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SelfDelve – Lust auf Frucht?

Do it yourself! Sextoys in Handarbeit
23. Juni 2017

Anja Koschemann mochte die Auswahl an Dildos nicht. Also nahm sie die Sache selbst in die Hand. Seitdem stellt sie mit SelfDelve Silikondildos in diversen Fruchtformen her. Alle handgefertigt – für die heimische Handarbeit. Ein Besuch in ihrer Manufaktur.

Autor: Alex Todorov

Anja Koschemann hält einen Maisdildo aus Silikon in der einen Hand, während sie mir mit der anderen dessen Biegsamkeit vorführt. Sie lacht. Ich lache. Wir stehen im Lager ihrer Manufaktur SelfDelve am Rande Dresdens. Vor uns Regale mit stilvollen Weißblechdosen, die ihren Dildokreationen als Verpackung dienen. In warmem sächsischem Dialekt führt sie mich durch den Produktionsprozess – vom Herstellen der Gussformen über das Silikongießen bis hin zum Färben mit dem Airbrush. Echtes Handwerk. Ein jedes Exemplar wird eigenhändig gegossen und gefärbt. In Handarbeit für Handarbeit gefertigt. Ein Liebes- und Herzblutprojekt.

So anspruchsvoll wie du bist, musst du dir dein Sex-Spielzeug selber bauen.

Den Startschuss gab ein einziger Satz. Anja Koschemann bekam ihn 2006 von ihrem damaligen Freund zu hören: "So anspruchsvoll wie du bist, musst du dir dein Sex-Spielzeug selber bauen." Mit Sextoys wollten die beiden das gemeinsame Liebesspiel frisieren. Die ausgiebige Toy-Fahndung geriet zu einem Fiasko: Koschemann stieß überall nur auf reizlose Nachahmung von Penissen in abtörnenden Fleischfarben und auf lachhafte Sexspielzeuge in Tierformen. Die meisten enthielten noch dazu zweifelhafte Inhaltsstoffe. Ein Tabu für die gelernte Chemielaborantin.

Polizeiliche Gegenüberstellung: Welches ist das Früchtchen, das sie vergangene Nacht verwöhnt hat?
Polizeiliche Gegenüberstellung: Welches ist das Früchtchen, das sie vergangene Nacht verwöhnt hat?
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Eine Banane als Sextoy war Anja Koschemann wegen eventueller Pestizide und der kratzigen Enden ebenso wenig geheuer. Aber die Form und Farbe der Früchte kamen ihrer Vorstellung nah. "Der nächste Gedanke war, so eine Banane abzuformen und in modernen, gesundheitlich unbedenklichen Materialien zu duplizieren."

Auf dem Programm zu Anfang standen Fleißaufgaben: viel Recherche, viele Gespräche, viel Experimentieren. Für Letzteres lieh sich Koschemann die notwendigen Geräte über Wochenenden von ihrem Arbeitgeber und investierte das Weihnachtsgeld in eine große Tonne Silikon.

SelfDelve – With a little help from my friends

Bis zur ersten einwandfreien Silikon-Banane sollte es allerdings noch einige Monate des Tüftelns dauern. War eine ideale Modellfrucht gefunden – alle Produkte aus der Reihe "Garten Eden" sind nach echtem Obst und Gemüse geformt –, fraß vor allem die Fertigung der Gussformen Zeit und Nerven. Dabei war ihr Freundeskreis eng eingebunden. "Die hatten alle Lust drauf. Das hatte überhaupt keine erotische Komponente mehr. Die haben Formbaukästen gebaut und mitgetüftelt." Und dann die fertigen Silikonfrüchte Praxistests unterzogen. So gab es auch einen ersten Abnehmerkreis.

Als Anja Koschemann sicherstellen konnte, verlässlich hohe Qualität zu produzieren, und das Interesse an ihren Früchten stieg, kündigte sie. Sie gab sich ein Jahr, um zu schauen, ob die Idee tragfähig sein würde. In dieser Zeit arbeitete sie in ihrer umgestalteten Wohnung. Dann spülte 2007 ein TV-Beitrag über SelfDelve ihre letzten Ängste fort; es folgten zahlreiche Rückmeldungen und Bestellungen, das Sortiment wuchs.

JOYclub vor Ort – So sieht es in der Dildomanufaktur SelfDelve aus


Anja Koschemann gewährt uns Einblicke in die Dildoproduktion.

Anja Koschemann mietete sich am Stadtrand Dresdens in den Hellerhof ein. Hier, wo bis vor 100 Jahren Eselsmilch gegen die damalige Säuglingssterblichkeit gemolken worden ist, war nach dem Mauerfall eine Enklave für Freidenker, Alternative, Künstler und Handwerker entstanden.

Im Obergeschoss des vormaligen Stallungsgebäudes werkelt Anja Koschemann heute mit zwei Mitarbeitern, einer davon ihr Bruder, in ihrer Manufaktur – Büro, Lager, Labor und Werkstatt. Gegenüber schrauben und schweißen Bastler an T-3-Modellen, in den Räumen nebenan ist ein Tonstudio, in der unteren Etage arbeitet eine Holzbildhauerin und befinden sich Bandproberäume.

Nur das Beste an Materialien

Keine Schadstoffe, kurze Anreisewege, faire Produktion: Sämtliche Zutaten und Materialien, ob Weißblech, Silikon oder Färbemittel, sind von höchster Qualität, unbedenklich im Kontakt mit den Schleimhäuten und kurzgereist. Das Resultat: langlebige, geruch- und nahtlose Silikondildos.

Zu Beginn produzierte Anja Koschemann alle Modelle – von der Banane über den Mais bis zur Gurke – noch in drei Härtegraden. Ein enormer Aufwand, der sich nicht aufrechterhalten ließ. "Ich mach jetzt nur noch die beliebtesten Härtegrade", meint sie. Wer einen anderen Härtegrad möchte, bekommt den dennoch auf Anfrage problemlos – und ohne Aufpreis.

Die Lustfrüchte wechseln bei Körpertemperatur die Farbe.
Die Lustfrüchte wechseln bei Körpertemperatur die Farbe.
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Der Clou der Garten-Eden-Produkte neben der hohen Qualität: Dank thermochromer Pigmente wechseln die Früchte bei Wärme die Farbe – sie reifen quasi mit der Erregung der Besitzerin/des Besitzers. Nur konsequent, dass das Maskottchen von SelfDelve ein Chamäleon ist.

Sextoys auf Kundenwunsch

Ein individuelles Toy mit einer persönlichen Verzierung? Die für Sonderwünsche nötige Tüftelarbeit macht Anja Koschemann besonderen Spaß. "Die Sonderanfertigungen sind mir die allerliebsten Aufträge! Hier kann ich kreativ sein, in Farben schwelgen, manchmal neue Techniken ausprobieren, aus der Routine ausbrechen und Leute glücklich machen", sagt sie.

Einige der Wünsche haben es gar ins Sortiment geschafft. Beispielsweise Spargel. Eigentlich war der weiße Silikonspargel schon durchgefallen. Ernüchternde Testläufe – zu klein, nicht funktional genug, unpraktisch.

Dann trat ein Spargelzüchter an Koschemann heran. Er bot seine Sorte "Der großartige Grüne" als Modell für ein neues Toy an. Ob sie Interesse daran hätte? Sie ließ ihn ein paar Spargel so spät wie möglich ernten, damit die zu einer stattlichen Größe wachsen konnten. Per Kurier wurden die Exemplare gekühlt zu SelfDelve gefahren. Über 400 Kilometer. Das darauf basierende Toy schnitt weit besser ab und fand direkt den Weg in den "Garten Eden".



  • ImapUkua aus dem JOYclub berichtet:

    "Ich war lesbisch, hatte eine hungrige Möse, viel Zeit mit mir selbst und war grenzenlos gelangweilt davon, dass es größerkalibrige Dildos offenbar nur im einschlägigen Gay-Sex-Shop gab. Dann aber nur fett naturalistisch, gerne geädert, wahlweise in fleischfarben oder dunkel. Wie abturnend für eine Frau, die es gerade darauf anlegt, kraft eigener Fähigkeiten in den kalkulierten Wonnewahnsinn zu gelangen.

    Mehr oder weniger zufällig sprang mir damals auf einem einschlägigen Erotikportal eine Werbeanzeige geradezu ins Auge – zeigte sie einen fetten, schönen gelben Silikonmais in respektabler Größe.

    Ich googelte sogleich die Firma und schrieb unverfroren die Betreiberin an. Die Schwelle war ohnehin niedrig, da die Webseite damals herzerfrischend jung und bezaubernd gestaltet war – der Onlineshop trug Kinderschuhe und ein kleines angeschlossenes Forum versprühte den Charme des jungfräulichen Internets. Sympathie auf Vorschuss und ich sollte reich belohnt werden: Die Betreiberin, Anja, der ich mein Leid klagte, sah kein Problem darin, mir den Wunsch nach weiterem Gemüse zu erfüllen. Wir kamen rasch überein, dass eine Aubergine im Garten Eden wohl das sei, wonach mein Schoß verlangt. Das Versprechen sollte ihr auf der Suche nach der perfekten Eierfrucht wohl viele Gemüseaufläufe bescheren.

    SelfDelve – Lust auf Frucht?
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    Wochen und zahllose witzige Updates später erhielt ich ein kleines, schweres Paket mit einer Metalbox, darin liebevoll in schwarzes Seidenpapier verpackt: der Prototyp.

    Seitdem: unzertrennlich und monogam."


Berlin, London, Rom. Der Dildo hält – Drei Wetter Schaft.

Das Gros der Bestellungen versendet Anja Koschemann persönlich. Ihre Kollektionen sind nur in ausgewählten Läden zu finden, deren Inhaber sie persönlich kennt, etwa FRAU BLUM in Stuttgart.

Wohin verschickt sie die meisten Produkte innerhalb Deutschlands? "Unangefochtener Sieger ist Berlin, die Hälfte geht in die Hauptstadt", meint Koschemann. "Vielleicht leben dort die beweglichsten Geister", vermutet sie.

Viele kaufen ihr SelfDelve-Toy extra für den Urlaub – endlich Zeit fürs Experimentieren. Einmal schickte sie einem Mann, der seine Frau überraschen wollte, eine Frucht direkt ins Urlaubshotel.

Über den deutschsprachigen Raum hinaus spenden ihre Toys auch in England, Frankreich Italien und in den skandinavischen Ländern Lust. Einige der diskreten Sendungen gingen sogar schon nach Japan, Indonesien und Australien.

Kunden erzählen von ihren Erlebnissen

Besonders ans Herz gewachsen sind Anja Koschemann die Rückmeldungen von Kunden. "Viele Leute schreiben mir einfach nette Begegnungen aus dem Alltag. Sehr herzlich und menschlich."

Da staunen die Zollbeamten.

Eine Dame berichtete ihr, wie sie auf Urlaubsreise am Zoll gebeten wurde, das Spielzeug auszupacken, und die Beamten die Gartengurke staunend taxierten. Eine andere Kundin wurde eines Morgens von ihren Kindern im Bett überrascht. Erleichtert schrieb sie Anja Koschemann, Gott sei Dank sei es eine der SelfDelve-Bananen und kein Penisdildo gewesen. So ließ sich die Banane ohne viel Aufhebens beiseiteräumen. Ein Wolf im Bananenpelz.

Anja Koschemann meint zu der liebevollen Resonanz: "Ich denke, das sind auch die Kunden, die keine lieblose Massenware wollen. Demzufolge ist es auch ein bestimmter Menschenschlag, der bei mir einkauft."

SelfDelve ist Nähe statt Massenware

Auf diesen unmittelbaren zwischenmenschlichen Kontakt möchte Anja Koschemann nicht mehr verzichten. Genau so wenig wie auf die Kreativarbeit. Als SelfDelve vor ein paar Jahren schnell gewachsen war, stellte sie für sich fest: "Ich will gar kein Mittelständler werden. Ich will kreativ arbeiten, genießen, was ich tue." Sie zog die Reißleine und schlug wieder ruhigere Pfade ein.

So wie ich Anja Koschemann da vor mir sitzen sehe – zwischen uns zwei Stück Kuchen und zwei Tassen Filterkaffee –, entspannt, lächelig, herzlich, schenk ich mir die letzte Frage: Ob sie es je bereut hat, gekündigt zu haben? Stattdessen widme ich mich dem Kuchen. Bananen- oder Maiskuchen wäre zu schön gewesen. Es ist Apfelstreusel.

 

Naturalistische Riesendildos sind auch nicht so euer Ding? Was habt ihr schon als Sextoy zweckentfremdet? Schreibt es uns im Forum.

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