
Es geht nicht mehr weiter! Obwohl ihr alles versucht habt: Miteinander geredet (oder auch nicht), gestritten, geschwiegen und seid beinahe aneinander verzweifelt. Doch sexuell ergaben sich dennoch keine Veränderungen?
Ihr habt Beziehungsratgeber gelesen und die haben nicht weitergeholfen? Weder zarte Hinweise noch klar geäußerte Wünsche und Fantasien haben dich mit deinem Partner weitergebracht? Der Eine will einfach etwas anderes als der Andere? Zu einem Therapeuten habt ihr es auch nicht gemeinsam geschafft und selbst wenn, gab es kein befriedigendes Ergebnis?
Dann ist es vielleicht an der Zeit, anzuerkennen, dass die Lösung einer gemeinsam erlebten und befriedigenden Sexualität für euch nicht möglich ist. Dann bleiben euch noch folgende Möglichkeiten, die unsere Autorin Silke Maschinger kurz ausführt ...
Die Situation akzeptieren, wie sie ist
Zuallererst kannst du die Situation so annehmen, wie sie sich gerade darstellt. Schließe deinen Frieden mit der vielleicht nur 50prozentigen Erfüllung in sexueller Hinsicht, weil der Rest der Beziehung dir soviel gibt, dass du auf diesen einen Bereich auch verzichten kannst. Ob dir diese Möglichkeit gelingt, hängt natürlich davon ab, wie wichtig Sexualität bzw. bestimmte Praktiken für dich sind. Manchen ist es sehr wichtig, anderen wiederum nicht.

Wenn andere Bereiche wie z.B. Liebe und Unterstützung dich und deinen Partner stark miteinander verbinden, dann ist es eine Möglichkeit, zu akzeptieren, dass deine erotischen Wünsche unerfüllt bleiben. Die Medien gaukeln ständig vor, dass eine Lösung möglich ist, wenn man nur "dieses" oder "jenes" tut. Doch die Realität sieht nicht immer so aus. Manchmal gibt es einfach keinen für beide Seiten befriedigenden Weg.
Darum lohnt es sich, genau hinzuschauen, wie viel dir der Sex bedeutet und ob du bereit bist, deine erotischen Wünsche loszulassen und die Beziehung aufrecht zu erhalten. Wer sich klar dafür entscheidet, die Situation wirklich innerlich zu bejahen und anzunehmen, für den kann der innere Frieden zurückkehren.
Fremdgehen

Eine scheinbar einfache Lösung ist die des Fremdgehens. Fremdgehen kann eine Alternative sein, wenn sowohl der Wunsch nach mehr oder anderem Sex sehr groß ist, aber man den Partner nicht verlassen möchte. Affären bieten die Aufregung der verbotenen Früchte, gerade der Reiz des süßen Geheimnisses führt zu einem noch intensiveren Prickeln. Der Alltag bleibt außen vor und es geht nur um die pure Lust. Manchmal belebt das Ausleben der erotischen Phantasien auch die eigene Beziehung.
Diese Lösung birgt natürlich ein gewisses Risiko. Du musst bereit sein, deinem Partner einen Teil von dir zu verheimlichen, vielleicht sogar ein Doppelleben zu führen, und du musst in Kauf nehmen, dass es auf Dauer vermutlich nicht geheim bleiben wird. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich einer der Seitensprüngler verliebt und dann mehr möchte, was zu einer Gefährdung der Beziehung führen kann.
Neue Beziehungskonzepte wie Polyamory testen
Eine Alternative zum Fremdgehen ist eine offene Beziehung. Wenn es sexuell nicht funktioniert, der Rest der Beziehung aber in Ordnung ist, gibt es noch die Möglichkeit, sich auf der sexuellen Ebene nach außen hin zu öffnen. Sprich: Beide haben noch andere Sexpartner. Dies ist beiden bekannt und es gibt Absprachen, was in Ordnung ist und was nicht.
Für manche ist diese Beziehungsform ganz einfach zu handhaben, andere fordert sie heraus, sich mit den Themen Eifersucht und Grenzen auseinander zusetzen. Dies ist auch eine bewusste Entscheidung, die beide zusammen treffen müssen. Nur wenn beide wirklich einverstanden sind, funktioniert diese Form von Beziehung.
Die letzte Konsequenz: Trennung

Als letzte Möglichkeit bietet sich eine Trennung an. Das ist ein harter Schritt, den viele lange nicht zu gehen wagen. Sie denken, sie sollten Rücksicht nehmen oder möchten den Partner nicht verletzen, weil sie noch an ihm hängen. Vielleicht halten auch die Kinder oder die gemeinsam durchstandene Vergangenheit und die zusammen bewältigten Probleme zusammen.
Doch wenn ein Wunsch so nachhaltig und dringend ist, dann hilft nur noch eine klare Entscheidung. Letztendlich tust du weder dir noch deinem Partner einen Gefallen, wenn du dich verbiegst und deine tiefsten Bedürfnisse nicht auslebst. Und doch kannst du niemals wissen, ob mit einem neuen Partner dann all das möglich ist, was du dir eigentlich wünschst.
Wiegen gute Zeiten die schlechten auf?
Entscheidungen erfordern eine klare Position. Doch meist ist es so, dass genau das sehr schwierig ist. Denn da gibt es einerseits die vielen schönen (oder auch bequemen) Seiten der Gegenwart und Vergangenheit, aber andererseits auch den Frust und die verheißungsvoll klingenden Möglichkeiten der Zukunft mit einem anderen Partner. Es hilft, sich klar zumachen, wie diese Ambivalenz aussieht:
Was hält dich in der Situation und lässt dich nicht entscheiden? Wovor hast du Angst? Was möchtest du vermeiden? Dann überprüfe für dich, welcher Preis aus deiner Sicht höher ist: der zu bleiben oder der zu gehen.
Entscheidungen haben immer Konsequenzen
Wenn Du eine Situation akzeptierst, wie sie ist, hast du vielleicht deinen Frieden gefunden, aber nimmst dir die Möglichkeit der Weiterentwicklung.
Wenn du fremdgehst, erlebst du aufregende Abenteuer. Aber wenn dein Partner es erfährt, ist es mit der Beziehung möglicherweise sofort vorbei.

Wenn Du eine offene Beziehung eingehst, hast du erstmal viel mehr Freiheit als vorher. Aber auch hier musst du dich vielleicht mehr mit dem Thema Eifersucht beschäftigen, als du gedacht hast.
Wenn du deine Beziehung aufgibst, gibst du nicht nur das unerfüllte Sexleben auf, sondern auch die schönen Seiten und Erlebnisse.
Jede Entscheidung hat ihren Preis. Das macht es so schwer, sich zu entscheiden. Da scheint das bekannte Leid dann doch angenehmer als das, was die Zukunft bringen könnte. Doch das ist nur eine Scheinlösung, die auf Dauer nicht weiterhilft. Klar ist, solch eine Entscheidung zu treffen, braucht Zeit, manchmal viel Zeit. Doch letztendlich gilt der berühmte Spruch: Love it, leave it or change it!




