
Der Keuschheitsgürtel, der auch Florentiner Gürtel genannt wird, galt ursprünglich dem Entzug von Sex und Schutz vor Vergewaltigungen. Er besteht in der Regel aus einem Stahlgürtel, der mit einem Stahlband durch den Schritt verbunden ist. Der Gürtel ist mit einem Schloss verschließbar.
Heute kommt der Keuschheitsgürtel vor allem bei sexuellen Spielen im Bereich von BDSM zum Einsatz.
Der Keuschheitsgürtel und seine unklare Geschichte
Der historische Hintergrund des Keuschheitsgürtels ist bis heute nicht vollkommen geklärt. Die Informationen aus diversen Quellen überschneiden sich immer wieder oder widersprechen sich in Inhalt, Jahreszahl und lokalen Angaben. Dafür, dass es sie schon im Mittelalter (ca. 500 bis 1400) gab, gibt es keine Beweise. Erstmalig nachweislich erwähnt wurde der Keuschheitsgürtel um 1400 in Padua, einer einer der ältesten Städte Italiens.
Es gibt verschiedene Nachforschungen und Behauptungen, welche seine Rückverfolgung bis ins alte Ägypten beweisen wollen, wohingegen andere Quellen verlauten lassen, dass er dem viktorianischen Zeitalter entstammt und ältere Stücke seiner Art lediglich gefälscht seien. Sehr wahrscheinlich ist eine Verbreitung des Florentiner Gürtels zur Zeit der Kreuzzüge. Jedoch existieren auch hier geteilte Meinungen, ob diese Gürtel eine Erfindung zur Sicherung der Treue waren oder eher gegen Vergewaltigungen schützen sollten. Auch als Straf- und Folterinstrument oder als Sexspielzeug könnte er gedient haben. Um 1500 wurde er wahrscheinlich sehr populär und wurde nun in großem Umfang produziert.
Historische Bedeutung des Keuschheitsgürtels
Einerseits wird angenommen, dass die Frau während der durch die Kreuzzüge bedingten längeren Abwesenheit ihres Mannes mit Hilfe des Florentiner Gürtels am Ehebruch gehindert werden sollte. Andererseits sprechen diverse Aspekte eindeutig gegen diese Theorie. Die Gegenargumente basieren vor allem auf unzumutbaren und gefährlichen, unhygienischen Umständen wie zum Beispiel der Tatsache, dass die Frauen den Gürtel auch hätten tragen müssen, wenn sie ihren Stuhlgang verrichteten, urinieren mussten oder ihre Menstruation bekamen. Dies hätte gefährliche Infektionen verursachen können. Hinzu kämen Entzündungen an der Haut, die durch die hautunfreundlichen Materialien des schlecht angepassten Gürtels und das dadurch resultierende Wundscheuern der Kontaktstellen entstehen. In Anbetracht der mangelhaften ärztlichen Versorgungsmöglichkeiten der damaligen Zeit wären an solchen unvermeidbaren Infektionen sicher viele Frauen gestorben.
Aus dem 19. Jahrhundert stammende Keuschheitsgürtel wurden tatsächlich von Mägden getragen, um sich vor Vergewaltigungen zu schützen, da Übergriffe dieser Art von Männern auf Frauen in dieser Zeit nicht ungewöhnlich waren - vor allem dann, wenn es sich um Frauen aus der unteren Schicht, wie zum Beispiel Dienstmädchen, handelte. Auch gab es vergleichbare Gürtel für Kinder und Jugendliche, um sie am Masturbieren zu hindern, was damals als krankhaft und unschicklich verschrien war.
Der Keuschheitsgürtel heute

Heutzutage dient der Keuschheitsgürtel eher als Sexspielzeug bei Rollenspielen, welche meist im BDSM-Bereich angesiedelt sind. Die verwendeten Materialien sind heutzutage modern und hautverträglich. So werden unter anderem Acryl und rostfreier Stahl verwendet.
Außerdem können die modernen Exemplare passgenau angefertigt werden und verfügen zudem über Spezialpolster, so dass der Tragekomfort viel höher ist als früher. Nichtsdestotrotz ist es auch in der heutigen Zeit es unverzichtbar, sehr streng auf die Hygiene im Intimbereich zu achten, da sonst ebenfalls Scheuerwunden und Infektionen auftreten können.



