügel und der Poritze widmet.

Liege ich dagegen auf dem Rücken, verwandle ich die weißbekittelte Dame mit ihrem Bademeistercharme gern in einen nubischen Masseur mit Riesenhänden und Busenfetischismus, der Unmengen von Öl auf meinen Brüsten verteilt und sie kreisend verwöhnt, bis die Nippel ganz hart und empfindlich sind. Leider morpht meine Kneterin nie in die entsprechende Form und die Wellnessanwendung bleibt immer im jugendfreien Bereich.

Aber das sollte bei dem Tantra-Selbstversuch ja anders werden.

Die Yoni-Massage beginnt …

Mit langsamen, leichten Berührungen arbeitete sich meine Meisterin von den Schultern über die Brüste und den Bauch, dann an den Schenkeln entlang zu meiner Intimzone vor, und allmählich ließ ich los, dämmerte ein bisschen und genoss es. Das Tolle am Tantra ist: Man hat Unmengen Zeit. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich vorher schon einmal so lange so intensiv berührt worden bin – und vor allem, ohne selbst etwas zu tun. Die Passivität war vielleicht die größte Erfahrung.

Irgendwann säuselte sie, sie werde jetzt in mich eindringen, und ich ließ sie, spürte ihren Finger, der sich in meine Möse vortastete, in sie hineinflutschte, ein zweiter folgte, füllte mich aus, während sie gleichzeitig meinen Kitzler stimulierte. Nicht hektisch oder ehrgeizig mit dieser kommkommkomm-Attitüde, sondern ganz ohne Hetze. Ich konzentrierte mich noch nicht einmal auf die hochsteigende Erregung, sondern ließ es einfach fließen.

Irgendwann machte sich die alte vertraute Gier in mir breit.
Irgendwann machte sich die alte vertraute Gier in mir breit.

Irgendwann machte sich die alte vertraute Gier in mir breit. Ich stöhnte leise und presste mich ihren Händen in meiner Möse entgegen, und als ich kam, war es überraschend unaufgeregt. In einem kurzen ganz klaren Moment staunte ich, dass so viel Aufwand so wenig Lust hervorrufen kann. Es war ein netter und angenehmer Orgasmus, aber nicht wesentlich anders, als wenn ich es mir schläfrig oder halbherzig selbst besorge. Kein Feuerwerk, keine ekstatische oder spirituelle Grenzerfahrung, keine Out-of-Body-Experience.

Am Ende steht die Bezahlung der tantrischen Dienste …

Als sie mich zugedeckt und den Raum verlassen hatte, legte ich die vereinbarte Summe unter eine Klangschale und zog mich an. Das Öl klebte unter meiner Kleidung. Ich hätte gern noch mal geduscht, hatte aber das Gefühl, dass das nicht erwünscht war.

Was dieses Erlebnis von Prostitution unterscheidet, weiß ich immer noch nicht. Und obwohl die Berührung und vor allem die endlose Zeit, die sie mir widmete, schön und angenehm war: "Yoni" werde ich weiterhin nicht sagen. Höchstens Radieschen streicheln. Die brauchen das ja auch mal, die kleinen geilen Dinger.

Um ein anderes sensibles Körperteil, das so empfindsam ist, dass wir sogar zwei davon haben, geht es in der nächsten Kolumne: die Füße.

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Kommentare

hm..

..auch ich hatte das Gefühl, dass die Schriftstellerin sich von Anfang an dagegen geweigert hat.

Aber ich muss sagen.. zwischendrin konnte ich auch mal herzhaft lachen *zwinker*

Eine Yonimassage hatte ich noch nie.. werde ich mir aber mal gönnen müssen um das nachvollziehen zu können *gg*
sodale...

also zum ersten muß ich mal sagen, das wenn man den bericht (kolumne) oder wie auch immer ihr das nennen wollt, also wenn man den durchließt hat man von anfang an das gefühl das sie ohnehin eine gewisse abgneigung dem thema selbst in sich trägt.

das sieht jetz natürlich wieder jeder anders,kein thema. ich kann ja nur von mir aus gehen.

und was diese massage betrifft, durfte ich glücklicherweise in den genuss einer solchen kommen. und muß sagen,jederzeit wieder.

es ist keine schmutzige sache wie viele damen vielleicht denken und auch kein horizontal-gewerbe wie viele männer sich erhoffen.also liebe damen ich kann es nur weiterempfehlen...

es geht um entspannung und ein sich selber kennenlernen.
(ich glaub ich hab viel entdeckt) *zwinker*

deshalb möcht ich auch hiermit gleich meinen dank aussprechen an
thatsMEdaniel und seine frau claudia

(jetz werd ich mich wieder meiner wäsche widmen *zwinker* )

schönen tag noch
Meine Frau und ich geben u.a. diese Yoni-Massage...

.... und haben sehr viele positive Rückmeldungen bekommen.

Was uns immer wieder deutlich wird ist, dass Frauen zunächst starke Hemmungen haben. Wenn sie es dann aber erst einmal erlebt haben, dann kommt der Großteil von ihnen gerne wieder. Viele fragen sich sogar, warum sie es erst so spät ausprobiert haben. Tja, es ist einfach eine Überwindungssache.

Die Männer dagegen bekommen bei uns ihre Lingam-Massage und verwechseln diese Art von Massage oft mit einem "Puffbesuch" bzw. einem Besuch im Laufhaus. Viele denken in erster Linie nur an das Abspritzen. Was teilweise nervig ist. Ja, manche sind in dieser Sache echt dreist.

Frauen genießen das drumherum einfach mehr, können viel besser und schneller entspannen. Manche lernen erst bei/über uns ihren Körper wirklich kennen und erleben eine neue Sexualität. Viele sind erstaunt.

Wir können diese Art von Massagen nur empfehlen. Ob sie durch andere oder durch uns ausgeführt werden. Wenn jemand etwas davon versteht, kann es eine Bereicherung für die Frau sein.
Aha

Interessant und faszinierend !

Hätte die Schreiberin wirklich eine tantrische Massage bekommen oder die tiefe Berührung ihres sexuelles Wesen und des Herzens zulassen können - wäre wohl ein anderer Bericht dabei raus gekommen...

Evtl. war eine tiefe Berührung ihres sexuellen Wesens gar nicht beabsichtigt/gewünscht/geplant. Ich persönlich möchte mich einer fremden Person überhaupt nicht sexuell öffnen, das nur so am Rande.
an Er_Win . .

ein Hoch auf alle Kolumnenschreiber/innen . . . .
und danach ...

dann wirds aber Zeit Frollein Fuchs. . .

schreibt sie hoffentlich auch eine KOLUMNE darüber *zwinker*

Damit http://www.joyclub.de/my/530971.alkashan.html (User gelöscht) sich freut ...
sowas hat ich noch nie. . .

dann wirds aber Zeit Frollein Fuchs. . . . *haumichwech*
sowas hatte ich noch nie

ich finde aber, dass das sehr interessant klingt.

@Flyred: Mist, meine Danke's sind alle.... daher danke auf diese Weise.

@Shuffle: Klar, ist ja ganz logisch, wer nicht auf das Brimborium abfährt, ist dann gleich niveaulos. Gutes Argument. Hat Niveau.
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