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Aufruf zur sexuellen Meuterei

Erobere dir deine Spielwiese zurück

Ich bin im JOYclub, weil mir Sexualität wichtig ist. Sie ist keine Randerscheinung in meinem Leben. Manchmal löst diese Bedeutsamkeit aber auch Druck aus. Und genau darin lauert eine Falle: Oft habe ich den "perfekten" Sex performt, statt zu fühlen, was mir gerade eigentlich Spaß macht.

 

Von Dr. Madita Hoy

Zwischen Lust und Taubheit

In meiner Arbeit als Sexualwissenschaftlerin habe ich erforscht, wie sehr uns diese inneren Bilder unter Druck setzen. Frauen haben oft gelernt, Harmonie und die Bedürfnisse des Partners über die eigene Wahrheit zu stellen. Doch was, wenn der Körper nicht mitspielt?

Vielleicht kennst du folgende Situation: Ein Penis gleitet in deine Vagina, du bist feucht, aber es fühlt sich völlig unspektakulär an. Es macht nichts mit dir. Deine Gedanken beginnen abzuschweifen. Und dann? Wie verhältst du dich? Veränderst du etwas? Brichst du den Sex ab? Oder stöhnst du einfach weiter? Vielleicht sogar noch lauter, damit er bald kommt?

 
Manchmal spielen wir die Rolle, die wir gelernt haben – die der unkomplizierten, wilden Frau, die man gerne vögelt –, einfach weiter.
 

Für die Harmonie, weil wir bestimmte Routinen beim Sex gewohnt sind oder weil es ja nicht wehtut. Als Frauen lernen wir, dass Sex oft etwas ist, was über uns gebracht wird. Wir werden verführt, befummelt, gevögelt.

Die Rolle der unwiderstehlichen Beute

Wir haben gelernt, dass unsere Aufgabe darin besteht, begehrt zu werden. Manchmal investieren wir Stunden in das perfekte Outfit, das Make-up, die Ausstrahlung. Wir setzen uns in Szene, um uns unwiderstehlich zu fühlen. Und dann warten wir darauf, dass die Lust mit uns passiert, anstatt sie uns zu nehmen. Etwas zu wollen, kann sich gefährlich anfühlen; es macht uns verletzlich und kann zu Zurückweisung führen. Dieses Risiko geben wir ab, wenn wir Beute bleiben. Und natürlich kann sich diese Rolle verdammt gut anfühlen.

 
Aber auch die Perspektive der Jägerin ist aufregend und heiß.
 
Beute oder Jägerin? Beide Perspektiven sind reizvoll.
Beute oder Jägerin? Beide Perspektiven sind reizvoll.
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Zeit für die sexuelle Meuterei

Wir haben viele Bilder über Sex verinnerlicht. Wie ein voller Kleiderschrank, der mal auszumisten ist, will die sexuelle Meuterei dich dazu anstiften, alles in die Hand zu nehmen und zu schauen: Worin fühle ich mich wohl? Und was habe ich nur gekauft, um anderen zu gefallen? Wenn wir rausschmeißen, worin wir uns eh nie wohlgefühlt haben, ist da natürlich auch Platz für schöne neue Outfits.

Doch woher kommen all diese Entwürfe in unseren Köpfen eigentlich? Die Bilder, die in unserer Gesellschaft über Sex kursieren, stammen noch immer sehr oft aus männlicher Feder. Aber was passiert, wenn Frauen das Design selbst übernehmen? 23 Frauen teilen in "Aufruf zur sexuellen Meuterei" ungeschönte, ehrliche Momente, in denen sie aufgehört haben, Erwartungen zu erfüllen, und sich selbst beim Sex gefunden haben. Eine Art zu meutern ist, die Führung zu übernehmen. Aktiv zu sein und Freude daran zu haben. Ein Buchauszug:

Vom Bespieltwerden zum Spielen

Als Frauen sind wir es mehr gewohnt, bespielt zu werden. Unsere Körper sind die Spielwiesen. Sie werden medial als begehrenswert inszeniert und wir lernen, dass wir uns Berührungen hingeben dürfen. Sinnlichkeit ist weiblich sozialisierten Personen oft viel zugänglicher.

 
Was aber Männer viel besser lernen als Frauen, ist es, den weiblichen Körper zum eigenen Vergnügen anzufassen. Brüste und Hintern haben eine Art magische Anziehungskraft auf Männer. Ihre Finger sind unglaublich neugierig darauf, verschiedene Körperöffnungen zu erforschen.
 

Andersrum ist dieser Entdeckungsdrang oft nicht so stark ausgeprägt: diese Lust, zu spüren, wie sich der Körper des anderen anfühlt. Aber wie können wir so berühren, wie es gerade für uns selbst richtig ist, ohne im vorauseilenden Gehorsam Berührungen so auszuführen, wie wir vermuten, dass es gerade richtig ist für die andere Person? Wenn du als Außerirdische diesen fremden Körper entdecken würdest, worauf hättest du Lust? Konsensregeln sind dabei natürlich keine Einbahnstraße.

Ich fass ihn an, wie es mir gefällt

Lange Zeit fand ich es nicht so toll, Penisse anzufassen. Ich hatte verinnerlicht, dass es darum geht, ihn zu wichsen – möglichst schnell, gleichmäßig und mit genug Druck.

 
Das Ziel war der Orgasmus. Und das war Arbeit, kein Spaß.
 

Mein Arm hat durch die repetitive Bewegung schnell wehgetan. Manchmal habe ich die Hand gewechselt, aber mit links ging es auch nicht besser. Wenn er dann gekommen ist, war ich emotional gar nicht bei ihm; ich war bei meinem schmerzenden Arm und einfach nur froh, dass ich es geschafft hatte.

Irgendwann habe ich damit aufgehört. Ich weiß gar nicht genau, wie es dazu kam – ich glaube, durch mehr Selbstbewusstsein, den Mut, frech zu sein, und auch durch Gespräche mit Männern.

Ich habe angefangen zu spielen. Ich habe andere Berührungen ausprobiert: Zupfen, Drehen, Drücken, Ziehen, Tappen. Dabei habe ich vor allem auf mich geachtet: Was macht mir Spaß? Worauf bin ich neugierig? Was fühlt sich für mich interessant an?

Und wenn er dabei nicht kommt und noch gerne super schnelle, harte Stimulation möchte, darf er es sich gerne selbst besorgen.

 
Fang an, nach deinen eigenen Regeln zu spielen.
Fang an, nach deinen eigenen Regeln zu spielen.
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Der Selbstcheck
Wie geht es dir beim Lesen dieser Erfahrung? Kannst du dir vorstellen, gewohnte Pfade zu verlassen und ihn mal anders zu berühren? Probier es mit diesen Tipps:
 
  • Stell dir vor, du betrachtest einen Penis wie eine Außerirdische, die noch nie eine Gebrauchsanweisung dafür gelesen hat. Was für Experimente würdest du machen?
     
  • Wie gefällt dir die Vorstellung, nur zu deiner Freude mit einem Penis zu spielen? Was glaubst du, wie es ankommen würde, wenn du dieses Spiel vorschlägst?
     
  • Glaubst du, es würde dir leicht oder schwer fallen, wirklich bei deinem Genuss zu bleiben?

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Buchvorstellung und Verlosung: "Aufruf zur sexuellen Meuterei"

Welche unsichtbaren Regeln bestimmen die weibliche Lust? Und was wird möglich, wenn wir diese Fesseln einfach abstreifen? Dieses Buch ist eine Einladung zur radikalen Intim-Rebellion. Es ermutigt dich, die Kraft deines eigenen "Nein" zu entdecken. Ein klares Nein zum bloßen Funktionieren, zum ewigen Gefallenwollen und zu einer Performance im Schlafzimmer, die gar nicht deine eigene ist.

 

Herausgeberin Dr. Madita Hoy lässt in ihrem Buch 23 Frauen in 32 Geschichten zu Wort kommen und ergänzt 94 Fragen für deine Selbstreflexion.

 
 
Aufruf zur sexuellen Meuterei

Buchinformationen:
"Aufruf zur sexuellen Meuterei"

244 Seiten
Hardcover: 19,50 EUR
ISBN: 978-3000862786
Verlag: Erotivity


Wir verlosen drei Exemplare von "Aufruf zur sexuellen Meuterei".


Um am Gewinnspiel teilzunehmen, beantworte uns folgende Frage: Was ist deine persönliche sexuelle Meuterei?


Die Verlosung ist beendet.

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