Um das Thema tigere ich gedanklich schon immer wieder herum. Ich finde in den Shibari Bubbles (eine einzige gibt es da einfach nicht) ist man noch ein wenig mehr flexibler drauf. Die BDSM Bubbles sind da gefühlt viel schlimmer/starrer, zahlreiche „Superdoms“, die als einzige das einzig wahre BDSM kennen und jeder müsste ihnen nachlaufen, um von ihnen zu lernen... Alle anderen machen das falsch oder sind Fake. Wegen solcher Persönlichkeiten hätte ich damals beinahe dem ganzen Thema den Rücken gekehrt. Und dann hätte ich die Seile verpasst…
Mal ein paar Worte zu den Stilen und Ryus:
Ich habe es bei einem Anfängerworkshop offen angesprochen: Es gibt Menschen, die vom Kopf her einfach lieber einem Stil folgen und sich diesem verschreiben, leider kann es hier auch passieren, dass man sich dann unglücklich ausdrückt und so dann andere Menschen verstehen, man würde andere Stile, Mischformen oder was auch immer als „schlechter“ darstellen. Dem ist nicht immer so. Ich finde, wer es vom Kopf her nicht besser tragen kann, darf und soll gerne einem Stil verfolgen und sich dem Verschreiben – solange genügend Flexibilität angenommen wird bezüglich „Fesselungen an die körperlichen Gegebenheiten des Models“ anzupassen, damit hier nicht unnötige Risiken entstehen... (und ja ich empfinde es, als negativ, wenn die Models zum Pattern passen müssen und deswegen nur bestimmte „Formen“ an Mensch bevorzugt werden. Wenn es einfach nur eine Präferenz ist, ist das was anderes…)
Aber es gibt durchaus Menschen, die ihre Art und Weise als richtiger „echter“ darstellen und das empfinde ich total schade. Egal in welchem Kontext. Allein der Aspekt, ob mit Sex oder ohne, mit BDSM oder ohne führt immer wieder zu seitenfüllenden Diskussionen. Ich persönlich lehne für mich sexuelle Sachen wie Penetration oder so im Shibari ab, weil für mich da einfach die Magie verloren geht – ergo fessle ich nicht mit Menschen, die das anders sehen und lasse denen ihr Shibari einfach😊 Das wurde allerdings mir durchaus schon im Munde verdreht, wenn ich für mich sage, dass das nicht mein Shibari ist. Viele verstehen auch bsp. nicht das zwischen Sexuell und Erotik auch ein Unterschied existiert, oder das mich Seile erregen dürfen (und können) ohne das ich dann sexuelle Handlungen benötige. Für mich ist Seil alleine so sehr befriedigend, auch wenn ich ohne Orgasmus aus den Seilen rauskomme…
Es gibt auch Stile, die ich mal erleben möchte – wobei ich den Stil hierfür nutze, um eine bestimmte Richtung des Fesselns einfacher finden zu können, mit ggf. weniger Worten. Dafür sind Schubladen aus meiner Sicht auch da, es sind Shortcuts, mit denen man ggf. schneller oder zumindest einfacherer Gleichgesinnte finden kann. Dennoch bleibt es bei mir auch so, dass ich nicht Stile, sondern Menschen im Seil kennenlernen möchte – egal, ob der Stil jetzt Yukimura, Osada oder irgendeine Mischung aus mehreren Dingen ist, jeder Mensch bringt zusätzlich noch einmal etwas anderes mit rein und macht somit die eigene Fesselei absolut einzigartig. Ich habe schon spannende Sachen gesehen, wo die Menschen ihr Wissen und ihr Können mit eingebracht hatten als Baumpfleger oder Kletterer.
Dennoch rede ich Schulen oder die „böse“ Lehrerlizenz nicht schlecht. Ich finde die Lizenzen ehrlich gesagt hilfreich… Da weiß ich wenigstens, sie haben das mit entsprechendem Hintergrund, ggf. bei der Person direkt gelernt. Und behaupten nicht einfach so, um Geld machen zu können, dass sie das angeblich getan hätten (das soll es wohl schon so gegeben haben…). Ich finde, wenn man sich seinen Stil aus verschiedenen Quellen zusammenbaut, kann man das auch genau so formulieren und muss das nicht mit einem Stil „schönen“. Einige Menschen suchen vielleicht genau das!
Genauso wie ich hier in Deutschland den Wortgebrauch „Meister“ und „Lehrer“ als sehr schwierig empfinde – die wenigsten haben wirklich einen Meistertitel gemacht (ist hier in Deutschland mit Prüfungen usw. verbunden). Und die wenigsten haben wirklich einen Pädagogischen Hintergrund und wissen, wie sie wirklich etwas „lehren“ können. Das ist allerdings auch meine persönliche Meinung, einige sehen das anders. Ich finde diese Begriff Nutzung teilweise einfach irreführend. Das, was ich am Ende erwarte, wird dann ggf. nicht erfüllt. Wörter haben eine gewisse Macht und viele sind sich dessen nicht so bewusst, bzw. nutzen dies zum finanziellen Vorteil aus, um höhere Preise verlangen zu können… Das ist auch unfair jenen gegenüber, die damit vielleicht ihr Brot bzw. Lebensunterhalt verdienen und es in entsprechender Qualität anbieten. Nur weil ich etwas beibringe, muss ich mich nicht direkt Lehrer nennen.
Mit Sorge verfolge ich auch immer größere Workshop Konstellationen, die dann möglichst effizient den Weg zu Suspension zeigen sollen. Ich habe die Basics von meinem Expartner erlernt und hatte selbst da das Gefühl unter dem Druck stehen zu müssen, dass ich irgendwann aufhängen muss, weil das sonst kein richtiges Fesseln wäre. Dieser Druck kam nicht von ihm, sondern eher von außen.
Bis ich in einem Buch beispielsweise las, dass ein japanischer Meister hauptsächlich auf dem Boden fesselt. Und auch zahlreiche weitere Texte kamen mir unter, die ähnliches beschrieben. Das sagt dir nur keiner, dass das auch okay ist. Ähnliche Probleme haben wir allerdings in den Medien was Aussehen / Schönheit, Ernährung usw. angeht. Selbst Selfcare muss mittlerweile zur Perfektion betrieben werden und wenn du nicht xyz machst, machst du das falsch... Ich fürchte, dass das auch einfach daherkommt.
Und ja auch immer mehr kommen hier auch auf den Trichter, dass sich damit (gut) Geld verdienen lässt – manche machen das als Hauptberuf und da kann ich es einem auch nicht verübeln, wenn man hier Hobby und Beruf vereint. Manchmal nimmt das halt seltsame Bahnen an, wenn ich das aber nicht unterstützen möchte, gebe ich dem ganzen einfach kein Geld.
Das mit dem Ausschließen von Fesseltreffen kenne ich. Das tut auch irgendwie weh und löst in einem Zweifel aus… Das wurde mir allerdings erst so bewusst, als ich bei meinem ersten privaten Fesseltreff war. Jeder hier jedem einfach half, die Atmosphäre offen war und es scheiß egal war, ob jemand jetzt japanisch, westlich oder „ich habe mir da was zusammengebaut“ gefesselt hat. Ich habe mich sogar getraut mich selbst zu fesseln und wurde dabei nicht böse oder komisch angeschaut! Wenn etwas Besorgnis auslöst oder man ein Risiko sieht, spricht man das unter vier Augen in Ruhe an. Hört sich die Ansichten an. Und versteht dann auch, dass es bei einem einfach die Dynamik ist und dieses oder jenes dazu gehört – was für einen sich vielleicht falsch anfühlt, passt beim anderen genau ins Seil rein und gehört dazu. Wissen wurde hier gerne verteilt ohne schlechtes Gewissen, ohne böse Blicke. Verteilt man wissen auf so manch offiziellen Fesseltreff, nimmt man anderen Menschen anscheinend das Geld weg… Da sollen nebst Fesseltreff, dann auch die Workshops besucht werden – daher dürfen Gäste des Treffs kein Wissen weitergeben. So fühlte sich das oftmals an! Ja, es geht auch anders. Aber leider ist das nicht überall so.
Zum Abschluss: Erst vor kurzem las ich einen Text, wo gefragt wurde, ob denn überhaupt noch jemand nach dem „Herzen des Shibaris“ sucht oder ob jeder nur noch den Patterns / Techniken hinterherrennt. Beides hat seine Berechtigung und deswegen sind Schubladen in der Kommunikation durchaus nützlich, um im groben mitteilen zu können, in welche Richtungen man tendiert, wofür der eigene Garten oder das eigene Buffet offen ist bzw. welche Menschen sich darin bewegen oder sich daran bedienen dürfen.
Auch wenn Schubladen nerven, einen einengen und zerquetschen können – ganz abschaffen lassen sie sich nicht. Aber man kann sie sich zu Nutze machen, um Happy Roping zu bekommen, so wie man es sich wünscht 😊 Das tue ich mittlerweile, weil es irgendwann anstrengend wird, sich darüber aufzuregen. Zumal man keine Toleranz fordern kann / darf, wenn man selbst dann wieder sagt: „Ja, ne Schubladen sind doof. Das darf keiner mehr machen…“
Manche brauchen diese Schubladen 😊 Andere nutzen andere Beschreibungen, um ihre Welt zu beschreiben. (Ich mag den Garten, die Landkarte oder das Buffet lieber.)