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Warum sind Romantik-Hotels so prüde?

Kuschelzeit zu zweit und bloß keinen Sex!
22. Juni 2016

Die Urlaubszeit steht an, hurra! Auch Sex-Kolumnistin Sophie Andresky liebt es, Reisen zu planen. Selbst solche, die nie stattfinden werden. Das hält sie noch besser vom Arbeiten ab als niedliche Katzen- und Waschbärvideos, Porzellanauktionen, Cheesecake-Rezepte und Portale mit Verschwörungstheorien, sagt sie.

Vor allem Pärchenhotels haben es ihr angetan. Doch hinter verheißungsvollen Angeboten wie "Liebeskugeln am Pool" steckt leider nicht das, wonach es klingt. Wieso sind Romantik-Hotels nur so verklemmt? Und wie würden wohl die lustvollen Alternativen aussehen?

Sex im Romantik-Hotel? Bloß nicht!

Diesmal überraschte mich beim Sichten der Homepages ein Romantik-Hotel, das ich sehr schätze, mit "neuen Liebeskugeln am Pool". Hey, dachte ich, endlich traut sich mal ein Haus und bietet den Urlaubern offensiv sexy Freizeitbeschäftigungen an – wobei ich mich schon fragte, wie das aussehen soll, sich Geisha-Kugeln öffentlich am Beckenrand in die Urlaubs-Mumu zu stecken. Aber schnell entpuppten sich die "Liebeskugeln" als eine etwas ungeschickte Bezeichnung für runde Hängekörbe, in die man sich zu zweit reinquetschen kann. Also doch kein all-inclusive für den Beckenboden.

Irgendwo in den Köpfen der Hoteliers verläuft eine magische Grenze zwischen "Kuschelzeit zu zweit" und "Igitt, Sex!" Denn damit will niemand etwas zu tun haben, das ist schmutzig, unappetitlich und ein Fall für den Exorzisten.

Diese Pärchenhotels sind schon ein bisschen merkwürdig in ihrer Verklemmung. Im Park stehen große Outdoor-Betten, die sie "Kuschel-Inseln" nennen, auf den Prospektfotos schmachten sich Model-Menschen an, als würden sie sich jeden Moment die Klamotten vom Leib reißen, und das meist bemühte Wort auf der Homepage ist "Romantik". Aber beim minnedienstlichen Schmachten soll es dann bitteschön auch bleiben! Irgendwo in den Köpfen der Hoteliers verläuft eine magische Grenze zwischen "Kuschelzeit zu zweit" und "Igitt, Sex!" Denn damit will niemand etwas zu tun haben, das ist schmutzig, unappetitlich und ein Fall für den Exorzisten.

Lieber Sextoys in der Minibar statt ranzige Erdnüsse

In Mexiko gibt es zum Beispiel ein Nackt-Hotel für Erwachsene mit angeschlossenem Swingerclub und erotischen Partys. Hierzulande noch undenkbar. Erotische Bildbände und Romane habe ich in den Bibliotheken der Kuschelhotels noch nie gefunden und merkwürdigerweise auch keine Pornofilme oder entsprechende TV-Kanäle, wie sie in Businesshotels seit Jahrzehnten Standard sind. Solchen Schmuddelkram konsumieren offenbar nur wichsende Geschäftsmänner, aber freundlich verliebte Paare machen solche klebrigen Schweinereien nicht.

Im Urlaub hat man mehr Sex. Erotik-Hotels sind also eine super Geschäftsidee! © Justin Horrocks, istockphoto.com
Im Urlaub hat man mehr Sex. Erotik-Hotels sind also eine super Geschäftsidee! © Justin Horrocks, istockphoto.com

Dabei müssten die Hotels ja gar keine eindeutige Ausrichtung wie die japanischen Love-Hotels haben – wobei ich vibrierende Betten oder Halterungen für Fesseln schon witzig fände. Und ich würde es sehr begrüßen, wenn ich in der Minibar statt ranziger Erdnüsse schönes Sexspielzeug und Massageöle entdecken dürfte. Außerdem erinnere ich mich sehr gern an diesen schwülen Tag, an dem ich mit einer Teenie-Freundin die Schule schwänzte, um in einem total spießigen Kurbad (von Thalasso hatte damals noch nie einer was gehört) abzuhängen und wir durch Zufall die Freuden der Klitoris-Bestrahlung durch Wasserdüsen entdeckten.

Wir hingen also mit verklärtem Blick überm Beckenrand, bis uns ein heftiger Jungmädchen-Orgasmus durchs Wasser katapultierte. Gesprochen haben wir darüber nicht und es sollte noch zwei volle Jahre dauern, bis ich bei eben dieser Freundin über die Slipgrenze kam und sie mir gestattete, touristische Wanderungen in die Niederungen des Mösensumpfes zu unternehmen. Ich würde mich also schon aus nostalgischen Gründen über phantasievolle Wasserspiele im Hotelbadezimmer freuen.

Im Urlaub gibt's mehr Sex als zu Hause

Denn, liebe Hoteliers, machen wir uns nichts vor: Eure Gäste haben Sex. Sie sind im Urlaub und rammeln sich den Stress aus dem Leib. Und das ist auch gut so. 63 Prozent der Paare gaben bei einer Befragung an, im Urlaub mehr Sex als zu Hause zu haben. Das wundert einen ja nicht, Kinder, Familie und Kollegen sind weit weg, endlich hat man mal Zeit und ist ausgeschlafen, lebt nicht auf Diät oder muss sich mit Dingen beschäftigen, die einem die Laune und die Libido verhageln.

Ein Garant für Glückseligkeit ist das aber offenbar nicht, denn 30 Prozent der Männer beklagten laut einer anderen Untersuchung, im Urlaub mehr Konflikte als daheim mit der Partnerin austragen zu müssen. Auch kein Wunder, denn Kinder, Familie und Kollegen sind weit weg, endlich hat man mal Zeit und ist ausgeschlafen, um all das auf den Tisch zu packen, was einem auf die Nerven geht. Angeblich wird sogar jede dritte Scheidung nach den Ferien eingereicht. Wissenschaftler (leider habe ich nicht herausgefunden, welche Wissenschaft die betreiben: Urlaubsforschung?, Pool-Analyse?, All-inclusive-Soziologie?) haben auch ermittelt, wann der große Stress droht: Am dritten Tag.

Offenbar ist da der Jetlag überwunden, die erste Erschöpfung auf der Massagebank oder im Whirlpool versackt, und der Magen hat sich an die ungewohnten Kalorienmengen vom Buffet gewöhnt. Dann wird es Zeit für einen Seitenblick auf den unrasierten Typen neben einem, der so aussieht, als hätte er eine Wassermelone vom Buffet geklaut und würde sie unter seinem Poloshirt aus dem Restaurant schmuggeln. Und man fragt sich: Wäre mein Leben vielleicht schöner, wenn ich ihn hier in der Wüste Lanzarotes ließe, angebunden an einen Kaktus oder eingesperrt im Putzkabuff zwischen den Wischmopps des Housekeepings, ganz unten in den Kellergängen des Hotels, wo ihn so schnell niemand finden wird?

Wer vögelt, diskutiert nicht

Liebe Hoteliers, wollen Sie das? Schlecht gelaunte Paare, die ihre Beziehung analysieren, psychologische Betrachtungen anstellen und zu dem Schluss kommen: Mit dem Gesicht nach unten im Pool treibend, gefiele mir dieser Mensch an meiner Seite wesentlich besser?
Dann doch wohl lieber Sex! Wer vögelt, diskutiert nicht, zweifelt nicht, macht sich nicht runter.

Warum also die Paare nicht zu mehr animieren als zu keuschem Kuscheln auf festgelegten Körbcheninseln, die aussehen, als wären sie für übergroße Haustiere aufgestellt?

Vor dem Abendessen, in der magischen Stunde zwischen Wellness-Behandlungen und Dinner-Köstlichkeiten, hört man die Paare auf den Balkonen keuchen. Ein leises Wimmern zieht durch die Korridore, und manchmal verhallt sogar ein einzelner spitzer Schrei über dem Pool. Und das ist doch schön und anregend, warum also die Paare nicht zu mehr animieren als zu keuschem Kuscheln auf festgelegten Körbcheninseln, die aussehen, als wären sie für übergroße Haustiere aufgestellt (Zeit der Zärtlichkeit für Raptoren)?

Warum gibt es in Hotels keine Pärchen-Areale, wo man - etwa im Pool - einfach fummeln kann? © Justin Horrocks, istockphoto.com
Warum gibt es in Hotels keine Pärchen-Areale, wo man - etwa im Pool - einfach fummeln kann? © Justin Horrocks, istockphoto.com

Ich hätte jedenfalls nichts dagegen, wenn es Pärchen-Areale gäbe, wo man, wenn man mag, auch einfach mal im Gras vögeln oder im Pool fummeln kann. Oder schummrige Bars in einem entlegenen Winkel, in dem nicht jedes Höschen am Platz sitzen muss. Und wem das zu heiß ist, der halte es wie ich mit der finnischen Birkensauna: Darin kriege ich Kopfschmerzen, und darum geh ich einfach nicht rein.

Erotik-Hotels fehlen eindeutig auf dem Tourismus-Markt! Vielleicht steht hinter dieser Lücke auch eine große Angst vor zu engen Spezialisierungen. Wenn irgendwo eine kinderfreie Unterkunft eröffnet, ist das Geschrei immer groß, dabei finde ich das kein bisschen diskriminierend. Erstens darf ich als Erwachsene ja auch nicht ins Bälleparadies bei IKEA oder auf die Straßenfest-Hüpfburg (und da würde ich gern noch mal drauf!). Und außerdem ist das doch bloß ein Angebot. Wie ein vegetarisches Restaurant. Wer Schnitzel will, nimmt ein anderes Lokal. Und wer mit Kindern urlaubt, eben auch. Nur für Paare, die es gern ein bisschen schärfer als kuschelig hätten, sind die Angebote dünn.

Also fahren wir weiterhin in die Romantik- und Wellnesshotels und machen uns den erotischen Teil selbst, indem wir uns zum Beispiel gegenseitig Überraschungsboxen packen mit Klitoriskitzlern, Noppenfingerlingen, Filmen, Kopien aus Stellungsbüchern und Romanen oder Wäsche. Wundertüten, aus denen wir abwechselnd etwas zum Spielen ziehen.

 

Auf der nächste Seite erfahrt ihr, inwiefern ein massierender Finger einer Ayurveda-Behandlung vorzuziehen ist.

Wie sieht euer perfekter Urlaub im Romantik-Hotel aus? (164 Beiträge)