Begleitservice – Protokolle einer reifen EscortErotische Begegnungen zwischen Hobby-Hure und Frei

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"Begleitservice" von Gabi Pertus erzählt authentische Geschichten aus dem Leben einer reifen Escort-Lady. In 17 Protokollen begibt sich der Leser zusammen mit der 62-jährigen Hobby-Prostituierten Alexandra auf Hausbesuche.

Doch Gabi Pertus denkt sich die erotischen Erlebnisse, die Alexandra erlebt, nicht aus. Nein, Alexandra Huber gibt es wirklich. Sie ist es, die der aus Rostock stammenden Autorin von ihrer Nebentätigkeit als Escort berichtet. Schonungslos und ehrlich entstanden auf diese Weise 17 Protokolle – mal amüsant, mal einfühlsam, doch immer lustvoll.

"Begleitservice" berichtet über gelebte Sexualität im Alter in all ihren Facetten. Im Interview berichtet uns Gabi Pertus, wie die Idee entstand, das Liebesleben der Hobby-Hure festzuhalten.

"Begleitservice": Jedes Protokoll eine Erotik-Geschichte

Erwartungsvoll und doch etwas zurückhaltend wirkt die Dame auf dem Cover von "Begleitservice". Auch wenn es sich bei dem Model nicht um Escort Alexandra handelt, vermittelt es die richtige Stimmung, die uns in Gabi Pertus vierten Buch begegnet. 17 Protokolle, darunter ein Selbstversuch, erzählen wie Alexandra sich in ihrem neuen Beruf zurechtfindet. Anfangs noch schüchtern blüht sie von Hausbesuch zu Hausbesuch auf, bis sie letztendlich selbst auf ihre Kosten kommt – nicht nur finanziell. Denn den Sex mit fremden Kunden weiß die zunehmend selbstsichere Alexandra in vollen Zügen zu genießen.

Die positiven Seiten des Begleitservice

Bedürfnisse, Experimentierfreude, aber auch Schwierigkeiten alleinstehender Menschen sind Themen, mit denen sich die einzelnen Geschichten in "Begleitservice" auseinandersetzen. Neben all den erotischen Erlebnissen, die Alexandra mit ihren Freiern erlebt, legt sie auch milieukritische Berichte ab.

Die Schattenseiten der Sexarbeit, wie sexuelle Ausbeutung, werden in diesem Buch nicht zum Gegenstand; davon distanzieren sich Autorin Gabi Pertus sowie der Verlag konkursbuch deutlich.

Zwischen Dienstleistung und Befriedigung

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Die Protokolle in "Begleitservice" spiegeln auf 192 Seiten die Vielfalt der Sexualität wieder: Bis ins kleinste Detail werden die erlebten Praktiken wie Cunnilingus sowie Anilingus, Spielereien mit Sextoys, Sadomaso und auch Telefonsex von Alexandra beschrieben. Auch einen Dreier mit einer Kollegin, ein ungewöhnliches Rollenspiel und Aufklärungsversuche eines 70-jährigen Kunden über die Klitoris verschweigt die erfahrene Hostess nicht.

Obwohl Alexandra bereits 62 Jahre alt ist, wird sie von ihrer Agentur immer wieder erfolgreich an großzügig zahlende Kunden vermittelt.

Sie trifft auf verschiedenste Charaktere, die sie liebevoll und mit leiser Ironie beschreibt. Doch auch ihren Gewissensbissen schenkt sie Gehör: Immer wieder befindet sie sich im Entscheidungskampf. Sollte sie ihre Tätigkeit als Begleitdame niederlegen? Doch sollte sie tatsächlich auf das schnell verdiente Geld verzichten? Ohne zu beschönigen oder zu werten, nimmt Autorin Gabi Pertus die Leser in die Welt von Alexandra mit.

Interview: Gabi Pertus über ihr Buch "Begleitservice"

Da Autoren am besten über ihre Werke erzählen können, baten wir Gabi Pertus zu Wort, um uns zu erklären, wie das ungewöhnliche Projekt entstanden ist, die Erlebnisse einer Escort zu dokumentieren.

Frau Pertus, wie kam Ihr Buch "Begleitservice" zustande? Wie haben Sie die Bekanntschaft mit der Escort-Dame Alexandra gemacht?

Gabi Pertus: Wissen Sie, es waren immer so Anzeigen in der Zeitung von wegen Escort-Service und guter Verdienst. Also habe ich da mal angerufen, musste dann aber feststellen, dass es hier nur um Sex geht. Ich dachte mehr an Begleitung zu Kulturveranstaltungen, Geschäftsessen usw. Ich signalisierte der jeweiligen Agentur, dass ich dazu zu alt sei (65). Darauf folgte die Antwort, ich solle mich doch mal mit Alexandra (62) treffen, die könnte mir alles genau erzählen, wie das so ist.

Gesagt - getan. Alexandra war eine sehr gebildete Frau mit viel Humor. Das Gute daran war, dass sie diese Arbeit gerade erst anfing. Sie war also noch nicht so "betriebsblind". Da kam mir die Idee mit dem Buch, als sie anfing, ihre Erlebnisse zu schildern. Ich bat sie, genau darauf zu achten, ob die Stimme im Buch mit ihren Vorstellungen von der Person dann übereinstimmte. Auch auf das Interieur sollte sie achten.

Dass es Prostituierte gibt, weiß man, nicht aber wer die Freier sind.

Ich habe bereits "Lust in der Mitte" beim "konkursbuch Verlag" herausgebracht. Die ersten Protokolle mit Alexandra bot ich dort an – und man wollte mehr haben.

Wenn wir Ihr Buch sprechen lassen, erzählt es uns unter anderem, dass Sex im Alter kein Tabu darstellen sollte. Trifft dieser Aspekt auch Ihre Kernaussage?

Gabi Pertus: Ja, auch. Für mich war es wichtig, die soziale Situation und den ganzheitlichen Menschen Alexandra darzustellen. Dass es Prostituierte gibt, weiß man, nicht aber wer die Freier sind. Wichtig war mir, erkennen zu lassen, in welchem sozialen Milieu die Männer leben und woher ihre Bedürfnisse kommen. Warum gehen sie nicht in den Puff? Sie wollen das Gefühl haben, ihre Freundin käme, sie wollen reden. Und am erstaunlichsten fand ich, dass sie sich um den Orgasmus der Frau sorgen und stolz sind, wenn sie es geschafft haben.

Vorher hatte der Beruf Escort den Touch des Verruchten für mich.

Sie haben sich im Zuge Ihres Buches sehr ausführlich mit den Erlebnissen einer Escort auseinandergesetzt. Hat sich Ihre Sichtweise über diese Tätigkeit verändert?

Gabi Pertus: Ja. Die Tatsache an sich ist für mich selbstverständlich geworden. Vorher hatte der Beruf Escort den Touch des Verruchten für mich.

Eines der 17 Protokolle erzählt von einem Selbstversuch. Frau Pertus, haben Sie sich etwa als Escort probiert?

Gabi Pertus: Selbstversuch - das ist ein literarischer Kunstgriff und bleibt daher ein Geheimnis. Das ist Absicht.

Die Protokolle enthalten sehr ausführliche Erotik-Szenen. Haben Sie eigene Erfahrungen in Ihre Texte einfließen lassen oder sich an die Aussagen der befragten Alexandra gehalten?

Gabi Pertus: Nein. Ich habe mich an die Aussagen von Alexandra gehalten. Allerdings muss ich zugeben, dass ich "gezielt" nachgefragt habe. Sie selbst ging so ins Detail, was mich am Anfang etwas verstört hat. Sie hat alle Protokolle gelesen. Am Anfang meinte sie schon: "Das habe ich so nicht gesagt" Oder: "Das hast du verkehrt verstanden". Je länger wir zusammen gearbeitet haben, um so weniger wurden die Kritiken.

Immer wieder erlebt der Leser, wie die Begleitagenturen ihren Escorts exzessiv Mut zureden, einen Auftrag anzunehmen. Haben Sie während der Aufnahmen der Protokolle den Eindruck gehabt, dass nicht alle Escorts freiwillig handeln?

Gabi Pertus: Nein, überhaupt nicht. Ich war drei Mal zu einer Zusammenkunft der Damen, das war sehr interessant, weil sie so unterschiedlich gewesen sind. Mit drei Freiern habe ich auch telefoniert, ein konkretes Gespräch kam dabei jedoch nicht zustande.

Aber über das Thema Escort reden wir nie mehr, das war zwischen uns so abgesprochen.
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Was ist nach Beendung des Projekts aus Alexandra geworden?

Gabi Pertus: Alexandra hat noch ein halbes Jahr in der Begleitagentur gearbeitet, dann hat sie als Escort-Dame einen Mann gefunden und aufgehört. Wir gehen hin und wieder zusammen zu einer Kulturveranstaltung. Aber über das Thema Escort reden wir nie mehr, das war zwischen uns so abgesprochen.

Auf welche Projekte von Ihnen dürfen wir uns denn in Zukunft freuen?

Gabi Pertus: "Blümchensex ADE" ist der Arbeitstitel des neuen Projektes. Es ist eine eMail-Geschichte: Ein betagter Mann und eine etwas jüngere Frau lernen sich im Chat kennen. Er verspricht: "Du bekommst alles, was du willst, wenn du willst". Es stellt sich aber heraus, dass der Verehrer nicht mehr als "Rein und Raus" beherrscht. So beginnt die lange Entwicklung des Herrn zum "best Lover".

Die Details zum Buch "Begleitservice"

Begleitservice
17 Protokolle und Bilder
Gabi Pertus
Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: "konkursbuch Verlag" Claudia Gehrke, 1. Buchauflage 2013
ISBN: 978-3-88769-842-3

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