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Paypig

Wie man zu einem Geldsklaven wird
17. Januar 2018

BDSM-Liebhaber mögen das Machtgefälle, das sich aus Dominanz und Unterwerfung ergibt. Dieses wird in der Regel in sexuellen Rollenspielen ausgelebt. Der sogenannte Paypig unterwirft sich jedoch in sehr ungewöhnlicher Weise seiner Herrin ...

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Ungewöhnliche Angebote im Internet

"Herzlich Willkommen auf der Homepage von Lady Sandra, dem Eintrittstor zu deiner Paypig-Welt!"

Gut. Dominas in Lack und Leder ist der Fetisch-Freund gewöhnt, wenn er sich ins unendliche Netz der gemeinen Wünsche und Leidenschaften begibt. Ob Sklavenzentrale, Marquis-Zirkel oder aber Dominagalerie: Mit einigen wenigen Google-Klicks ist man im virtuellen Kerker, wo es Angebote gibt, von denen der Normalbürger sicher noch nie gehört hat.

Bei Lady Sandra lesen wir Folgendes: "Hallo du Nichts! – Du bist auf der Suche nach einer gnadenlosen Geldherrin, die Dich aussaugt und benutzt? – Dann bist Du bei mir richtig ... Ich bin die Lady, ich liebe es, wenn meine Sklaven mir Luxus schenken und mich verwöhnen und ich sie so richtig benutzen und auf dem Minimum halten kann. Ich bin schön, intelligent, dominant und ich will alles und ich will es jetzt von dir."

Paypigs bezahlen ihre Herrin, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.
Paypigs bezahlen ihre Herrin, ohne dafür eine Gegenleistung zu erwarten.
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Paypigs wollen anonym bleiben

Was unterscheidet den normalen Domina-Studio-Besucher vom Zahlschwein? Eine devote Neigung können wir in beiden Fällen ohne weitere Nachprüfung unterstellen. Während der reale Studio-Gast vor Ort erscheinen muss, um seine besondere Behandlung zu erfahren, zieht es der Geldsklave in der Regel vor, anonym zu bleiben.

Ferdy89 ist irgendjemand und für den Ablauf des Prozedere ist dies auch völlig ausreichend. Bankdirektor Müller mag im Studio zwar auch einfach "der Herbert" sein, aber er ist eben leibhaftig vorhanden. Während Herbert für sein Geld ans Kreuz gefesselt oder aber mit dem Paddel geklopft wird, hat Paypig Ferdy eigentlich keinen direkten Nutzen von seinem Vorgehen.

Wie läuft das "Paypiggen" ab?
Der Geldsklave landet auf der Seite seiner Angebeteten. Es macht klick und er ist davon überzeugt der abgebildeten Lady in besonderer Weise dienen zu müssen. Er begibt sich in eine Gedankenwelt, erkennt seine Berufung und sucht auf der Seite umgehend nach Bankverbindung oder weiteren Zahlungsmöglichkeiten.

Was sind Paypigs für Menschen?

Wer lebt solche einen Fetisch aus? Ein reales Exemplar aufzutreiben, war nicht einfach, ist uns aber mit ein wenig mehr Mühe dann doch gelungen. Rolf ist Paypig und zahlte in den vergangenen Jahren rund 20.000 an eine Domina.


Rolf ist Mitte 40, Angestellter bei einer Krankenkasse, und verfiel vor gut zwei Jahren einer Paypig-Anbieterin namens Ramona. Obwohl sich Rolf als devot bezeichnet, kennt niemand in seiner Familie seine Neigung. Er lebt mit Frau und Kindern im Ruhrgebiet und hat in den vergangenen Jahren um die 20.000 Euro an Ramona bezahlt.

Ein Domina-Studio würde er nie betreten, er ist unscheinbar und ängstlich. Da sein Konto seit langem überzogen ist und er sogar heimlich einen Kredit aufgenommen hat, suchte er vor einigen Wochen professionelle Hilfe bei einem Psychologen, der ihm nun hilft seine Sucht zu bekämpfen.

Sie war so bestimmend

Rolf, du bist Paypig oder Geldsklave …

Rolf: Ja, ich habe euch ja schon geschrieben, wie das entstanden ist. Ich habe Ramonas Seite im Internet entdeckt und da war es um mich geschehen. Die tollen Bilder, ihre Persönlichkeit … ich musste mir das immer wieder ansehen. Und habe Ramona dann gemailt. Sie hat mich dann mit der Antwort in ihren Bann gezogen. Sie war so bestimmend!

 

Was meinst du damit?

Rolf: Sie machte mir klar, dass ich zu zahlen habe. Dass sie für ihren Lebenswandel viel Geld braucht, das sie keine weiteren Fragen will und das meine Rolle klar definiert sei. Ich habe dann gezahlt! Auch wenn es bescheuert klingt: Ich musste zahlen, um überhaupt einen Kontakt zu ihr zu haben.

 

Hast du sie einmal gesehen oder wenigstens mit ihr telefoniert?

Rolf: Nein, dazu hat sie keine Lust. Ich habe jede Woche eine Mail bekommen. Persönlich, nur für mich. Mit dem Hinweis, dass das Geld schon wieder knapp wäre und sie dringend neue Schuhe oder Ähnliches benötigt. Was sollte ich da machen?

Euro um Euro ging an Paypal

Darauf willst du keine ehrliche Antwort …

Rolf: Ramona war so in meinem Kopf. Ein Treffen wollte ich auch nicht, aber ich habe mir eingeredet, dass ich wichtig für sie bin, wenn auch nur als Financier. Schön blöd, aber ich konnte nicht anders. So ging Euro um Euro zu Paypal.

Bist du nie auf die Idee gekommen, dass du da einer Illusion aufgesessen bist?

Rolf: Leider nicht! Erst als mir das Geld ausging, habe ich mich an einen Freund gewandt, der Psychologe ist.

Und was hat der gesagt?

Rolf: Für ihn war das nichts Neues, er kannte einen ähnlichen Fall. Unter uns heimlich Devoten gibt es wohl eine ganze Menge Leute, die so drauf sind. Und es ist nicht leicht, dagegen anzukämpfen. Ramona ist schließlich die Herrin … nein … sie war es.

Geldherrin lässt sich beschenken

Schön, dass es Partnerprogramme und Schnittstellen zu Online-Shops, Paypal und Ähnlichem gibt. So kann die Geldherrin Artikel mit Bild einstellen, die direkt mit Shops verbunden sind und die es dem Sklaven ermöglichen, sofort zu bestellen. Auch Paypal ermöglicht Geldtransfer in Minuten und die Geschenk-Gutscheine von Amazon sind auch ein Hit! Profaner sind 0900-Nummern mit festgelegtem Betrag pro Anruf. Aber Kleinvieh macht hier eben auch Mist.

Welchen Nutzen die Geldherrin hat, liegt klar auf der Hand: Neben Haushaltsartikeln, Büchern, Wein-Geschenkkisten, Reisegutscheinen und Blumen, kommt auch "Bares" in die Kasse. Außer einigen arroganten Serien-Mails und eindringlichen Zahlappellen auf gleichem Weg, hält sich der organisatorische Aufwand in Grenzen. Lästige Schweine werden ohnehin frühzeitig aussortiert. Frau will nicht ständig mailen und dumme Fragen beantworten, es sei denn, dass ein besonders großer Nutzen erkennbar ist. Aber hier wird die Auswertung diffizil, da man es ja mit anonymen Personen zu tun hat.

Paypigs geht es um den finanziellen Schmerz. Dieser kann zur Sucht werden.
Paypigs geht es um den finanziellen Schmerz. Dieser kann zur Sucht werden.
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Sklave bestraft sich durch finanziellen Schmerz selbst

Doch welchen Nutzen hat unser Sklave? – Er schickt einer anonymen und vielleicht nur virtuell vorhandenen Lady Geschenke und Geld. Alles, was er dafür bekommt, sind Bilder und Texte auf einer Homepage. Vordergründig richtig!

Aber: Es gibt auch den Aspekt des finanziellen Schmerzes, den man nicht außer Acht lassen darf. Geld schicken nicht etwa nur Leute, die zu viel davon haben, sondern auch "Pigs", die es heimlich aus der Familienkasse entwenden. Das kann dann wahrlich "schmerzen" und das ist wohl auch Sinn und Zweck der Übung. Man bestraft sich selbst, hat dabei aber das Gefühl, bestraft worden zu sein.

Eigentlich eine harmlose Sache, wenn die Paypig-Anbieter nicht mit Abhängigkeiten und Ausnutzen von Bedürfnissen spielen würden (was natürlich auch im realen Domina-Studio jederzeit geschehen kann). Schnell kann aus einem kleinen Spiel mit ein Paar Fleurop-Blumen eine intensive Zahllast entstehen, vergleichbar einer Sucht, die hier eines virtuellen "Dealers" bedarf. Eine gewisse Skrupellosigkeit darf da auf Anbieterseite nicht fehlen, denn: Hier wird eigentlich nur Luft verkauft, die jemand anderes aber unbedingt haben will!

Strafbar ist es nicht, Leute in dieser Art und Weise abhängig zu machen, aber eine moralische Bewertung möchte ich lieber nicht vornehmen. Ohne Nachfrage kein Angebot!

Was sagt der Psychologe?

Im Interview konntet ihr lesen, dass Paypig Rolf schlussendlich einen Psychologen aufsuchte. Das sagt der Fachmann zum Thema Paypig:

"Männer, die sich zum Geldsklaven entwickeln, haben in der Regel eine gestörte Persönlichkeit und eine damit verbundene erotische Abnormität. Sie sind oft der Meinung, sie müssten sich für etwas bestrafen, für etwas, was sie vermeintlich getan haben. Dies kann auf sexueller Ebene liegen, aber auch in Erziehung oder Sozialstatus verankert sein.

Die Anonymität ist wichtig, man schämt sich für die Neigung und käme nie auf die Idee, devot/dominante Fantasien in der wirklichen Welt auszuleben. Selbstschädigendes Verhalten liegt vor, denn das Verprassen von Geld und das Verschenken von sonstigen Wertgegenständen reißt irgendwann ein Loch.

Und dann wird es eng … wenn man nicht mehr "geben" kann, fühlt man sich wertlos und gerät leicht in Depression, weil die besondere und als übermäßig wichtig empfundene Beziehung oder Abhängigkeit nicht mehr vorhanden ist."

© Text: Howard Chance, dieser Artikel stammt aus dem PO Magazin November / Dezember 2009 und wurde uns freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

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