Kleine Geschichte
Ein Koch und der SkilehrerMorgen beginnt der März – das Ende des Winters naht. Verabschieden wir ihn mit einer kleinen Geschichte.
Die Sonne stand tief über den Bergen, tauchte die Schneelandschaft in warmes Licht. Ich schnallte meine Skier ab und sah zu Julia, die atemlos neben mir stand. Ihr Gesicht war gerötet von der Anstrengung – und vielleicht auch von der Aufregung. Ich hatte sie heute herausgefordert, sie an ihre Grenzen gebracht, und doch hatte sie jede Abfahrt mit Bravour gemeistert.
„Nicht schlecht für eine Stadtfrau“, sagte ich mit einem Grinsen.
Sie lachte und boxte mir spielerisch gegen den Arm. „Und nicht schlecht für einen Skilehrer, der so streng ist.“
Ich deutete auf die kleine Alphütte ein paar Meter weiter. „Lass uns da reingehen. Ich kenne den Wirt, und er hat einen hervorragenden Wein.“
Drinnen war es angenehm warm. Der Kamin knisterte, und der Duft von brennendem Holz erfüllte die Stube. Ich zog die Handschuhe aus und schenkte uns ein Glas tiefroten Wein ein.
„Auf deine Ausdauer“, sagte ich und stiess mit ihr an.
„Und auf deine Geduld“, erwiderte sie mit einem Lächeln.
Sie nahm einen Schluck, ihre Lippen umspielt von einem zufriedenen Ausdruck. Dann wollte sie sich auf die Holzbank setzen, trat jedoch unglücklich auf einen glatten Fleck auf dem Boden. Ihr Fuss rutschte weg, und mit einem überraschten Laut fiel sie nach hinten.
„Alles in Ordnung?“ Ich war sofort bei ihr.
Sie lachte leise. „Ja, nur mein Stolz ist ein bisschen angeschlagen.“
Ich musterte sie kurz. „Du bist den ganzen Tag gefahren, kein Wunder, dass deine Beine müde sind.“
„Sie brennen wie Feuer.“
In diesem Moment kam der Wirt zu uns und zog sich die dicke Jacke über. „Es kommt ein Schneesturm auf. Ich muss ins Tal, bevor es nicht mehr geht. Doch ihr dürft gerne hierbleiben. Für die Lady ist es sicherer, nicht mehr bei dem aufkommenden Wetter ins Tal zu fahren.“ Er zwinkerte mir zu. „Du kennst ja alles hier und wirst dich bestimmt um ihr Wohlergehen kümmern.“
Ich nickte. „Keine Sorge, ich passe auf sie auf.“
Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel, war es auf einmal still. Nur das Knistern des Feuers war zu hören. Ich griff nach der kleinen Flasche Öl, die neben dem Kamin stand. „Dann solltest du dir eine Massage gönnen.“
Sie hob eine Augenbraue. „Bist du etwa auch Masseur?“
„Ich bin ein Mann mit vielen Talenten“, entgegnete ich mit einem Grinsen.
Ich kniete mich neben sie und liess das warme Öl über ihre Waden gleiten. Sanft begann ich, ihre Muskeln zu kneten, arbeitete mich langsam nach oben. Sie schloss die Augen, seufzte leise, als ich ihre verspannten Oberschenkel massierte.
„Fühlt sich gut an?“ fragte ich leise.
„Mhm“, kam es kaum hörbar über ihre Lippen.
Meine Hände wanderten weiter, erkundeten, fühlten. Ihre Haut war warm unter meinen Fingern, ihr Atem verlangsamte sich. Draussen fiel der Schnee dicht, der Wind rüttelte an den Fenstern – doch hier drinnen war es heiss. Sehr heiss.
Am nächsten Morgen wurde ich von leichten Geräuschen geweckt. Julia war bereits aufgestanden, stand am Fenster und blickte hinaus auf die glitzernde Schneelandschaft. Sie drehte sich um, als die Tür aufging und der Wirt wieder eintrat.
Er lächelte uns verschmitzt an. „Guten Morgen! Geht es der Lady gut? Kann sie selber ins Tal fahren?“
Julia errötete leicht, senkte kurz den Blick und strich sich eine Haarsträhne hinters Ohr. Dann antwortete sie leise, aber bestimmt: „Ja, mir geht es gut. Ich kann fahren.“
Der Wirt grinste. „Sehr schön. Dann wünsche ich euch eine sichere Abfahrt.“
Als wir hinausgehen wollten, packte mich der Wirt am Arm und sagte mit einem breiten Grinsen: „Okay, du Skilehrer – nächste Woche bist du wieder der Koch, und ich mache meinen Job weiter als Skilehrer!




