Kennst du das Gefühl, wenn sich Intimität ein kleines bisschen zu viel anfühlt? Wenn du mit Partner:in so weit verbunden bist, dass die persönliche Distanz immer mehr schwindet? Mir und vielen anderen Langzeitpaaren geht es so. Wie weit ist es vom gemeinsamen Pinkeln zum Partnerlook?
Von kinkyminky


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90 Prozent aller Beziehungsmenschen haben mindestens ein Geheimnis vor Partner:in. Und das ist gut so, sagen zumindest Psycholog:innen. Wer nicht alles teilt, engagiert sich dafür mehr in anderen Bereichen der Beziehungen. Als quid pro quo für kleine Sünden, meint die Wissenschaft.
Da gehe ich mit. Ich will ja einen Partner und keinen persönlichen Schatten. Musikgeschmack, Konto, Wohnung – alles fein säuberlich getrennt. Was mir Freunde im Vertrauen erzählen, bleibt auch bei mir. Wen ich wähle, wie viel ich im Monat ausgebe und welche Serie ich insgeheim suchte – psst!
Übrigens aus ganz verschiedenen Gründen: Weil ich nicht alles teilen will, weil mir manches peinlich ist oder ich mich nicht in Diskussionen über ein Warum verlieren will.
Morphing-Effekt mit Ansage
Und doch gehöre ich zu jenen, die (bewusst oder unbewusst) über Monate und Jahre in der Partnerschaft miteinander verschmelzen. Zusammenwachsen nennt es die Außenwelt und meint gleichzeitig, dass die persönliche Distanz schwindet.
Die Bastionen des Privaten fallen schrittweise. Ein Bett teilen, am selben Wasserglas nippen, den Erkältungsinfekt zum nächsten Date mitbringen. Egal, wir küssen uns ja sowieso. Und wenn meine Wäsche schmutzig ist, kann ich doch dein Shirt anziehen, oder?
Ich kenne die PIN für dein Smartphone, dafür siehst du, wie ich mit Zahnschiene zu Bett gehe und zerknautscht aufwache. Bringst du mir Tampons vom Einkaufen mit?
Wenn ich krank bin, mag ich es, wenn du meine Hand hältst. Und ich erzähle dir, wie hart meine Periode gerade reinkickt. "So viel Blut!" Andererseits bin ich nicht scharf darauf, zu wissen, wie's mit deinem Stuhlgang so läuft.
Während ich mir noch überlege, wie nah zu nah für mich ist und wie weit wir vom Partnerlook entfernt sind, bekomme ich Zahlen serviert.


Körperliche Intimität: Wo hört der Spaß auf?
Die erste Grenze, die bei uns fiel, war das Urinieren voreinander. Nicht jedes Zuhause verfügt über zwei Toiletten und nicht jede Blase ist geduldig. Bevorzugt wenn du duschst, husche ich schnell aufs Klo und bin fertig, ehe du das Wasser abgedreht hast. Damit befinde ich mich in bester Gesellschaft: Mehr als 80 Prozent der Langzeitpaare pinkeln mehr oder weniger hemmungslos, wenn der oder die Andere im Raum ist.
Ist ja fast eine medizinische Tätigkeit, ähnlich wie Pflaster aufkleben. Und sollte ich den Übeltäter vollends erwischen, teile ich meinen Erfolg mit dir. Vielleicht hast du ja auch noch einen auf dem Rücken, dem ich zu Leibe rücken kann?
Schwieriger wird es mit den Körperlichkeiten, die ich nicht immer kontrollieren kann. Rülpsen geschieht eher selten, aber dann spontan und schier unaufhaltsam. Peinlich? Vor dir nicht unbedingt. Pupsen ist mir da schon unangenehmer, vor allem, wenn es geruchs- und geräuschvoll passiert. So schnell schaffe ich es meistens gar nicht, den Raum zu verlassen. Da bleibt nur ein kurzes, ehrliches 'Tschuldigung und Fenster öffnen. Ich frage mich, wie es rund ein Viertel der Menschen in Langzeitbeziehungen schafft, ihre Winde zu unterdrücken. Wer hier Tipps hat, möge sich bitte bei mir melden.
Wo ich, wie viele andere auch, keinen Spaß verstehe, ist alles, was in Richtung Stuhlgang geht. Auch wenn ich dank Elternschaft abgehärtet bin, was Kacka und Co. angeht: Bei Erwachsenen muss es wirklich nicht sein.
Ich will nicht wissen, ob und wann du defäkierst. Ob es ein unkompliziertes Erlebnis war oder eine schwere Geburt. Und ich wünsche in der Zeit, in der ich auf der Toilette bin, keine Störung. Wer Besuch beim Toilettengang haben will oder dem anderer beiwohnen will, soll sich Haustiere anschaffen. Oder Kinder. Da passiert das von ganz alleine.


Grenzverschiebungen nach Lebenslage
Was ich jedoch merke: Meine persönlichen Grenzen sind je nach Körper- und Lebenslage flexibel. Wenn wir zu zweit sind, bin ich gnädiger mit dir (und mir!), was kleine und große Peinlichkeiten angeht.
In Gesellschaft ist mein Schamgefühl hingegen schon bedenklich groß. Streitgespräche? Bitte nur unter vier Augen. Schlechte Witze? Was sollen denn die anderen von uns denken?
Was übrigens immer gehen muss, ist Weinen. Da gehe ich mit 95 Prozent der Langzeitpaare konform. Wäre doch zum Heulen, dürften wir nur noch beim Zwiebelschneiden Tränen vergießen und nicht mehr bei all den anderen Gelegenheiten, die das Leben so bietet: Videos von Hundebabys, die letzte Seite eines Schnulzenromans, wenn wir jemanden oder etwas verlieren oder wenn wir uns im schlechtesten Fall gegenseitig verletzen.
Tränen zu zeigen kann helfen. Damit bis zum nächsten Rülpser wieder alles gut ist.
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