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🧠 Welche Gedanken begleiten Euch?

Signature Picture since 2011. Dieses Foto entstand damals ganz zufällig, als ich in die Welt das Shibari eingetaucht bin.
Während ich die Fernauslösung meiner Spiegelreflexkamera benutzte, stellte der Autofokus ständig das aufgewickelte Seil scharf.

Nur einmal gelang es mir, dass der Autofokus sich auf den Hintergrund, also mich, einstellte.
******age Mann
652 Beiträge
Themenersteller Gruppen-Mod 
🧠 Welche Gedanken begleiten Euch?
Shibari ist Ausdruck, Begegnung, Kommunikation.
Im Laufe der Zeit begegnet man dabei unterschiedlichen philosophischen Ansätzen, Weisheiten und Denkanstößen, sei es in Schulen, Workshops, Stammtischen oder durch eigene Erfahrungen. Manche Sätze bleiben hängen, manche verändern den Blick auf das eigene Tun.

💡 Welche Gedanken oder Prinzipien aus dem Shibari haben Euch inspiriert?
🔹 Gibt es eine Weisheit, die Ihr aufgeschnappt habt und die Euch begleitet?
🔹 Welche philosophischen Ansätze prägen Eure Art, zu binden oder sich binden zu lassen?
🔹 Habt Ihr Sätze gehört, die Euch besonders berührt oder zum Nachdenken gebracht haben?

💮
******erz
159 Beiträge
Hm... Es ist gerade schwierig, dass auf einzelne Sätze herunter zu brechen... Mal schauen, was ich in meinen Notizen noch so finde *g*

Richtig inspiriert hat mich die Philosophie von Georg Barkas mit City of Kinbaku oder auch das, was er in seinem Buch schreibt Archeology of Personalities: a linguistic approach to erotic rope bondage. Ich mag die Ansichten da recht gerne. Auch das ein oder andere von Nawataneko blieb hängen, was mir auch bsp gut half zu verstehen, warum mir die Seile so gut tun.
Zu Barkas hatte ich mir da auch Notizen aufgeschrieben: "Pausen machen heißt, dem Bunny Zeit zum 'Antworten' zu geben". Oder auch das Beispiel des Violinist, der in der Pause den Violinen Stab immer noch an den Saiten hält, es entsteht ein leises Geräusch und keine vollkommene Stille (Vibrato). Also selbst in Pausen liegt ein gewisser Inhalt / ein gewisses Rauschen. Das war auch in dem Kontext, dass man eine Seilsession als eine Art Interview sehen kann, der aktiv fesselnde Part stellt "Fragen", der gefesselte Part gibt "Antworten" aka Reaktionen und wenn man Frage, auf Frage, auf Frage stellt - kriegt man irgendwann keine Reaktionen mehr, weil die Person innerhalb der Seile überfordert ist...
"Tie like a love letter" hab ich mir auch notiert *ggg*
„Me following them, not force emotion on the bunny“ - von Addie

Als ich mich mit den Basics vom Fesseln beschäftigte, um mich selbst fesseln zu können, aber auch bei Bedarf andere Menschen zu fesseln, bildete ich mir diesen Druck ein, dass ich Suspension zwingend lernen muss. Bis ich las, dass Yukimura hauptsächlich auf dem Boden fesselte und mir seither immer mehr Personen auffielen, die ihren Schwerpunkt am Boden haben.
Beim Lernen fand ich damals auch gut, einfach aus Spaß "gegen" die Zeit zu fesseln, um so auch einfach spielerisch schnelles Fesseln zu üben. Das ist gerade beim Selbstfesseln eine schöne Challenge und bringt einen "gut in Bewegung" kopfmäßig wie auch fingermäßig.
Oder auch absichtlich richtig langsam.

Richtig inspirieren tun mich allerdings auch die "Charaktere" der Rigger, die ich im Seil erlebe oder sehe - es könnte bei allen der gleiche Stil sein und jeder fesselt vollkommen anders. Zu spüren, sehen oder hören, was sie von sich preis geben - was man außerhalb vom Seil gar nicht von der Person sieht, das ist sehr inspirierend. Allerdings auch zu schauen, was diese so in ihren Seilen einbauen - das kann als Anregung dann weitergegeben werden oder selbst ausprobiert werden.

Ebenso hinterlassen immer wieder verschiedene Ansichten, Eindrücke und Erfahrungsberichte von anderen Menschen, die ebenfalls Seile erleben, ihre Spuren in meinen Gedanken - helfen mir, die richtigen Worte für mein Shibari zu finden und regen auch einfach zum Nachdenken an.
Am meisten hat folgender Satz meine damalige Welt "erschüttert": "Beim Shibari sind die Seile der Zweck und nicht das Mittel zum Zweck."
Wäre dieser Satz nie gefallen, wäre ich nicht zu den Seilen gekommen und hätte eine ganze Welt verpasst.

Ich schätze, würde ich jetzt noch alle weiteren Notizdokumente mit oftmals mehreren Seiten überfliegen, würde ich noch zahlreiche Zitate mehr finden und würde hier einen richtigen Roman verfassen...
Signature Picture since 2011. Dieses Foto entstand damals ganz zufällig, als ich in die Welt das Shibari eingetaucht bin.
Während ich die Fernauslösung meiner Spiegelreflexkamera benutzte, stellte der Autofokus ständig das aufgewickelte Seil scharf.

Nur einmal gelang es mir, dass der Autofokus sich auf den Hintergrund, also mich, einstellte.
******age Mann
652 Beiträge
Themenersteller Gruppen-Mod 
"It is difficult for a student to pick a good teacher ...
... but it is more difficult for a teacher to pick a good student."

("Es ist schwierig, einen guten Lehrer zu finden, doch noch schwieriger ist es, einen guten Schüler auszuwählen.")

Dieses Zitat von Ip Man begleitete mich von Beginn an in meiner Zeit als Rigger.
Ip Man war ein der Kampfkunstmeister des Wing Tsun und bekannt als Lehrer von Bruce Lee.
Ich selbst habe Wing Tsun praktiziert und war umso erfreuter, dieses Zitat zu finden, denn es spiegelt eine Wahrheit wider, die ich in vielen Bereichen erlebe.

Es erinnert mich an eine Begegnung auf einem Fesseltreff, die mich tief geprägt hat.
Damals auf einem Fesseltreff in Ratingen, in der Nähe von Düsseldorf, bat mich ein ambitionierter Rigger um eine kurze Begleitung. Er suchte nach etwas Neuem, etwas Spektakulärem, und erwartete von mir, dass ich ihm dieses Wissen unmittelbar weitergebe. Doch während er sich an einer herausfordernden Figur, der Armflöte, versuchte, wurde deutlich, dass grundlegende Techniken noch nicht verinnerlicht hatte. Das Zusammenspiel von Zug und Druck fehlte. Seine Nervosität stieg, und seine Freundin, die ihn unterstützend ansah, wurde zunehmend unsicherer. Ich erkannte sein Bedürfnis, seiner Partnerin besondere Momente mit dem Seil zu schenken, ein Gefühl, das mir nur allzu vertraut war.

Als er frustriert war, schlug ich ihm vor, eine Pause zu machen und sich stattdessen einer Einseilfesselung zu widmen, um die Verbindung zwischen ihnen zu stärken. Doch er lehnte mit einem ungeduldigen Unterton ab. Er wollte nichts Einfaches, er wollte Fortschritt, den er in komplexen Mustern sah.
Die Einseilfesselung sei voll von Neuem in der Art, wie man beginnt, wie man Kontakt herstellt, entgegnete ich.
Er hörte nicht darauf. Seine Freundin wirkte enttäuscht. Sein Blick schweifte zu anderen, die sich in Halfsuspensions und Suspensions übten. Er war getrieben von einem Vergleich, statt von einer inneren Auseinandersetzung mit seiner eigenen Praxis.

Ich versuchte einen letzten Ansatz. Ich bat ihn, den Double Column Tie noch einmal bewusst und präzise zu fesseln. Doch er tat es nachlässig, ohne Ambition. Als ich ihn darauf hinwies, dass er erst die Grundlagen sauber beherrschen müsse, blockierte er. Das sei zu simpel. Andere würden das auch nicht so tun.
Ich erklärte ihm, dass genau hier die Basis des Lernens liege: im Verinnerlichen der einfachsten Techniken, im achtsamen Tun. Sein Gesicht verhärtete sich. Er hielt an der Armflöte fest. Also schlug ich ihm vor: "Baue den Single Column Tie einmal spiegelverkehrt auf, dann den Double Column Tie. Und wenn du das kannst, versuche beide mit geschlossenen Augen."
Doch er lachte auf, nannte mein Vorgehen lächerlich. Ich wäre kein guter Lehrer.

In diesem Moment wusste ich, dass ich meine Verantwortung wahrnehmen musste.
Ich trage Verantwortung für mein Wissen, nicht nur dafür, was ich vermittle, sondern auch, was ich bewusst nicht weitergebe. Also ließ ich los.

Heute frage ich mich manchmal, ob ich ihm hätte entgegenkommen sollen. Doch ich komme immer wieder zu dem Schluss, dass meine Entscheidung richtig war. Wissensweitergabe bedeutet Verantwortung. Ein kleiner Lernprozess beginnt oft mit Demut, nicht mit dem Drang nach dem Spektakulären.

Diese Begegnung war keine Ausnahme. Immer wieder treffe ich auf Menschen, die nach einmaliger Technik direkt zum nächsten Schritt eilen wollen. Ungehalten, fahrig, suchend nach äußeren Gründen für innere Unsicherheit: die Musik ist laut, der Raum eng, die Blicke anderer. Doch all das sind nur Spiegel des eigenen Unbehagens.

Auch für diese Erfahrung bin ich dankbar. Sie hat mich gelehrt, Abstand zu nehmen von Menschen, deren Ego ihnen selbst ein Bein stellt und die Schuld stets im Außen suchen. Und sie hat mich in meinem Weg bestätigt: Wissen mit Bedacht zu teilen, mit Respekt für die Grundlagen und für den Prozess des Lernens.

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