"It is difficult for a student to pick a good teacher ...
... but it is more difficult for a teacher to pick a good student."
("Es ist schwierig, einen guten Lehrer zu finden, doch noch schwieriger ist es, einen guten Schüler auszuwählen.")
Dieses Zitat von Ip Man begleitete mich von Beginn an in meiner Zeit als Rigger.
Ip Man war ein der Kampfkunstmeister des Wing Tsun und bekannt als Lehrer von Bruce Lee.
Ich selbst habe Wing Tsun praktiziert und war umso erfreuter, dieses Zitat zu finden, denn es spiegelt eine Wahrheit wider, die ich in vielen Bereichen erlebe.
Es erinnert mich an eine Begegnung auf einem Fesseltreff, die mich tief geprägt hat.
Damals auf einem Fesseltreff in Ratingen, in der Nähe von Düsseldorf, bat mich ein ambitionierter Rigger um eine kurze Begleitung. Er suchte nach etwas Neuem, etwas Spektakulärem, und erwartete von mir, dass ich ihm dieses Wissen unmittelbar weitergebe. Doch während er sich an einer herausfordernden Figur, der Armflöte, versuchte, wurde deutlich, dass grundlegende Techniken noch nicht verinnerlicht hatte. Das Zusammenspiel von Zug und Druck fehlte. Seine Nervosität stieg, und seine Freundin, die ihn unterstützend ansah, wurde zunehmend unsicherer. Ich erkannte sein Bedürfnis, seiner Partnerin besondere Momente mit dem Seil zu schenken, ein Gefühl, das mir nur allzu vertraut war.
Als er frustriert war, schlug ich ihm vor, eine Pause zu machen und sich stattdessen einer Einseilfesselung zu widmen, um die Verbindung zwischen ihnen zu stärken. Doch er lehnte mit einem ungeduldigen Unterton ab. Er wollte nichts Einfaches, er wollte Fortschritt, den er in komplexen Mustern sah.
Die Einseilfesselung sei voll von Neuem in der Art, wie man beginnt, wie man Kontakt herstellt, entgegnete ich.
Er hörte nicht darauf. Seine Freundin wirkte enttäuscht. Sein Blick schweifte zu anderen, die sich in Halfsuspensions und Suspensions übten. Er war getrieben von einem Vergleich, statt von einer inneren Auseinandersetzung mit seiner eigenen Praxis.
Ich versuchte einen letzten Ansatz. Ich bat ihn, den Double Column Tie noch einmal bewusst und präzise zu fesseln. Doch er tat es nachlässig, ohne Ambition. Als ich ihn darauf hinwies, dass er erst die Grundlagen sauber beherrschen müsse, blockierte er. Das sei zu simpel. Andere würden das auch nicht so tun.
Ich erklärte ihm, dass genau hier die Basis des Lernens liege: im Verinnerlichen der einfachsten Techniken, im achtsamen Tun. Sein Gesicht verhärtete sich. Er hielt an der Armflöte fest. Also schlug ich ihm vor: "Baue den Single Column Tie einmal spiegelverkehrt auf, dann den Double Column Tie. Und wenn du das kannst, versuche beide mit geschlossenen Augen."
Doch er lachte auf, nannte mein Vorgehen lächerlich. Ich wäre kein guter Lehrer.
In diesem Moment wusste ich, dass ich meine Verantwortung wahrnehmen musste.
Ich trage Verantwortung für mein Wissen, nicht nur dafür, was ich vermittle, sondern auch, was ich bewusst nicht weitergebe. Also ließ ich los.
Heute frage ich mich manchmal, ob ich ihm hätte entgegenkommen sollen. Doch ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass meine Entscheidung richtig war. Wissensweitergabe bedeutet Verantwortung. Ein kleiner Lernprozess beginnt oft mit Demut, nicht mit dem Drang nach dem Spektakulären.
Diese Begegnung war keine Ausnahme. Immer wieder treffe ich auf Menschen, die nach einmaliger Technik direkt zum nächsten Schritt eilen wollen. Ungehalten, fahrig, suchend nach äußeren Gründen für innere Unsicherheit: die Musik ist laut, der Raum eng, die Blicke anderer. Doch all das sind nur Spiegel des eigenen Unbehagens.
Auch für diese Erfahrung bin ich dankbar. Sie hat mich gelehrt, Abstand zu nehmen von Menschen, deren Ego ihnen selbst ein Bein stellt und die Schuld stets im Außen suchen. Und sie hat mich in meinem Weg bestätigt: Wissen mit Bedacht zu teilen, mit Respekt für die Grundlagen und für den Prozess des Lernens.
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