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Schmerz

*********8977 Mann
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Schmerz
Ich sitze auf meinen Fersen. Meine Zehen sind nach oben geklappt. Mein ganzes Gewicht ruht auf meinen Zehengelenken. Der Yoga-Zehensitz. Ein konstanter Schmerz. Bei den meisten Yogahaltungen, die ich aus dem Yin-Yoga kenne, lässt der Schmerz langsam nach, je länger man sie einnimmt. Bei dieser Haltung nicht. Der Schmerz ist immer noch genauso intensiv wie am Anfang. Und ich weiss nicht, wie lange ich noch so sitzen muss.

Ich vertiefe meine Atmung. Das ändert nichts an dem Schmerz. Ich schliesse die Augen. Der Schmerz bleibt konstant. Ich denke kurz, ich sollte versuchen, mich abzulenken. Doch es ist meine Aufgabe, mich auf den Schmerz zu konzentrieren. Eine Schmerzmeditation. „Fokussiere dich auf deinen Körper. Spüre in dich, wo der Schmerz sitzt, wo es am unangenehmsten ist. Gehe ganz auf in diesem Schmerz. Du bist der Schmerz.“. Gehorsam ergebe ich mich in den Schmerz, fühle ihn mit jeder Faser meines Körpers, meine Seele. Verflixt, tut das weh! Verdammt. Wie lange noch!

Ja, ich weiß, ich habe es verdient. Ich habe dir widersprochen, vor anderen Leuten. Ich habe dich beschämt. Ich war gewarnt, das das etwas ist, was du nicht tolerieren wirst. Und ich finde selbst, daß ich diese Strafe verdient habe. Doch sie ist schwer zu ertragen.

Ich war impulsiv, empört. Ich habe nicht nachgedacht, nicht eine Sekunde. Es ist mir einfach rausgerutscht. Dein Blick hat mir sofort gesagt, das ich einen Fehler gemacht habe. Einen großen. Ich habe die Verletzung in deinem Blick gesehen, und ich habe es sofort bereut. Ich habe mich entschuldigt, hastig. Doch du bliebst kühl, und ich wusste, daß ich Ärger bekommen werde. Daß ich eine Strafe verdient habe. Ich wusste nur nicht, welche.

Das ist der Nachteil meiner Geschichten. Ich gebe dir regelmäßig Einblick in mein Kopfkino, in meine Verletzlichkeit. Du weisst so genau, wie du mich kriegst. Wie du mich verführen kannst, etwas zu tun, was ich bereue. Wie du mich spielend leicht dazu bekommst, mich dir auszuliefern. Weil es mich kickt. Und du weisst verdammt genau, wo es weh tut. Welche Strafe für mich wirklich eine Strafe ist.

Ich habe diesen Zehensitz und die Schmerzmeditation in einer Geschichte erwähnt. Natürlich hätte ich wissen können, daß mir das auf die Füße fallen wird. Sehr sehr unklug. Was hat mich dazu bewogen, es doch zu verwenden, es dir offenzulegen? Mein Bedürfnis, mich zu öffnen? Mein Masochismus? Die heimliche Sehnsucht meines verkorksten Geistes, so etwas zu erleben?

Der Schmerz ist so intensiv wie von Anfang an. Wie lange sitze ich schon auf meinen Zehen? Fünfzehn Minuten? Zehn? Zwanzig? Ich habe das Gefühl für die Zeit verloren. Du sitzt neben mir, überwachst, ob ich richtig sitze. Ob mein Oberkörper aufrecht ist, damit mein ganzes Gewicht auf meine Zehengelenke drückt. Deine leise Stimme wiederholt das Mantra. Mahnt mich, ganz in den Schmerz zu gehen. Ich habe die Augen geschlossen. Ich weiss nicht, wie lange ich noch sitzen muss, wie lange ich den Schmerz noch ertragen muss. Bitte, bitte, lass es enden! Doch mein Flehen bleibt ungesagt. Ich darf nicht sprechen. Ich kann nur den Schmerz ertragen.

(Fiktive Geschichte, angelehnt an reale Erfahrungen)
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