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🌐 Deutschland, deine Schu(b)l(ad)en (vorsicht trigger alarm)

🌐 Deutschland, deine Schu(b)l(ad)en (vorsicht trigger alarm)
Ich habe nun einige jahre die deutsche Shibari gemeinde beobachtet (im sinne von foren und beitraege gelesen) und muss sagen ich bin entsetzt wie engstirnig deutschland ist. Man zerfleischt sich mit einem quasi religioesem eifer in den kommentaren wer ein "richtiger/echter Shibari rigger" ist (natuerlich man selbst) und wer nicht (na wer wohl?), wer welche schulen und kurse besucht hat, welche buecher man gelesen hat oder gelesen haben muss, welcher richtung man anhaengt (natuerlich ist die eigenen stets die richtige und die andere stets die falsche), dass der andere natuerlich die "falschen" seile benutzt, die "falsche" technik anwendet, der/die/das "falsche xyz" und ueberhaupt sowieso so anderes und abartig ist als man selbst. Es gibt kein "richtig" oder "falsch" - es gibt ein "anders" (SSC klar hiervon ausgenommen) wenn der half oder cow hitch bei nylon nicht haelt und zu einem sicherheitsriskio werden kann dann sieht die sache natuerlich anders aus. Aber ob man den knoten nun linksrum, rechtsrum oder andersrum macht - was solls. Ob einem die aesthetik zusagt oder nicht, ist eine persoenpich praeferenz.

Leute macht euch mal locker! Shibari ist fliessend, ist im wandel und ist garnicht so alt wie manche denken. Shibari ist kunst, und kunst ist geschmackssache. Das es natuerlich bei den themen sicherheit, consent und gesundheit (SSC = safe, sane and consensual) keine kompromisse geben sollte ist eigentlich gesunder menschenverstand.

Hier bei uns ist es im allgemeinen vollkommen egal wer, was , wen, wann, wo und wie lange besucht hat. Natuerlich gibt es auch hier diejenigen die sich fuer auserkoren halten, weil sie in Japan, Timbuktu oder der Inneren noerdlichen Mongolei einen kurs eines (meist) selbsternannten "meisters" besucht haben oder dieses oder jenes certificate (einer meist selbsternannten Schule) besitzen. Das geht dann soweit dass man an deren treffen nicht teilnehmen darf wenn man nicht deren kurse 1-17 absolviert hat (ein schelm wer boeses dabei denkt).

Der normalfall aber ist, man trifft sich zwanglos und jeder macht sein ding. Es ist vollkommen schnuppe ob derjenige anfaenger oder advanced ist, ob er jute, hanf, cotton oder nylon verwendet, ob er die seile fertig kauft oder selbst praepariert, ob er 10 monate oder 10 jahre erfahrung hat. Es ist egal ob jemand mehr floor work oder lieber suspension macht, ob derjenige lieber frau oder mann oder beide fesselt.
Man schaut zu, aber man kritisiert nicht (und schon garnicht laut) und man lernt oder nicht von anderen. Nur wenn es um sicherheit geht dann schreitet man ein. Aber auch hier wird dem veranstalter leise mitgetielt dass man diese oder jene befuerchtung hat. Und damit ist gut. Der veranstalter beurteilt dann selbst ob er einschreiten muss oder nicht. Ich habe das bisher erst einmal erlebt dass der vernatalter eingeschritten ist (dezent und ohne grosses gewese) als ein rigger ein bunny zu lange an einem beim haengen liess und das recht blau angelaufen war. Ein kurzer hinweis und der rigger hat umgehend das bunny geloest. Kein gedoens, keine empoerung, kein lautstarkes "was ist das denn fuer einer" usw. Alles ruhig, entspannt und locker.

Auch ich wurde schon oft nach meiner meinung zu techniken anderer rigger gefragt. Meine antwort ist stets die gleiche: er macht seine sache gut. Natuerlich sind fuer mich ein paar techniken, wie z.b. speed roping, oder nylon seile nicht interessant. Aber - so what...jedem dass seine. Jeder hat mal angefangen und bekanntlich fallen keine meister vom himmel. Mir ist auch schon ein Code Red passiert, oder ein bunny hat sich ueberschaetzt mit ihrer schmerzgrenze, ein anderes hatte kurz vor der session entgegen meiner empfehlung dinner gehabt und mir fast ins seil erbrochen.

Andere rigger haben mich auch schon nach tipps oder meinungen gefragt und ich bin gerne bereit mein wissen zu teilen, vollkommen ohne wertung.

Vielen Dank dass ihr meinen TED talk gelesen und beigewohnt habt.

Happy roping und macht euch locker.
******ird Frau
1.508 Beiträge
Erstmal: happy roping find ich klasse!

Ich kann das zum Großteil nachvollziehen. Allerdings (da ich Fesselstammtische/-events auch live mitbekomme) ist ein großer Unterschied zwischen online und live.
Online ist gefühlt eine große Klappe, und live ist das meistens deutlich leiser...

Und dazu kommt das sich online schon einige groß hinstellen, und gefühlt null auf Events wirklich mal fesseln. Und mit dem großen Gelaber dann eher für private Sessions versuchen sich zu profilieren. Wenn ich da lese wie oft dann bestimmte Wörter völlig sinnfrei verwendet werden und das auch mehrfach in einem Beitrag. Wenn Jemand beispielsweise 5mal das Wort "vertrauensvoll" in einem Gesuch schreibt und nur für privat im stillen Kämmerlein fesseln sucht, da gruselt es mich schon.

Was das Thema Einschreiten angeht, so etwas klären/machen tue ich nur bei Veranstaltungen die ich mit organisiere.
Und wo ich Gast bin, sehe ich keinen Anlass zu. Meistens bin ich ja dann auch selbst beschäftigt.
Ausnahme ist: eine Person die mir nahe steht ist involviert. Aber auch da rede ich dann eher kurz allein mit dieser Person und äußere meine Bedenken.
Ich betone: das bezieht sich nur auf sicherheitsrelevante Dinge.

Und was diesen ganzen Zertifikatskram angeht.... da steckt einfach wirtschaftliches Denken hinter. Es geht rein ums Geld.
(meistens deute ich das eher an, ich denke hier in der Gruppe kann ich es auch mal ausschreiben)
********1979 Frau
1.883 Beiträge
Schönes Thema. Ich kann das auch nicht nachvollziehen.

Bin ja noch nicht so lang dabei, aber eines kann ich sagen - wie so oft bei so etwas in allen Bereichen:
Ich mache das, was mir gefällt und was ich möchte. Brauche keine Namen, keine prominenten abgehobenen Trainer, die meinen, sie stehen über anderen und sind DIE Gurus. Das klingt nach Sekte oder Gottkomplex...

Es geht doch darum, dass es Sicherheitsaspkekte gibt, die man beachten muss. Dass die Kommunikation zwischen Bunny und Rigger stimmt und die beiden etwas gemeinsam erleben möchten.
Wozu braucht man dann Anleitungen, wie etwas zu funktionieren hat?

Es geht doch um eine Philosophie, die dahinter steckt. Bisher habe ich zwei "Lehrer" kennen lernen dürfen, die das mit Herzblut machen und anderen zeigen, was wirklich wichtig ist.

Jeder Rigger hat doch seine eigene Version von Technik. Die Grundknoten sind grundsätzlich gleich, aber das Zusammenspiel von Bunny und Rigger ist doch immer unterschiedlich. Jeder Rigger hat seinen Handabdruck und jedes Bunny hat seine Art der Kommunikation. Und so ist doch die reine Technik hinfällig.
******erz
159 Beiträge
Um das Thema tigere ich gedanklich schon immer wieder herum. Ich finde in den Shibari Bubbles (eine einzige gibt es da einfach nicht) ist man noch ein wenig mehr flexibler drauf. Die BDSM Bubbles sind da gefühlt viel schlimmer/starrer, zahlreiche „Superdoms“, die als einzige das einzig wahre BDSM kennen und jeder müsste ihnen nachlaufen, um von ihnen zu lernen... Alle anderen machen das falsch oder sind Fake. Wegen solcher Persönlichkeiten hätte ich damals beinahe dem ganzen Thema den Rücken gekehrt. Und dann hätte ich die Seile verpasst…
Mal ein paar Worte zu den Stilen und Ryus:
Ich habe es bei einem Anfängerworkshop offen angesprochen: Es gibt Menschen, die vom Kopf her einfach lieber einem Stil folgen und sich diesem verschreiben, leider kann es hier auch passieren, dass man sich dann unglücklich ausdrückt und so dann andere Menschen verstehen, man würde andere Stile, Mischformen oder was auch immer als „schlechter“ darstellen. Dem ist nicht immer so. Ich finde, wer es vom Kopf her nicht besser tragen kann, darf und soll gerne einem Stil verfolgen und sich dem Verschreiben – solange genügend Flexibilität angenommen wird bezüglich „Fesselungen an die körperlichen Gegebenheiten des Models“ anzupassen, damit hier nicht unnötige Risiken entstehen... (und ja ich empfinde es, als negativ, wenn die Models zum Pattern passen müssen und deswegen nur bestimmte „Formen“ an Mensch bevorzugt werden. Wenn es einfach nur eine Präferenz ist, ist das was anderes…)
Aber es gibt durchaus Menschen, die ihre Art und Weise als richtiger „echter“ darstellen und das empfinde ich total schade. Egal in welchem Kontext. Allein der Aspekt, ob mit Sex oder ohne, mit BDSM oder ohne führt immer wieder zu seitenfüllenden Diskussionen. Ich persönlich lehne für mich sexuelle Sachen wie Penetration oder so im Shibari ab, weil für mich da einfach die Magie verloren geht – ergo fessle ich nicht mit Menschen, die das anders sehen und lasse denen ihr Shibari einfach😊 Das wurde allerdings mir durchaus schon im Munde verdreht, wenn ich für mich sage, dass das nicht mein Shibari ist. Viele verstehen auch bsp. nicht das zwischen Sexuell und Erotik auch ein Unterschied existiert, oder das mich Seile erregen dürfen (und können) ohne das ich dann sexuelle Handlungen benötige. Für mich ist Seil alleine so sehr befriedigend, auch wenn ich ohne Orgasmus aus den Seilen rauskomme…
Es gibt auch Stile, die ich mal erleben möchte – wobei ich den Stil hierfür nutze, um eine bestimmte Richtung des Fesselns einfacher finden zu können, mit ggf. weniger Worten. Dafür sind Schubladen aus meiner Sicht auch da, es sind Shortcuts, mit denen man ggf. schneller oder zumindest einfacherer Gleichgesinnte finden kann. Dennoch bleibt es bei mir auch so, dass ich nicht Stile, sondern Menschen im Seil kennenlernen möchte – egal, ob der Stil jetzt Yukimura, Osada oder irgendeine Mischung aus mehreren Dingen ist, jeder Mensch bringt zusätzlich noch einmal etwas anderes mit rein und macht somit die eigene Fesselei absolut einzigartig. Ich habe schon spannende Sachen gesehen, wo die Menschen ihr Wissen und ihr Können mit eingebracht hatten als Baumpfleger oder Kletterer.

Dennoch rede ich Schulen oder die „böse“ Lehrerlizenz nicht schlecht. Ich finde die Lizenzen ehrlich gesagt hilfreich… Da weiß ich wenigstens, sie haben das mit entsprechendem Hintergrund, ggf. bei der Person direkt gelernt. Und behaupten nicht einfach so, um Geld machen zu können, dass sie das angeblich getan hätten (das soll es wohl schon so gegeben haben…). Ich finde, wenn man sich seinen Stil aus verschiedenen Quellen zusammenbaut, kann man das auch genau so formulieren und muss das nicht mit einem Stil „schönen“. Einige Menschen suchen vielleicht genau das!

Genauso wie ich hier in Deutschland den Wortgebrauch „Meister“ und „Lehrer“ als sehr schwierig empfinde – die wenigsten haben wirklich einen Meistertitel gemacht (ist hier in Deutschland mit Prüfungen usw. verbunden). Und die wenigsten haben wirklich einen Pädagogischen Hintergrund und wissen, wie sie wirklich etwas „lehren“ können. Das ist allerdings auch meine persönliche Meinung, einige sehen das anders. Ich finde diese Begriff Nutzung teilweise einfach irreführend. Das, was ich am Ende erwarte, wird dann ggf. nicht erfüllt. Wörter haben eine gewisse Macht und viele sind sich dessen nicht so bewusst, bzw. nutzen dies zum finanziellen Vorteil aus, um höhere Preise verlangen zu können… Das ist auch unfair jenen gegenüber, die damit vielleicht ihr Brot bzw. Lebensunterhalt verdienen und es in entsprechender Qualität anbieten. Nur weil ich etwas beibringe, muss ich mich nicht direkt Lehrer nennen.
Mit Sorge verfolge ich auch immer größere Workshop Konstellationen, die dann möglichst effizient den Weg zu Suspension zeigen sollen. Ich habe die Basics von meinem Expartner erlernt und hatte selbst da das Gefühl unter dem Druck stehen zu müssen, dass ich irgendwann aufhängen muss, weil das sonst kein richtiges Fesseln wäre. Dieser Druck kam nicht von ihm, sondern eher von außen.
Bis ich in einem Buch beispielsweise las, dass ein japanischer Meister hauptsächlich auf dem Boden fesselt. Und auch zahlreiche weitere Texte kamen mir unter, die ähnliches beschrieben. Das sagt dir nur keiner, dass das auch okay ist. Ähnliche Probleme haben wir allerdings in den Medien was Aussehen / Schönheit, Ernährung usw. angeht. Selbst Selfcare muss mittlerweile zur Perfektion betrieben werden und wenn du nicht xyz machst, machst du das falsch... Ich fürchte, dass das auch einfach daherkommt.
Und ja auch immer mehr kommen hier auch auf den Trichter, dass sich damit (gut) Geld verdienen lässt – manche machen das als Hauptberuf und da kann ich es einem auch nicht verübeln, wenn man hier Hobby und Beruf vereint. Manchmal nimmt das halt seltsame Bahnen an, wenn ich das aber nicht unterstützen möchte, gebe ich dem ganzen einfach kein Geld.

Das mit dem Ausschließen von Fesseltreffen kenne ich. Das tut auch irgendwie weh und löst in einem Zweifel aus… Das wurde mir allerdings erst so bewusst, als ich bei meinem ersten privaten Fesseltreff war. Jeder hier jedem einfach half, die Atmosphäre offen war und es scheiß egal war, ob jemand jetzt japanisch, westlich oder „ich habe mir da was zusammengebaut“ gefesselt hat. Ich habe mich sogar getraut mich selbst zu fesseln und wurde dabei nicht böse oder komisch angeschaut! Wenn etwas Besorgnis auslöst oder man ein Risiko sieht, spricht man das unter vier Augen in Ruhe an. Hört sich die Ansichten an. Und versteht dann auch, dass es bei einem einfach die Dynamik ist und dieses oder jenes dazu gehört – was für einen sich vielleicht falsch anfühlt, passt beim anderen genau ins Seil rein und gehört dazu. Wissen wurde hier gerne verteilt ohne schlechtes Gewissen, ohne böse Blicke. Verteilt man wissen auf so manch offiziellen Fesseltreff, nimmt man anderen Menschen anscheinend das Geld weg… Da sollen nebst Fesseltreff, dann auch die Workshops besucht werden – daher dürfen Gäste des Treffs kein Wissen weitergeben. So fühlte sich das oftmals an! Ja, es geht auch anders. Aber leider ist das nicht überall so.
Zum Abschluss: Erst vor kurzem las ich einen Text, wo gefragt wurde, ob denn überhaupt noch jemand nach dem „Herzen des Shibaris“ sucht oder ob jeder nur noch den Patterns / Techniken hinterherrennt. Beides hat seine Berechtigung und deswegen sind Schubladen in der Kommunikation durchaus nützlich, um im groben mitteilen zu können, in welche Richtungen man tendiert, wofür der eigene Garten oder das eigene Buffet offen ist bzw. welche Menschen sich darin bewegen oder sich daran bedienen dürfen.
Auch wenn Schubladen nerven, einen einengen und zerquetschen können – ganz abschaffen lassen sie sich nicht. Aber man kann sie sich zu Nutze machen, um Happy Roping zu bekommen, so wie man es sich wünscht 😊 Das tue ich mittlerweile, weil es irgendwann anstrengend wird, sich darüber aufzuregen. Zumal man keine Toleranz fordern kann / darf, wenn man selbst dann wieder sagt: „Ja, ne Schubladen sind doof. Das darf keiner mehr machen…“
Manche brauchen diese Schubladen 😊 Andere nutzen andere Beschreibungen, um ihre Welt zu beschreiben. (Ich mag den Garten, die Landkarte oder das Buffet lieber.)
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