Demonia Teil 1
Am Abend vor meinem Urlaub mache ich gerade den dritten Koffer auf die altbewährte Methode zu - 'draufsetzen - als es an meiner Tür klingelt. Und wahrscheinlich habe ich schon australischen Sand unter den Füßen, oder, noch wahrscheinlicher, schon einen gehörigen Sonnenstich. Wie sonst soll ich mir erklären, daß ich einfach aufmache. Wenn man als Frau alleine lebt, sollten gewisse Vorsichtsmassnahmen eigentlich schon unterbewusst ablaufen. Aber ich gucke nicht durch den Spion, schiebe nicht die Kette vor, gehe nicht über Los, kriege kein Geld, und lande sozusagen auch prompt im Gefängnis. Die Frau vor meiner Haustür ist vielleicht zwei oder drei Zentimeter kleiner als ich, mit offenen, schwarzen Haaren, die in dicken Locken ihren Rücken herunterfliessen. Sie wirkt zierlich, trägt sich mit der tadelloser Haltung einer Ballerina, die aber Kraft zu kosten scheint, als wäre sie sehr müde. Wie jemand, der sich zu lange zu sehr angestrengt hat, etwas zu lange auf körperlichem Kredit gelebt hat. Ihre Haut ist hell, fast bleich, und auch wenn sie ein heller Typ ist, sieht sie nicht gesund aus. Wäre da nicht ihre Kleidung - eine Kombination aus schwarzem Leder und dickem schwarzen Stoff, teuer, wie die Kleidung eines Samurais, der sehr leicht friert - würde ich sie für einen Junkie halten. Aber ihre ganze Art spricht dagegen, sie sieht zu stolz aus, fast arrogant, und unendlich selbstbewusst. Nur müde. Sie könnte auch eine Reise in die Sonne vertragen, denke ich. Und zwölf Stunden Schlaf. Auf dem Boden neben ihren Stiefeln steht eine Sporttasche blaues Nylon, die überhaupt nicht zu ihrem Outfit passt. "Hallo Claudia." sagt sie. Ihre Stimme ist weich, mit einem slavischen oder polnischen Akzent, was zu ihren Wangenknochen passt. Ihre Augen sind dunkelbraun, so dunkel, daß man bei dem Flurlicht nicht sehen kann, wo die Pupille anfängt. Irgendwas stimmt nicht mit ihrem Gesicht, so fein und schön es auch ist. Selbst beim zweiten Hingucken kann ich nicht sagen, was, aber da passt etwas nicht. Eins ist sicher: ich habe diese Frau noch nie in meinem Leben gesehen. "Kennen wir uns?" Sie lächelt, sehr grade Zähne zwischen roten Lippen. Ich spüre einen kurzen Stich des Neids - die Frau ist wunderschön. Nur völlig übernächtigt. "Noch nicht," sagt sie. "Ich -" Weiter komme ich nicht. Mit beiden Armen stösst sie mich plötzlich nach hinten, einen Stiefel gegen die Tür gestemmt. Auch wenn ich gewusst hätte, was sie vor hat, hätte ich es wahrscheinlich nicht verhindern können. Ungeheuere Kraft liegt in diesem Stoß, mehr, als eine Frau dieser Größe eigentlich haben dürfte. Ich taumele nach hinten, falle hin, lande hart auf der rechten Schulter, schlage mittelschwer mit dem Kopf auf. Sofort steht sie über mir, hockt auf mir, und eine kühle Hand greift in meinen Kragen, an meine Halsseite. Weit entfernt höre ich meine Tür zufallen. "Aber das ändern wir jetzt, Claudia." Ich bringe grade mal die Arme hoch, nicht genug, um die Finger an meinem Hals abzuwehren. Mit Daumen und Zei gefingergreift sie einmal zu, dann nochmal, ihre langen Fingernägel spitz auf meiner Haut. Beim dritten Ma l heuleich auf, meine Schulter wird zu einem Eismeer aus Schmerz. Sie hat ein Nervenbündel getroffen, mein Arm ist gelähmt. "Und zwar sehr bald." Ich stöhne nur, immer noch von dem Sturz benommen, von dem Schmerz wie betäubt. Und dann wird alles schwarz. Ich finde mich auf meinem Bett wieder, einen dumpfen Schmerz in der rechten Schulter von dem Fall, und mir ist heiß, schweisstreibend heiß, sie muß die Heizung aufgedreht haben. Ich liege auf der rechten Seite, unter meiner Wange ist der Bettbezug nass, und ich bin gefesselt, Hände auf dem Rücken, Knöchel zusammen. Der Gummiball in meinem Mund kommt mir schrecklich bekannt vor. Mit etwas Mühe kann ich mich auf den Rücken drehen, mein Kopfkissen ist mir in den Rücken gedrückt worden. Stabile Seitenlage, fällt mir ein. Oder soweit es unter den Bedingungen möglich ist. Die Frau ist nirgendswo zu sehen. Ich hatte meine drei Koffer auf dem Bett ausgebreitet, jetzt stehen sie sauber gestapelt auf dem Fußboden. Es sieht nicht so aus, als wären sie durchwühlt worden. Mein verspiegelter Wandschrank ist auch noch geschlossen, auch der Teil, wo mein Schmuck liegt. Die Tür zum Wohnzimmer ist offen, aber vom Bett aus kann ich nichts sehen, und zu hören ist auch nichts. Und die Heizung ist wirklich an, mitteln im August steht sie auf fünf. Etwas Abseits von der Heizung, unter dem Tisch mit meinem kleinen Fernseher, steht ihre Sporttasche. Sie ist prallgepackt. Vom Bett aus kann ich den Namen auf der Seite nicht lesen. Schritte von der Tür zum Wohnzimmer, harte Schritte, ihre Absätze auf Stein. Die Frau ist in der Küche. Meiner Küche. Vielleicht doch ein hungriger Junkie. Meine Unterarme sind prallel zueinander gebunden, Finger zu Ellenbogen, so daß sie in der Wölbung meiner Ledenwirbelsäule passen, wenn ich auf dem Rücken liege. Mit dem Zeigefinger einer Hand kann ich die Stricke um meine Oberarme fühlen, und ansatzweise sehe ich die Seile, die über mein Schultern verlaufen. Nirgendswo kann ich einen Knoten sehen oder fühlen. Meine Knöchel sind auf einer Strecke von mindestens zehn Zentimeter zusammengebunden, und drei oder vier Turns ziehen die einzelnen Schlingen fester zusammen. Ich erkenne das Seil, es gehört mir, und wohnt sonst in einem Ledersack mit meinem anderem Spielzeug unter dem Fußende meines Betts. Den Ballknebel in meinem Mund kommt aus der gleichen Sammelung, es ist aus hartem Kunststoff, hohl, mit Löchern, von einem Rasentennisspiel meines Cousins. Durch die Löcher kann man ungehindert atmen, sabbert aber wie ein Schwein. Daher der nasse Fleck auf dem Bett. Sie kennt den Seesack mit meinen Spielzeugen, oder sie hat ihn sehr schnell gefunden. Sie kann knoten, fesseln, und ist ungeheuer stark. Sie hat mich nicht ausgeraubt, und sie hat sich die Mühe gemacht, mich vor dem Ersticken zu bewahren. Wie sie an meine Schulter gegriffen hat wirkte fast professionell. Und sie mag es heiß, kleine Schweissstraßen beginnen an meinen Achseln und Rücken herunterzulaufen. Ich bin froh, daß ich nur ein T-Shirt und Shorts anhabe. Zusammenfassung: Ich bin in Schwierigkeiten, und Australien kann ich mir erstmal von der Backe schmieren. Sie kommt ins Schlafzimmer, immer noch in ihrer Lederkombination, in der einen Hand einer meiner Glaskrüge, randvoll mit Wasser. Sie setzt sich zu mir aufs Bett, fast wie eine Ärztin, die einen kranken Patienten besucht. Das Wasser im Krug ist ohne Kohlensäure, Leitungswasser. Auch jetzt kann ich nichtsehen, wo die Pupillen aufhören, was für eine Augenfarbe sie hat. Und mit ihrem Gesicht stimmt w irklichetwas nicht, es wirkt irgendwie künstlich. Eine Maske? Plastische Chirurgie? "Du heißt Claudia Weberleid," sagt sie, "bist 23 Jahre alt und studierst seit zwei Jahren Biologie hier an der Uni Müns ter.Dein Vater ist Chemiker und deine Mutter hat Geschichte studiert. Du hast keine Geschwister. Dein letzter Freund hiess Peter, und du hast dich von ihm getrennt, da er dir nicht einflühlsam genug war. Und bei deinen Neigungen brauchst du jemand, der wirklich sehr einfühlsam ist, nicht wahr, Claudia." Sie macht eine Pause, nimmt einen großen Schluck aus dem Krug. Ich bin wie erschlagen. Was zum Teufel - "Eigentlich hast du vor, morgen früh mit Lufthansa 221 von Düsseldorf aus für vier Wochen nach Australien zu fliegen. Die Blumen hat der Nachbar, und deine Katze - ein peinlich dickes Tier na mesFabian - hat eine Freundin von dir namens Birgit Schäfer. Die anderen Mitbewohner im Haus sind seit einer Woche weg, und bleiben noch fünf Wochen in Spanien und Belgien. Niemand wird vorbeikommen, niemand wird hier anrufen, und niemand erwartet, daß du in den nächsten vier Wochen erreichbar sein wirst." Sie nimmt noch einen Schluck aus dem Krug, und dann noch einen, und dann ist er leer. Mit einem Finger wischt sie sich elegant die Lippen ab, stellt den Krug vorsichtig auf den Fußboden. Diese Frau weiß alles über mich, oder kann es auf jeden Fall gut vorspielen. Ich bin nicht nur in Schwierigkeiten, sondern in großen Schwierigkeiten. Vielleicht sogar in ganz großen Schwierigkeiten. "Und niemand kann dich hören. Wirst du Ärger machen, wenn ich dir den Knebel herausnehme? Du sabberst dein ganzes T-Shirt voll." Ich schüttle langsam den Kopf. Ich bin nicht in der Lage, Ärger zu machen. Gott weiß, was diese Frau von mir will. Meine Familie ist nicht reich, eine Erpressung wäre sinnlos - aber wenn sie mich haben will - "Sehr gut." Zehrr gutt. Sie kommt nicht aus Polen, vielleicht aus Kroatien oder Serbien oder so. Sie schnallt den Knebel mit einer einzigen flies sendenBewegung ab, fast zärtlich. "Was willst du von mir?" Wenn sie lächtelt, lächeln diese dunklen Augen mit, unter anderen Umständen hätte sie ein sympathisches Lachen. Mit einem Finger streicht sie eine Locke aus meinem Gesicht, ich zwinge mich dazu, nicht wegzuzucken. Ihre Hand ist kühl, angenehm in dem i mmer tropischer werdenden Klima meines Schlafzimmers. "Das, meine liebe Claudia, ist eine lange Geschichte." Dann steht sie auf und stellt sich vor die Fenster, den Rücken zu mir, die Hände auf der Heizung. Ich wohne im ersten Stock, vor meinem Schlafzimmerfenster stehen zwei alte Kastanienbäume. Regen tropft von ihren Blättern. Eigentlich wollte ich Uebermorgen vor Sydney surfen. "Ich heiße Narlinea. Ich bin dreitausend Kilometer gereist, um hier in Münster ein neues Revier aufzubauen." Sie streckt sich, Arme über den Kopf. Ihr schwarz-lederne Samurai-Ärmel rutschen nach unten, ihre Unterarme sind weiß wie Porzelan, keine Uhr, kein Schmuck, makellos. Ein Revier aufmachen? Ihr Gesicht spiegelt sich im Fenster. Für einen Moment sieht es so aus, als würde eine zweite - wie war der Name? Narlinea? - von außen hereingucken. Dieses gespiegelte Gesicht hat etwas genauso seltsames an sich, wie wenn man es direkt sieht. Fast habe ich es... "Und du wirst der Grundstock meiner Diener, meine Famula." Sie dreht sich wieder zu mir, schaut mich ernst an. "Ich werde dich nicht töten, nicht ausrauben, nicht unter Drogrn setzen, dir keine Organe entnehmen, und dich nicht länger als zwei Wochen einsperren - in vier Wochen, wenn dein Urlaub zu Ende ist, wirst du auch normal wieder arbeiten gehen." Sie dreht sich wieder dem Regen zu, legt die Hände zurück auf die Heizung, ihr Gesicht wieder im Fenster. Plötzlich weiß ich, was nicht an ihrem Gesicht stimmt: es gibt keinen Unterschied zwischen dem direkten Anblick und ihrem Spiegelbild. Ihre Züge sind völlig symetrisch. Beide Augen haben die genau die gleiche Form, die Mundwinkel sind absolut identisch, ihre Augenlider, ihre Wangenknochen. Kein Mensch hat ein völlig symetrisches Gesicht. Gerade die k leinenUnterschiede zwischen den Gesichtshälften machen das Menschliche an einem Gesicht aus. Für eine Maske ist die Mimik zu gut. Das muß chirurgisch gemacht worden sein. "Du nimmst das alles sehr gut auf",sagt sie, setzt sich wieder zu mir, beugt sich etwas nach vorne. Meine Augen kleben an ihrem Gesicht, es ist wahr, alles ist wie über die Mittellinie gespiegelt, jede Falte, fast erwartet man, daß ihre Locken sich auch in Reih und Glied einordnen. Und die Augen - "Die meisten machen etwas mehr Geschrei." - sie ist nah genug, daß ich jetzt auch ihr Augen genau sehen kann, und sehen kann, warum warum sie so dunkel wirken, warum man keinen Uebergang zwischen Pupille und Regenbogenhaut sieht. "Besser?" Sie hat mir zwei Backpfeifen gegeben, links-rechts, wie im Film, und ich habe aufgehört zu schreien. Sie hat keine Regenbogenhaut, ihre Pupille geht nahtlos in das Weisse ihres Auges über. Dort, wo Menschen noch einen farbigen Ring haben, blau, grau, braun oder grün, ist bei ihr noch mehr schwarze Pupille. Menschen brauchen die Regebogenhaut, um den Lichteinfall zu regeln. Sie offenbar nicht. "Was zum Teufel bist du?" Ich zittere etwas, aber ich habe mich wieder unter Kontrolle. Einigermassen. Diesmal kein Lächeln, die - schwarzen? - Augen ruhig und ernst. "Ich bin eine Demonia." "Kein Mensch." Ich bin zwar keine Medizinerin, sondern Biologin, aber Augen entwickeln sich nicht so bei Säugetieren, und niemand hat ein symetrisches Gesicht. Absolut niemand. "Nein. Kein Mensch. Irgend ein Affe war ein gemeinsamer Vorfahre, aber wir haben uns seitdem parallel zueinander entwickelt." Ein kurzes Lächeln, als sei in dem Satz ein Witz versteckt. "Ich habe nie etwas von 'Demonias' gehört." "Wir sind weniger als ihr. Liegt in unserer Natur." "Was -" Sie hält eine Hand hoch, unterbricht mich. Ich denke wieder, wie müde sie aussieht, ausgelaugt. "Später. Claudia, ich habe länger in überfüllten Zügen gehockt, als du dir vorstellen kannst, gar nicht zu reden von der Zeit, die ich hier in Münster herumgelaufen bin. Ich bin dreckig und müde und - hungrig. Ich werde dich etwas bequemer fesseln und erstmal duschen." Ich liege ausgestreckt auf meinem Bett, Beine weit gespreizt, die Arme zusammengebunden und zum Kopf des Betts gezogen. Ob ich so bequemer liege, ist eine Sache der Auslegung. Wenigstens liege ich nicht mehr auf meinen Armen, dafür sind jetzt meine Beine gespreizt, was die Shorts weit hochrutschen lässt. Sie hatte damit angefangen, mich wie ein X zu fesseln, was ich nie leiden konnte, aber fast so, als konnte siemeinen Unmut fühlen, brach sie ab, änderte die Fesselung. Wie ich jetzt liege, hat mich Peter immer gebunden, wie ein umgekehrtes Y, sagte er immer. Sie ist ordentlicher als Peter, wo er dazu neigte , alle Stricke zu fest zu ziehen, sind sie bei ihr nur eng. Eng aber bequem. Sie sass praktisch auf mir, als sie mich neu fesselte, ich konnte sie nicht mal beissen. Und sie ist ungeheuer stark. Die Heizung hat sie wieder auf 3 zurückgedreht, aber es ist hier immer noch wie in den Tropen - wie in Australien. Scheiße. Das Geld für den Flug kann ich mir auf jeden Fall abschminken. Sie singt unter der Dusche. Narlinea die Demonia. Wenn die Augen und das Gesicht und die Muskulatur so verschieden sind, muß diese Rasse schon ziemlich lange parallel zur Menschheit existieren. Eine andere Art Mensch? "Dämonen"? Ich spiele etwas mit dem Gedanken, und dann gebe ich mir einen Ruck, was für ein Blödsinn, kein Mensch, was soll das. Sie ist eine Verrückte, eine Satanistin oder sowas mit einer seltenen, vielleicht angeborenen Augenkrankheit. Und Verrückte sollen ja Zugang zu Muskelreserven haben, die Gesunden nur im Notfall zur Verfügung stehen. Daher die Stärke. Sie hat zwar gesagt, daß sie mir nichts tuen wird, aber Le ute, dieumherstreifen und etwas von anderen Menschenarten faseln, sind nicht sonderlich vertrauenswürdig. Gott weiß, was sie mit mir vorhat. Wengistens hat sie keine spitzen Eckzähne. Sie sitzt neben mir auf dem Bett, ihre Haare zu einem nassen Pferdeschwanz mit einem meiner Spangen zusammengefasst. Sie trägt jetzt nur noch ein T-Shirt und einen kurzen Rock, beide schwarz, beide aus ihrer Tasche. Was ich von ihrer Haut sehen kann ist so bleich wir ihr Gesicht, sie hat auf jeden Fall einen hellen Taint, aber die Hautfarbe kann selbst für sie nicht gesund sein. Ihre Haut sieht völlig glatt aus, ohne irgendwelche Haare, und auch ohne die kleinen Venen, die man manchmal an den Handgelenken von Hellhäutigeren sieht. Sie riecht nach Poison und Schampoo. Ich trage kein Poison, sie muß es mitgebracht haben. In einer Hand hat sie wieder den gläsernen Wasserkrug, wieder mit Leitungswasser gefüllt. Mein Schritt wird langsam unbequem. Vor dem Freund so zu liegen ist eine Sache, vor einer einer Einbrecherin eine ganz andere. "Viel besser." Sie nimmt einen tiefen Schluck. "Woher weisst du soviel über mich?" Sie zuckt mit den Schultern. "Ich habe dich in der Strassenbahn gesehen, und dann war klar, daß du die Richtige warst. Ich bin dir etwas gefolgt, habe einige Leute nach dir gefragt. Das ist alles." "Wie lange gefolgt?" "Vier Tage." Ganze vier Tage. Und ich habe nichts davon gemerkt. "Warum ich?" "Weil du eine Masochistin bist." Warum braucht sie eine Masochistin? Und - "Woher wusstest du das?" Etwas habe ich mich an diese Augen gewöhnt, wenn man nicht genau hinsieht, und das Licht nur in einem bestimmten Winkel kommt, kann man sich vorstellen, daß sie einfach tief braun sind. Sehr tief braun. Mein Hysterieanfall ist mir im Nachinein peinlich, und für eine werdende Biologin höchst unprofessionell. "Wir können sowas riechen." "Riechen." Sicher. "Nicht wirklich riechen. Wir fangen Stimmungen auf, spüren Emotionen. Ohne jemanden sehen zu müssen wissen wir, ob ein Mensch Angst hat, wütend ist, erregt ist. Wir empfinden das als Geruch. Warum, ist etwas kompliziert -" "Ich bin Biologin. Und nicht dum m." Sieschaut mich einen Augenblick nachdenklich an, nickt, und nimmt einen weiteren tiefen Zug aus dem Krug. Wo sie das ganze Wasser hintut, weiß ich nicht. Sie scheint nicht zu schwitzen, während sich bei mir das Wasser zwischen den Brüsten sammeln. Und wenn sie die Toilette benutzt hat, weiß sie wohl nicht, wie der Abzug funktioniert. "Was weisst du über Gehirnentwicklung?" "Jede Menge. Aber sprich langsam, ich bin Blond." Den hat sie nicht verstanden. Sie wischt sich den Mund wieder delikat ab. "Die Kernmutation, die Demonias von Menschen unterscheidet, betrifft eine bestimmte Art von Nervenzelle, die in grossen Konzentrationen in den Riechnerven, dem Duenndarm und beim Mann um die Samenkanaelchen zu finden ist." Ich nicke, uebrigens nicht ganz einfach, wenn man auf dem Ruecken gespannt ist und die Haende ueber dem Kopf gestreckt sind. "Und diese Nervenzellenart empfaengt Emotionen." sage ich. "Richtig. Da die Riechnerven weiterhin in das Riechhirn muenden, werden die Empfindungen nicht als Emotionen weitergegeben, sondern vom Riechhirn als Gerueche verschluesselt. Und wir 'riechen' dann die Emotionen." Ich sage gar nichts. Peter, mein besagter Ex, hat taeglich und mit fast religioesem Eifer 'Raumschiff Enterprise' geguckt. So einen Bloedsinn reden die auch dauernd - in sich voellig zusammenhaengend, aber eigentlich kompletter Schwachsinn. Wir muessen nur die Warpfeldspulengeneratoren mit dem Plasmainduktionsfeld koppeln, dann kann die laterale Sensorenphalanx den Subraum nach Trachionen abscannen. Tri-Tra-Trulala. Sie scheint jedes Wort zu glauben. "Und wie riecht Angst?" "Wie Kupfer." "Kupfer riecht nicht." "Echtes Kupfer nicht. Aber wenn man Kupfer riechen koennte, wuerde es so riechen, wie wir die Angst der Menschen wahrnehmen." Sie ist verrueckt. "Und wie Lust?" "Wie Gold." "Wie riecht eine Luege?" Narlinea schuettelt den Kopf. "Eine Luege ist kein Gefuehl. Aber wenn man luegt, ist das eine emotionale Belastung, und es bringt das Gefuehlsleben nach einem ganz bestimmten Muster durcheinander. Menschen sind fuer Ehrlichke it gebaut, und bei jeder Luege mischt sich etwas Scham, etwas Angst, etwas Hoffnung. Wir spueren das Muster dieser Aenderung." Ich sage gar nichts. Langsam geht sie zu weit. "Du glaubst mir nicht, nicht wahr." Ich werde einen Teufel tuen, ihr zu wiedersprechen, auf jeden Fall so lange, wie ich zum Ausweiden gespreizt vor ihr liege. Sie leert den Krug, stellt ihn auf den Boden neben dem Bett. Zwei Liter Leitungswasser in einer halben Stunde. Wenn sie weiter so ueberheizt, kann ich gleich anfangen, mitzutrinken. Sie hat lange, schoene, aber spitze Fingernaegel, sehe ich. Sehr spitze Fingernaegel. Fast wie Krallen. "Doch. Was machen die Nervenzellen im Darm?" "So ernaehren wir uns." "Von Emotionen?" "Von der Energie, die bei Emotionen frei wird und die diese Art von Nervenzellen im Darm in chemische Energie umwandeln." "Demonias ernaehern sich also von den Emotionen der Menschen." - "Nicht von allen Emotionen. D asNervengeflecht am Darmkoerper kann nur gewisse Arten von Emotionen auffangen." Sie schaut mich jetzt ganz aufmerksam an, als wuerde sie auf etwas warten. Ich habe auf einmal ein ganz schlechtes Gefuehl. "Wie eine Antenne, die nur gewisse Frequenzen emfaengt?" "Richtig." Ihr Blick hat sich nicht geaendert. "Welche Emotionen waeren das?" "Schmerz und Erniedrigung. Und im geringeren Mass auch Lust." Ich sitze auf einem der Kuechenstuehle, einer meiner harten altdeutschen Eichenstuehle, die Pet er immerals Folterstuhl bezeichnet hatte, auch wenn ich nicht darauf gefesselt war. Stricke halten mich regu ngslos,meine Knoechel sind zu den Hinterbeinen gezogen, meine Oberschenkel gespreizt, so dass die Innenseiten gegen die harten Seiten der Sitzflaeche druecken. Die Rueckenlehne geht etwas schraeg nach hinten, und sie ist schmal genug, dass meine Ellenbogen nach hinten gefuehrt werden koennen, sich fast beruehren. Ganz konnte ich sie nie zusammenbringen koennen, und zum Glueck versucht Narlinea nicht, es zu forcieren. Meine Handgelenke sind mit mindestens sechs Schleifen zusammengebunden, und stramm nach unten zu der Querstrebe zwischen den Hinterbeinen gezogen. Ein anderes Seil hat sie um meine Schultern und Hueften geschlungen, und meine Augen sind mit einem meiner Seidentuecher verbunden, unter dem sie kleine Wattebaellchen aus dem Badezimmer gelegt hat, damit ich auch wirklich nicht die Augen aufmache. Sie fesselt nach wie vor wie ein Weltmeister, stamm, ohne schmerzhaft zu sein. Und voellig ausbruchssicher. Es hat aufgehoert, lustig zu sein. "Narlinea. Das wird nicht klappen." Sie anwortet nicht. Ich kann sie hinter mir hoeren, sie kramt in meinem Spielzeugsack. Ich weiss genau, was sie dort zur Auswahl hat, zwanzig verschiedene Arten von Waescheklammern, liebevoll ueber Jahre gesammelt, ein kleiner Tick von mir; zwei Reitgerten, eine Fuenfschwaenzige, zwei Vibratoren, zwei Arten von Ballknebel, einer davon mit Geschirr, Karabinerhaken, Seile, Riemen, Handschellen... "Ich reagiere so nicht, Narlinea. Kein Masochist steht auf sowas. Wir muessen den anderen vertrauen koennen. Wir muessen den anderen lieben. Wir brauchen die Sicherheit..." Mein Mund wird trocken, ich kann meinen Herzschlag bis in meinen Hals spuehren. Peter hat mich oft in genau dieser Situation gehabt, genau auf deinem dieser Stuehle, nur, dass er nie verstanden hatte, wie die Haende untergebracht werden mussten, und dass er Augenbinden nicht leiden konnte. Und dass ich genau wusste, dass er die Grenzen einhalten wuerde. Vielleicht sogar zu sehr einhalten wuerde. Aber das war immer noch um Welten besser als ohne jedliche Absicherung zu sitzen und - "Es ist einfacher, wenn du dich entspannst, Claudia." "Bitte. Narlinea. Bitte lass' mich frei." Keine Antwort. "Narlinea -" Ich hoere ihre Schritte um mich herumkommen, bis sie vor mir steht. Mehr als ein T-Shirt und meine Shorts habe ich immer noch nicht an, und so, wie meine Arme gefesselt sind, spannt das T-Shirt eng ueber meine Brueste. Sie beugt sich nach vorne, ich zucke wie nach einem Schlag zusammen als eine ihrer Locken auf meine Schulter faellt. Sie reicht immer noch nach Schampu. "Tu' einfach so, als waere ich Peter." "Narlinea nein ich -" Kuehle Haende greifen meinen Ausschnitt, eine auf jede Seite, die scharfen Fingernaegel streifen kurz meine Haut, und mit einem ploetzlichen Ruck reisst sie mein T-Shirt bis zum Nabel auf, als wuerde Bennetton ihre Produkte aus Papier machen. Ich hoere mich
stoehnen, meine Brueste pendeln etwas nach, meine Oberschenkel an den Kanten der Sitzflaeche
gepresst, meine Fingernaegel graben sich tief in meine Handflaechen. Sie pfeift leise durch die Zaehne, ich kann darin ihr Laecheln hoeren. "Lass mich frei! Lass mich sofort frei!" Eine Hand umgreift meine linke Brust, erschreckend sanft, und der Stuhl schwankt auf nur zwei Beinen, ich winde mich fast spastisch, voellig umsonst. "Du Fotze, lasse mich hier los! Lass mich frei! Du Scheissfotze-" Die erste Klammer setzt sie genau auf die Warze. Ich weiss, dass sie mir gegenueber auf einem der Stuehle sitzt und mich beobachtet. Ich habe geschimpft und geflucht und geschriehen, bis sie mir den Ballknebel mit dem Geschirr in den Mund stopfte, die Riemen im Nacken und unter dem Kinn und auf der Stirn festzog - schmerzhaft festzog. Wenn ich mich beruhigt haette, sagte sie, wuerde sie die Riemen lockern. Und vielleicht sogar abnehmen. Und dann stopfte sie mir etwas Zylinderfoermiges in die Ohren, etwas trockenes, das langsam aufquoll und die Gehoergaenge verschlossen hat. Kleine Schaumstoffzylinder, glaube ich. Auf jeden Fall bin ich jetzt auch noch taub. Nicht voellig, aber es reicht. Es sind die gruenen Plastikklammern, alle zehn, eine auf jeder Warze und vier um den Hof, wie die Himmelsrichtungen auf einem Kompass. Die Klammern habe ich aus der Waschkueche meiner Mutter, sie waren die ersten, mit denen ich als Teenager spielte, heimlich und in unvernuemftig gefaehrlicher Selbstfesselung bei abgeschlossener Tuer und unter der Bettdecke. Sie sind wie alte Freunde, ich weiss genau, wieviel Druck sie ausueben, wie lange ich sie tragen kann. Ich habe wahnsinnige Stunden mit ihnen verbracht, auch spaeter mit Andreas, und zuletzt mit Peter. Jetzt tuen sie nur weh. Sonst nichts. Ich sitze hier schon seit mindestens einer halben Stunde, regungslos, blind, taub, stumm, irgendwo vor mir eine Wahnsinnige, die sich fuer eine Art PSI-Vampir haelt und wohl denkt, dass sie der abgegeilten Masochistin jetzt einen richtigen Gefallen tut. Ihr steht doch auf Schmerz, oder? Das ist es doch, was ihr wollt? Was denkt sie, dass ich jetzt erregt werde? Scheissfotze. Sie ist wie alle "Normalen", die nicht verstehen, nicht verstehen wollen. Andreas war genauso, tat immer so, als wuerde er es verstehen, aber er hatte es nie wirklich kapiert. Nicht da, wo es zaehlt. Es tut nur weh. So tut es nur weh. Und langsam meldet sich meine Blase, und meine Oberarme druecken gegen die Kante der Stuhllehne, und ich habe seit heute Mittag nichts gegessen. Sie kann vielleicht von meinem Schmerz leben, aber ich nicht, und ich habe auch nichts im Haus. Eigentlich sollte ich ja auf dem Weg nach Australien sein, und da laesst man den Kuehlschrank leer. Ich schlucke die Massen von Speichel, die um den Ball in meinem Mund absondert, das ist schwierig, aber ich habe Uebung. Meine Brustwarzen sind helle Punkte feinen Schmerzes in meinem regungslosem Koerper. Nichts passiert. Eigentlich ist es aber doch ironisch, muss ich mir eingestehen. Wie oft habe ich mir das so vorgestellt? Wieviele Phantasien begannen, verliefen oder endeten damit, dass ich verschnuert und meiner Sinne beraubt in der Gewalt einer fremden, unbekannten und gnadenlosen Macht gerate? Sicher, die fremde Macht war immer ein Mann mit dunklen Augen und einem Knackarsch, aber hey, man kann nicht alles haben. Wieviel Naechte habe ich im Bett gelegen und mir es so vorgestellt? Aber nicht alle Phantasien sind dazu da, um erfuellt werden. Nicht alle Fremden sollten so fremd sein, dass sie sich nicht mal der Menschheit zugehoerig fuehlen. Trotzdem, es ist fast komisch. Diese Frau fesselt gut, fast genial, eine Stunde sitze ich mindestens schon hier, aber meine Haende sind nicht kalt, nicht taub, der Knebel ist zwar streng, aber nicht wirklich brutal, und unter anderen Umstaenden... aber es sind nicht andere Umstaende, und die einzige Fluessigkeit, die ich im Moment mit meinem Unterleib in Verbindung bringe, ist meine anschwellende Blase. Es tut weh. Nichts, was ich nicht schon ausgehalten haette, wenn auch noch nie so lange, aber ohne den Schutz meiner Geilheit zieht der Schmerz haltlos und ungedaempft durch meinen Koerper. Es ist nicht geil, wirklich ueberfallen zu werden, auch wenn die Entfuehrerin fesselt wie ein japanischer Zeremonienmeister. Die Kacheln unter meinen Fuessen vibriert etwas, sie geht umher, ich fuehle eine Tuer zufallen. Kein Knoten ist tastbar, meine Knoechel sind wie angeklebt, und meine Finger koennen nur nutzlos das Seil zur Querstrebe entlangfahren, fuer doch gute drei Zentimeter. Ich rieche das Leder von den Riemen des Knebels, sonst nichts. Nicht mal das riechen kan ich noch. Eigentlich perfekt. Ich warte. Zu schade, das Wuensche manchmal in Erfuellung gehen. Sie macht die Augenbinde ab, zieht den Stoff unter den Riemen des Knebels weg, er schleift ueber meine Nase, meinen Augenbrauen. Sie zieht mir die Stoepsel aus den Ohren, es ist tatsaechlich Schaumstoff, kleine, gelbe Zylinder, Gehoerschutz fuer Sportschuetzen oder sowas. Der Knebel bleibt, sie hat ihn vor etwa einer halben Stunde lockerer gemacht, wie versprochen, wie eine Belohnung fuer einen artigen Hund. Es ist inzwischen duester im Zimmer, aber der Regen hat nicht nachgelassen. Ihre Haare sind ffen, bedecken etwas ihr kuenstliches Gesicht. Seit etwa einer Viertelstunde riecht es nach Pizza oder Spaghetti. "Komm'", sagt sie. "Wir haben deine Blase lange genug strapeziert." Woher weiss sie das? Sie loesst die Stricke, die mich an den Stuhl binden, aber die um meine Haende bleiben, und zieht mich von dem Stuhl hoch. Mein ganzer Koerper fuehlt sich wie ein Brett an, aber es ist weniger schlimm, als ich es erwartet haette. Ich bin nicht die Erste, die sie so traktiert. Vielleicht war sie wirklich mal eine Domina. Sie fuehrt mich ins Badezimmer, die Waescheklammern auf meinen Brustwarzen wippen und pendeln mit jedem Schritt wie Insektenfuehler, melden sich mit Nachdruck. Sie zieht mir die Hose bis zu den Knien und schaut mit offensichtlicher Belustigung zu, wie ich versuche, mit hinter dem Ruecken gestreckten Armen auf den Sitz zu kommen. Und dann schaut sie mir auch noch beim pinkeln zu. Wenigstens hat sie mir gerade den Knebel herausgenommen. "Fick dich." sage ich, die Zaehne zusammengebissen, den Blick auf dem Boden vor mir. Ich muss mich wegen meiner gefesselten Arme nach vorne beugen, aber wenn ich zu weit nach vorne gehe, druecken die Waescheklammern gegen meine Knie. Der Strahl unter mir scheint endlos zu gehen. "Du hast keine Ahnung, wie ausgehungert ich war." Ich schaue hoch. Sie sieht nicht mehr wie ein Junkie, nicht mehr so muede, nicht mehr so abgekaempft aus. Fast erholt. Vielleicht hat sie zwischendurch geschlafen, sage ich mir. Die Alternative ist und bleibt voellig undenkbar. "Wonach riecht Erniedrigung?" frage ich. "Erniedrigung nach Honig. Und der Schmerz deiner Brueste nach Silber." Meine Blase ist jetzt leer. Narlinea macht keine Anstalten, mir aufzuhelfen, schaut mir einfach zu, wie ich muehsam a ufstehe, mit heruntergelassenen Shorts vor ihr stehe. "Uebrigens riecht Unterwuerfigkeit nach Alabaster." Ich drehe mich zur Seite, spucke auf den Fussboden. Sie laechelt nur, aber diese Augen leuchten. "Komm jetzt. Du musst etwas essen." Sie hat wirklich den Pizzaflitzer kommen lassen. Ich esse auf dem Fussboden im Schlafzimmer, auf einem der Sofakissen, die Haende mit meinen Handschellen vor dem Koerper zusammengekettet. Sie hat fuer mich Spaghetti mit Kaesesauce bestellt, dazu Pizzabroetchen und Knoblauchbutter. Scheinbar stoert sie Knoblauch nicht, noch ein Beweiss, dass sie kein Vampir ist. Sie sitzt im Schneidersitz neben mir, ihr Ruecken voellig gerade, und sie isst tatsaechlich nichts. Aber sie hatte auch ueber eine Stunde Zeit zum Essen, ohne dass ich es bemerkt haette. Der Fernseher laeuft, die Tagesschau berichtet vom Krieg in Bosnien, ein neuer Waffenstillstand, keiner zaehlt mehr mit, wieviele es sind, und keiner glaubt wohl, dass dieser halten wird. Ihr Gesicht ist ernst. Sie sieht fast wuerdig aus mit einem ersten Gesicht. Diese Augen geben ihr eine nobele Strenge. "Kommst du aus Bosnien?" Wenn ich sie nachher der Polizei beschreibe, muss ich mehr ueber sie wissen, sage ich mir. Falls ich noch jemals zu Polizei komme. Sie schuettelt den Kopf. "Weissrussland. Dort ist unsere groesste Siedlung." "Und warum jetzt Muenster?" "Wir breiten uns wieder aus, und ich wollte die westlichste Kolonie aufmachen. Muenster liegt vom Schienen- und Autobahnnetz guenstig, und schoen nah am Ruhrgebiet." Sie dreht sich zu mir, schaut mir in die Augen. "Zwoelf Millionen Menschen wohnen im Ruhrgebiet, Claudia. Und Muenster ist vom Osten her das Sprungbrett ueberhaupt." Sie laechelt. "Und ausserdem: eine Stadt, wo die Kaefige schon an den Kirchtuermen haengen, schreit fast schon nach uns." Sie dreht sich wieder zum Fernseher, der Innenminister redet von der Verbrechensrate in Deutschland, wie sie gestiegen sei, und wieso es die Schuld der Opposition sei. "Eigentlich wollte ich eine Kolonie auf einem anderen Kontinent aufmachen, aber der Rat meinte, ich muesse mein Revier noch in der Naehe der anderen halten." "Was meintest du mit Revier?" Es ist schwierig, Knoblauchbutter auf Pizzabroetchen zu schmieren, wenn man die Handgelenke nur drei Zentimeter auseinander bringen kann. Vielleicht kann ich das Messer verstecken. Vielleicht kann ich damit etwas machen. "Weibliche Demonias haben Einzugsgebiete, genauso, wie Raubtiere ihr Revier haben." "So versteht ihr euch, als Raubtiere?" "Es gibt fuenf Milliarden Menschen auf diesem Planeten, Claudia. Reichlich Beute fuer eine intelligente Jaegerspezies." Ich kaue das letzte Pizzabroetchen, mein Kiefer immer noch etwas empfindlich von dem Knebel. Neben mir steht eine Sprudelflasche, Wein hat sie mir nicht mirbringen lassen. Anscheinend hat sie den Flitzer selbst bezahlt. "Was macht ihr mit dem Revier?" Sie kann nicht alle Leute Zuhause einsperren, ohne dass es auffaellt, denke ich mir. Irgendjemand muss schliesslich die Pizzaflitzer bedienen. Keine Antwort. Im Fernseher wird von einem Massenmoerder in Warschau berichtet. Fuer einen Moment frage ich mich, ob sie es ist, ob sie auf der Flucht hier ist, aber die Polizei in Polen kennt den Taeter, ein Mann, und er scheint seit Jahren in Warschau zu agieren. Narlinea murmelt etwas. Selbst wenn sie ernst guckt, ist keine Falte auf diesem Gesicht zu sehen. Sie sieht jetzt nicht nur ernst aus, sondern fast auch wuetend. Der Moerder, berichtet der Tagesschausprecher in der formellen, nervtoetend monotonen Sprache der ARD, sei immer noch auf freiem Fuss. Sie dreht sich wieder zu mir. "Bitte was?" "Ich wollte wissen, was ihr in eurem Revier macht." "Wir lassen uns als Dominas nieder." "Es gibt hier schon genuegend Dominas." Das soll ich glauben? Die Demonias, eine Rasse von Dominas? Sie zuckt wieder mit den Schultern, schaut zum Fernseher. Der Finanzminister verteidigt die medizinische Notwendigkeit einer Steuer fuer's Sonnenbaden. "Sie werden verdraengt werden oder sich unterordnen. Sie koennen nicht konkurrieren." Da koennte sie recht haben. Ich lehne mich zurueck, die Haende in meinem Schoss. Ich koennte die Oberarme ueber meine Brueste legen, die Warzen zudecken, aber sie sind noch zu empfindlich, zu wund nach der Klammerung. Sie hat das Handwerkliche voll drauf - obwohl, ich weiss nicht, wie sie peitscht. Irgendwas sagt mir, dass ich nicht mehr lange ohne das Wissen werde leben muessen. Ich habe Gerten nie richtig gemocht, entweder tat es immer zu weh, oder nicht weh genug. Aber Bilder haben mich immer angesprochen, Bilder von versohlten Hintern, praezise gesetze Linien als schmerzhafte Zeugen der Beherrschung. Aber selbst geschlagen werden? Lieber nicht mehr. Nicht, dass es sie interessieren wird. Allein ihr Aussehen wird sie zu einem Hit werden lassen. Ob sie sich fuer den Job hat operieren lassen? Und, was wichtiger ist, wie kriege ich endlich heraus, was sie mit mir will? "Ist 'Demonia' russisch fuer 'Domina'?" Die Tagesschau ist zuende, die ARD beginnt die Werbeschlacht. "'Demonia' ist der Ursprung von 'Domina' und von 'Daemon', oder besser, 'Demonin'. In der Antike und Mittelalter sind die beiden Begriffe aus Demonia entstanden." "Und alle Dominas haben euch kopiert." "Nein. Sie haben unsere Rolle uebernommen, als wir weniger wurden." Sie dreht sich so um, dass sie mir ins Gesicht schaut, verschraenkt die Beine neu. Sie sitzt jetzt im Lotussitz, den Ruecken immer noch gerade. Sie traegt eine Hose aus schwarzem Leder, das schwarze T-Shirt ist geblieben. Zum ersten Mal fallen mir ihre Brueste auf, durch den Stoff sehen sie fest aus, etwa so gross wie meine, die Brustwarzen spitz durch den Stoff abgehoben. Auch wenn sie kein Vampir ist, ein Vamp ist sie auf jeden Fall. "Wieso wurdet ihr weniger?" "Das ist -" "Lass mich raten, eine lange Geschichte." "- aber du wirst sie hoeren, wenn du willst. Raeum aber erstmal ab." Fuer einen Moment ueberlege ich, mich zu weigern, und sie weiss es, ihr Blick fordert mich gerade zu dazu auf. Aber sie kann mich zum Gehorsam zwingen, in meiner Wundertasche sind genuegend Spielzeuge, um mich zu motivieren. Ich stehe auf und raeume das Besteck, die Verpackung zusammen, bringe sie in die Kueche. Gut, dass ich eine Spuehlmaschine habe. Mit zusammengeketteten Haenden waere der Abwasch etwas muehsam. Sie schaut mir kurz ueber die Schulter, nur lang genug um dafuer zu sorgen, dass das Besteck wieder an seinen Platz landet. Es wird nichts mit dem Messer. Auf jeden Fall nicht heute. Eine Kerze brennt auf dem kleinen Tisch in meinem Wohnzimmer, echtes Bienenwachs, ein spaetes Geschenk von Mutter zu Weihnachten. Narlinea sitzt auf meinem Schaukelstuhl, ich liege auf meinem Sofa, die Haende wieder hinter dem Ruecken, die Knoechel zusammen, immer noch oben ohne - bei der Hitze in meinem Wohnzimmer ist mir das gar nicht so unangenehm. Sie hat mir einen Zopf geflochten, die Straenge stramm und streng. Ich habe seit Kindertagen keinen Zopf mehr gehabt. Das Gefuehl ist erniedrigend. Wie war das nochmal - Erniedrigung ist wie Honig, Schmerzen sind wie Silber, und Unterwuerfigkeit ist Alabaster? Glaubt diese Frau wirklich, dass sie an mir jemals den Geruch von Unterwerfung riechen wird? Narlinea erzaehlt mir von Demonias, von einer Rasse, die es nur noch in Europa und Japan geben soll - keine Demonias in Amerika. Ich haette gedacht, dass Kalifornien voll davon waere...
"Paart ihr euch mit Menschen?" Ihr Lachen wirkt fast sympathisch, selbst, wenn sie ueber mich lacht. Es ist diese Art, wie diese Augen immer mitlachen. "Nein." "Aber euer Aussehen." "Unser Aussehen aehnelt dem unseres Wirtes, damit wir nicht auffallen." Die erste groesste Anzahl von Demonias habe sich im Mittelalter ausgebreitet. Damals konnten sie sich nur von Schmerzen, von Demuetigung ernaehren, noch nicht von Lust - das kam spaeter. Vermutlich hatten sich die Ur-Demonias nur von Schmerz ernaehren koennen, aber das ist Spekulation. Demonias waeren bei der Inquisition gewesen, bei den Kriegen, bei Kaempfen und Grausamkeiten aller Art. Die Faehigkeit, auf die Kombination von Lust und Schmerz zu Reagieren, sei erst gegen Ende des Mittelalters entstanden. Eine Mutation der Darmnerven. "Und das war fast schon zu spaet."
"Warum?" Sie schaukelt ganz regelmaessig, hin und her, her und hin. Es ist bruetend heiss in meiner Wohnung. "Weil sich die Menschen gewehrt haben." "Hexenverbrennungen." "Oh nein." Sie lacht. "Obwohl wir immer begeistert im Publikum standen, erste Reihe, und kraeftig Klatschen. Nein, die Menschen wurden die Folter, den Krieg leid." Sie macht eine Pause. "Zwar sind die Menschen nicht besser geworden, aber Gewaltverbrechen wurden besser und strenger befolgt. Der Rechtsstaat entstand. Es wurde alles etwas schwieriger." Ich rolle meine Handgelenke sanft in den Schlingen, die sie fesseln. Vielleicht kann ich diesmal an einen Knoten kommen. "Und dann kam die Mutation." "Richtig. Und es entstand die Rolle der Domina, wie wir sie heute kennen." "Was passierte mit denen, die die Mutation nicht hatten?" Sie zoegert kurz, kaum merklich. "Sie starben ueber kurz oder lang." "Aber diese Mutation wird doch nur in einer Familie auftaucht sein. Und wenn alle anderen langsamabsterben -" "Wir haben grosse Familien". Etwas stimmt an dieser Anwort nicht, habe ich das Gefuehl. Oder sie verheimlicht etwas. Ich komme nicht an die Knoten, verdammt. Und irgendwann waere eine dieser Demonias mit der neuen Mutation und ein Masochist zusammengekommen. Masochisten waeren damals noch seltener als heute, aber die Symbiose hatte fuer beide Seite Vorteile, und so entstanden mehr und mehr von diesen Verbindungen. Die neuen Masochisten hatten einen Selektionvorteil, warum, sagte sie nicht, wie auch die Demonias, und so breitetensich beide schneller aus - nur dass die Monarchien abgeschaft wurden, und die ersten Demokratien sichauftaten, und die Demonias immer mehr in den Untergrund treten mussten. Und nach einem kurzen Boom nahmen die Anzahl der Demonias wieder stark ab. Die Geschichte ist wasserdicht, in sich voellig logisch. Sie hat fuer alles eine Erklaerung. Vielleicht schreibt sie Drehbuecher fuer Picard und Data, denke ich. "Das Viktoriansche Zeitalter war doch wie fuer euch geschaffen." - "Fuer die weiblichen Demonias konnte die Welt auch kaum besser sein. Sie hatten bald jede Menge Kunden, von denen sie sich ernaehren konnten, und die auch noch Geld zahlten. Es waren unsere Maenner, die Probleme hatten." Sie schaukelt etwas schneller. "Wir bilden Reviere aus, und unsere Maennchen streifen mehr oder weniger regelmaessig durch sie hindurch." Ich ruhe meine Haende aus. So werde ich auf Dauer nur wunde Handgelenke kriegen. "Wie bei Katzen." Wieder das Zoegern. "In etwa. Es gab eine zeitlang kaum noch maennliche Demonias." Das klingt wichtig. "Wieviele ist kaum noch?" "Wenige hundert. Und seit dem Zweiten Weltkrieg sind im Westen alle Demonias ausgestorben. Ich bin die Erste, die sich seit ueber dreissig Jahren in den Westen niedergelassen hat." "Euch gab es nur noch hinter dem Eisernen Vorhang." Das wuerde passen - Gulags und Polizeiverhoere und die Stasi und was sonst noch. Lustige Bande, diese Demonias. "Und in Japan. Sonst sind wir fast ausgestorben." "Wirklich bedauerlich." Sie laechelt nur. Das hat sie verstanden. Vielleicht sollte jemand, der gefesselt ist wie eine Bratenrolle nicht den Mund so voll nehmen, aber das tat gut. Ich starte einen neuen Versuch mit den Haenden, und siehe da, am linken Handgelenk komme ich mit dem Daumen an einen Knoten, nur mit der Spitze, aber es ist ein Anfang... "Und wie kommt es dann, dass ihr euch jetzt wieder ausbreitet?" - "Eine neue Mutation, die -" "Na. Ihr mutiert aber ziemlich schnell." "Die DNA Sequenzen fuer die Sondernervenzellen sind relativ instabil, obwohl es frueher noch schlimmer war. Einer der Gruende fuer unsere hohe Saeuglingsterblichkeit." Sie steht von dem Stuhl auf, kommt zu mir herueber. "Und die neue Mutation hat das ganze Bild geaendert, und jetzt nehmen wird zahlenmaessig wieder zu." Sie steht jetzt vor mir. "Und holen uns das zurueck, was uns gehoert." "Ich gehoere dir nicht." "Noch nicht." Sie beugt sich ueber meine Beine, beginnt, den Knoten um meine Knoechel zu loesen. Ich lasse meine Haende voellig ruhig. Das hat auch nicht geklappt, obwohl ich wenigstens schon einen Knoten gefunden habe. Immerhin. "Komme jetzt. Deine Herrin hat Hunger." "Meine Entfuehrerin kann mich mal, und ausserdem hat sie schon gegessen." Dem letzten Wort fuege ich einen kraeftigen Schlag Ironie zu, versuchsweise. "Sagen wir einfach, dass es Zeit fuer einen Nachschlag ist." Sie zieht mich auf die Fuesse und fuehrt mich ins Schlafzimmer, ihre Hand an meiner Schulter, eine leichte Drohung. An der Wand gegenueber von meinem Bett steht mein Schreibtisch. Auf der Eichenholzplatte liegt zwischen meinen Bleistiften und Seminartexten der Pflanzenphysiologie meine Reitgerte. Mir fallen die ganzen frechen Sachen ein, die ich an diesem Abend gesagt habe. Wenn ich nicht wieder meinen Knebel im Mund haette, wuerde ich mich vielleicht sogar entschuldigen. Bin ich zu weit gegangen? Meine Vorlesungsmitschriften hat sie vorsichtig auf den Boden gelegt, und anschliessend den Tisch von der Wand gezogen. Und mit einem meiner Schluepfer den Staub abgewischt. "Die wirst du eh nicht mehr brauchen." Das werden wir ja noch sehen. Jetzt bin ich ueber die Laengstseite des Tisches gebeugt. Meine Beine sind auf Hoehe der Knoechel und der Knie zusammengebunden, was mich zwingt, die Knie etwas zu beugen, was mich wiederum dazu zwingt, meinen Hintern herauszustrecken. Meine Arme sind auf der Platte zu den Ecken gestreckt, ich halte mich krampfhaft an den Stricken fest. Die Knoten sind auf der Unterseite des Tisches, unerreichbar weit weg. Ich liege zwar auf zwei Kissen, also nicht ganz wie auf einer Opferplatte, aber eins der Kissen ist unter meinem Becken, drueckt meinen Hintern in die Luft. Meine Shorts liegen sauber in meinem Waeschekorb, leisten dem Rest meines T-Shirts Gesellschaft. Zwischen meinem Hintern und der Gerte liegen nur freie Luft und die Gnade meiner Entfuehrerin. Wenn das bisherige Geschehen ein Mass ist, wird die Luft mehr Schutz bieten. Diesmal habe ich mich gewehrt. Auf meinen Unterarmen und um meine Handgelenke bilden sich langsam blaue Flecken von einem Kampf, bei dem ich zwar voellig und ganz chancenlos war, aber den ich einfach fuehren musste. Eine Domina oder Demonia oder wie auch immer wuerde solche Kraft brauchen, um Maenner zu ueberwaeltigen. Mit mir schwache Frau hatte sie gar keine Probleme. Es scheint sie nicht mal angestrengt zu haben. "Bereit?" Ich stoehne durch meinen Gummiball. Genau den gleichen Satz hat Peter immer benutzt. "Ffkch dkch." Das scheint sie verstanden zu haben, sie laechelt. "Das ist aus anatomischen Gruenden leider voellig unmoeglich." Sie geht auf meine Rueckseite, sie ist barfuss. Mein Hintern kribbelt jetzt schon. Was hat sie denn mit dem Satz gemeint? "Geht gleich los." Bei Peter hatte ich ein Sicherheitswort, Vertrauen in meinen Peiniger, und es war immer die andere Gerte. Ich habe zwei Gerten, eine, die am Ende ein ledernes Dreieck hat, und mehr Laerm als Schmerz macht, und eine andere, die duenn und hart zulaeuft, und Striemen macht, wenn man nicht aufpasst. Sie hat die duenn zulaufende, streicht die Spitze ueber meinen Ruecken, ueber meinen Po, ueber die Rueckseiten meiner Beine. Eine Gaensehaut laeuft mir den Ruecken herauf und herunter. Lieber Gott, ich melde mich nicht oft bei dir, aber - Sie zieht die Gerte ploetzlich zurueck, ich zucke und winde mich, aber der Schlag kommt nicht, sondern die Gerte wird wieder zart wie der Kuss eines Schmetterlings meine Wirbelsaeule entlang gefuehrt. Falls Schmetterlinge kuessen. Das macht sie gut, sehr gut sogar, und wieder denke ich, dass unter anderen Umstaenden - - KNALL. Der erste Schlag landet quer ueber beide Backen. Ich reisse meinen Kopf nach hinten und schreie in meinen Knebel, mein Koerper wird hart wie ein Brett. Winzige Tiere tanzen mit heissen Fuessen auf der Aufschlagslinie. "Claudia. Ich bitte dich. So schlimm war das nicht." Sie hat recht. Es war mehr die Ueberraschung, der Schlag tut weh, sicher, aber ich habe Schlimmeres hingenommen, viel Schlimmeres. Wenn ich jetzt geil waere - was ich nicht bin, du schwarzhaarige Mutantenkuh - waere der Schlag vielleicht sogar nicht fest genug gewesen. "Aber das kann noch kommen." Sehr vertrauenserweckend. Die Gerte streichelt mich wieder, und - - KNALL. Der zweite Schlag landet so knapp ueber dem ersten, dass ich den Unterschied nur daran fuehle, weil ein Schlag auf die gleiche Stelle noch viel mehr weh tuen muesste. Der zweite Schlag ist fester, aber nicht viel. Diesmal habe ich nur gekeucht und etwas gezuckt. Beim naechsten Schlag - - KNALL. - zucke ich nur. Wieder ein Querschlag, wieder nah an der gleichen Stelle. Ich rieche den etwas muffigen Geruch des Kissens, auf dem ich liege, entspanne etwas meine Finger. Das werde ich ueberstehen koennen, wenn sie es nicht steigert. Aber meistens steigert man es ja. - KNALL KNALL. Den ersten vertrage ich gut, den zweiten habe ich nicht so schnell erwartet, ein kleiner Schrei schmuggelt sich von hinter dem Knebel hervor. "Tue dir keinen Zwang an. Ich merke am Geruch, wie weh ich dir tue, am Silber, das von dir abfaellt. Schrei ruhig." Scheissfotze. Den Gefallen tue ich dir nie. - KNALL. Hoffe ich zumindest. Der Schlag war fester. Sie hat auf die andere Seite gewechselt. Es ist
wirklich nicht so schlimm, das ist das Verrueckte. Es tut weh, aber es ist mehr erniedrigend, so vorgefuehrt zu werden, sie schlaegt langsam, bedaechtig, sie hat den ganzen Tag Zeit. Sie schlaegt mich mit einer voelligen Selbstverstaendlichkeit, und warum auch nicht, nach ihrem kranken Weltbild - - KNALL. - ist es der selbstverstaendliche Lauf der Welt. Sie ist der Jaeger, ich bin die Beute, es ist daher nur natuerlich, dass sie mich unterjocht, mich quaelt, sich am mir vergnuegt. Es gibt 5 Milliarden Menschen auf diesem Planeten, hat sie gesagt. Sie sucht sich eine besonders geeignete Beute heraus - KNALL. - und ernaehrt sich von ihr. Behauptet sie auf jeden Fall. Wenn sie die naechsten Tage auch nichts isst, glaube ich es ihr sogar vielleicht. Was immer noch nicht erklaert, wer die Heizungsrechnung bezahlen soll. Mein Hinten glueht jetzt, zwar tanzen die Tierchen immer noch auf der letzten Aufschlagslinie, aber insgesammt ist der Effekt fast angenehm. Manchmal hat man als Masochistin doch Vorteile. - ZIIIP - Kein Schlag, sie laesst die Gerte nur durch die Luft zischen. Ich zucke trotzdem. Schweisstropfen laufen in kleinen Straehnen meine Flanken herunter. Ich schaue ueber meine Schulter nach hinten. Sie arbeitet schwerer als ich, aber sie schwitzt nicht. Ihre Gesicht ist konzentriert, aber mit einem genuesslichen Laecheln. Narlinea amuesiert sich. Ich drehe mich wieder nach vorne als sie ausholt und - - KNALL. Der Schlag war fester als alle anderen, zu fest, und so, als haette sie das gespuehrt, laesst sie sich Zeit vor dem naechsten Schlag, laesst mich zu atem kommen. Mein Hintern brennt und glueht, mit vereinzelten Nadelstichen. Aber ich werde sitzen koennen, wenn auch nur vorsichtig. Es gab Sitzungen mit Peter, und vorher mit Andreas - "Und zum Abschluss -" Ich habe nicht mitgezaehlt. Schon zuende? - KNALL. Nicht fester als die anderen. Nicht zu fest, aber auch nicht gerade trivial. Narlinea hat recht. Als berufliche Domina wird sie unschlagbar sein. Ploetzlich stelle ich mit Entsetzen fest, dass ich etwas tiefer atme, als die Schlaege es rechtfertigen, und dass vielleicht die Fluessigkeit, die meine Schenkel bedecken, nicht nur aus Schweiss besteht. "Das war genug fuer die heutige Einfuehrung." Ich tue gar nichts, bleibe in meiner gespannten Haltung, vielleicht wartet sie nur. Aber ich hoere sie umhergehen, barfuss ist sie leiser als mit diesen Stiefen, und ich entspanne mich langsam. Ich atme wirklich zu schnell. Oh nein... "War das so schlimm, Claudia?" Sie laesst die Gertenspitze wieder ueber meinen Ruecken gleiten. Mein Koerper wird zum Verraeter, faellt mir in den Ruecken, meine Brustwarzen sind hart, merke ich, meine Scham geschwollen. Eine Welle der Scham, der Wut zieht durch mich hindurch. Wie kann mein Koerper nur - kann sie es riechen? "Psssst. Straeube dich nicht dagegen." Ihre Hand beruehrt meinen Ruecken, ganz sanft, strechelt mich, kuehl auf meinem Nacken, meinen Schulterblaettern, meinem wunden Hintern. Gott, lasse mich nicht noch erregter werden, bitte, wenn sie es merkt, wenn sie es merkt...sie beugt sich zu meinem Gesicht herunter, ich drehe mich zu ihr, mein Mund ein weites O durch den Ballknebel. Ihre Augen leuchten, tief und schwarz. Menschliche Augen mit ihrer Regenbogenhaut koennten nie so ausdrucksvoll sein. "Du riechst nach Gold, Claudia. Nach Gold und Silber, Lust und Schmerz, und ein ganz kleines