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Situationship

Alles über das Beziehungsphänomen ohne Verbindlichkeit

Meine beste Freundin hat Liebeskummer, denn ihr Lover kann sich einfach nicht festlegen. Doch ein klärendes Gespräch könnte ihrer Meinung nach alles kaputt machen. Meine Diagnose: Sie ist in einer Situationship. Ein Zwischenbericht aus den Untiefen des modernen Datings.

Von Clara_LE

 

Was ist das?WarnsignaleVorteileWeg zur Partnerschaft

Ungeklärt macht unsicher

Seit Wochen liegt mir Emily* mit ihrem neuesten Kerl in den Ohren. Florian* ist DJ, ständig unterwegs und meldet sich nur sporadisch. Doch wenn sie sich sehen, ist er zugewandt und macht sogar Hoffnung auf mehr: Er schlägt einen Urlaub für den kommenden Sommer vor, kuschelt sich nach dem Sex eng an sie. Der nächste Schritt wäre, die Beziehung zu definieren, oder?

* Namen geändert.

 
Wir müssen reden! Was sind wir eigentlich?
 

Aber Emily traut sich einfach nicht. Aus Angst, das zarte Pflänzchen potenzieller Gefühle mit zu vielen Worten zu zerstören. Vielleicht auch, weil sie Florian nicht verschrecken will. Schließlich ist es viel cooler, einen auf locker zu machen.

Ich konfrontiere sie mit meiner ungeschönten Einschätzung. Im Inneren weiß sie genau, dass es für ihn nicht mehr ist und müsste das Pflänzchen schon aus Selbstachtung begraben. Das hört Emily gar nicht gern. Seufzend schenke ich uns noch ein Glas Wein ein.

Alte Probleme, neue Begriffe: Was ist eine Situationship?

Emilys Zwickmühle ist nicht selten und wird seit Kurzem – dank Social Media – mit einem neuen Titel versehen: Situationship. Das beschreibt eine Mischung aus situation und relationship, also eine Beziehung, die nur für den Moment besteht.

Klar, das Phänomen ist überhaupt nicht neu. Die lockere Beziehung auf Zeit gibt es schon mindestens so lang wie Menschen Sex haben. Und auch das ungeklärte Hin-und-Her der Gefühle kennen sicher einige von uns. Zu oft können wir uns in einem emotionalen oder sexuellen Verhältnis einfach nicht festlegen oder entscheiden.

 
Digitales Dating: Sobald das Handy brummt, freust du dich auf eine neue Nachricht.
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Freundschaft+, Affäre, Fuckbuddy – oder Situationship?

Das Bezeichnende an Situationships: Status und Zukunft der Verbindung bleiben ungeklärt. Entweder, weil beide sich für den Moment mit diesem Arrangement wohlfühlen oder, wie in Emilys Fall, aus Angst vor der Eindeutigkeit.

Die Situationship hat Gemeinsamkeiten mit anderen lockeren Beziehungsmodellen, jedoch ist sie geprägt von Drama und unausgesprochenen Erwartungen:

  • Unterschied zu Freundschaft+ oder Fuckbuddys: Hier sind die Fronten geklärt. Ihr seid befreundet (oder auch nur bekannt) und bereichert die lose Verbindung durch guten, befriedigenden Sex ohne Verpflichtungen. Bei der Situationship hofft oft eine:r (und manchmal sogar beide) insgeheim auf mehr.
     
  • Unterschied zur Affäre: Nicht nur Sex, auch Liebesbeziehungen gibt es auf Zeit. Die Sommerromanze oder der Urlaubsflirt, der nicht permanent in den Lebensentwurf passt – nicht aus jeder Gefühlssache muss eine Langzeitbeziehung werden. Doch auch hier ist beiden bewusst, dass die Liebelei keine langfristige Zukunft hat, und sie sind damit d'accord.
Aufgepasst: Auch bei Freundschaft+ oder einer Affäre sind nicht immer beide gleich begeistert von der Konstellation, somit sind die Übergänge zur Situationship fließend.
 

In einer Situationship sind Gefühle meist einseitig verteilt. Während die eine Person hofft, dass aus der lockeren Verbindung eine echte Beziehung heranwächst, weiß die andere vielleicht nicht einmal, dass es sich um eine Frage der Gefühle handelt.

 
Während eine Person denkt, eine entspannte Freundschaft+ oder Romanze gefunden zu haben, will die andere eigentlich mehr – die Situationship wird im schlimmsten Fall nur von einer Seite erlitten.

Warnsignale: So merkst du, dass du ungewollt in einer Situationship bist!

  • 1. Du willst Klarheit, aber bekommst keine: Du fragst dich häufig, was ihr eigentlich seid, traust dich aber nicht nachzuhaken oder bekommst nur ausweichende Antworten und bleibst im Unklaren.
     
  • 2. Du bist eine Option, nicht die Priorität: Ihr trefft euch nur spontan und nur wenn er oder sie Zeit hat. Es gibt keine bewusste Planung oder den Eindruck, dass du wirklich im Fokus stehst.
     
  • 3. Ihr macht keine Fortschritte: Seit Wochen oder Monaten geht es nicht vorwärts. Ihr bleibt auf derselben lockeren Ebene und es gibt keine Entwicklung hin zu mehr Verbindlichkeit.
     
  • 4. Er oder sie vermeidet Labels oder tiefe Gespräche: Wenn du das Thema Beziehung ansprichst, weicht die Person aus, macht Witze oder sagt Dinge wie: "Lass uns einfach sehen, wohin es führt." Es fühlt sich an, als würde sie sich bewusst vor einem klaren Status drücken.

Ganz locker: Welche Vorteile hat unverbindliches Dating?

Connection per Klick – durch Apps wie JOYCE und Co. gibt es Auswahl für jene, die ohne großen Aufwand jemanden kennenlernen wollen. Die Vielfalt der Optionen muss nicht beliebig sein: Im besten Fall genießt du es, dich selbstbestimmt und sexpositiv auszuleben und deine Bedürfnisse besser kennenzulernen.

Lockere Verbindungen müssen nicht zwangsläufig in Liebeskummer enden. Sie bieten Flexibilität, weniger Verpflichtungen und Nähe ohne Druck. Nach einer Trennung oder in einer unsicheren Lebensphase ermöglichen sie es, verschiedene Beziehungsformen abseits gängiger Normen zu erkunden.

Probier dich aus

5 Gründe, warum du in einer Situationship bist

  • Du hast FOMO (fear of missing out): Vielleicht gibt es da draußen doch noch jemand anderen, der besser zu dir passt.
     
  • Du bist im Job oder Privatleben zu eingespannt für eine richtige Beziehung.
     
  • Du hast Angst, dir selbst einzugestehen, dass du Emotionen entwickelt hast.
     
  • Dir fehlt das Selbstwertgefühl, für mehr zu kämpfen.
     
  • Du willst lieber nur ein wenig von der anderen Person bekommen, als sie ganz zu verlieren.

 

Die Situationship entsteht, wenn du dich nicht traust, Klarheit zu schaffen und Grenzen abzustecken. Während du vielleicht hoffst, dadurch deine Coolness zu beweisen und dich damit attraktiver zu machen, nagt jedoch innerlich der Zweifel an dir.

Keine entspannte Grundlage für eine sexy Affäre, geschweige denn das Aufblühen einer richtigen Beziehung. Und je länger das ungleiche Verhältnis besteht, desto schwerer wird es, dich aus ihm zu befreien. Das Zauberwort für lockere Beziehungen ist Kommunikation: Trau dich, anzusprechen, was du wirklich willst!

 
Der beste Weg aus der Situationship: Ein Treffen ausmachen und ehrlich miteinander reden.
Der beste Weg aus der Situationship: Ein Treffen ausmachen und ehrlich miteinander reden.
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So machst du deine Situationship zu einer festen Partnerschaft!

Sei ehrlich mit dir und werde dir bewusst über deine wahren Gefühle. Dann heißt es mutig sein. In einer idealen Welt gestehst du deine Liebe und findest heraus, dass dein Gegenüber genauso empfindet. Ihr fallt euch in die Arme und lebt glücklich und zufrieden bis ans Ende eurer Tage.

… oder auch nicht.

Öfter als zum zuckrigen Happy End kommt es wohl dazu, dass ein klärendes Gespräch das Ende der Situationship bedeutet. Denn wenn eine Verbindung von Unentschiedenheit und Bequemlichkeit lebt, wird sie eine klare Ansage nicht überstehen.

  • 1. Rede mit der anderen Person: Sei offen für ihre Sichtweise und Gefühle. Was wollt ihr jeweils von der Situation? Passt ihr auch im echten Leben zusammen? Mach dich drauf gefasst, dass er oder sie dich zwar gern hat, aber einfach nicht mehr geben kann und möchte.
     
  • 2. Ziehe einen klaren Schlusstrich: Wenn du merkst, dass eure Vorstellungen nicht zusammen passen: Hüte dich vor Backsliding, also dem Zurückrutschen in die gewohnte Dynamik. Setze bewusst Grenzen, z. B. indem du die Person auf dem Handy blockierst.
     
  • 3. Sei dankbar für die Erfahrung: Herzschmerz ist kacke. Trotzdem weißt du jetzt, was du willst und kannst den Menschen finden, der dich wirklich glücklich macht – um eine Erfahrung in Liebesdingen reicher.

Besser trennen

Raus aus der Situationship

Wenn beide Lust auf ein lockeres Verhältnis haben, kann das funktionieren. Nicht jede Person, die du witzig, charmant und attraktiv findest, ist auch gleich der ideale Lebenspartner. Zum Problem (und zur Situationship) wird es allerdings, wenn beide unterschiedliche Erwartungen und Wünsche haben und sich einfach nicht eingestehen, was sie wirklich wollen.

So lief es übrigens am Ende auch für Emily. Nach endlosen, liebevollen (und manchmal auf meiner Seite auch genervten) Girl-Talks stellte sie Florian endlich zur Rede. Es kam, wie es kommen musste – er hatte einfach nicht die gleichen Gefühle für sie.

Emily hat es jedoch mit Bravour gemeistert. Sie findet:

 
Scheiß auf Situationships! Ich mache keine halben Sachen – wenn der Richtige kommt, dann will er mich ganz.

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