Tantra - die Haltung - war und ist ein Leben lang in mir. Ich wusste das nur lange nicht.
Schon früh hatte ich ein Problem damit, wenn manche Leute andere "einfach so" be- und verurteilten. Dass es mich berührte war ausschlaggebend dafür, dass ich weiter forschte. Und irgendwann lernte, dass "das so ist und ich nicht wiederum darüber zu urteilen habe - auch nicht für mich selbst".
Dann kam irgendwann die Erkenntnis, dass ich in Wirklichkeit polyamor eingestellt bin - und oh Wunder: Bei all der Bigotterie meiner Vorfahren, mehrere Beziehungen zu haben und gleichzeitig mir diese eine vor der Ehe madig machen zu wollen - nun ja - eben so ist. Nicht gut für mich - und seis drum was auch immer für alle diejenigen, die so lebten und mir Schmerz zugefügt haben. - Ich habe gelernt, zu verzeihen - und mir wurde - ein weiteres Wunder - genau aus jener Ecke auch Verständnis und im Nachhinein sogar eine Art "Absolution" erteilt. Nämlich die Aussage "früher habe ich dich (mich) nicht akzeptiert, aber heute sage ich Dir - gehe Deinen Weg weiter und es ist gut so."
Dann kam sehr spät die Erkenntnis, dass der "Samen des Tantras" ausgerechnet auch in denen keimt, die nach außen hin diese Haltung ablehnen. Leider sehr spät aber nicht "zu spät".
Die Workshops: Schon vor Jahrzehnten nahm ich an allen möglichen Workshops teil. Da ging es um "die üblichen Achtsamkeitsübungen" - sich gegenseitig zu würdigen, zu berühren, ein Nein zu akzeptieren, auch "ich liebe Dich" auszusprechen, und auch selbst anzunehmen.
In einem dieser Seminare kam es zu zögernden gegenseitigen Berührungen - sorgfältig die Grenzen des Übungspartner achtend und bloß nicht zu überschreiten. In einer dieser Übungen küsste ich die Übungspartnerin - ich spürte dass das dran war und es wurde sehr inniglich erwidert. Es war stimmig - wir trugen Augenbinden - ich weiß noch nicht einmal, wer diese Partnerin war und wie sie aussieht. Aber es war eine spürbar tantrische Begegnung. Sex war gar nicht "dran" - aber es war dran, zu spüren, was mein Gegenüber wünscht und was nicht.
Dieselbe Übung mit einer anderen Dame endete in einem Fiasko - die geringste Berührung in dieselbe Richtung ergab einen Abbruch und einen Weinkrampf. Ich machte mir Sorgen, nicht achtsam genug gewesen zu sein. Einen Vorwurf an mich gab es aber gar nicht.
Zu lernen, dass es nicht immer an mir selbst liegt, wie mein gegenüber reagiert, mich auch abzugrenzen und innerlich zu lösen von dem, was meine Umgebung macht und wie andere auf mich reagieren, war ein weiterer wichtiger Schritt auf meinem Weg. Auch auf dem Weg zur Selbst-Annahme und Selbst-Sicherheit. Man darf egal was sein - nur nicht übergriffig. Man darf auch mal "Arschloch" zu jemandem sagen - es kommt aber auch durchaus darauf an, ob der andere auch "tantrisch drauf ist" oder eine Strafanzeige verfasst. - Das zu unterscheiden ist wichtig.
Und somit der nächste Schritt: Mit welchen Menschen umgebe ich mich - in welcher Gesellschaft halte ich mich auf. Wo wohne ich, in welcher Stadt, in welchem sozialen und beruflichen und privatem Umfeld.
Für sich selbst zu sorgen beinhaltet auch dieses.
Meine Welt baue ich mir zur Zeit und der Weg ist steinig. Und heißt oft auch "loslassen".
Im sexuellen Bereich - abgesehen von diesem sinnlichen tantrischen Kuss gab es dann auch mal eine Übung in einem Seminar. Dreier-Sex-Übungen - zwei Männer eine Frau. Es artete in einem sinnlosem Herumgewichse aus - auch so etwas muss man akzeptieren und danach beiseite legen. Das ist weder Tantra noch Massage noch sonstwas, sondern einfach nur "momentane Geilheit". Aus tantrischer Sicht gehört auch das zu Menschen - man muss es aber nicht unbedingt suchen und finden.
Irgendwann hatte ich auch mal ein sogenanntes BONDING-Seminar. Nicht das was man im JC häufig darunter bzw BDSM versteht, sondern das ursprüngliche Bonding. Das Aushalten, wenn es gefühlsmäßig extrem hart wird. In engstem Körperkontakt mit einem Übungspartner auf der Matte zu liegen, der nur noch brüllt, schreit weint, bis einem selbst "die Ohren abfallen". Das ist wirklich sehr schwer zu ertragen. Ich musste da durch - ich bin da durch. Ich will es nicht mehr, bin aber froh über diese Erfahrung. Und ich habe gelernt, auch mit extremen Gefühlen von anderen umzugehen - das hilft mir immer dann, wenn ich selbst in der Rolle des Gebenden, des Coach, des Beraters, des Partners - oder einfach nur des Freundes und Menschen an der Seite bin. Auffangen können und gleichzeitig auf Distanz zu sein. Denn anders ist es gar nicht möglich, jemandem zu helfen ohne in eine Co-Rolle zu gehen.
Dann kam eine Anleitung von einer Frau, welche in Tantra-Massage ausgebildet war. Sie lehrte mich, sinnliche Massagen zu empfangen und zu geben. Ein Schnelldurchgang, in dem ich "learning by doing" sehr viel lernte. Und anschließend ganz woanders in anderen Sessions auch in der Lage war, das anzuwenden und weiter zu vermitteln. Ohne eigentliche eigene Ausbildung - nun ja, auch im ursprünglichen Beruf bin ich weitgehend Autodidakt - lese viel, höre NULL Podcasts und schaue kaum Videos. Aber wenn ich lese, habe ich vor meinem inneren Auge entsprechende Bilder. Und erinnere mich dann in den den Momenten, wo ich Gelegenheit habe, dies selbst anzuwenden.
In letzter Zeit kamen dann Seminare mit einem eindeutigen auch erotischen Aspekt dazu. In der zweiten Halbzeit auch im Lunghi (oder ganz ohne) sinnliche Berührungen bis hin zu sexueller Lust zu probieren und mit dem jeweiligen Übungs-Partner (Partnerin) auszuloten, wohin die Reise geht. Unter Aufsicht - und unter Berücksichtigung all des zuvor erlernten. Vor allem auch - Sehnsüchte zu erspüren - aber auch Grenzen zu spüren und zu respektieren.
Längs dieses Weges entdeckte ich eine gewisse Bi-Ader. Das heißt, keinen Unterschied in einer Session zu machen, ob ich mit einem Mann oder einer Frau zusammen bin. Und das auch - experimentell - im "real Live". Und das auch mit Personen, die "transgender" sind. Somit diese Grenze im Kopf, welche das Geschlecht definiert, zu durchbrechen. Es geht um Menschen, gleich welchen Ursprungs, welcher Herkunft, Geburt und gleich welchen Geschlechtes.
So - hier stieß ich zuletzt an die Grenzen der Anbieter. Und das macht mich keineswegs "fassungslos" sondern gehört genauso dazu wie alles andere auch. Tantra berücksichtigt alles, was sein darf. NAtürlich "reibe ich mich daran" und stelle zur Diskussion. Die Haltung des gegenübers bedingungslos zu akzeptieren, ist AUCH TANTRA.
Ich würde mir das überall in unserer Gesellschaft, Politik, Wirtschaft auch wünschen.
In diesem Zusammenhang fällt mir ein inspirierendes Lied von Andre Heller ein - Zitat:
Und wenn ein Mann einen Mann liebt
Soll er ihn lieben, wenn er ihn liebt
Denn ich will, dass es das alles gibt, was es gibt
Und wenn eine Frau, eine Frau liebt
Soll sie sie lieben, wenn sie sie liebt
Denn ich will, dass es das alles gibt, was es gibt
Denn ich will, ja ich will
Ja ich will, dass es das alles gibt, was es gibt
Denn ich will, ja ich will
Ja ich will, dass es das alles gibt, was es gibt
Und wenn ein Hirte sein Lamm liebt
Soll er es lieben, wenn er es liebt
Denn ich will, dass es das alles gibt, was es gibt
Und, wenn du glaubst, dass du mich liebst
Sollst du mich lieben, wenn du mich liebst
Denn ich will, dass es das alles gibt, was es gibt
Denn ich will, ja ich will
Ja ich will, dass es das alles gibt, was es gibt
Denn ich will, ja ich will
Ja ich will, dass es das alles gibt, was es gibt
/Zitat Ende.
Das Lied gibt es natürlich auch auf Youtube.
Dieser Text hat mich als Jugendlicher "schwer abgestoßen" - später lernte ich, ihn zu lieben und zu verinnerlichen.
Das ist für mich der Weg von "erster Begegnung mit Tantra" bis zu meinem heutigen Stand.
Es gab NIEMALS einen einzigen Anstoß, sondern es fügte sich stets eines ins andere.