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Sind Tantriker unverbindlich?

**********er999 Mann
378 Beiträge
Themenersteller 
Sind Tantriker unverbindlich?
"Wieso sind viele Tantriker so unverbindlich?" - Diese Frage stellte heute, am 22. Dezember 2016, eine Leserin oder ein Leser im Erotik-/Sex-Forum des Tages-Anzeigers.

Mich würde interessieren, wie Ihr das seht: Ist es tatsächlich so, dass tantrisches Sein mit Unverbindlichkeit einhergeht? - Oder sieht das nur so aus? - Oder ist dem überhaupt nicht so?

Ich muss gestehen, dass mich bei einem tantrischen Tanz-Anlass das Gefühl auch schon einmal beschlich, dass Tantriker vielleicht etwas unverbindlich sind, vielleicht war das aber auch nur mein ganz persönliches Empfinden in diesem Moment und die anderen Teilnehmer hätten überhaupt nicht gefunden, dass sie unverbindlich seien. - Ist es eine Frage der Sichtweise? Ob ich in der gebenden Rolle bin, oder in der empfangenden?

Der nachdenkende gratwanderer...
unverbindlich
ich denke nicht, würde sagen wie mein Austauschpartner meint, dass wir trennen können zwischen Ritual und Liebe.
ich habe am liebsten einen Austausch bei dem ich sicher bin, dass dann kein übergriff stattfindet.
alles andere würde auch meine Partnerschaft belasten.
ich hatte aber auch schon von einer Freundin das Feedback bekommen, als sie in einem Studio am Eröffnungstag war, dass sich niemand um sie kümmerte Willkommen ja aber danach nichts mehr.
auch irgendwie keine Frage möchtest du evt einen Termin abmachen, heute hätten wir ein Spezialangebot.
Ich mag dazu gerne sowohl als Tantriker als auch als polyamorer Mensch etwas sagen.

Der überwiegende Teil aller Beziehungen erscheint mir als abhängig. Glück, Erfüllung und weiteres wird dem Partner als Aufgabe und Last auferlegt - dann bin ich abhängig davon, dass mein Partner mich erfüllt und glücklich "macht".

Dem steht die Freiheit gegenüber. Ich habe die Freiheit, mich selbst zu erfüllen, und glücklich zu "sein". Das mag anstrengend erscheinen. Ist es manchmal auch. Darin aber sehe ich einen Sinn des Lebens - das eigene Leben aktiv und unabhängig frei zu gestalten. Ich bin lieber Schöpfer als Opfer.

Ich habe eben auch die Freiheit, anderen die Fremderfüllung zu verweigern. Dies mag der von mir von außen unerfüllte Mensch für sich als unverbindlich empfinden. Ist es aber nicht. Es ist nur die Wahrung der Freiheit des anderen, und darf auch als Impuls zu einem selbstbestimmten aktiven Schöpferleben in Eigenverantwortung gesehen werden.

Damit einher gehend wird eine flachere Emotionskurve auch oft als Unverbindlichkeit bewertet. Dabei handelt es sich aus eigener Erfahrung mehr um die größtmögliche Abwesenheit "schlechter" Emotionen und Gefühle. Das führt sogar so weit, dass Ekstase zwar erlebt wird, jedoch aufgrund enormer Erwartungen an einen solchen Zustand überhaupt nicht würdigend wahrgenommen wird. Also bitte mehr hinein ins spüren, und weg von "schneller, höher, weiter"...
***la Frau
369 Beiträge
Verbundenheit und Freiheit
Ein wahrer Tantrika ist ein Mensch, der sich selbst gut kennt und spürt... und von hier aus in den Kontakt mit anderen Menschen tritt.
Wenn es uns gelingt, unsere eigene Göttlichkeit anzuerkennen und aus Uhr heraus in Beziehung zu gehen. Dann stellt sich dieser Zustand ein, sich tief verbunden und frei zu fühlen.
Dazu musst du in der Lage sein, in intime Verbindung zu die selbst, zum Leben und zu anderen zu gehen.
Dann bist du dir selbst, dem anderen und dem Leben treu!

Unverbindlichkeit hat m.E. mit Tantra nichts zu tun!
Natürlich gibt es Menschen, die sich in Tantrischen Kreisen tummeln, die unverbindlich sind...wie überall sonst auch. Das ist aber bestimmt nicht typisch Tantra. Wenn du das Göttliche im anderen sehen kannst, dann entspannt und öffnet das jegliche Art von Begegnung zur Liebe.
Und Liebe ist immer verbindlich und bedingungslos, ohne Erwartungen und Forderungen.

Von Herzen
Sylvia *herz*
********n_BI Mann
49 Beiträge
Total unverbindlich
Ja, Tantriker sind unverbindlich... so unverbindlich wie alle anderen Menschen auch.

Aber andererseits sind Tantriker verbindlich... so verbindlich wie alle anderen Menschen auch.

Man könnte sogar soweit gehen und sagen, dass Tantriker auch nur Menschen sind. *zwinker*


Aber ob nun Mensch oder Tantriker, bei einigen (oder gar vielen) kann Intimität bzw. Nähe Fluchtreflexe auslösen.
**********lerin Frau
88 Beiträge
Tantriker sind vielleicht nur entspannter...
Ich habe den Artikel auch gelesen und kann zwar nachvollziehen, wie es zu dieser Annahme kommen kann, gleichzeitig kann ich dieser These aber nicht zustimmen.

Erstmal ist jeder Tantriker anders. Das hat ganz einfach damit zu tun, dass jeder Mensch anders sozialisiert ist und ganz eigene Erfahrungen gemacht hat. Eine pauschale Aussage kann also allein aus diesem Gesichtspunkt schonmal nicht getroffen werden. Es gibt halt solche und solche.

Und dann ist doch die Frage, in welchem Bereich jemand "unverbindlich" ist.

Geht es um den (körperlichen) Austausch mit anderen? Dann ist sicherlich bei einer Mehrzahl der Tantriker eine gewisse Unverbindlichkeit zu erkennen. Was ganz einfach daran liegt, dass tantrische Seminare und Rituale eben genau darauf abzielen: Uns mit unterschiedlichsten Menschen zusammen zu bringen und die jeweiligen Energien zu spüren. Dennoch führen nicht wenige Tantriker eine Beziehung, bei der der Partner auch über die tantrischen Begegnungen informiert ist. Ob diese Zahl nun größer ist als die von Tantra-unerfahrenen Menschen kann ich nicht sagen - ich weiß nur, dass 60 Prozent aller Männer und fast so viele Frauen früher oder später einen Seitensprung haben. Ich lehne mich zwar etwas weit aus dem Fenster, aber ich behaupte mal, dass darunter deutlich weniger Tantriker zu finden sind.

Oder geht es um die Beziehung zwischen zwei oder mehr Tantrikern? Dann sieht das Ganze schon wieder anders aus. Ich erlebe viele Menschen, die Tantra für sich entdeckt haben, als besonders reflektiert und beziehungsfähig. Dass sich gerade in der tantrischen "Szene" jedoch eine nicht unerhebliche Anzahl von Leuten auch aus der Poly-Szene tummeln, das lässt sich leicht feststellen. Andererseits sehe ich das nicht um geringsten als Unverbindlichkeit. Vielmehr ist es für mich ein Zeichen dafür, dass diese Leute es verstehen eine Beziehung aufrecht zu erhalten während sie gleichzeitig eine andere Person lieben. Das hat für mich vielmehr etwas sehr verbindliches, denn in nicht wenigen Fällen dürfte die Trennung zumindest anfangs der einfachere Schritt gewesen sein. Trotzdem ist der Wille da, ein gesellschaftlich noch nicht voll akzeptiertes Leben zu führen - das setzt Verbindlichkeit voraus (und vieles mehr, das aber nicht hierher gehört).

Und letztlich stellt sich mir die Frage (grade in Bezug auf das Erlebnis des Themenerstellers), wie Unverbindlichkeit gemessen wird. Ist ein Flirt etwas, das schon das Gefühl der Unverbindlichkeit hervorruft? Oder eine Berührung, eine herzliche Umarmung, ein offenes Wort? All das sind Dinge, die Tantriker sicherlich eher gewohnt sind als derjenige, der noch gar keine Tantra-Erfahrung hat. Tantriker sind vielleicht meist einfach etwas offener, entspannter und schneller wenn es um Nähe geht. Aber unverbindlich? Zumindest aus meiner Sicht trifft genau das Gegenteil zu...
Ich vermute eine Verwechslung à la Prä/Trans (Ken Wilber)

bedeutet zum einen, dass (echte) Entspanntheit und die Überwindung der Anhaftung sich von außen anfühlen können wie Unverbindlichkeit

bedeutet zum anderen, dass mensch lediglich meint, entspannt und nicht anhaftend zu sein, dabei aber nur unverbindlich ist.
Ich wollte eigentlich ein paar Zeilen zu diesem Thema schreiben. Zum Glück habe ich aber vorher alle Beiträge gelesen.
Denn meine 100%ige Zustimmung gilt http://www.joyclub.de/my/2325437.kkmk.html und Die_Kuenstlerin . *top*

Somit ist für mich jedes weitere Wort überflüssig.
kann man nicht so sagen.
Es gibt keine "Tantriker", sondern Menschen und es gibt Tantra (Methode, Technik)
Aber wenn sich jemand mit Tantra beschäftigt, versucht er irgendwann sich mit Tantra von vergänglichen Bindungen zu lösen, ob jetzt äußerlich oder innerlich. Wie weit fortgeschritten da jemand ist, hat mit den persönlichen Bindungen und Prägungen zu tun. Da gibt es unendlich viele Abstufungen und Rückschritte.
Gerade Tantra ist ja eine Möglichkeit sich von irdischen Bindungen zu lösen und den Sexualtrieb zu transformieren oder zu transzendieren, wie immer man das auch formulieren will...damit umzugehen.
...meine Ansicht.
Wenn dieses Ziel (vorrübergehend) erreicht ist, brauchts dann auch kein Tantra mehr. Abstinenz wäre dann die logische Folge.
Also ja: Tantra ist unverbindlich in einem persönlichen Sinn. Verbindlich in einem All-umfassenden Sinn.
*********lebee Mann
1.318 Beiträge
. . . Absichtslosigkeit . . .
@ dass tantrisches Sein mit Unverbindlichkeit einhergeht? - Oder sieht das nur so aus? - Oder ist dem überhaupt nicht so?

Spontan: Wenn es für diese Leserin so ausschauen mag, dann ist es möglicherweise (ach, wie unverbindlich) mit einer Saite in ihr in Resonanz getreten.

Für mich ist mein tantrischer Weg (wie auch andere Wege für andere) . . . ein Weg der Entwicklung. Mit vielen Ups and Downs . . . Scheidewegen . . . Situationen, die manchmal erst viele Jahre danach in der Rückschau ihren Sinn für mich ergeben haben.

In den letzten Wochen hat sich für mich zum Beispiel der Gegensatz des Kuchens (der Liebe, die geteilt wird, und bei der - je nach Anzahl der Beteiligten - immer weniger übrig bleibt) zum Konzept des Breis, das in Grimm's Märchen immer mehr wird, heraus kristallisiert.

Auf gut Deutsch . . . wenn ich zum Beispiel meine, ich wäre in der Lage, mehrere Menschen zu lieben . . . ist das für andere, die an dem Konzept des Kuchens anhaften nur schwer nachvollziehbar bzw. akzeptabel.

Und dann ist das so. Es ist, was es ist. Dann kann eine Beziehung unverbindlich erscheinen. Und ist gleichzeitig achtsam. Und voller Liebe. Solange sie ist.

My2Cents . . . *g*
Menschen die Tantra leben sind Sie Unverbindlich...?
Ich für meinen Teil und das klang ja auch hier schon öfter an, würde das nicht so sagen, jeder ist so wie er ist,
Es liegt auch immer im Auge des Betrachters wie er den andern sehen mag, ich für meinen teil bin geerdet, verbunden mit dem was mich aus macht, aber sehen das auch die andern, vieleicht bin ich in deren Augen "unverbindlich"...aber das ist auch OK so.


Wa wir nicht sollten ist, uns so wichtig zu nehmen und den Raum zwischen uns und den andern so groß lassen, dass alles Platz hat was Platz braucht um sein Gegenüber annehmen zu können.
*******iva Mann
406 Beiträge
Unverbindlichkeit beim Tantra
Witzig - diese Diskussion hatte ich gerade vor 2 Tage mit einer meiner Lieben, die ihr Gefühl ausgedrückt hat, wenn sie nach einem tantrischen Abend dann wieder nach Hause fährt und feststellen muss, dass sich aus diesen Begegnungen keine (oder kaum) Kontakt ergeben

Ich kann das gut nachempfinden und habe das auch oft so gespürt.
Die Beiträge oben haben mich aber nachdenklich gemacht:
Denn wenn ich wirklich ehrlich zu mir bin, dann ist mein Wunsch, nach einem tantrischen Event im Kontakt zu bleiben, aus dem Mangel entstanden. Und natürlich sind dann die Anderen "unverbindlich", weil sich aus einer Begegnung in Liebe keine "Liebe" entwickelt. ("Liebe" hier als Synonym für Verbindung/Beziehung). Wenn ich den Trauer spüre, dass der Kontakt zu einem Menschen, mit dem ich in einem tantrischen Setting/Ritual verbunden war, verloren geht, sollte ich mich fragen: "Warum möchte ich jetzt den Kontakt zu diesem Menschen aufrecht erhalten? Habe ich das Gefühl, dass mir etwas fehlt, wenn diese Kontakt nicht mehr da ist?"

Außerdem liegt es ja auch an mir, ob sich dann so ein Kontakt weiter entwickelt. Mein erster Schritt wäre dann, dieser Person gegenüber meinen Wunsch auszudrücken, dass ich mit ihr im Kontakt bleiben möchte.

Und dann kann es immer noch sein, dass sich kein Kontakt ergibt. Oder nur eine platonische Freundschaft!
Denn - so meine Erfahrung - im realen Leben sind Tantriker auch nur Menschen, die ihr emotionales Päckchen mit sich herumschleppen und dementsprechend vorsichtig in die Beziehung (nach dem Motto: "Es gibt keine Nicht-Beziehung"!) gehen. Da fehlt dann die Sicherheit des tantrischen Settings, in dem man sich fallen lassen kann und weiß, dass man von der Gruppe/der Seminarleitung/den Regeln gehalten wird.

Klaus
*******ann Mann
261 Beiträge
Sind Tantriker unverbindlich
Hallo!
ich kann mich richtig gut anschließen Tantra_in_BI und Skala. Mehr brauche ich fast nicht dazu zu geben und an gratwanderer999 gerichtet:
In deinem "Nachdenken" vermisse ich zu lesen, was in dir geshieht, wenn du andere für unverbindlich hältst. Darin könnest du entdecken, was dein unbefriedigtes Bedürfnis bleibt, das die vermeintlich Unverbindlichen berühren. Davon lese ich nichts in deinem Beitrag. Das würde in deine eigene Tiefe führen statt die Aufmerksamkeit auf die vermeintlich Unverbindlichen zu lenken. Da spielt "Energie folgt der Aufmerksamkeit" schon sehr rein, das macht auch Tantra aus für mich.
Stefan
Meditation und mehr, in Karlsruhe (Art of Being) Tantra
******ore Frau
4.539 Beiträge
Das ist eine schöne Diskussion hier: da werden die unterschiedlichsten Standpunkte erläutert und die Meinung der anderen trotzdem wertgeschätzt! Das wünsche ich mir öfter!

Ich empfinde mich im tantrischen Kontext unverbindlich, wenn ich den Eindruck habe, dass jemand sehr viel weniger Erfahrungen hat, oder sehr anders tickt, als ich und ich ihn nicht "mitnehmen" kann, z.B. weil er an der Stelle kein Vertrauen in eine mögliche Entwicklung hat.
Ich selber habe auch gerade eine ähnliche Erfahrung gemacht: ein Shiva hat im tantrischen Kontakt viel Aufgeschlossenheit gezeigt und die im Alltagsleben "zurückgezogen". Das hat mich kurz irritiert, früher wäre ich hinterhergehechelt, nun verstehe ich langsam, dass bestimmte Ebenen für Offenheit taugen und andere nicht. Letztlich hat er sich wiederum verantwortungsvoll mir gegenüber gezeigt, weil er in einem Prozess ist, der keinen Raum für intensivere Annäherung lässt. Und ich bin dankbar, dass nicht ich das schmerzhaft herausfinden muss, sondern er das deutlich kommuniziert. Lediglich etwas klarer hätte ich ihn mir an der Stelle gewünscht. Aber ich bin an der Stelle auch nicht immer klar und transparent......

Begegnungen werden im tantrischen Kontext ja auch bewusst forciert, wenn Shiva/ Shakti da jedem/ jeder nachgehen wollen würde....... *zwinker*
**********er999 Mann
378 Beiträge
Themenersteller 
Danke!
Herzlichen Dank für Eure Meinungen!

Liebe Grüsse
und noch schöne Festtage!

Martin
Wellness-in-Pulheim
*********raum
97 Beiträge
Auch wenn Martin dieses Thema schon fast zu den Akten gelegt hat, möchte ich noch einen anderen Aspekt einbringen.

Vieles was ich hier gelesen kann ich voll unterstützen, wenn beschrieben wird, wie ein Tantriker sein sollte. Ich sehe aber auch in der durchaus provokanten Fragestellung noch einen anderen, leider stark zunehmenden Trend/Aspekt.

Ich bin seit Anfang der 90er Jahre dabei. Und in dieser Zeit habe ich einen Wandel erlebt. Tantra wird heute in sehr vielen Bereichen lange nicht mehr so spirituell, achtsam usw. gesehen, so wie ich es (in einer Tantra-Kommune) erleben durfte. Heute ist daraus sehr oft "big business" geworden. Sex-sells kann ich da nur sagen und dann kommt die Unverbindlichkeit sofort hinterher. Denn wenn "Hauptsache der Rubel rollt" das Motto ist, dann war es das auch mit der Verbindlichkeit im Tantra. Und das erlebe ich inzwischen sogar bei Ausbildungen, die ich interessehalber immer noch besuche.

Aus meiner Sicht sind aber auch Foren wie z. B. der JC daran nicht ganz unbeteiligt. Auch (gerade?) hier wird Tantra zur Massenware, Verquickungen mit anderen Strömungen weichen die Ziele auf. Wenn ich heute wirklich noch Tantra in einer sehr verbindlichen, achtsamen daneben auch ursprünglichen und spirituellen Form erleben möchte, dann sicher nicht hier im Joy, auf Vorführungen in irgendwelchen Clubs etc. Dann bin ich froh, dass es da noch andere Communities und Wohngemeinschaften gibt, die anders ticken, zu denen ich noch Kontakt habe.
Guter Beitrag.
Ich bin noch nicht so lange 'dabei', aber ich spüre das auch. Und es kostet mich erheblich Kraft, vor einem solchen Hintergrund beim Massieren verbindlich zu bleiben. Denn die 'Gäste' von früher sind zu 'Kunden' von heute geworden, und haben eindeutig mehr eine Konsumhaltung als früher. Tantra zu konsumieren ist aber meilenweit weg von Herzöffnung und Hingabe.

Ich glaube nicht, dass der Joyclub da nur negativ wirkt. Wir haben in dieser Gruppe auch immer Wert darauf gelegt, zu erklären und zu diskutieren, was Tantra ist oder sein will. Wer Augen hat zu lesen, der lese.

Das Problem ist m.E. eher der gesellschaftliche Blick auf Tantra. Und da neigt diese eben zu Verallgemeinerungen und Vereinfachungen. Im Sinne dessen, was 'man' eben schon kennt, wird Tantra halt verkauft (und verraten?!). Dienstleistung gegen Bezahlung. Zeitgeist, Usancen.

Und doch gibt es ein spirituelles Bedürfnis bei jedem Menschen. Die Kunst liegt darin, den Gast oder Kunden genau daraufhin anzusprechen, seine Sehnsucht nach Nähe und Angenomensein bewusst zu machen. Mehr kann man einfach nicht erwarten, aber (wieder) einen Zugang zu den eigenen emotionalen Bedürfnissen zu finden oder neu zu spüren, ist ja auch schon ein Anstoß in die richtige Richtung. Ich kenne einige, die sich danach richtig intensiv auf die spirituelle Suche begeben haben. (Und schließlich wird nicht aus jeder Ballettratte eine Primaballerina *zwinker* )

Vielleicht ist es grade diese Herausforderung an den 'modernen Tantriker' ;), demütig zu bleiben vor der Unverbindlichkeit, die die Kommerzialisierung mit sich bringt?!
Noch eins...
Was mir aber durchaus auch schon aufgefallen ist, und wo ich eigentlich beim ersten Lesen der Eingangsfrage hingedacht habe, ist das vage Gefühl nach einem beglückenden Tantraseminar, -Tag, -Event, dass dieses Gefühl der Nähe nicht nachhaltig zu sein scheint. Die Beziehungen und Kontakte, die da entstehen, scheinen trotz ihrer instantanen großen Nähe nicht wirklich nachhaltig. Sie entstehen gruppendynamisch im 'geschützten Raum' und haben vor der Realität des Alltags meist keinen Bestand mehr.

Und manchmal hab ich auch schon gedacht: ja, dieser erfahrene Tantriker da, der lächelt und ist nett, aber auch irgendwie unverbindlich. Schwimmt in seiner Welt. Die Nettigkeit und das Lächeln sind schon so anders im Vergleich zu der Alltagswelt, dass sie auffallen. Aber wie sehr interessiert diesen nett lächelnden Menschen eigentlich, was MICH ausmacht? Manchmal ist die tantrische Welt auch eine für emotionale Nerds, die die Kunst der Herzöffnung auf Knopfdruck perfektioniert zu haben scheinen....

Vielleicht sollte man mal den Begriff 'Verbindlichkeit' hinterfragen. Vor allem Verbindlichkeit von Beziehung. Wie sehr er eigentlich Ausdruck von Fesselung und Schubladendenken ist. Bei polyamor lebenden Menschen habe ich mitunter ähnliche Empfindungen gehabt. (Es gibt ja auch eine nicht kleine Schnittmenge zwischen Polies und Tantrikern). Ist das nun weiterentwickelte spirituelle/soziale Haltung oder stört es, weil es in keine (verbindliche) gesellschaftliche Schublade zu packen ist?
Wellness-in-Pulheim
*********raum
97 Beiträge
Ich glaube zu verstehen was du meinst. Auch ich werde oftmals etwas komisch angesehen. "Spinnt der jetzt" oder "wovon redet der da"?

Ich bin natürlich zuerst einmal ich selbst, habe lange gebraucht, bis ich erkannt habe, dass ich erst einmal zu mir finden muss und in mir ruhen muss, bevor ich Tantra weitergeben kann. Auf der anderen Seite versuche ich immer von dieser Ebene wieder herunter zu kommen, damit ich dann auf Ebene "Normalmensch" meine Kursteilnehmer dort abholen kann, wo sie sich (noch) befinden.

Aber in diesem Konflikt mit der eigenen Unverbindlichkeit stehe auch ich immer wieder.
******n68 Mann
3.522 Beiträge
Gruppen-Mod 
Auskopplung
Ich verlagere mal die Beiträge zu "Seminar vs. Alltag" in einen eigenen Thread:
Tantra: vom Seminar in den Alltag
Herzensberührung...
...ich habe das Bedürfnis nochmals auf das Ursprungsthema einzugehen.
Verzeiht mir bitte, dass ich noch keine unglaublich weitreichenden tantrischen Erfahrungen habe, aber ich meine die Dynamik aus vielen Bereichen (wieder) zu erkennen und habe sie auch schon im tantrischen anklingen gespürt.

Ich bin in einem Feld unterwegs, in dem ich in verschiedenen Settings - in meinem Fall Bondage, BDSM, Polyamor, Körpertherapie und auch Tantra Situationen erlebe, in denen tiefe Dynamiken zwischen zwei oder mehr Personen erlebt werden.
Und in allen Feldern habe ich den Eindruck dass die Sehnsucht des Menschen nach tiefer Erfahrung und Transformation so stark ist (verständlicherweise) dass ich manchmal den Eindruck habe, dass dies zum einen konsumiert wird und zum anderen teilweise sogar eher simuliert oder forciert im eigenen Erleben.

Ich finde da einen Vortrag von der buddhistischen Lehrerin Gangaji sehr spannend, wo es darum geht, dass die Herzensöffnung etwas ist, was man erfährt, aber nicht 'tun' kann. Aber da die Erfahrung so universell und schön ist, und Menschen sich teilweise schwer damit tun zu akzeptieren, dass eine Erfahrung zurückbleibt hinter dem was man schon erlebt hat, ist die Versuchung groß, die Herzöffnung zu 'machen'. Eigentlich ist es aber etwas ausserhalb unsere Kontrolle, ob unser Herz sich öffnet oder nicht. Es geschieht - oder nicht.

In verschiedenen Kontexten habe ich das erlebt, dass sich zwei Personen fast schon wie hineingesehnsüchtet haben in die unglaubliche Erfahrung in den Seilen, Spiel, tantrischer Transformation, tiefer therapeutischer Erfahrung...einfach weil die Sehnsucht danach groß ist. Aber wenn ich dann mitbekommen, dass die gleichen Personen zu jedem weiteren Treffen mit immer anderen Partnern immer gleiche Höchstpunkte habe, dann fällt es mir schwer an die Tiefe und Authentizität zu glauben.

Von daher auf die Frage geantwortet würde ich sagen: Nein, Tantriker empfinde ich nicht als weniger verbindlich - ich erlebe eine mögliche Form von 'Tiefenerlebniskonsum' in mehreren Bereich.

Aber würde ich die Frage stellen, ob ich den Wunsch hätte, dass Tantriker feiner mit der Resonanz ihrer Selbst umgehen und auch Raum lassen dafür, was entsteht, erwartungsfrei und offen...dann würde ich klar Ja sagen.

Ich bin ebenfalls der Meinung auch in meiner Erfahrung, dass man im Tantra (und anderen Feldern) in Tiefe eintauchen kann und dies ein einmaliges und dennoch nicht weniger aufrichtige und achtsames gemeinsames Erleben sein kann. Dennoch möchte ich auch eine Lanze brechen für die Herzensberührung die eine auch menschliche Öffnung auf beiden Seiten beinhaltet, in dem ein Mensch den anderen berührt und auch Spuren hinterlässt - in dem das Herz als zentrales Chakra berührt und verändert wird. Und sich daraus auch Bind-dung und ein Weg zu ver-bind-lichkeit ergeben kann.

Für meinen Teil kann ich sagen, dass ich mir wünsche, dass die Bewusstheit für die universelle Kraft einhergeht mit dem Bewusstsein, dass dort auch zwei Menschen mit Persönlichkeit sich begegnen. Und auch wenn dann nicht aus allem eine lebenslange Beziehung wird, so möchte ich mich immer auch für die menschlichen Aspekte meines Gegenübers öffnen und berühren lassen. Und damit auch die Tür offen lassen für Ver-bind-lichkeit.
Tiefenerlebniskonsum
Genau, das ist es. Du hast das wunderbar beschrieben. Das bewirkt Unverbindlichkeit.

Herzöffnung ist ein Geschenk, nicht etwas, das man 'machen' kann. Man kann diesem Flow nur innerlich Tür und Tor öffnen, ohne ihn zu erwarten, oder, wie du beschreibst, sich 'hineinzusehnsüchteln'.

Wenn ich Herzöffnung erlebe, werden meine Augen oft ganz nass und ich fühle mich tief mit mir verbunden. Und in diesem Flow schlägt sich eine Brücke zu anderen. Wenn der Moment 'echt' ist, fühle ich mich verbunden. Wie aber wird Verbindlichkeit draus?

Verbindlichkeit in diesem Sinne ist die fortgesetzte Verbindung. Oder Beziehung. Und unsere Fähigkeit, in verbindliche Beziehung (nicht Bindung!) zu gehen, liesse sich ja auch üben, oder? Es gibt ja alle möglichen 4-Wochen- oder 21-Tage-Selbstliebe-Challenges im körperlich-sinnlichen Bereich, warum nicht auch da? Mal angenommen, die Teilnehmer eines Tantraseminars oder einer Gruppe würden es sich zur Aufgabe machen, sich täglich um einen der anderen Teilnehmer zu 'kümmern', in Kontakt bleiben, persönlich, in Nähe und Achtsamkeit? Nach einem halben Jahr spätestens wären sie vermutlich dicke Freunde.
Da ist sie, die Verbindlichkeit *g*
>>Herzöffnung ist ein Geschenk, nicht etwas, das man 'machen' kann

ja - wenn du glaubst du kannst es nicht bewusst machen (oder lernen) dann wird es für dich auch so wahr sein..

lg
erleben
...ich kann es einladen, ich kann lernen achtsam zu sein auch dafür, was mein Herz sich schliessen lässt. Ich kann mich selbst erkunden und die Resonanz mit meinem Gegenüber.

Aber ja, machen kann ich es nicht. Und ich erlebe.es auch nicht als tantrisch zu machen, zumindest keine Empfindungen oder Energie Erfahrungen.
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