Liebe
@******air ,
ich habe seit mittlerweile 7 Jahren eine 2. Partnerin. Daraus wurde dann unerwartet (so ziemlich sofort) Liebe - es hat etwas gedauert, bis ich es das auch zugelassen habe. Seit 6 Jahren verstehe ich mich als polyamor lebend. Meine Nestpartnerin (seit >33J verheiratet) ist nicht poly, aber offen - hat aber faktisch selber keinerlei Bedarf nach weiteren Beziehungen oder Partnerschaften. Würde sie frei wählen können, würde sie wohl monogam bevorzugen, aber sie sieht die Öffnung als akzeptabel, weil es ihr an nichts fehlt (Zitat) und sie nach den Jahren sich auch sicher und geborgen fühlt in der Situation die wir drei und insbesondere ich als Scharnier gestalte. Meine 2. Partnerin lebt selber polyamor. Die beiden haben schon mal telefoniert, doch meine Nestpartnerin möchte keine Kontakte über das Nötige hinaus. Was mMn auch völlig in Ordnung ist. Dass meine Partnerinnen in Kontakt sind, darf ich mir wünschen, aber es ist in keiner Weise erforderlich oder darf von keinem der Beteiligten erwartet werden.
Denn letztlich hat jede Beziehung nur genau zwei "Mitspieler". In meinem Fall die beiden Schenkel der V-Konstellation, also meine Nestpartnerin mit mir, sowie meine 2. Partnerin mit mir. Es ist meine Aufgabe, eine Balance zu finden zwischen den Bedürfnissen aller Beteiligter. Und natürlich kann jeder zu jedem Zeitpunkt frei entscheiden, ob er sich nicht mehr wohl fühlt und keine Lösung sieht dafür und sich entziehen. Wir drei sind autonom und frei. Aber auch darin, im gesunden Maß Rücksicht auf die Bedürfnisse der anderen zu nehmen. Wir haben über die Jahre eine wirklich gute Balance gefunden - und ja: Zum Teil hart erarbeiten müssen. Vor allem jeder für sich (innere Arbeit mit sich und seinen Ängsten und Sorgen, dem "Inneren Kind", etc.), aber auch Beziehungsarbeit.
Zu Deiner Situation sehe ich Deinen Mann gleichfalls als sogenanntes Scharnier in der V-Konstellation. Es ist aus meiner Sicht und Erfahrung und Selbstverständnis, dass es alleine seine Aufgabe ist, ein ausbalanciertes Beziehungsgefüge sicherzustellen. Er muss in Beziehung mit Dir Deine Bedürfnisse und Eure Beziehung pflegen - und dazu gehört definitiv 3 Dinge: Kommunikation, Kommunikation und vor allem Kommunikation.
Gleichfalls sollte er dies in der Beziehung mit seiner 2 Partnerin tun. Und dann ist es seine Aufgabe eine Balance zu finden, in der alle sich (zuweilen vielleicht auch mal nur hinreichend) wohl fühlen.
Nein, aus meiner Sicht darfst Du nicht erwarten, mit der anderen Partnerin deine Kommunikationsbedürfnisse zu stillen.
Aber ja, du darfst mMn unbedingt von Deinem Mann erwarten und auch einfordern, Deine Kommunikationsbedürfnisse mit ihm zu stillen.
Die Freiheit einer offenen oder polyamoren Konstellation bedingt meines Erachtens auch Verantwortung für die Gefühle und Bedürfnisse aller - insbesondere für das Scharnier. Sonst wäre es für mich keine Liebe (wir reden hier nicht von offen, sondern polyAMOR). Würdest Du einen weiteren Menschen in Dein Herz lassen, wäre es Deine Aufgabe zwischen ihm und Deinem Mann auszubalancieren. Und auch während der NRE-Phase gibt es diese Verantwortung - weil es sonst Schmerzen und Scherben geben kann.
Es braucht Commitment - aktuell von Deinem Mann zu Dir. Wenn er das nicht tut, darf er sich nicht wundern, wenn Du Deine Freiheit zur Entscheidung gegen die aktuelle Situation lebst und Dich dem entziehst. Das ist auch Selbstverantwortung.
Denn die Verantwortung für Dich und Dein Glück hat niemand, außer Dir selber! Auch nicht Dein Mann. Das ist in keiner Weise seien Aufgabe. Wohl aber, wenn er sich entscheidet, dass er mit Dir weiter durchs Leben gehen möchte. Dann entscheidet er sich für "Scharnier" und das bedingt neben den schönen Erlebnissen eben auch Verantwortung und Pflichten, für die Menschen die man liebt.
Es ist ausschließlich Deine Entscheidung, mit ihm durch diese Mühen zu gehen oder nicht. Das gleiche gilt für ihn.
Wenn man sich für poly entscheidet, dann muss Dein Mann auch Deine Bedürfnisse regelmäßig ("Check-in") abfragen und prüfen, ob sein Handeln für Dich noch in euren Beziehungsrahmen passt - und ggf. adjustieren. Und jeder kann jederzeit um ernsthafte Kommunikation bitten und zeitnah erwarten. Weil Dein Bedürfnisse und Deine Gefühle sind genauso wertvoll, wie seine und die der anderen Partnerin.
Wenn er nicht seiner Verantwortung gerecht wird, signalisiere ihm das klar(!) und auch, dass es Dir nicht gut geht und dringenden Gesprächsbedarf hast - mit aller Zeit und Raum, die das braucht. Und in Deine Worten, darf (und wird es vermutlich) auch mal unbequem. Er und Du, ihr müsst Euch ein gewissermaßen "nackt bis auf die Knochen machen", ehrlich sein zu Gefühlen und Sorgen und Glück. Über Werte und Wünsche. Nur dann könnt Ihr qualifizierte und freie Entscheidungen jeder für sich treffen. Und hoffentlich auch für miteinander füreinander - mit Entscheidungen für ein ausbalanciertes System.
Ja, auch wir haben hart gearbeitet und auch schwere Momente durchlebt. Besonders als Scharnier ist es nicht immer leicht. Aber ich kann für mich sagen: Wow! Das ist es wert! Ich habe das unfassbare Glück, zwei Menschen sehr intensiv lieben zu dürfen. Es gehört zu den besten Entscheidungen meines Lebens. Trotz oder vielleicht sogar gerade weil gelegentlich auch mal Mühe oder Unbequemes abverlangt.
Es ist eine tägliche Entscheidung, die ich für mich jeden Tag treffe, dass ich diese beiden Menschen in meinem Leben möchte. Und ich bin dankbar dafür, dass meine beiden Partnerinnen sich offenbar auch täglich für mich in ihrem Leben entscheiden
Das kann und möchte nicht jeder tragen. Jeder Jeck ist anders. Für mich fühlt es sich ungeheuer lebendig an.
Ich wünsche Dir, dass Dein Mann Dir zuhört und er bereit ist, diesen jetzt gerade auch erst mal anstrengenden Weg zu gehen - mit Dir!
Just my 2 cents - und für kurze Beiträge sind andere Foristen zuständig
