Reflexion
Weil ich den Austausch und die Antworten insbesondere in der Tantra Gruppe immer sehr wertgeschätzt und darin für mich immer gute Anknüpfungspunkte gefunden habe (ich will jetzt nicht sagen, ich würde die Gruppe als Therapieersatz missverstehen), will ich gerne meine Situation aufschreiben und ganz nett um lebhafte und kritische Antworten bitten. Seit drei Monaten treffe ich eine Frau, die ich hier im JC kennengelernt habe. Wir haben schnell gemerkt, dass wir sowohl mental, als auch körperlich auf einer Wellenlänge sind. Die gesamte Zeit war für mich wirklich wunderschön, wir haben uns ineinander verliebt sind wohl jetzt sowas wie ein Paar. Sie selbst ist 9 Jahre älter als ich, hat auch schon zwei Kinder, was für mich aber auch kein „Thema“ ist. Sie hat oft gesagt, dass sie sich freuen würde, wenn ich diese irgendwann kennenlernen würde. Wir haben uns da noch zurückgehalten, einfach um den Kindern keine Brüche zuzumuten und sicher zu sein. Sie hat mich vielen ihrer Freunde vorgestellt, ich mag die auch alle. Ganz zu Beginn unserer Zeit wollten wir einfach jemanden kennenlernen, haben beide niemanden gesucht, uns dann aber doch gefunden.
Summa summarum #1: ich weiß ihre Art, ihr Wesen sehr zu schätzen, ich mag sie sehr sehr gerne.
Schon zu Beginn hatte sie immer mal wieder angedeutet, dass sie sich längerfristig eher etwas Offenes vorstellt. Ich war damit immer d‘accord, oder hatte dem im Eifer des Gefechts keine große Beachtung geschenkt. Gestern kamen wir also auf ihre vorige Beziehung zu sprechen und sie sagte, dass sie zu Beginn des letzten Jahres gemerkt hatte, dass sie dort nicht mehr an der richtigen Stelle ist und hinter seinem Rücken mit einem anderen Mann schlief. Mir hat sich gestern der Magen quasi umgedreht, ich wollte in der Nacht nicht wirklich Körperkontakt, zog mich etwas zurück, auch wenn wir dann später am frühen Morgen doch wieder sehr leidenschaftlich miteinander waren, nachdem ich ihr sagte, warum ich gerade nicht schlafen konnte. Sie sagte in dem kurzen „Nachtgespräch“, dass sie das jetzt gerade nicht beabsichtige und sich freuen würde, wenn wir ein gemeinsames Vertrauen aufbauen und irgendwann einmal gemeinsam einen Schritt weitergehen. Sie war von Beginn an sehr offen, was auch den Kontakt zu früheren Liebhabern angeht.
Summa summarum #2: Vielleicht ist es einfach dem Altersunterschied oder ihrer anderen Art der Sozialisierung geschuldet, dass sie da anders mit umgehen kann.
Hinsichtlich meiner eigenen Beziehungsbiographie (sowohl familiär als auch liebestechnisch) sehe ich mich selbst als eine Art „gebranntes Kind“. Verlusterfahrungen spielen eine sehr bedeutende Rolle. Meine Ursprungsfamilie erweist sich rückblickend als sehr unstabil und schicksalbeladen. Meinen Vater sehe ich als einen Narzissten, meinen Bruder habe ich vor drei Jahren verloren durch Suizid, mit meiner Mutter hatte ich viele Jahre keinen Kontakt mehr. Meine erste wirkliche Beziehung mit 15 war sehr schön, endete letzten Endes aber damit, dass sich herausstellte, dass sie mit meinem besten Freund hinter meinem Rücken schlief. Meine zweite und auch letzte Beziehung war ebenfalls lange schön, endete aber ebenfalls damit, dass sie nach dem Tod meines Bruders mit meinem Hund von dannen zog, den ich damals echt gebraucht hätte, um zu trauern. Es war auch teilweise meine Schuld, dass das alles so verlief, weil ich schon in dieser zweiten Beziehung mit Eifersuchtsproblemen zu kämpfen hatte, auch sie war 12 Jahre älter als ich. Die letzten Jahre seit der Trauer hatte ich immer mal wieder kurze Techtelmechtel, zog mich aber immer wieder zurück, sobald es ernst wurde. Ich konnte mich irgendwie noch nie liebestechnisch zu gleichaltrigen oder jüngeren Frauen wirklich hingezogen fühlen, meistens, weil ich die Charaktere nicht gewappnet für meine Situation oder ein zu junges Wesen hinter dem Menschen sah, bei dem ich mich nicht verstanden und gesehen fühlte.
Auch wenn ich wirklich eher vom Typ Mensch bin, der andere nicht von ihrem eigenen Weg abbringen oder sie verbiegen möchte, befinde ich mich seit gestern in einer Art Angstspirale, die ich aus meiner letzten Beziehung kenne. Was, wenn sie mich betrügt. Was, wenn, was wenn. Es schmerzt mich.
Ich weiß nicht, wie ich gerade mit der Situation umgehen soll. In der Voraussicht, dass ich wenn es soweit ist erstmal wieder mit mir selbst zu kämpfen haben werde, alle Zelte abbrechen und das lieber sein lassen? Versuchen, zu wachsen in dieser Situation und scheinbar eine alte Wunde erkennen und behandeln ? Aber wie ? Grundsätzlich sprachen mich solche Beziehungskonstellationen ja immer etwas an. Aber ich gestehe mir selbst gerade ein, dass ich Vertrauensprobleme und sowas wie eine Bindungsstörung habe und weiß nicht weiter damit. Ich habe eine zweijährige Therapie gemacht, da ging es aber eher um meine Trauer und die ist zu Ende. Eine weitere ist also erstmal keine Option. Während meiner Trauer hatte ich studiert, das war eine verdammt harte Zeit, wurde letzten Sommer depressiv und habe mich seit einiger Zeit wieder gefangen und gehe jetzt auch einer Arbeit nach. Irgendwie scheint mein Leben wieder leichte Aufwärtstendenzen zu haben, aber da ist echt noch ein Wunder Punkt an mir.




















