Rhabia

Autorin · 53 Jahre
Heidelberg

Was ich bin

Ich bin die
Kartoffelpufferbäckerin.
Backe heiß
und stelle hin.

Dann nehm ich nen Wein.
Aber nicht den Roten.
Der ist für die Toten.

Dann bin ich
die Träumefängerin,
wenn ich Geschichten
für dich spinn.

Und du lächelst fein.
Kannst ganz ruhig schlafen,
träumst von Wolkenschafen.

Jetzt bin ich
die Verführerin
verschenke Lächeln
ohne Sinn.

Fall nicht auf mich rein.
Ich glaub, ich werde alt.
Mein Herz, es bleibt so kalt.

Ich bin die
die ich eben bin.
Gebe mich dir
gerne hin.

Was sein soll, wird sein.
Will mich nicht verbiegen,
doch ich werde fliegen!

(c) Rhabia 06-2011

Regensonntagskuchensonntag

Verregneter Sonntag. Das klingt langweilig. Aber diese Langeweile tut mir manchmal gut.

Es hat beinahe etwas Hypnotisierendes, dem Regen beim Fallen zuzusehen, wie er über Blätter rinnt, die mit ihrem saftigen Grün die Bäume umhüllen, wo noch wenige Wochen zuvor nur schwarze Zweige wie drohende Finger den Himmel zerstachen.
Auf dem teergepappten Flachdach der tristen Sechzigerjahregarage gegenüber hat sich ein See gebildet, der den wolkengrauen Himmel spiegelt und auf dem ich die Regentropfen zerspringen sehen kann, die auf ihrem Weg alles vom Staub der Woche sauber waschen. Blütenstaubgelbe Rinnsale bemalen den Gehweg, verwandeln ihn in ein fragiles Kunstwerk von feinen Linien und die Luft riecht frisch und klar und rein an diesem Regensonntag, der wie dafür gemacht ist, Kuchen zu backen.
Mit viel Butter natürlich. Und mit braunem Zucker. Nur Butter und brauner Zucker entfalten diese Karamellnote, die zu einem Regentag gehört, wie heißer Tee und eine Kuscheldecke im Schlafanzug, ein Buch in der Hand, das man sowieso nicht liest, weil der Regen den Blick magisch anzieht. Nicht zu vergessen die frische Schlagsahne mit einer Prise Vanille, die den krönenden Abschluss für die süße Sünde bildet. Meine Hüften werden es mir danken. Für Sekunden auf den Lippen, für immer auf den Rippen. Aber wenn es bedeutete, dass ich mir diese sinnlichen Genüsse verkneifen müsste, um der Welt ewige Jugend und Schönheit vorzugaukeln, gebe ich mich lieber dem körperlichen Verfall preis und sündige heute. Es ist eine wahre Lust, gutes Essen zu genießen. Ich atme die Düfte, die schon im Ofen ihr Aroma voll entfalten. Das riecht nach Zuhause, nach Geborgenheit und nach Glück. Das letzte Glas Pfirsiche vom vergangenen Jahr lockt mit seinem satten Gelb und die Früchte kokettieren mit ihrer Säure, die dem Naschwerk einen Anschein von Leichtigkeit verleiht und Erinnerungen an einen fröhlichen Sommertag unterm Pfirsichbaum wecken, an dem ich noch keinen Gedanken an eine verlorene Bikinifigur verschwendete. Dünn war ich damals. Aber nicht nur mein Körper war dünn, sondern auch der Rest von mir. Wie wenig wusste ich von den wollüstigen Genüssen, die meine Sinne mir verschaffen können. Das ist wie mit dem Sex. Mit dem Älterwerden kann ich mich darauf einlassen, mich fallen lassen in die Tiefen meiner Sinne, meiner Gefühle. In dem Maß, wie ich reicher an Falten und Speck wurde, wurde ich reicher in meinem Möglichkeiten, hemmungslos zu genießen. Und die koste ich nun aus.

Der Regensonntagskuchensonntag lässt mir meine ganz eigene Sonne scheinen und ich freue mich über diese Atempause in der prahlerisch schreienden Frühlingspracht, die mich darüber klar werden lässt, dass ich glücklich bin.


© Rhabia 05-2012
Fliegen
Fliegen

Trotzig

Erinnerungen
an schöne Zeiten
während das Lied
der Nachtigall klingt.

Wer mag sich
da noch selber leiden,
wenn keiner mal
ne Rose bringt.

Schluss mit lustig,
Schluss mit warten!
Noch bin ich mir
das selber wert.

Ich klau die Rosen
aus Nachbars Garten.
Wer sich nicht mag,
der lebt verkehrt.


© Rhabia 05-2011

Neulich, im Forum um die Ecke

Ich seh mich um im Online-Prospekt
der Fleischfabrik für den schnellen Fick
und muss schon sagen: Mein Respekt!
Was seid ihr alle schick!

Die Ware ist schön präsentiert,
auch Hans und Franz zeigen in Hochglanz
sich ungeniert und erigiert.
Was für ein Eiertanz!

Ne schnelle Nummer auf dem Tisch?
Schreibt Franz, der will sich an mir reiben.
Ach komm schon, Mädchen, zier dich nicht!
Schreibt Hans, inkognito will er gern bleiben.

Bist du eigentlich besuchbar?
Fragt Klaus, der hat ne Frau zuhaus.
Manni meint, er sei auch buchbar.
Mir ziehts gleich die Schuhe aus.

Dass sich manche nicht verblöden,
bei mir öden, One-Night-Stand zu suchen,
muss ich als Erfahrung buchen.
Ich gehör halt zu den Spröden.

© Rhabia 11-2017
00349
Wunschlos glücklich, nicht auf der Suche
Beziehungsstatus
Single

Gruppen

10

Gedichte und LyrikLeiter

118 Mitglieder

LebensglückLeiter

78 Mitglieder

Kurzgeschichten

94 Mitglieder

Holland

542 Mitglieder

Hundewelt

1094 Mitglieder

Treffpunkt Gruppenleiter

999 Mitglieder

Alleinerziehende

426 Mitglieder

VIP

498 Mitglieder

Stammtisch Heidelberg

606 Mitglieder

Tabu

150 Mitglieder
Alle anzeigenWeniger anzeigen
geprüftes Mitglied
VIP
Autorin
22015 Forenbeiträge
18 Forenthemen
Angemeldet seit 9 Jahren