03.04.2009

Mein Leben als Transgender
Ein Einblick in den Lebenslauf von Tamara.

Magazin

Das große Sex- und Erotik-Magazin mit vielen Anregungen, Tipps und Tricks wird dein Sex-Leben bereichern und aufregender machen. Immer wieder neu und aktuell!

Mit tammy72 haben wir ein sehr aktives Mitglied aus der Transgenderszene in unseren Reihen, die auch stellvertretend für unsere Transgendergruppe das Leben als Transgender in den Fokus unserer Aufmerksamkeit rücken möchte.

Ein erklärendes Vorwort

Der Begriff Transgender setzt sich aus dem lateinischen Wort "trans" (hinüber) und dem englischen Wort "gender" (soziales Geschlecht) zusammen und versucht eine sehr komplexe Szene von Menschen zu beschreiben, die als eindeutiges biologisches Geschlecht geboren wurden, sich aber seelisch dem anderen Geschlecht zugehörig fühlen. In diesem Zusammenhang wird sogar von der Möglichkeit des dritten Geschlechtes gesprochen.

Der Begriff Transgender wird überwiegend im englischen Sprachgebrauch benutzt, findet jedoch in Deutschland innerhalb der Szene ebenfalls immer mehr Verwendung, da er vielfach als Überbegriff für Transsexualität und Transvestitismus verstanden wird. Seelisch transsexuelle Menschen gehören ein Stückweit in beide dieser Gruppen und möchten sich auch so verstanden fühlen.

Sie sind seelisch transsexuell, streben aber keine dauerhafte Umwandlung in eine Frau an, während sie sich gleichzeitig von dem Begriff Transvestit distanzieren, da die Gesellschaft hinter diesem Wort insbesondere sexuell motivierte Menschen versteht.

Das Thema Transgender der Kategorie seelische Transsexualität ist in der modernen westlichen Welt noch immer ein großes Tabu-Thema, da die Wissenschaft bisher nur Theorien aber keine Fakten kennt, die eindeutig belegen, welche Ursachen dieses Phänomen hat.

Die Zahl der seelisch transsexuellen Menschen nimmt in der heutigen Zeit stark zu oder wird erstmalig deutlich, weil sie motiviert und inspiriert durch das Internet viel schneller Zugang zu anderen finden und dadurch den Mut aufbringen, zu ihrer Neigung zu stehen. Ihr Wunsch ist es, gelegentlich und vorübergehend als Frau in der Gesellschaft wahrgenommen zu werden und endlich aus dem Verborgenen in das Alltagsleben integriert zu werden.

Es gibt eine klassische Definition dieser Begriffe, die fast einheitlich von Dritten so beschrieben wird: Transvestiten sind Männer, die Frauenkleider tragen. Transsexuelle sind Menschen, die sich umoperieren lassen – überwiegend Männer.

Nach den Gründen gefragt, können viele Befragten schon keine Antwort mehr geben, kommen aber nach einigem Überlegen zu der Auffassung, dass diese Männer schwul, krank und / oder pervers sind; es tun, weil sie sexuelle Interessen verfolgen oder in der Gesellschaft auffallen oder provozieren wollen. Es existiert ein grundsätzliches Vorurteil, welches bisher nur selten – oftmals nur von den betroffenen Personen selber - in Frage gestellt wurde.

Viele seelisch transsexuelle Transgender fürchten die Meinung, Vorurteile und Reaktionen der Gesellschaft und leben oftmals im Verborgenen, ohne sich jemanden offenbaren zu können und fürchten, irgendwann entdeckt zu werden. Sie schämen sich für ihre Gefühle und ihren Leidensdruck und haben Angst vor den Anfeindungen, Beleidigungen und evtl. auch Handgreiflichkeiten von denen, die aus Unkenntnis und voller Vorurteile Intoleranz und Aggressionen zeigen.

Ihr eigenes Geheimnis macht es nicht besser, in der Gesellschaft ihre Situation aufzuklären. Aber zu stark ist die eigene Phantasie und führt diese Menschen oftmals in eine soziale Einsamkeit und auch vielfach in eine psychische Erkrankung

Für alle Interessierten möchte ich hier einmal meinen Lebenslauf als Transgender vorstellen.

Mein Leben

Präpubertäre Phase

Mein Leben als Transgender

Mit etwa 14 Jahren habe ich die Kleider meiner älteren Geschwister auf dem elterlichen Hausboden gefunden. Irgendwie haben mich diese fasziniert. Ich probierte sie an und habe dabei festgestellt, dass ich mich in dieser Kleidung viel wohler fühlte als in meinen Jungensachen.

In der darauf folgenden Zeit habe ich mich immer öfter auf dem Hausboden versteckt und dann alle Kleider, Röcke, Blusen usw. anprobiert. Ich habe mich als Mädchen immer sehr wohl gefühlt und später wurde es für mich regelrecht zu einer Art Zwang, mich als Mädchen zurecht zu machen. Damals konnte ich mir aber noch nicht erklären, was mit mir los ist.

Pubertät

In der Pubertät hatte ich das Gefühl, nicht normal zu sein, da es in meinen Augen nicht sein konnte, als Junge gerne Mädchenkleidung zu tragen. Hinzu kam noch, dass ich spürte, dass mein Körper nicht zu meinen innerlichen Gefühlen und Bedürfnissen passte. Ich konnte damals wie heute diese starken Empfindungen leider nicht erklären. Sie waren einfach schon immer unterschwellig da und wurden im Laufe der Zeit immer deutlicher und drängender.

Am Anfang glaubte ich, dass dieser Wunsch, ein Mädchen sein zu wollen, etwas mit meinen sexuellen Interessen zu tun haben könnte. Sehr schnell bemerkte ich jedoch, dass sich tatsächlich keine sexuelle Motivation oder Fantasien dahinter verbargen. Vielmehr gehörte dieser innere Druck zu meinem seelischen Gleichgewicht und ließ ganz ohne sexuelle Befriedigung nach, wenn ich mir zeitweise erlaubte, einfach Frauenkleidung zu tragen und mich als Frau zu fühlen.

Schulzeit und Ausbildung

Mein Leben als Transgender

Während der späteren Schulzeit und der Ausbildung ist das Verlangen, ein Mädchen sein zu wollen, etwas in den Hintergrund gerückt, da sich meine Interessen auf andere Dinge konzentriert haben. Zwischendurch war ich aber ein paar Mal als Mädchen auf Zeltfesten. Das war ein sehr tolles Erlebnis, zumal auch niemand wirklich bemerkte, dass ich ein Junge war.

Mir gefiel die Vorstellung, viel öfters, wenn nicht sogar dauerhaft, als Mädchen leben zu wollen, doch gleichzeitig machte mir dieser Gedanke Angst und ich fürchtete um meinen Geisteszustand. Ich geriet in einen inneren Konflikt und traute mich nicht, mich Dritten anzuvertrauen. Ich war allein und hielt mich selber für krank. Ich unterdrückte meine Gefühle, um möglichst ein normales Leben als männlicher Jugendlicher zu führen. Mein erster Schritt zur Normalität war das Entsorgen meiner gesamten weiblichen Kleidung, die ich mir bis dahin zugelegt hatte.

Irrungen und Wirrungen

Viele Jahre später (irgendwann zwischen 19 und 23 Jahren) brach dann dieses innere Gefühl mit Macht wieder aus mir heraus. Ich musste jetzt einfach wieder ein Mädchen, nein, eine Frau werden. Ich sammelte mir also wieder typisch weibliche Kleidungsstücke zusammen und lebte wieder auf. Je öfter ich mich verwandelte, umso besser ging es mir mit der Zeit. Ich ging zwar nie aus dem Haus und war auch nur für wenige Stunden eine Frau, aber es half mir mein inneres Gleichgewicht wieder herzustellen.

Als ich mich nach einiger Zeit wieder gefangen hatte, kam ich wieder zu dem Punkt, an dem ich mir Gedanken über meinen Geisteszustand machte. Ich dachte erneut darüber nach, ob ich vielleicht doch ganz als Frau leben wollte. Die Entscheidung viel mir zu diesem Zeitpunkt recht leicht: Nein, ich wollte nicht vollständig eine Frau werden!

Ich investierte viel Zeit darin, heraus zu finden, was mit mir los ist, konnte aber keine Lösung finden. Meine Gedanken fingen immer mehr an, sich im Kreis zu drehen und brachten mein seelisches Gleichgewicht derart durcheinander, dass ich irgendwann erneut einen Schlussstrich ziehen wollte und ein weiteres Mal meine ganze "Ausrüstung" entsorgte. Ich versuchte alle Gedanken an das "Frau sein" zu unterdrücken, was mir in der ersten Zeit mehr schlecht als recht gelang. Irgendwann erreichte ich dann einen Punkt, ab dem ich kaum noch daran dachte.

Tammy in Weihnachtsaufmachung
Tammy in Weihnachtsaufmachung

Gegen Anfang 2007 - ich war nun inzwischen 35 Jahre alt - wallten die Gefühle wieder in mir auf. Noch stärker als bei den ersten beiden Malen. Ich fing langsam wieder an, mich mit frauentypischer Kleidung auszustatten, experimentierte ein wenig herum und bin schließlich zu Tamara geworden. Zu diesem Zeitpunkt wusste meine Frau nichts von meinen Gefühlen und seelischen Irrwegen zwischen meinen Identitäten.

Ich dachte noch einmal darüber nach, ob ich vollständig und dauerhaft eine Frau werden wollte, kam nach reiflicher Überlegung aber auch wieder zu dem Schluss, dass ich ein Mann bleiben will, der gelegentlich eine Frau sein kann!

Bis wenige Wochen vor meinem Outing – dem Offenbaren Dritten gegenüber - habe ich mich nur hin und wieder zu Hause heimlich gedresst (als Frau angezogen und geschminkt). Mit dem Schminken habe ich erst bei meinem letzten Anlauf angefangen, als ich mir bewusst wurde, dass es mit der Heimlichtuerei nicht weitergehen kann und ich unter Leute gehen möchte.

Einen recht guten Kleidungsgeschmack hatte ich, glaube ich, schon immer, denn die Kleidung, welche ein Transgender anzieht, hat meiner Meinung nach einen sehr großen Einfluss darauf, wie man in der Öffentlichkeit gesehen wird bzw. ob man, ohne aufzufallen, in der Masse untergeht. Wenn ich als Frau unterwegs bin, möchte ich nicht, dass man den Mann in mir erkennt. Ich lege sehr viel Wert auf mein Äußeres, was sowohl die Kleidung und das Make-Up als auch die Gestik angeht.

Tamara wird geboren

Erst als Tamara geboren war, habe ich die Kraft und den Mut gefunden, mich bei meiner Frau zu outen und ihr meine Gefühle und Wünsche zu offenbaren. Ich habe das große Glück, in meiner Frau eine verständnisvolle Partnerin gefunden zu haben, die mir liebevoll unter die Arme gegriffen hat. Dies ist leider nicht in allen Beziehungen eines Transgenders der Fall, denn viele Partnerinnen reagieren mit Unverständnis auf die Geheimnisse ihres Partners und somit drohen sehr viele Beziehungen zu scheitern.

Wenn ich jetzt Tamara bin, fühle ich mich sehr ausgeglichen und ausgesprochen glücklich und möchte am liebsten die Rückverwandlung lange hinauszögern, nur um etwas länger in meiner "weiblichen Haut" stecken zu können. Auch heute hat meine Verwandlung in Tamara keine sexuellen Beweggründe. Ich lebe in einer hetero-sexuellen Partnerschaft, liebe meine Frau und möchte weiterhin ein Leben zwischen den Geschlechtern führen, da ich als Mann arbeite und meiner Frau der Ehemann bin, während ich gelegentlich und vorübergehend als Tamara mein seelisches Gleichgewicht herstelle. Ich bin beides: biologisch ein Mann und seelisch eine Frau. Beides gehört zu meinem Leben dazu und macht mich aus.

Ich gehöre zu den wenigen Transgendern, die den Mut gefunden haben, in die Öffentlichkeit zu gehen und sich Dritten gegenüber zu offenbaren, um über das Phänomen der seelisch transsexuellen Transgender aufzuklären und in der Gesellschaft um Toleranz und Verständnis zu bitten. Die meisten Transgender haben große Ängste, leben im Verborgenen, fürchten die verbalen Angriffe von Menschen, die sich aus Unwissenheit und geprägt von Vorurteilen über Männer in Frauenkleidung lustig machen und um ihre Partnerinnen, Familien und Freunde fürchten, wenn ihre Wahrheit ans Licht kommen sollte.

Mein Leben als Transgender

Auf das Projekt "en femme" (siehe Infobox!) bin ich seinerzeit aufmerksam geworden, da dort seelisch transsexuelle Transgender Unterstützung finden und sich im geschützten Rahmen mit Gleichgesinnten austauschen, treffen und sich gegenseitig helfen können. Hier haben viele Transgender, die sich zur Zielgruppe zugehörig fühlen, und ihre Partnerinnen einen Anschluss an andere Transgender gefunden und sind nicht mehr alleine mit ihren Sorgen, Ängsten, Zweifeln und Fragen.

Ich bin nur ein Transgender unter vielen, doch meine Lebensgeschichte ähnelt vielfach denen der anderen. Die Entwicklung ist fast immer gleich. Insbesondere auch die quälenden Fragen während der Pubertät und später im Erwachsenenalter, das mehrfache Entsorgen der Frauenkleidung durch Verbrennen, Vergraben, Zerschneiden oder Wegwerfen, um einen Schlussstrich unter das befremdliche Thema zu ziehen, das Hüten eines schweren Geheimnisses, die soziale Isolation und die Zweifel an dem eigenen Geisteszustand.

Viele Transgender suchen Psychologen auf, weil sie mit ihrem Leben nicht klar kommen und sich für unnormal halten. Viele Transgender sind Kreativköpfe, da sie in ihrem Doppelleben sehr erfindungsreich sein müssen.

Um meine Bemühungen weiter voranzutreiben die Öffentlichkeit aufzuklären, Transgendern bei den ersten Schritten zu unterstützen und Partnerinnen zu helfen, engagiere ich mich sehr stark für die genannten Projekte in der Infobox am Rand dieses Artikels.

Ich hoffe mit meinen Zeilen eurer Interesse an dem Thema geweckt zu haben und freue mich darüber, vielleicht einige abwegige Vorstellungen über die Thematik Transgender aus der Welt geschafft zu haben.

Lieben Gruß,
Tamara

Wie wäre es mit einem Magazinbeitrag aus deiner Gruppe?

In eurer Gruppe werden sicher auch Themen besprochen, die hier prominent im Magazin vorgestellt werden können. Stellt eure Gruppe damit ins Rampenlicht des JOYclub auf der Startseite! Wie? Ganz einfach: Sendet euren Themenvorschlag an freeman

Mehr über Transgender im Forum

  • Transgender – Erotische Grenzgänger

    Transsexualität und Transgender sind keineswegs neue Themen. Auch Szene-Unkundige begegnen ihnen immer wieder. Dennoch haben die wenigsten eine Vorstellung davon, wie transsexuelle Männer leben und wie ihr Alltag aussieht.

  • Eine Drag Queen gewinnt den ESC

    Ich habe gestern noch den Schluß vom Contest mitbekommen, unter anderen habe ich die/den Sieger/in Conchita Wurst gesehen. Ich war über die Punktzahlen der Länder begeistert. Eine Drag Queen gewinnt den ESC, unglaublich.

  • Shemale werden - aber wie?

    Ich liebe weibliche Formen und Rundungen. Natürlich auch schön geformte Brüsten - zusammen mit einem voll funktionsfähigen Penis. Ich habe schon Stories gelesen wo Frauen Männer dazu "bewegt" haben irgendwelche Dinge zu nehmen damit sie zu Shemales werde.

  • (x) Transgender

    Gerade bei Geburtstagsthreads wird öfter mal ein geschlechtsbezogener Smiley angewendet, um zusätzlich optisch anzuzeigen, wer z.B. bei einem Paar-Profil Geburtstag hat. Bis dahin gut.

  • Transgender im JC

    Ich bin sehr enttäuscht über die letzten "Updates" im JC. Bei allen Neuerungen sind wir Transgender vollkommen unberücksichtigt geblieben und als Mitglieder sogar verdrängt worden.

Dein Kommentar im Forum (79 Beiträge)