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Blick hinter die Kulissen eines Swingerclubs

Warum Swingen gesellschaftsfähig wird
22. August 2017

Vor mir liegt ein weißes Haus mit geschlossenen Fensterläden aus Holz. Ein wenig wirkt es wie ein stillgelegter Gasthof, würde ein großes Schild an der Fassade nicht verraten, dass ich an diesem sonnigen Nachmittag vor dem "Lifestyle Club Palermo" stehe.

Von Condwiramurs

Der Einladung, mal einen Blick hinter die Kulissen eines Pärchenclubs zu werfen, bin ich als Nicht-Swinger gern gefolgt. Im Gepäck habe ich Fragen, die sich wohl so mancher stellt, der noch nie einen Swingerclub von innen gesehen hat. Eine Mischung aus Neugier und Klischees:

  • Wie sieht es in einem Swingerclub aus?
  • Was führt Männer, Frauen und Paare dorthin?
  • Könnte ich dort auch hingehen, obwohl ich kein Swinger bin?
  • Und falls ja: Was zur Hölle ziehe ich im Swingerclub an?

 

Führungen durch den Swingerclub für Neulinge und Neugierige

Die Führung durchs Palermo außerhalb der Betriebszeiten fand im Rahmen meiner Recherchen statt. Es gibt aber auch Swingerclubs, die Swinger-Neulingen eine solche Führung anbieten, um ihnen die Angst vor dem ersten Besuch zu nehmen (z.B. der Life-Club in Gescher).

Im Palermo werden Erstbesucher auf Wunsch hin während des Betriebs an die Hand genommen, um ihnen den Club zu zeigen und die wichtigsten Dinge zu erklären. Schaut einfach mal auf der Webseite eures präferierten Clubs vorbei oder fragt telefonisch nach, ob und in welcher Form sie Führungen anbieten.

Habt keine Scheu, euch als Neulinge zu outen. Die Mitarbeiter und erfahrenen Gäste sind in der Regel sehr offen und hilfsbereit. Alternativ könnt ihr auch Swinger-Paten in eurer Region suchen, die euch bei eurem ersten Club-Besuch beraten und begleiten.

Der Swingerclub: Sieht erstmal "ganz normal" aus

Das Palermo ist ein Haus mit Tradition, beherbergte es jahrzehntelang ein stadtbekanntes Bordell. Als dessen Ära endete, zögerten die neuen Betreiber nicht lang und wandelten das ehemalige Freudenhaus zu einem gemütlichen Swingerclub vornehmlich für Paare um.

Der Eingang liegt an der Hausseite, gut abgeschottet vor neugierigen Blicken. Ich klingle und Betreiberin Dijana öffnet mir die Tür. Sie genießt mit ihrem Mann auch privat das Swingerleben, wie sie mir später erzählt. Wir laufen durch einen kleinen Empfangsraum, von dem links der Umkleideraum abgeht, und stehen schon im Herzen des Clubs: dem Bar- und Tanzbereich.

Bei einem guten Tropfen Cola quetsche ich (links) Palermo-Betreiberin Dijana (mitte) über alle schlüpfrigen Details aus.
Bei einem guten Tropfen Cola quetsche ich (links) Palermo-Betreiberin Dijana (mitte) über alle schlüpfrigen Details aus.
 

Sieht erstmal aus wie ein ganz normaler Club, aber es ist ja auch niemand weiter da und das schnöde Normalo-Licht ist an. Wir setzen uns an die Bar und ich gestehe Dijana, dass ich noch nie in einem Swingerclub war. Das scheint sie zu überraschen. Vermutlich liegt es am Job, an dem ebenso das eine oder andere Klischee haftet.

Ich bin nicht gefasst auf ihre Frage "Warum nicht?", die sie so unbedarft stellt, als hätte ich gesagt: "Ich habe noch nie Kaffee getrunken". Ich stottere etwas von optischen Bedenken. Dijana lacht und sagt: "Du musst die Leute ja nicht heiraten."

Im Barbereich gibt es genügend Sitzmöglichkeiten, weiter hinten eine Raucherlounge. Genug Platz also, mit anderen Gästen nette, ganz alltägliche Gespräche zu führen. Und um abzuchecken, ob man sich auch sexuell sympathisch ist. Falls nicht, hat man sich gut unterhalten und nette Menschen kennengelernt. "Alles kann, nichts muss" lautet das Motto der Swingerszene.

"Man muss meist schon ein bisschen an seinen Ansprüchen schrauben, wenn man auch zum Zug kommen will", sagt Dijana. "Es kann dir aber auch passieren, dass du ein super hübsches Gegenüber hast, das sich während des Gesprächs komplett unattraktiv macht." So kommt man den Matratzen auch nicht näher.

Zwischen Sauna und Metallkäfig: Wird Swingen gesellschaftsfähig?

Wir beginnen unsere Führung im Wellnessbereich. Von einer kleinen, dunklen Spielwiesen-Nische aus hat man den Blick auf einen großen, blau-weiß gefliesten Whirlpool mit breitem Rand. Eine Tür neben dem Pool führt direkt in die Sauna, eine zweite in einen Duschraum. Der Raum hat eine merkwürdige Atmosphäre, doch mit Muschebubu-Licht und anregenden Handlungen sieht es hier bestimmt sehr reizvoll aus.

Blick von der kleinen Spielwiese aus zum Whirlpool und zum Sauna-Eingang.
Blick von der kleinen Spielwiese aus zum Whirlpool und zum Sauna-Eingang.
 

"Wie alt sind eigentlich die jüngsten Gäste des Palermos?", möchte ich von Dijana wissen und stelle mir ein Pärchen um die Dreißig vor. Als sie mit "18 und 19 Jahre" antwortet, klatscht mir fast die Kinnlade herunter. Ein Alter, das auch Dijana eher kritisch sieht: "Klar, jeder hat einen unterschiedlichen Reifegrad. Aber kennt man in diesem Alter wirklich schon seinen Körper und weiß, was man in sexueller Hinsicht mag und was nicht? Das sollte man beim Swingen schon ganz genau wissen."

Dijana beobachtet, dass die Gäste in den letzten Jahren insgesamt immer jünger werden, wobei es für die meisten nur bei einem Besuch bleibt. "Es gehört bei Jüngeren fast schon zum guten Ton, einmal die Erfahrung eines Swingerclub-Besuchs gemacht zu haben. Swingen wird gesellschaftsfähig."

Lust liegt in der Luft: Der Reiz des Swingerclubs

Hinter einem Vorhang führt eine Wendeltreppe mit recht schmalen Stufen zu den oberen Etagen des Palermos. "Kam es hier schon mal zum Sturz einer be-high-heelten Dame?", will ich wissen. Dijana lacht und verneint. Ich bin erstaunt, wie eng doch alles ist. Und: Es ist verdammt warm. Wie muss es dann erst sein, wenn es im Club richtig zu Gange geht?

Es gehört bei Jüngeren fast schon zum guten Ton, mal die Erfahrung eines Swingerclub-Besuchs gemacht zu haben.

Dennoch verfügen die Räume mit ihrer liebevollen Gestaltung über alles, was man für’s lustvolle Treiben braucht: Es gibt zwei BDSM-Zimmer, eins davon stilecht mit Gynstuhl, Metallkäfig und Andreaskreuz. Das andere mit einer Liebesschaukel und einem Möbelstück, das wahrscheinlich (nicht nur) der genüsslichen Popo-Haue dient.

Eines der beiden BDSM-Zimmer mit nostalgischem Gynstuhl, Andreaskreuz und Käfig.
Eines der beiden BDSM-Zimmer mit nostalgischem Gynstuhl, Andreaskreuz und Käfig.
 

Einige der Zimmer sind abschließbar, falls man unter sich bleiben möchte. Die große Spielwiese wiederum bietet Platz für etwa zwanzig Leute und wird von einer Glory-Hole-Wand und einem Verhörzimmer-Spiegel eingerahmt. Merkwürdig, aber irgendwie auch ganz nett. Hier würde ich gern mal Mäuschen spielen.

Die große Spielwiese mit Glory-Hole-Wand und Verhörzimmer-Spiegel bietet Platz für etwa zwanzig Personen.
Die große Spielwiese mit Glory-Hole-Wand und Verhörzimmer-Spiegel bietet Platz für etwa zwanzig Personen.
 

Und gerade in diesen oberen Bereichen, da ist es langsam - trotz fehlender Muschebubu-Beleuchtung und Menschenleere: Lust liegt der Luft. Und damit meine ich nicht den Geruch von Schlafzimmer-Bumse. Den Räumen haftet diese gewisse, merkwürdig zu beschreibende Atmosphäre an, wie sie auch andere Vögelnester wie Sex-Apartments und Stundenhotels haben. Eine Prickelstimmung, die diese Orte so reizvoll macht, da sie alles Alltägliche für ein paar ekstatische Stunden vergessen lässt.

Der Alltag bleibt im Swingerclub vor der Tür

Das ist es auch, was die Leute in einen Swingerclub zieht, bestätigt Dijana: Der Ausbruch aus dem Alltag. Familie, Arbeit, Probleme - das spielt hier erstmal keine Rolle mehr. Entschließen sich Paare dazu, ihre Fantasien gemeinsam in einem Swingerclub auszuleben - Frauen möchten häufig die Erfahrung mit einer anderen Frau machen -, erwacht das oftmals eingestaubte Sexleben und die Lust aufeinander bei vielen wieder neu. Dann oftmals sogar in einer zuvor nicht gekannten Qualität. "Und keiner geht fremd", sagt Dijana.

Kuschelig: eines der abschließbaren Privatgemächer.
Kuschelig: eines der abschließbaren Privatgemächer.
 

Könnte ich im Swingerclub auch einfach nur anderen zugucken? "Na klar", sagt Dijana, "zugucken oder zugucken lassen, du musst da nichts mit anderen Paaren machen. Falls mal irgendjemand etwas nicht möchte, dann gibt man das einfach ganz höflich zu verstehen. Und genießt einen schönen Abend. Du könntest auch wie in einer Disco einfach nur tanzen." Für's reine Zappelfüßchen wäre es wohl ein recht teurer Abend, oder?

"Paare bezahlen bei uns achtzig Euro Eintritt. Vierzig Euro für jeden. Du hast das große Buffet und alle Getränke inklusive, trinkst vier Cocktails und hast den Abend kostentechnisch eigentlich schon wieder drin", rechnet sie vor. Ich denke an das Buffet-Zimmer rechts neben der Bar. Eigentlich ein ziemlich verlockendes Angebot. Und ein gutes Argument für all jene wie mich, die einfach nur mal hineinschnuppern würden, ohne zu wissen, ob es am Ende auch was für sie wäre.

Das große Buffet und die Getränke sind im Eintrittspreis von achzig Euro pro Paar inbegriffen.
Das große Buffet und die Getränke sind im Eintrittspreis von achzig Euro pro Paar inbegriffen.
 

Falsche Vorstellungen und Beziehungskonflikte

Manche Gäste, die zum ersten Mal ins Palermo gehen, haben eine völlig falsche Vorstellung davon, was sie im Swingerclub erwartet, meint Dijana. Einige Solo-Männer denken zum Beispiel, es sei leicht, Sex im Swingerclub zu haben. Sie geben sich aber keinerlei Mühe - weder bei ihrem Äußeren noch in Sachen höflicher Kommunikation. Ein echter Swinger verhalte sich da anders.

Es komme zudem gar nicht so selten vor, dass Dijana schon mal die eine oder andere Träne trocknen und Vermittler bei Beziehungskonflikten spielen muss. Oftmals dann, wenn ein Paar merkt, dass es doch nicht so cool ist, wenn der andere Part heftig und ausgiebig mit einem Fremden zu Gange ist.

"Geht man mit dem Partner in einen Swingerclub, muss die Beziehung wirklich gefestigt sein und eine echte Vertrauensbasis bestehen", sagt Dijana. "Beide müssen es wollen. Die Beziehung darf nicht auf wackligen Beinen stehen. Vertrauen, Offenheit und das Festlegen und Einhalten von Grenzen sind zwingende Voraussetzung für den gemeinsamen Swingerclub-Besuch. Zudem muss man vorher abklären, ob man im Club getrennte Wege geht oder alles nur zusammen macht. Andernfalls endet der Abend ganz schnell in einer Katastrophe."

Weitere Impressionen vom Paareclub Palermo

 

Was ziehe ich im Swingerclub an?

Unsere Swingerclub-Tour endet im Außenbereich, dessen Hingucker der große Whirlpool ist. Hier beratschlagen wir uns über ein typisch weibliches Problem: Was ziehe ich im Swingerclub an?

Mir schwebt spontan ein eher gruftiges Outfit (schwarzes Korsett mit Rock, Netzstrumpfhosen und hohen Schuhen) vor. Dabei denke ich an die Hitze in den Zimmern und sehe mich dehydriert die schmalen Treppen herunterpurzeln. Dieses Outfit würde schon gehen, sagt Dijana, doch ich solle dabei bedenken, dass es ja eventuell auch schnell ausziehbar sein sollte.

Im Außenbereich mit großem Whirlpool tauschen wir uns über Outfitfragen aus.
Im Außenbereich mit großem Whirlpool tauschen wir uns über Outfitfragen aus.
 

"Du bist als Frau schon richtig mit einem schwarzen Kleidchen und High Heels gekleidet", sagt sie. "Frauen kriegen das meist auch besser hin als Männer." Ich schaue an mir herab. Heute trage ich ein schwarzes, knielanges Etuikleid mit Spitze. "Das würde schon gehen", sagt Dijana, "im schlimmsten Fall bist du etwas zu overdressed. Aber das stört auch keinen, solange man sieht, dass du dir dabei Gedanken gemacht hast."

Geht man mit dem Partner in einen Swingerclub, muss die Beziehung wirklich gefestigt sein und eine echte Vertrauensbasis bestehen.

Bei den Männern seien zur Zeit Clubwear, Männerröcke aus Lack, Leder oder Latex und Boots angesagt. Ansonsten reiche auch einfach eine schwarze Stoff- oder Jeanshose und ein unifarbenes Hemd. Wichtig ist, dass das Outfit ordentlich und gepflegt aussieht. Falls Mann sich doch mal im Schrank vergriffen hat, wird er im Palermo nicht gleich weggeschickt, sondern kann sich vor Ort ein Hemd oder eine Hose ausleihen.

Oft kommen auch Anzugträger vorbei, wobei das schon ein bisschen zu viel für einen Swingerclub sei. Dijana rät den Männern dann: "Sakko ausziehen und Krawatte ab. Schon hast du mit einer schwarzen Hose und einem weißen Hemd ein gutes Outfit." Beim Thema Dresscode gebe es allerdings auch regionale Unterschiede. Nicht in allen Swingerclubs gehen schlichte Outfits durch.

 

Tipps bei Outfit-Unsicherheiten:

Für das richtige Outfit im Swingerclub, das heiß ist und in dem man sich auch wohl fühlt, muss man erstmal ein Händchen bekommen. Schaut euch als Einsteiger in Ruhe um: Was tragen die anderen eigentlich? In unserem Swinger-Forum findest du hierzu Infos und Bilder:

Zum Swinger-Forum

Wenn euch diese Frage davon abhält, den Fuß über die Schwelle eines Swingerclubs zu setzen, dann könnt ihr auch jederzeit im Swingerclub eurer Wahl vorher anrufen. Sagt einfach, dass ihr neu seid und holt euch Tipps für das geeignete Outfit direkt vom Club-Betreiber.

 

Die Führung durch den Paareclub endet wieder an der Bar. Es hat mich schon beeindruckt, dieses Flair, auch wenn ich in diesem Lebensabschnitt sicherlich kein Swinger werde. Ich denke aber, dass ich zur "Angel in Bondage", einer Gothic- und Fetisch-Party von einem Veranstalter, der sich in die Räumlichkeiten des Palermo einmietet, wieder hier vorbeischauen werde. Und kann dann vielleicht in dem einen oder anderen Zimmer auch mal richtig Mäuschen spielen.

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In vielen im JOYclub angemeldeten Swingerclubs (auch im Pärchenclub Palermo) wird JOYclub-Premium-Mitgliedern ein Rabatt eingeräumt!

 

Alles weitere zum Thema Swingen findest du bei uns:

  • In der Rubrik Swinger sind Swingerclubs und Tipps für das Swingen ebenso Thema wie Dresscodes und Verhaltensweisen in den Clubs oder bei Swinger-Parties.
  • Ihr sucht einen Swingerclub in eurer Nähe? Nutzt unsere Swingerclub-Gesamtübersicht!


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