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Warum Sexualtherapie?

Eine Sexualtherapeutin erklärt
27. Juli 2018

Wenn es im Bett nicht mehr läuft, kann eine Sexualtherapie helfen. Doch wann sollten Paare einen Therapeuten aufsuchen? Wie findet man den Passenden für individuelle Probleme? Und was passiert überhaupt bei einer Sexualtherapie? Das Beantworten dieser Fragen haben wir einer Expertin überlassen.

Ein Gastbeitrag von Dr. med. Carla Pohlink

Fangen wir mal damit an, was man von einer Sexualtherapie definitiv nicht erwarten sollte:

  • Keine Massage! Die Sachen bleiben an und der Bademantel zu Hause.
  • Kein Tantra! Die Körperübungen macht man nach den Sitzungen zu Hause.
  • Keine Herzreparaturwerkstatt! Wenn die Liebe am Ende ist, hilft auch keine Sexualtherapie mehr.

Sexualtherapie – wie alles begann

Begonnen hat alles im Amerika der 1950er Jahre mit dem Gynäkologen William Masters und seiner Assistentin Virginia Johnson. Die beiden Wissenschaftler ließen freiwillige Probanden unter Laborbedingungen kopulieren und stellten dabei fest, dass Männer und Frauen beim Sex unterschiedlich ticken. Beseelt von der Idee, den Sex in den US-amerikanischen Ehebetten zu retten, entwickelten sie die klassische Sexualtherapie.

In zwei bis drei Wochen teilstationärer Therapie und teilweisem Verzicht auf Geschlechtsverkehr lernten Paare mit Hilfe spezieller Körperübungen, die Bedürfnisse des Partners zu verstehen, Ängste abzubauen und Lust zu entwickeln. Als wichtige Spielregel gilt dabei, das wechselseitige Berühren und Stimulieren mit einem gebenden und einem empfangenden Part. Allerdings liegt der Fokus dabei nicht darauf, eine sexuelle Reaktion oder gar einen Orgasmus hervorzurufen; sondern auf der sinnlichen Wahrnehmung des Gebens und Empfangens sowie der Kommunikation der eigenen Lust.

Video-Interview mit Carla Pohlink: Was macht eine Sexualtherapeutin aus?
In unserem Video-Frageformat "Haha, reingeguckt!" erzählt Dr. med. Carla Pohlink, wie sich das Sexualtherapeutensein auf das Leben und Lieben auswirkt.


 

Mehr Haha-Interviews – etwa mit einem Petplayer oder einer Ballonfetischistin – findest du auf unserer Haha-Seite und auf dem Haha-YouTube-Kanal.

Der Vorteil dieser Rollenverteilung ist das Durchbrechen des Drucks, es sich wechselseitig besorgen zu müssen. Inzwischen gibt es sehr viele neue Therapieverfahren, die zwar ihre Wurzeln in der klassischen Sexualtherapie haben, aber zeitlich deutlich mehr Flexibilität bieten und auch die Beziehungsdynamik im Blick haben. Das allen gemeinsame Erfolgsrezept bleibt die Arbeit mit dem Paar und die Fokussierung auf das Thema Sex mit speziellen Verhaltensübungen.

Vorsicht: "Sexualtherapeut" ist kein geschützter Begriff.

Für wen sich welche Art der Therapie am besten eignet, ist für den Laien gar nicht so leicht zu durchschauen. Bereits bei der Wahl des Therapeuten sollte man die Augen offen halten, denn "Sexualtherapeut" ist kein geschützter Begriff! Seriöse Behandler wie z.B. Sexualpädagogen, Psychologen oder Ärzte erkennt man am Abschluss einer mehrjährigen sexuologischen Ausbildung. Wer sich dann für eine Sexualtherapie entscheidet, dem sollte es auch zentral um die Verbesserung des Themas Sex gehen, ganz egal, wo der Schuh drückt.

Gründe, eine Sexualtherapie zu besuchen

Wenig überraschend sind als häufigste Probleme Erektionsprobleme, vorzeitige Ejakulation, Lustlosigkeit, Schwierigkeiten beim Orgasmus, Schmerzen beim Verkehr, Untreue oder Sexsucht zu nennen, aber auch Probleme beim Sex durchs Älterwerden und Krankheiten. Und auch wer denkt, er sei der einzige im Universum mit einem "freaky Problem", wird bei einem erfahrenen Sexualtherapeuten ein offenes Ohr und Unterstützung finden.

Diese Frau hat Medien-Erfahrung, nicht zuletzt dank "Haha, reingeguckt": Dr. med. Carla Pohlink beleuchtet in ihrer MDR-Sendung "Leichter lieben" Sex in allen Facetten.
Diese Frau hat Medien-Erfahrung, nicht zuletzt dank "Haha, reingeguckt": Dr. med. Carla Pohlink beleuchtet in ihrer MDR-Sendung "Leichter lieben" Sex in allen Facetten.
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Meistens schieben die Menschen den Gang zum Sexualtherapeuten so lange vor sich her, bis im Bett gar nichts mehr geht und nicht selten auch schon jeglicher Körperkontakt auf dem Gefrierpunkt angekommen ist. Schade, denn emotionale oder körperliche Schwierigkeiten beim Thema Sex treffen früher oder später die meisten im Verlauf des Lebens. Und wer rechtzeitig reagiert, kann an sexuellen Schwierigkeiten sogar wachsen!

Ob sexuelle Schwierigkeiten "Huhn oder Ei" sind, ist manchmal gar nicht so leicht zu benennen. Die dahinterstehende Kernfrage: Ist der Sex das eigentliche Problem oder liegt die Ursache nicht vielmehr in einer nicht (mehr) funktionierenden Beziehung begründet? Man sollte vor Antritt einer Therapie genau mit dieser Frage in sich gehen. Erstens kann es beispielsweise hilfreich sein, zuerst in einer Paartherapie den respektvollen Umgang miteinander zu üben oder in einer Einzelpsychotherapie persönliche Ängste zu bearbeiten. Zweitens erleichtert die Antwort auf "Huhn oder Ei" die Auswahl des Sexualtherapieverfahrens.

Welche Therapiearten gibt es?

In Deutschland sind exemplarisch folgende Therapiemodelle etabliert:

1. Das Hamburger Modell orientiert sich sehr stark an der klassischen Sexualtherapie und ist für diejenigen geeignet, die eine stabile Paarbeziehung führen und ein ganz isoliertes sexuelles Problem wie z.B. Erektionsstörung, Vaginismus (Scheidenkrampf) oder Unwissen über ihre sexuelle Lust haben.

2. Bei der systemischen Sexualtherapie geht der Fokus weg vom "Nicht-Können" hin zur Bearbeitung des "Nicht-Wollens", und ist deshalb für Paare geeignet, die sich an ihrer sexuellen Unterschiedlichkeit reiben.

3. Die syndyastische Sexualtherapie ist eine beziehungsfördernde Therapieform, bei der es um die Schärfung der Sinne geht. Durch aufmerksames Geben und Annehmen entsteht nicht nur ein erotisches Erlebnis, sondern auch das Gefühl von Nähe, Geborgenheit und gegenseitiger Akzeptanz der intimsten Bedürfnisse – sich wirklich fallen zu lassen und gehalten zu werden, wirkt befreiend und entfacht zugleich Lust. Paare, die sich schwer auf tiefe Liebesbeziehungen einlassen können, profitieren davon besonders.

4. Die Sexual Crucible Therapie basiert auf der Vorstellung, dass Menschen in einer Beziehung nur dann dauerhaft leidenschaftlichen Sex haben, wenn sie eigenständige Individuen bleiben, sich selbst Halt geben und sich stetig weiterentwickeln – ein Ansatz für Freigeister mit Wunsch nach spiritueller Verbundenheit.

Ergänzend zur Paar-Sexualtherapie gibt es noch sogenannte Arousal-Reconditioning-Übungen, die auch für Singles geeignet sind. Hierzu zählen Masturbationsübungen, der Gebrauch von Stimulatoren, der Einsatz sexuell stimulierender Fantasien oder die Anwendung enthemmender Rollenspiele, z.B. orgasmic roleplay.

Was kann ich bei der Sexualtherapie erwarten?

Egal ob Einzel- oder Paar-Sexualtherapie, wer es ernst meint mit der Verbesserung seines Sexlebens, sollte sich dafür auch wirklich Zeit nehmen. Es reicht nicht aus, zu den Sitzungen zu gehen, sich berieseln zu lassen und die Körperübungen auf die To-do-Liste zu setzen. Für nachhaltige Veränderungen braucht es (inneres) Engagement: Fernseher in den Keller, Internet aus, die lieben Verwandten, Freunde, Kind, Hund und Katze müssen Zeit abgeben.

Denn guter Sex macht nicht nur glücklich, sondern ist gesund und verlängert das Leben!

Konkret beinhaltet das die Zeit für die Therapiesitzungen an sich (ca. 1-1,5 Stunden), mindestens zweimal in der Woche ungestörte Paarzeit für die Körperübungen sowie ausreichend Muße, sich selbst sexuell zu erkunden. Die Therapie kann von ein paar wenigen aufklärenden Sitzungen bis hin zur langfristigen Paarbegleitung bei tiefen Konflikten dauern. Die Kosten für eine Sexualtherapie sind weder in der gesetzlichen noch in der privaten Krankenversicherung enthalten.

Die Kosten für eine Sitzung bei einem seriösen Therapeuten betragen in der Regel zwischen 80 und 150 Euro in Abhängigkeit von einer Einzel- oder Paartherapie. "Ganz schön viel", werden einige jetzt sicher sagen. Aber ehrlich: Wie viel Kohle haben Sie zuletzt aus Frust ausgegeben? Sexualtherapie hilft! Trauen Sie sich! Denn guter Sex macht nicht nur glücklich, sondern ist gesund und verlängert das Leben!

Neu hier mit Neugier?

  • Wir haben Menschen – von der Tantramasseurin bis zum Pornokinobesitzer – gefragt, was Nach- und Vor(ur)teile sind, wenn es heißt "Beruf: Sex".
  • Für unser Video-Frageformat Haha, reingeguckt! befragen wir Fetischisten und Menschen mit sexuell konnotierten Berufen: vom Dom bis zur Ballonfetischistin.
  • Es muss nicht gleich eine Sexualtherapie sein. Manchmal hilft es schon, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Etwa in unserem aufgeschlossenen Sex-Forum.


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