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Dialog

**da Mann
294 Beiträge
Themenersteller Gruppen-Mod 
Dialog
Biochemie mit Marketingabteilung oder der richtige Fehler

Der Regen prasselte gegen die Fenster der kleinen Bar namens „Letzter Trost“. Ein Ort für gebrochene Herzen, gescheiterte Existenzen und Menschen, die behaupteten, sie hätten alles im Griff.

Clara sass am Tresen, nippte an ihrem viel zu starken Negroni und betrachtete ihr Spiegelbild in der Flasche. „Romantik ist bloss Biochemie mit Marketingabteilung“, murmelte sie.

Neben ihr setzte sich ein Mann in schwarzem Hemd. Natürlich schwarz. Männer, die etwas darstellen wollten, trugen immer schwarz. Er roch nach teurem Parfum und fragwürdigen Entscheidungen.

„Warten Sie auf jemanden?“ fragte er.

„Nur auf den Tod oder ein Wunder. Je nachdem, wer zuerst kommt.“

Er lächelte. „Darf ich mich dazwischen drängen?“

Clara musterte ihn langsam, genüsslich. „Nur wenn Sie nicht langweilig sind. Ich habe eine Allergie gegen Langeweile. Sie äussert sich in Sarkasmus.“

„Wie praktisch“, sagte er. „Ich reagiere auf Ironie mit körperlicher Nähe.“

„Ein Risiko“, erwiderte sie trocken. „Manche Menschen verlieren dabei die Kontrolle.“

„Manche Menschen suchen genau das.“

Es war einer dieser Dialoge, die so gefährlich waren wie ein Streichholz in einer Benzinpfütze. Keiner wollte der Erste sein, der es fallen liess. Also liessen sie es beide.

Später standen sie in seiner Wohnung. Minimalistisch eingerichtet. Viel Glas, viel Beton, viel „Ich habe Gefühle, aber nur montags“.

Er trat näher, langsam, prüfend. Seine Hand glitt an ihre Taille. Nicht hastig, nicht plump. Eher wie jemand, der weiss, dass Geduld die schärfste Waffe ist.

„Sie zittern“, flüsterte er.

„Ich friere nicht“, sagte sie. „Ich entscheide.“

Seine Lippen fanden ihren Hals. Warm. Fordernd. Clara schloss die Augen, nicht aus Schwäche, sondern aus Konzentration. Jede Berührung war ein kleines Duell. Ein Spiel aus Nähe und Kontrolle.

Sie zog ihn an sich, biss ihm leicht in die Unterlippe. „Nur damit wir uns verstehen“, hauchte sie, „wenn ich morgen verschwinde, liegt es nicht an Ihnen. Es liegt an meiner ausgezeichneten Fluchtstrategie.“

Er lachte leise, während seine Finger über ihren Rücken wanderten, unter Stoff, über Haut. Ihre Körper fanden zueinander mit einer Mischung aus Neugier und Hunger. Kein süsses Kitschtheater, sondern ein ehrliches, leicht zynisches Begehren.

Als sie schliesslich eng aneinandergeschmiegt auf dem kühlen Boden lagen, atemlos und leicht zerzaust, starrte Clara an die Decke.

„Und?“ fragte er.

„Überraschend gut“, sagte sie nüchtern. „Ich hatte mit mehr Enttäuschung gerechnet.“

Er drehte sich zu ihr. „Bleiben Sie?“

Sie lächelte schief. „Ich bleibe nie. Aber ich wiederhole ausgezeichnete Fehler.“

Draussen hatte der Regen aufgehört. Drinnen begann etwas, das weder Liebe noch Vernunft war. Eher der richtige Fehler. Und beide wussten: Genau deshalb würden sie ihn wiederholen.
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