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Rigger - Einsteigergedanken (Achtung, länger)

*****nti Mann
462 Beiträge
Themenersteller 
Rigger - Einsteigergedanken (Achtung, länger)
RIGGER – EINSTEIGERGEDANKEN

WORTE VORWEG:
Seitdem ich im April dieses Jahres meine ersten Postings setzte, in denen ich ein Bunny suchte und ein bisschen über Einsteigerthemen sinnierte, haben sich bei mir einige Dinge geändert. Ich würde mich immer noch als Einsteiger, als Anfänger, bezeichnen, stehe aber nicht mehr vor einer riesengroßen Welt voller fremder Begriffe, nur unbekannter Menschen und der Frage wie ich in dieser Welt überhaupt die ersten Schritte gehen sollte.

Einige Fragen gingen mir damals als Einsteigerrigger durch den Kopf. Fragen, die auch andere Einsteiger mit mir teilten. In Gesprächen unter uns Anfängern ergaben sich viele wiederkehrende Fragen und Themen. Nun bin ich bei weitem nicht in der Position von der Kanzel herab beten zu können noch möchte ich dies. Dennoch glaube ich, dass es eine gute Idee sein kann einige dieser Grundgedanken und Gesprächsinhalte, die mich teils noch heute umtreiben, zu teilen.

Zu Bunnys habe ich nun mehrere „Guides“ für Einsteigerbunnys gefunden, nichts jedoch an geteilten Gedanken von Einsteigerriggern. Ich vermeide hierbei bewusst die Überschrift „Einsteigerguide“. Meiner Ansicht nach klingt „Guide“ immer nach „so, und genau so, macht man es, denn das steht in der Anleitung“. Nein, hierbei gibt es keine Anleitung. Jeder Mensch ist anders und findet seinen ganz individuellen Weg zum Thema Bondage. Letztendlich kann dies hier also nur eine sehr subjektive Darstellung meinerseits sein, die dem einen oder anderen vielleicht einen Anstoß geben kann - aber eben nicht muss.

DIE MOTIVATION – WARUM FESSELE ICH ÜBERHAUPT?
Dieser Punkt ist eigentlich der Essentielle, der der über allem steht: Mit welcher Motivation wird das Seil überhaupt ergriffen?

Hier mag man die Nase rümpfen und sich fragen warum das eine so wichtige Frage sei. Das ist doch klar! Weil man….ja, was eigentlich? Gerne fesselt? Aber wie genau denn? Mit welcher Intention dahinter? Auf welche Weise möchte man fesseln?

Es gibt so viele Motivationen wie es Rigger gibt. Diese Motivation kann sogar rein von außen gesteuert sein, sprich, weil der Partner gerne gefesselt werden möchte. Dann ist diese Motivation sogar fremdbestimmt, sofern man diese Leidenschaft so eigentlich gar nicht in der Form teilt und es „nur“ jemand anderem zuliebe tut.

Aber selbst wenn man gerne fesselt hat jeder von uns ganz unterschiedliche Motivationen dies zu tun. Die finden wir in vielen Gesprächen und Online-Beschreibungen auch wieder. Da muss man gar nicht lange suchen. Manch einem reizt und reicht die schnelle „Bettpfosten-Fixierung“ um dann entweder Sex zu haben oder in eine SM-Session zu wechseln. Der andere fesselt gerne auch jenseits des Bettes, hat aber am Ende die Fixierung des Partners im Sinn um, wie gerade erwähnt, darauf aufbauend etwas ganz anderes mit ihm anzustellen. Der nächste mag es schöne Knoten an den Körper des Partners anzubringen während dieser es genießt dafür herzuhalten um nach dem „finalen Knoten“ zum Kunstwerk geworden zu sein, das sich fotografieren lässt ehe dann fix abgefesselt wird. Und für jemand ganz anderes geht es um das Gesamtkonstrukt und die emotionale Verbindung von der ersten Berührung des Seiles auf der Haut des Partners bis zum gemeinsamen abkühlen.

All diese Motivationen sind valide, egal was irgendjemand anderes sagt oder was man in Diskussionen so liest! Am Ende geht es darum Spaß zu haben. Den eigenen Spaß und den gemeinsamen mit dem Partner. Dabei spielt es keine Rolle ob zweistündige Suspension-Sessions durchgezogen werden oder ob nach kurzer „Bettpfosten-Fesselung“ gevögelt wird. Wichtig ist lediglich, dass man sich selbst im Klaren darüber ist was man überhaupt möchte. Nur so kann man auch selbst definieren wo der Weg einmal hingehen soll. Und auch nur so kann man mit seinem Partner eben diesen Weg beschreiten, beziehungsweise überhaupt die Augen nach einem Partner offen lassen und einen Fesselpartner suchen.

DER FESSELPARTNER
Fesseln geht zwar auch alleine, wird aber vermutlich für die wenigsten Rigger die Kernmotivation sein. Meine war es zumindest nicht. Also möchte jemand gefesselt werden. Aber wer? Und wo findet man so jemanden?

Ein Hauptgewinn ist es natürlich wenn man einen Lebens(abschnitts)gefährten an seiner Seite weiß, der diese Vorliebe teilt. Das ist eine wunderbare Vorstellung aber kein „must-have“. Der Einstieg wird dadurch natürlich erleichtert, da eine Partnersuche ausfällt – wenn dieser Beziehungspartner denn auch dieselbe Motivation verfolgt!

Wenn der Rigger nun gerne sehr langfristig Semenawa erlernen und fesseln möchte, dem Partner aber gar nicht der Sinn danach steht und er mit „Bondage“ die „schönere Bettfixierung“ als Vorspiel zum Sex verband, dann wird das vermutlich nichts. Dann muss entweder ein Kompromiss her oder ein weiterer Fesselpartner wird gesucht.

Kompromisse finde ich hierbei persönlich schwierig. Letztendlich bedeutet ein Kompromiss bei diesem Thema, wie bei nahezu allen BDSM-Themen, das ein Partner entweder etwas mitmacht an dem er gar keinen Spaß hat oder der andere eine Neigung jemand anders zuliebe unterdrückt. Beides mag, gerade wenn eine Beziehung lange andauern soll, irgendwann ein kritischer Punkt werden. Am Ende ist das ein Thema, das jedes Paar unter sich ausmachen muss.

Wenn ein anderer Fesselpartner gesucht wird sollte man sich – und dies ist abermals wieder sehr subjektiv – klar machen was man von diesem möchte. Ein vergebener Rigger der ein Bunny sucht sollte deutlich kommunizieren wie er fesseln möchte (die Motivation eben) und was das „vergeben sein“ bedeutet. Möchte man wirklich nur fesseln? Soll das eine parallele Freundschaft + werden? Ist man in einer Poly- oder gar offenen Beziehung?

Offene Kommunikation beugt hier allen nachträglichen Dramen vor. Natürlich können sich dann immer noch Dinge einfach ergeben. Das kann immer passieren. Es ist für ein Bunny aber doch etwas anderes wenn sie sich auf einen Einsteiger-Rigger einlässt, denkt, dass es rein um eine Fesselpartnerschaft geht und dieser will dann, sobald das Bunny gefesselt ist, die Hosen runter lassen, weil er das als selbstverständliche Motivation hinter der Fesselung empfand.

Fragt aber auch euren Fesselpartner – das Bunny – nach seiner Motivation! Bei unserer Leidenschaft geht es um beide Seiten! Wie bei der Beziehungspartnerin oben beschrieben wird man auf keinen grünen Zweig kommen, wenn das Bunny ganz andere Bedürfnisse hat als der Rigger. Auch diese wollen klar kommuniziert werden. Erfragt sie, wenn das Bunny sie nicht klar mitteilt. Vielleicht ist das Bunny selbst Neuling? Vielleicht weiß er/sie noch gar nicht so genau was sie mag, wo die Grenzen liegen? Geht nicht davon aus, dass das Bunny stillschweigend schon weiß was Sache ist und eure Gedanken lesen kann.

Am Ende geht es um beidseitiges Vertrauen und beidseitige Bedürfnisse. Das Bunny ist, wenn auch der passive Part, wenn auch meistens Bottom, wenn nicht gar der masochistische Part, nicht willenlos das „Hinhalteobjekt“ des Riggers. Ihr als Rigger seid hingegen auch nicht die reinen Dienstleister des Bunnys. Alles ist ein Wechselspiel und alles sollte miteinander harmonieren, zusammenspielen um für beide Seiten Erfüllung zu bringen. Das klappt wenn Vertrauen – gerade Vertrautheit – da ist. Das kommt nicht durch Worthülsen, sondern durch Gespräche, sich kennenlernen, miteinander Klartext reden und seine Wünsche und Vorstellungen artikulieren und eben auch mal gemeinsam fesseln um zu schauen wie es sich so anfühlt.

Und wenn es mal nicht zusammen passt? Dann passt es nicht zusammen! Vielleicht bemerkt man das gerade ganz am Anfang, wenn man wirklich frisch einsteigt und vor allem Grundknoten und Grundfesselungen lernt, noch gar nicht. Wenn man aber wirklich bemerkt – und Gespräche auch nichts ändern konnten - , dass es nicht zusammen passt, dass Vorstellungen auseinanderklaffen oder das es einfach zwischenmenschlich nicht harmoniert, dann sollte man loslassen, auch wenn das bedeutet, dass man erst einmal ohne Partner da steht und neu die Augen offenhalten, neu suchen, muss. Nichts rennt weg. Lieber an etwas unharmonischem Festhalten als erstmal gar nicht mehr zu fesseln? Tut euch das nicht an. Das nimmt langfristig, wenn nicht sogar mittelfristig, den Spaß am Bondage. Denn was bringt es noch irgendwie fesseln zu können aber zu wissen, dass es mit diesem Partner beidseitig eigentlich keinen Spaß (mehr) macht? Die Angst vor der neuen Suche? Das darf nicht der einzige Grund sein um bei einem Partner zu bleiben.

Ich habe von einigen Riggern gehört, dass die Bunnysuche beschwerlich sein kann. Ja, kann sie. Kenne ich auch. Das kann frusten. Man kann sich online vorkommen als würde man quasi Bewerbungsgespräche (nicht als Bunny, als Rigger!) führen und sich anbieten. Aber mal ganz ehrlich: Wäre das nicht auch so, wenn man einen neuen Tanzpartner suchen würde? In Online-Communitys kann immer der Eindruck entstehen, dass Menschen schnell „weggeklickt“ werden. Und manchmal hat man auch das Gefühl gar keine Chance zu bekommen, das Bunnys vor allem erfahrene Rigger suchen, die mit einer Bildergalerie voller Shibari-Meisterwerke aufwarten. Ja, das gibt es auch. Klar. Und wieder die Frage: Na und? Das gibt es in jedem paarbasierten Hobby. Das gibt es auch in jeder Partnerbörse.

Der beste Tipp, den ich dabei geben kann ist, sich klar zu artikulieren und nicht zu „faken“. Tut nicht so als wäret ihr Rigger mit 20 Jahren Erfahrung, wenn ihr gerade erst eingestiegen seid. Tut nicht so als könntet ihr schon wer weiß was, was ihr aber eigentlich gar nicht beherrscht. Poser gibt es genug. Und sie fallen auf. Vielleicht nicht auf den ersten Blick, nicht wenn man frisch auf das Profil klickt, aber spätestens wenn es dann ans Fesseln geht. Das man mit Riggern nicht fesseln sollte, die potentiell gefährliche Fesselungen ohne Kenntnisse ansetzen um zu imponieren steht in jedem Bunnyguide. Das versaut euch nicht nur das eine Bunny. Das spricht sich auch herum und versaut euch jeden zukünftigen Fesselpartner. Seid lieber ehrlich. Sagt was ihr wollt (Motivation), was ihr für eine Partnerin sucht und wo ihr steht.

ERSTE SCHRITTE – WO EIGENTLICH ANFANGEN?
Ich habe mir zuerst Bücher gekauft und auf Youtube geguckt. Mit meinem ersten Bunny, das mich nach langer Zeit überhaupt zum Thema Shibari brachte, habe ich dann auch versucht das was ich dort las und sah nachzuvollziehen. Und genauso schnell habe ich Youtube wieder ausgemacht und die Bücher zugeklappt.

Anleitungsvideos und Bücher möchte ich nicht per se verteufeln. Mir haben sie beim Einstieg aber nur wenig geholfen. Sie konnten zeigen was mal möglich ist, aber Verständnis wird nicht vermittelt. Selbst wenn in dem Video, oder in dem Buch, noch so penibel erklärt wird wie das Seil zu führen ist, so kann dort niemand auf Fragen antworten.
Noch schlimmer: Individuelles kann nicht angepasst werden. Die Tension. Die Körpermaße des Bunnys. Wie die Haut beschaffen ist (ja, da gibt es Unterschiede). Wie sich die Seilführung aufgrund dieser Faktoren verändert. Wie sich die Tension wiederum verändert und wie man das ausgleicht und anpasst.

Für mich sind Youtube, Vimeo und Bücher sehr gut um Dinge nachzuschlagen, die ich in Workshops wirklich an Wissen vermittelt bekam. Auf Workshops lassen sich Fragen stellen. Dort sieht ein Trainer / Lehrer was ihr tut. Dort kann er individuelle Unterweisungen geben. Er kann mit euch sprechen. Wichtiger noch: Ihr könnt mit ihm sprechen! Tut das auch. Dafür ist der ja da.

Ich bin selbst vermutlich ein grausig penetranter Schüler, der dutzendfach nachfragt weil er die Zusammenhänge verstehen möchte, der bohrt, der Dinge X mal unter Beobachtung wiederholen will und nach Feedback lechzt, nicht um überschwänglich gelobt zu werden, sondern um potentielle Fehler auszumerzen und Dinge besser zu machen. Ein guter Lehrer wird seinen Spaß mit Schülern haben bei denen er Leidenschaft und Herzblut erkennen kann.

Die Diskussion „zahle ich jemandem Geld, der mir dann was beibringt was ich auch kostenlos sehen könnte“ ist eine, die zuletzt ein paarmal in Diskussionen um mich herum hochkochte. Ich bin selbst beruflich Trainer / Ausbilder und muss sagen: Umsonst ist nicht einmal der Tod. Qualität kostet Geld. Unsere Leidenschaft kann gesundheitsgefährdend sein, wenn sie nicht adäquat verfolgt wird. Überkopfsuspension aus Youtube gelernt? Na herzlichen Glückwunsch, wenn das Bunny runterknallt und sich die Halswirbel bricht nur weil man Geld sparen wollte und deshalb auf Youtube / Vimeo Videos setzte in denen man die Hälfte nicht richtig sehen konnte.

Wie bei der Partnerwahl sollte man beim Lehrer, bzw. Workshopleiter, auch schauen ob dort das unterrichtet wird was mit den eigenen Vorstellungen übereinstimmt. Letztendlich bringt es auch dort nichts Workshops zu Stilen zu besuchen, die man so gar nicht fesseln möchte. Zu den meisten Workshops gibt es Beschreibungen. Die Anbieter antworten in der Regel auch alle auf persönliche Ansprachen und Rückfragen. Auch als Trainer hat man letztendlich keinen Spaß daran Schüler vor Ort zu haben, die eigentlich gar nicht das lernen möchten was man ihnen anbietet. Ihr seid schon mittendrin ebenso frustriert wie der Workshopanbieter. Und rein Geld aus der Tasche ziehen möchte euch ein guter Trainer auch nicht.

Youtube und Bücher kommen dann danach wieder zum tragen. Sie sind eine gute Möglichkeit um gelerntes noch einmal nachzuschlagen oder sich nachträglich noch einmal anzuschauen. Wenn man auf einer Videostreamingplattform noch einmal genau die Fesselung sieht, die man eine Woche zuvor auf einem Workshop lernte, dann kommt noch einmal ein „aha“-Effekt.

Diese Dinge sind in der Einsteigerphase also eher eine Nachschlagemöglichkeit und nicht zum initialen Lernen geeignet. Später, mit Erfahrung, wenn man als Rigger weiß worauf zu achten ist, dann können gute (!) Videos auch als Quell für neues Wissen oder neue Variationen bereits bekannter Fesselungen dienen. Dann ist man jedoch nicht mehr in der Einsteigerphase!

Und letztendlich kann ich jedem nur empfehlen sich auch jenseits von Workshops mit anderen Bondage-Begeisterten auszutauschen, im Gespräch zu bleiben, die Augen offen zu halten.

Dabei solltet ihr nur immer im Kopf behalten, dass ihr auf einem Bondage-Treff dutzende Menschen treffen werdet, die aus ganz unterschiedlichen Motiven ganz unterschiedlich fesseln. Wenn jemand im Gespräch Tipps gibt wie ihr fesseln „solltet“ – ein ohnehin kritisches Thema zu dem ich gleich noch komme – dann bedenkt: Vielleicht fesselt diese Person mit einer ganz anderen Intention.

Dann kommt dieses ekelige „man sollte“. Man „sollte“ gilt bei Sicherheitshinweisen. Wer euch sagt, dass nur diese eine einzige Art eine Fesselung zu setzen die richtige ist, weil man, beispielsweise, immer das Seil links und nichts rechts herum zu führen hat, dann nickt und hört nicht weiter zu. Das mag hart klingen. Soll man Tipps also ignorieren? Nein. Ihr sollt pseudo-Zurechtweisungen ignorieren. Es gibt zu ein und derselben Fesselung mitunter dutzende Wege das Seil zu führen, ebenso wie es dutzende Wege gibt einen Knoten zu setzen. Wer sagt, dass seine Art die einzig richtige ist – am besten noch indem darauf hingewiesen wird wer es nicht alles „falsch“ macht - und sich dabei nicht auf reine Sicherheitsaspekte bezieht, der versucht gerade vermutlich lediglich zu prahlen und euch einen vom Pferd zu erzählen.

Jemand der es gut mit euch meint wird anerkennen, wenn nicht sogar erwähnen, dass es viele Wege nach Rom gibt, damit auch viele Wege eine Fesselung anzubringen. Ich betone noch einmal: Solange sie sicher ist!

RUHE BEWAHREN - KEIN MEISTER FÄLLT VOM HIMMEL
Ich hörte schon mehrfach „ist doch alles ganz easy“ und „der Anfang ist doch total leicht“ oder „das lernt man von einmal zugucken“. Nein. Einfach nein.

Mir ist das Gefühl bekannt geradezu erschlagen und beinahe eingeschüchtert zu sein. Tausende Fachbegriffe - auch noch japanisch – dutzende verschiedene„Ryus“ - was ist das überhaupt? – angebliche „Einsteigerfotos“ die aussehen als hätte derjenige schon 10 Jahre Erfahrung weil man komplexe Karadas sieht und am Ende sitzt man in einer Show, schaut einer 30 Minuten Semenawa-Vorführung zu und denkt sich „wie soll ich das denn lernen? Ich bekomme ja gerademal einen Double-Column-Tie und Bunny-Ears hin?“

Macht euch nicht verrückt! Lernt sukzessive, eins nach dem anderen.
Wer sagt, dass der Einstieg bei ihm total easy peasy gewesen sei, der war entweder absolut talentiert, hatte vorher schon Kenntnisse, erinnert sich gar nicht mehr richtig daran wie er mal einstieg oder versucht zu imponieren.

Am Anfang – und eigentlich bin ich persönlich da immer noch – hatte ich das Gefühl, dass es entweder total erfahrene Rigger gab oder…mich. Dazwischen so gar nichts. Das mag etwas damit zu tun haben, dass sich als „Einsteiger“ zu bezeichnen für manche Menschen wie eine Selbstkränkung klingt. Das kann man doch nicht zugeben! Was ein Unsinn. Auf der anderen Seite hat es aber auch etwas damit zu tun, dass Einsteiger schnell abgeschreckt, bzw. eingeschüchtert sein können und nach dem ersten Workshop, oder dem ersten Besuch auf einem Fesseltreff, eben nie wiederkommen, da sie denken „das bekomme ich nicht hin“.

Die Wahrheit ist: Niemand kann erwarten, dass das was Rigger mit jahrelanger Erfahrung da tun und vorführen sofort, binnen Wochen oder weniger Monate, zu erlernen ist. Das was es zu lernen gilt lernt sich nicht über Nacht. Das fliegt einem nicht einfach so zu. Es bedarf Lernvorgänge zu denen Wiederholungen und Verständnis gehören. Training gehört dazu, auch wenn Training erst einmal nach Mühe klingt.

Die Technik zu lernen ist schon eine Herausforderung. Die will wiederholt und wiederholt werden, bis Fesselungen sitzen ohne das man hinsehen muss. Dann kommt die Art des Fesselns, die Interaktion mit dem Bunny, dazu. Auch das will wieder gelernt und erfahren werden.

Einen TK technisch zu setzen ist ja am Ende das eine. Das andere ist es diesen auch mit Effekt fesseln zu können. Ich selbst fessle nicht für schöne Knoten, musste meine eigenen Erwartungen aber auch schonmal bremsen da etwas, das technisch nicht sicher sitzt, wo man noch nachdenken muss, auch nicht mit Gefühl gefesselt werden kann. Zumindest vielleicht nicht so wie man es gerne getan hätte.

Frust kann da aufkommen. Frust entsteht aber meist dann, wenn die eigene Erwartungshaltung nicht mit der Realität zusammenfällt. Eine unrealistische Erwartungshaltung kann der Motivation das Genick brechen. Leidenschaft und Herzblut ist gut. Übermotivation und Zwang ist, wie bei allem, eher schlecht. Wenn man sich für eine neue Sportart begeistert, etwa für Marathonläufe, dann beginnt man auch nicht gleich mit dem Berlin-Marathon ohne Training, scheitert erwartbar und sagt dann „ich habs versucht, bin gescheitert, war wohl nichts für mich.“

Etwas nicht beim ersten Mal zu schaffen gilt in unserer Berufswelt oft als Versagen. Andere Gesellschaften sind da weiter: Versagen bedeutet, dass etwas nicht so ausging wie man es sich vorstellte. Das kann neue Perspektiven eröffnen. Es sagt einem auch etwas über sich selbst. Es ist keine Niederlage – und der Begriff „Versagen“ ist viel zu hart. Es ist eine Erfahrung und ein Wissensgewinn.

Beim Übergang vom technischen zum wesentlich emotionaleren Fesseln hatte und habe ich noch Schwierigkeiten, deren Ursache mir viel über mich selbst lehrte und so neue Perspektiven eröffnete diesen „Knoten zum platzen“ zu bringen. Ohne erst einmal zu scheitern wäre mir hier einiges gar nicht bewusst geworden, hätte ich auch einiges über mich selbst nicht gelernt.

Auch beim Lernen neuer Fesselungen hilft mir auf der einen Seite ein Verständnis dafür warum ich das Seil wie führe, auf der anderen Seite aber auch mal zu sehen wie es nicht geht und was dann am Ende dabei herauskäme. Habt also keine Angst Fehler zu machen, solange diese Fehler kein Sicherheitsrisiko darstellen.

FAZIT – BEI ALLEM IST DER WEG DAS ZIEL
Am Ende soll das was ihr tut euch und eurem Partner Spaß machen! Das ist der Hauptzweck hinter allem. Auch wenn Lernen Mühsam sein kann, Leidenschaft und Herzblut erfordert, soll das der erwartete Lohn sein. Und der stellt sich nicht erst nach 20 Jahren Fesselerfahrung ein. Der kann, und sollte sich, bei jeder Session einstellen. Auch dann, wenn es an einem Abend mal nur um das gemeinsame Einspielen einer frisch gelernten Fesselung geht.

Der Weg ist das Ziel, nicht etwa die 45 Minuten Semenawa-Session mit Suspensions für die man erstmal 2 Jahre mühsam lernen muss. Wenn man die ganze Zeit denkt „bis ich das mal kann muss ich aber noch viel Schwitzen“ verpasst man was man die ganze Zeit schon praktiziert!

Jeder Neueinsteiger soll sich dabei gewahr bleiben, dass da noch viele andere sind, die sich dieselben Gedanken machen, die mal ein Seilende in der Hand haben und (noch) nicht wissen was sie gerade damit machen sollen, die einen Workshop besuchten und nicht gleich alles 100%ig umsetzen konnten, denen irgendwo ein Fehler unterlief und die kurzfristig zweifeln, denen vielleicht das Bunny wegbricht und die sich überlegen wie es nun weitergehen soll.

Jeder hat einmal angefangen. Bleibt einfach am Ball!
**ey Mann
63 Beiträge
Wow!

Mein Kompliment das du dir so viel Mühe gegeben hast deine Gedanken und Erfahrungen nieder zu schreiben.
Ich kann mir sehr gut vorstellen das jemand der anfängt sich mit Bondage zu beschäftigen seinen Weg findet.

Ist n der Gruppe BDSM für Anfänger sicher auch gut aufgehoben.

LG und weiterhin viel Spaß *g*
**************
Danke!!
Du hast das Thema super zusammen gefasst!! Viele Gedanken, Erfahrungen und Gefühle Teile ich mit dir!!

Danke für's aufschreiben!! Ist sicher eine Hilfe für Neulinge!
********2018 Paar
93 Beiträge
Rigger Einsteigergedanken
Ein wirklich toller Beitrag....vollkommen nachvollziehbar und super geschrieben. Regt auf jeden Fall zum Nachdenken an.
**********ibari
194 Beiträge
Auch von uns Applaus und Danke für die Mühe diesen umfangreichen, durchdachten, reflektieren und sehr klaren Text zu verfassen. Wir können dir nur zustimmen.

Und möchten ergänzen, dass genau diese Reflexionsfähigkeit eine wahnsinnige Stärke von dir als Mensch, aber auch als Typ Rigger sein wird! Behalt dir das bei.

Wenn du Lust hast, denn doch mal darüber nach, ob das nicht vielleicht der "Guide" der nicht so genannt wird für Rigger werden könnte. Ich finde ihn super! Wir würden den dann gerne bei uns neben dem Ropebottoming Artikel veröffentlichen.

Und ich möchte noch eine Ressource ergänzen, die ich auch ganz gut finde wenn es um das reminiszieren über die Zeit als Anfänger geht (aber mehr kenne ich auch nicht, du hast Recht, dass es sowas kaum gibt): Links nur für Mitglieder
*****nti Mann
462 Beiträge
Themenersteller 
Vielen lieben Dank!

Ihr könnt den gerne veröffentlichen, wenn ihr wirklich möchtet.
Ich habe eine Word-Version (schlicht ob der Autokorrekturfunktion), die ich euch gerne zukommen lasse.

Euren Link finde ich auch sehr gut! Danke auch dafür!
******nee Frau
2.938 Beiträge
JOY-Angels 
*puh* nach dem dritten Anlauf habe ich es nun auch geschafft es fertig zu lesen. Hat schon mal jemand gesagt, dass es verdammt lang und viel ist? *skeptisch*

Als ebenfals Anfängerin und damit Leidensgenossin möchte ich noch ein zwei Dinge anfügen.

1. Youtube Videos, Bücher und andere Infos.

Wenn man in diese Welt versucht einzutauchen wird man erschlagen von Begriffen, Warnungen und dem riesigen drang sofort einen Workshop aufzusuchen.

Für mich war das erstmals ein Grund es ruhen zu lassen. Wenn von Anfang an eine experimentierfreudigkeit und neugierde erstickt wird, wird auch meine Lust darauf erstickt.

Vor ca. 2 Monaten habe ich aus langeweile die Seile wieder hervorgekramt (zuerst war das Seil da, dann meine Leidenschaft) und durch ein Youtube Video meine Beine verschnürrt. Da war dann meine Leidenschaft wieder da. Ich schaute Videos, teste es aus an mir und irgendwann versuchte ich es an meinem Freund. Ich versuchtr keinen TK, sondern schlicht vom Single Column Tie heraus ein paar umwicklungen mit umschnürrungen und herumgewebe. Und narürlich zerfiel mir alles sobald er sich nur leicht bewegte. *ggg* Am Anfang mehr - mittlerweile weniger.

Dann hat ein Bekannter mir noch netterweise eine kleine Einführung gegeben - und mir ist nun das erste Mal nicht alles/die Hälfte auseinander gefallen.

Jetzt will ich mir einen Kursleiter suchen um dann da alles aufbauend richtig zu lernen.

Allerdings brauchte ich zuerst das Gefühl für - was gefällt mir daran, wie fühlt sich das an, was macht das mit mir/uns - bevor ich mich komplett mit lernen und so in die Materie stürze. Dass diese herangehensweise immer noch so abgelehnt wird finde ich sehr schade!

2. Die Schwierigkeit des Überblick

Wisst ihr eigentlich wie schwer es ist einen Überblick zu bekommen?

Schon nur wenn es um Ausbildungszentren geht. Die Websites sind entweder für komplett unbefleckte oder kompletz erfahrene geschrieben. *sternchen*
Dann gibt es verschiedene Stile, nach denen die Kursleiter lehren. Es gibt aber nirgends einen Überblick über die Stile und dessen Unterschiede. (Oder zumindest finde ich es nicht) Wie soll ich dann herausfinden zu welchem ich gehen möchte?
Es gibt zwar auch in der Schweiz eine Auswahl an Kurszentern, aber irgendwie nirgends Renzensionen zu den verschiedenen Kurszentern - ich muss also einfach blind vertrauen, dass das eh gut ist. *skeptisch*

Das sind Dinge, die den Anfang enorm erschweren, vorallem wenn es noch heisst man darf sich vorher nichts austesten und muss unbedingt sofort einen Kurs belegen!
*****nti Mann
462 Beiträge
Themenersteller 
Dann gibt es verschiedene Stile, nach denen die Kursleiter lehren. Es gibt aber nirgends einen Überblick über die Stile und dessen Unterschiede. (Oder zumindest finde ich es nicht) Wie soll ich dann herausfinden zu welchem ich gehen möchte?

Hier würde ich sagen:
Lass die Stile erstmal Stile sein.

Am Anfang spielt das keine große Rolle.
Wenn du dir am Anfang eine Liste aller möglichen Stile und Schulen ansiehst sagt dir das als Einsteiger erst einmal genau gar nichts.

Das ist, abstraktes Beispiel, so als würde jemand gerne lernen mit dem PC umzugehen der keine Ahnung hat und ich Frage ihn als Dozent "ok, möchten sie denn später mit Firefox oder Chrome im Internet surfen?"
Das ist 5 Schritte weiter. Der Mensch sagte er will was mit Computern machen, hat schon kommuniziert er möchte nicht mit Tablets oder Smartphones umgehen, sondern mit dem klassischen PC. Mit was für einem Betriebssystem, geschweige denn was für einem Browser, ist bei dem Lernstand erst einmal völlig egal. Der Mensch muss erstmal lernen wie man das Ding anschaltet und wie man Maus und Tastatur bedient *zwinker*

Das ist wie mit den Begriffen:
Eine Liste von japanischen Fachbegriffen über 4 DIN A4 Seiten hinter der abstrakt steht was das für eine Fesselung, was für eine Friction, etc. steht wird dich als Neueinsteiger nur dazu bringen die Seile wieder hinzulegen und zu denken "wow, never ever".

Das kommt mit der Zeit.
Jeder Lehrer wird mit Grundlagen beginnen. Die sind eigentlich überall identisch: Es geht darum ein Grundgefühl zu bekommen, zu lernen mit dem Seil umzugehen, wie und warum welche Grundfesselungen gesetzt werden und was man mal damit machen kann.

Natürlich nutzt der eine Lehrer vielleicht für den Single-Column-Tie eine andere herangehensweise als der andere. Klar. Das macht aber noch keinen Stilunterscheid aus.

Bist du bei Stilunterschieden angekommen bist braucht es eh erstmal die Grundlagen.
So muss sich ein Einsteiger überhaupt noch gar nicht damit auseinandersetzen welche unterschiedlichen Ryus es am Ende wirklich gibt. Ganz ehrlich: Da habe ich nach 4 Monaten gerademal dran gekratzt und gestört hat das kein bisschen.

Ketzerisch würde ich also sagen:
Für Neuanfänger sind die verschiedenen Schulen erst einmal völlig irrelevant.
Die kommen mit der Zeit.

Was am Anfang wichtig ist ist zu schauen wie man abstrakt fesseln möchte.
Abstrakt meint das was ich unter "Motivation" schrieb.

Unterschiedliche Stile, Ryus, etc. sind da schon wieder drei Detailgrade weiter.
****ni Frau
2.565 Beiträge
Es gibt zwar auch in der Schweiz eine Auswahl an Kurszentern, aber irgendwie nirgends Renzensionen zu den verschiedenen Kurszentern - ich muss also einfach blind vertrauen, dass das eh gut ist. *skeptisch*

also in der CH befindet sich ein Zentrum, dass sogar "hochangesehene" Rigger aus Deutschland/Österreich empfehlen..mir sagte ein deutscher Rigger damals, was suchst du bei uns? einige der Besten sitzen doch bei euch in der *schweiz*.

Die fand ich natürlich auch und es war gar nicht so schwer wenn man sich etwas mit der Materie befasst was sicherlich von Nöten ist.

Also ging ich Profile gucken, Bilder und Texte der Rigger lesen und da bekam ich schnell ein Gefühl dafür wohin ich passe.

Die Schweizer müssen für viele Dinge nach Deutschland, was coole Events angeht etc...aber zum Seilen kann man getrost in unserem Land bleiben und viel lernen *g*
******nee Frau
2.938 Beiträge
JOY-Angels 
Haagenti:
Ketzerisch würde ich also sagen:
Für Neuanfänger sind die verschiedenen Schulen erst einmal völlig irrelevant.
Die kommen mit der Zeit.

Für mich ist das aber wichtig! Ich will sowohl des Lehrers Stil mögen, ihn als Person mögen und auch den Stil selber machen wollen.

Warum das für alle Anfänger irrelevant sein sollte erschliesst sich mir nicht. Ich finde es schon wichtig, dass man sagt, dass man das nicht von Anfang an braucht, um ängste zu nehmen. Aber verpauschalisieren finde ich unpraktisch.

Ich habe mich bewusst schon etwas in die Materie eingearbeitet, um eben genau schon zu wissen, was mir wahrscheinlich am ehen liegst und was meine Intention des Fesselns ist. Da bringt es mit nix, wenn man mir sagt: Als Beginner ist der Unterschied nicht wichtig.

@ https://www.joyclub.de/profile/4571522.ehwaz.html

Danke für deinen Post. Das motiviert zum suchen des für mich richtigen Lehrers.

Allerdings ist mein Problem nicht, dass es in der Schweiz keine Kurszentren gibt, sondern dass ich keine Renzensionen zu denen finde, oder für mich die Website nicht wirklich ersichtlich ist (was mit Renzesionen für mich nicht schlimm wären, aber ohne muss mich halt die Website ansprechen.)

Weisst du denn wo ich Kritiken und Renzesionen zu den verschiedenen Kurszentren (oder einfach allgemein zu den Riggern da) finde?
*****nti Mann
462 Beiträge
Themenersteller 
Für mich ist das aber wichtig! Ich will sowohl des Lehrers Stil mögen, ihn als Person mögen und auch den Stil selber machen wollen.

Warum das für alle Anfänger irrelevant sein sollte erschliesst sich mir nicht. Ich finde es schon wichtig, dass man sagt, dass man das nicht von Anfang an braucht, um ängste zu nehmen. Aber verpauschalisieren finde ich unpraktisch.

Wie ich schon schrieb spreche ich von, und aus Sicht eines, völligen Neueinsteigers.
Also von jemandem, der mal angeteased wurde, der gar keine Berührung mit dem Thema bis auf "mal wo zugeguckt" hatte.

Dieser jemand muss natürlich einen Lehrer finden, und so schrieb ich es ja auch oben, der seine Grundmotivation und Herangehensweise teilt (das ist für mich aber noch nicht der "Stil" im Sinne eines Ryus), der so unterrichtet wie es zum Schüler passt (unterschiedliche Lehrmethoden, jeder Mensch lernt anders und, auch wichtig, nur weil jemand etwas selbst gut kann kann er es noch lange nicht lehren) und der auch zwischenmenschlich passt.

Wenn sich ein Neueinsteiger schon hingesetzt hat, Zuhause Grundknoten geübt hat, schon soweit eingestiegen ist, dass er sich über Unterschiede in den Stilen Gedanken gemacht hat, dann ist das schon nicht mehr der "ich finde das faszinierend, hatte noch nie ein Seil in der Hand und gehe jetzt erstmal zu einem Grundlagen-Workshop"-Neueinsteiger von dem ich schrieb.

Dieser Neueinsteiger, der noch nie einen Single-Column-Tie gemacht hat, der erst einmal lernt wo der Unterschied zwischen Baumwoll-, Kunststoff-, Hanf-, Kokosfaser- und Juteseil ist, der die ersten Stunden zunächst Gesundheitshinweise und den groben Grundumgang mit dem Seil lernen wird, für den haben die Stilunterschiede während der ersten Workshops überhaupt keine Bedeutung.

Dieser Neueinsteiger muss sich zunächst - wie nahezu jeder Neueinsteiger - mit ganz anderen Dingen beschäftigen ehe dann mal Stilunterschiede auftauchen.

Wenn wir beim Begriff "Stil" von der Art des Fesselns reden dann würden wir schon dasselbe meinen. Das meine ich mit dem Begriff "Motivation".

Wenn wir von "Stil" im Sinne eines Ryus sprechen, dann würde ich sagen, dass es für den Neueinsteiger irrelevant ist ob er beim zweiten Workshop nun eine Grundfesselung nach Osada- oder Naka-Stil lernt. Den Unterschied merkt der Neueinsteiger gar nicht. Der ist in dieser Phase des Lernrpozesses, wo es um allgemeines Seilhandling und Verständnis geht, auch noch so wichtig gar nicht.

Der wirkliche Neueinsteiger wird, wenn er eine Show sieht, auch nicht erkennen können ob der Rigger auf der Bühne gerade nach Stil A oder Stil B fesselt.
Das fällt denjenigen auf, die die Stile schon kennen, die schon erfahren sind. Aber der wirkliche Neueinsteiger? Nur, wenn er wirklich schon dutzende Shows sah und man ihm das schon erläuterte. Dann ist das aber wieder, wie geschrieben, nicht der "unbefleckte Neueinsteiger" aus dessen Sicht ich den Artikel oben schrieb. Eben der, der gerade wirklich vor einer "neuen Welt" steht.
****ni Frau
2.565 Beiträge
uns
wurde geraten sich erst in einen Stil mal einzuleben und die Grundlage richtig zu lernen...mit der Zeit werden viele wohl eigene Wege gehen Stile vermischen, sich halt entfalten, wenn sie mit der Materie genug vertraut sind...sogar neue Dinge erfinden.

Als ich anfing zu reiten lernet ich auch nicht Dressur, Springen und Western zur selben Zeit...es ging erst mal darum im Sattel zu sitzen und weder mich noch das Pferd zu verletzen...heute kann ich all diese Dinge, aber das war ein Entwicklungsweg und auch ein Interessensweg als ich dann wusste, was ungefähr Sache ist und wohin ich will.

Zu Beginn finde ich wichtig, dass man Menschen findet die einem sympatisch sind..die einen begeistern wenn man ihnen beim fesseln zu sieht, die einem mitziehen. Solche welche die Begabung haben, neben der Technik auch das Fesselfeeling und die Möglichkeiten der div. Interaktionen weiterzugeben oder einem darauf hinweisen.

Als Anfänger sieht man tatsächlich nicht was technisch korrekt ist..aber man sieht wer mit Leidenschaft fesselt und wer es einfach für das Publikum oder die Kamera macht. Je nach dem was man selber will, wird man zum einen oder zum anderen gehen.
*********onal Mann
246 Beiträge
Lohnt eine eigene Rubrik für Einsteiger- und Einstiegsfragen
.... mal so als Vorschlag für die Moderatoren?

Auch wir standen zu Beginn vor dem Problem, wie der Einstieg für uns am besten gelingen kann. Unseren Weg und unsere Gedanken dazu (und die anderer Gruppenmitglieder) können in diesen Thread aus dem Mai diesen Jahres gefunden werden:

Bondage: Bondage - wie kann der Einstieg gelingen...?!

Da das Thema "wie am besten in Bondage einsteigen" in mehr oder weniger unterschiedlichen fachlichen Ausprägungen in regelmäßigen Abständen immer wieder im Forum auflebt, würde sich m.E. eine eigene Forums-Rubrik für Einsteiger anbieten.

Das Suchen und Finden sowie der Austauschen über typische Problemstellungen könnte dadurch bestimmt deutlich erleichtert werden.

DE-Er
****Gun Mann
383 Beiträge
Ich werde mein Heftchen, dahin gehend, auch noch mal überarbeiten.

Danke für deine Gedanken und den tollen Input
****ond Mann
711 Beiträge
Liebe https://www.joyclub.de/profile/3902736.dechainee.html

Auch ich bin seit 2 Jahren Anfänger.
Es gab in meiner Wahrnehmung nur ein Stil, damit bin ich angeeckt, deshalb habe ich mich mit Stilen auseinandergesetzt.
Es gibt Stile die eher wie malen nach Zahlen Fesselmuster Fesseln, wo alles Ordentlich und Ästetisch aussieht.
Oder Sehr Chaotisch aussehende Fesselmuster. (z.B. aus Spanien NoShibari)
Das hat aber was mit Technik und der (Emotionalen)Seilführung zu tun.

Dann gibt es noch auf der Zwischenmenschlichen Eben Stile, mit weniger Nähe oder mehr Nähe zum Partner (connective bondage).
Stile die vom Rigger zielgerichtet sind oder Stile die eher die bedürfnisse des Models in den Vordergrund stellen.
Stile mit Mehr D/s oder welche mit mehr SM.
Willst Du Suspensions (Hängebondage) machen? Oder am Boden Bleiben? Auch darauf haben sich einige Spezialisiert.
Es gibt Spezialisten für das Fesseln mit Bambus, Fesseln am Bambus oder Fesseln mit Suspension Ring, Karabiner usw...

Ich mache mir daraus ein Bonbonladen und Kreiere mir meinen eigen Stil.

Deshalb versuche mal Deinen gewünschten Stil zu beschreiben bitte.
Schwierig nicht?
Und bist Du Dir sicher das Du Dich da nicht anders Entwickelst

Ich denke ein guter Stil ist der, der Dir Raum gibt Dich zu Entwickeln und Dich zu finden.

Deshalb stütze ich https://www.joyclub.de/profile/4866563.haagenti.html Argumentation
Stil ist erstmal egal.
Wenn Du Dich für ein Seilmaterial entschieden hast, ist erstmal vieles Leichter *ggg* , denn Kunstoffseile werden eher im Amerikanischen (zweckbondage) eingesetzt und Hanf / Juteseile ehrer im Japanisch inspirierten Bondage. Das eine schliesst trotzdem das andere nicht aus.

Geh zu Fesseltreffen schau Dir dort die Fesselungen an, stell Fragen.
Dort werden Dir dann auch Lehrer Empfohlen.

Dann kommt der Startknoten und mir hat das sogenannte "One Rope", fesseln mit nur einem Seil, geholfen.
Es müssen mit dem einen Seil keine Fesselmuster herauskommen, die Grund Friktions (Knoten) werden dadurch geübt und ich konnte meine Emotionen gut dadurch zum Partner Transportieren.

Ich denke das wäre für Dich ein guter Anfang und es kann Dir jeder gute Lehrmeister Vermitteln.

Der weiteste Weg beginnt mit dem Ersten Schritt, nur machen muss man ihn.

Also für mich ist da der Ansatz den Stil durch Erfühlen und Erfahrung zu finden und nicht schon vorher.

https://www.joyclub.de/profile/4866563.haagenti.html vielleicht erwähnst Du die Stil- Frage / Entscheidung auch in deinem Einstiegs-Text.
******nee Frau
2.938 Beiträge
JOY-Angels 
Und genau darum probier ich momentan einfach zu Hause für mich aus.

Um dieses Gefühl zu bekommen und mich damit kennen zu lernen.

Ich versuche später mal noch zu artikulieren, um was es mir genau geht. *g*
*****nti Mann
462 Beiträge
Themenersteller 
Haagenti vielleicht erwähnst Du die Stil- Frage / Entscheidung auch in deinem Einstiegs-Text.

Ich hab mir schon sagen lassen, dass der Text schon viel zu lang ist *baeh*

Generell hätte ich noch dutzende Dinge zu sagen.
Zu der Stilfrage kann man noch mehr sagen.
Zu der Frage Vertrauen zwischen Rigger und Bunny gehen mir noch dutzende Dinge durch den Kopf.

Was den Stil angeht stimme ich dir zu:
Der ergibt sich durch viele Faktoren und er ist am besten immer irgendwo subjektiv.

Ich verstehe aber auch, dass Menschen sich nach Orientierung sehnen, etwas an der Hand haben möchten an dem sie sich entlanghangeln und daran auszurichten in der Lage sind um Halt zu bekommen.

Bei mir ist das mit dem Stil eine Frage die, so glaube ich, gemeinsam mit demjenigen entsteht den ich gemeinhin als "Meister" bezeichnen würde (oder Lehrer) *baeh*

Lehren ist auch immer ein Wechselspiel. Man orientiert sich am Lehrer, der Lehrer orientiert sich am Schüler.
So weiß der Schüler was der Lehrer lehren wird, wie er drauf ist, was er für ein Mensch ist.
Und der Lehrer weiß was der Schüler für ein Mensch ist, was für Bedürfnisse er hat, was für Erwartungen, was für Vorerfahrungen, wohin die Reise mal gehen soll.

Den Weg geht man dann im Idealfall irgendwo zusammen. Und so ergeben sich auch die Stile, so erledigt sich die Stilfrage denn letztendlich hat der "Meister" die Übersicht und kann die Stile einpflegen und vorschlagen. Manchmal macht man dann vielleicht sogar etwas nach Stil X ohne es in dem Moment zu wissen.

Vertrauen gilt hier ja auch für den Lernprozess. Ich vertraue denjenigen von denen ich lerne und vertraue mich an, muss mich auf öffnen um überhaupt vermitteln zu können was ich möchte, damit ich lernen kann was zu mir passt und das auf die Weise die zu mir passt.

Wenn man dann miteinander spricht und feststellt, dass ein bestimmter Stil zu mir als Mensch, zu mir als Rigger, passt, dann kann man sich darauf gemeinsam fokussieren.

Das man in die große weite Welt schaut kommt dann später wenn die erste Orientierung da ist.

Als ich mir einen Lehrer suchte wusste ich was ich für ein Mensch bin, mit wem ich menschlich vermutlich - denn am Anfang kennt man sich ja nicht - harmoniere, wo ich am meisten heraus ziehe und auch als Schüler hinpasse.

Stilfragen ergaben sich dann mal beim Lernen. Da kam dann mal hier und mal da ein Hinweis zu unterschiedlichen Stilen. "Wenn wir jetzt hier XY machen würden, dann wäre das nach Stil X" oder "das was wir jetzt gemacht haben war Stil Y, aber man könnte das auch anders machen, dann wäre es Stil Z".

Mir hat das bisher mehr gegeben als eine lose Übersicht von Stilen, da ich den Unterschied dann jeweils sah. Der Fokus lag aber nicht darauf sich stur an einen Stil zu orientieren, sondern zu schauen was gerade subjektiv am besten passt.

Aber wie auch schon geschrieben: Jeder Mensch ist unterschiedlich!
Jeder Mensch lernt unterschiedlich!
Ich könnte Dinge nicht lernen, wenn die Lernatmosphäre nicht einladend wäre. Anderen reicht es unpersönlich Dinge einmal gezeigt zu bekommen und dann für sich nachzuvollziehen.

Manche wollen Dinge erfahren und erleben um hinterher zu hören was das nun gerade war (nach der Fesselung und dem Lernprozess wofür das gut war, welcher Stil das möglicherweise war, was es sonst noch gibt).
Andere Menschen möchten vorab abstrakt erläutert bekommen was sie nun gleich im Detail lernen werden (alle Infos aus der Klammer oben vorab).
Ich stehe da persönlich so dazwischen. Ein bisschen von beidem brauche ich für mein Verständnis.

So meinte ich im Text oben, um diesen langen Text abzuschließen:
Bevor man sich überfordert sollte man sich auf das Wesentliche reduzieren.
Wenn man subjektiv die Luft hat - und auch überhaupt schon das Verständnis - sich mit Unterschieden zwischen Stilen auseinanderzusetzen, dann möchte ich das niemandem absprechen.

Meiner Erfahrung nach stehen die meisten wirklichen blutigen Anfänger da und sind froh wenn sie verstanden haben wie ein Single- und Double-Column-Tie funktioniert, wie man Bunny-Ears gefesselt bekommt und was die Begriffe "Friction" und "Tension" bedeuten. Kommt man denen mit den unterschiedlichen Ryus dann "downed" das nur. Meint: Dann denken sie nur "oh mein Gott! Das verstehe ich nicht und merken werde ich mir das noch viel weniger."

"Überinformation" weckt keine Motivation.
****Gun Mann
383 Beiträge
"Überinformation" weckt keine Motivation."

Genau das versuche ich mit der Einsteigerrunde, nicht zu tun.

Was mir aber auch nicht immer gelingt, es ist immer ein ziemlicher Spagat, alle mitzunehmen. Sind doch die einzelnen Menschen auf sehr unterschiedlich Stand und auch teilweise mit viel Druck belegt.
Teilweise, aus sich selber heraus, aber auch durch den passiven Part auferlegt, weil er jetzt endlich "erleben" will.
Was ab und zu auch zum Abbruch, der Einführungsrunde, der Paare führt.
*******ope Mann
347 Beiträge
Danke für die guten Beiträge
"Überinformation" weckt keine Motivation."

Ich als Anfänger ( ca. 9 Monate dabei), bevorzuge die Variante erst einmal einen Stil zu erlernen.
Dabei kann ich mich auf das Grundgerüst konzentrieren und mich dann später irgendwann dem Detail widmen.

Im Sinne von, " wenn du hohe Türme willst erbauen, verweile lange beim Fundament".

Ich bin der Meinung, dass der Anfänger zu Beginn einfach mal fesseln, fesseln und nochmals fesseln soll.
Somit entwickelt er ein Gefühl für die Seile und den/die Seilpartner/in und kommt Schritt für Schritt weiter.
Die Frage nach den verschiedenen Stilen kann sich jeder später immer noch stellen. Dann sieht er allenfalls sogar besser dahinter, da er schon über etwas Erfahrung verfügt und erkennt die unterschiedlichen Details.

Zu Beginn alle Stile gleichzeitig oder nacheinander zu erlernen, ohne einen vertiefter zu kennen, wäre für mich zu viel oder einfach zu kompliziert. Es gibt sicher solche die das gut können, ich denke jedoch, dass die Mehrheit der Anfänger damit Mühe hätte.

Fazit:

Ich erlerne einen Stil den ich gut beherrsche, für mich stimmt das so, dies bedeutet aber nicht das es der einzige richtige Weg ist. *g*
Wenn ich später andere Stile kennenlernen will oder Freestyle fesseln will, geht dies für mich einfacher besser.
*****nti Mann
462 Beiträge
Themenersteller 
Bei Einsteigerrunden - die ja keine Einsteigerworkshops in dem Sinne sind - wollen die Teilnehmer ja meist endlich mal ein Seil in die Hand nehmen und etwas fesseln.
Da sind dann konkrete Fragestellungen zu Gesundheit, Seilart, und dann zur Technik wichtiger und von größerem Interesse.

Mein Schreiben oben, diese ganzen Gedanken, gehen darüber dann etwas hinaus, sind etwas grundsatzphilosophischer und vermutlich besser fern der Erwartungshaltung "gib jetzt Seil, wir wollen loslegen" anzubringen - wenn überhaupt.

Vielleicht passt das alles besser in eine Gesprächsrunde nach dem ersten technischen reinschnuppern unter der Überschrift "und wie geht es jetzt für uns weiter?", oder zu einem kompletten Einsteigerworkshop ganz ans Ende, oder man fragt an ob Einsteiger gerne über den (möglichen) weiteren Weg sprechen möchten und baut das als Zusatzpunkt zu einem Treff ein.

Wenn denn der Bedarf überhaupt da ist. Wenn da nur Teilnehmer eines Fesseltreffs vor Ort sind, die solche Fragen / Gedanken gar nicht brauchen, dann erledigt sich das ohnehin.
****ung Mann
484 Beiträge
Danke! Haagenti!
eine wunderbare Zusammenfassung zum Thema Fesseln. Deine Gedanken gehen weiter über das "Einsteigen" ins Fesseln hinaus.

Deine Worte und Gedanken bringen den Kern unserer Leidenschaft auf den Punkt. Du erklärst sehr ausführlich um was es beim fesseln geht. Oder besser, um was es gehen sollte. Es fehlt nur noch der Umgang mit schlechten Erfahrungen, mit Rückschlägen und mit Menschen denen der "Fesselpartner" eigentlich egal ist.

Das wunderbare an deinen Worten ist, daß sie auch auf BDSM im Allgemeinen zutreffen!

Besonders haben mir deine Gedanken zum Thema "eigener Antrieb und Motivation "gefallen. Wie wichtig es ist, für sich selbst zu wissen, weshalb man fesseln möchte und weshalb der Fessel partner gefesselt werden möchte (natürlich gilt dies auch andersherum!).

Und auch hier sind Parallelen bzw. die Übertragung auf BDSM im Allgemeinen deutlich. Die Meisten sind sich ihrer Motivation nur sehr selten wirklich bewusst.



Ich glaube, auch wenn du schreibst, daß du noch nicht sehr lange fesselstammtisch, den Einsteigerstatus bereits hinter dir gelassen hast!

Ich wage mal zu behaupten, daß sich jeder Fesselpartner/in von dir glücklich schätzen kann, daß er/sie in dir jemanden gefunden, dem der Mensch auf beiden Seiten des Seils wichtig ist und der sich selbst und sein Handeln auf diese Weise hinterfragt und reflektiert.

Danke für deine ausführlichen Worte. Sie treffen genau den Kern!

LG amalung
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