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Affäre als Poly mit Mono eingegangen

*******ss88 Paar
7 Beiträge
Themenersteller 
Affäre als Poly mit Mono eingegangen
Ich dachte ich bin schon recht versiert im thema polyamorie. Mein Mann und ich haben vor 9 Jahren auf meinen Wunsch die Beziehung begonnen zu öffnen und vor 5 Jahren wirklich polyamor zu leben. Ich hatte in der Zeit einen Freund, der nun 5 Jahre an meiner Seite war, mal intensiver, mal weniger. Bis auf die anfangsschwierigkeiten lief das wirklich sehr gut, die Männer kamen gut miteinander zurecht. Nun habe ich Ende September einen neuen Mann kennengelernt. Er hat eine Freundin. Wir begannen zu schreiben, und haben schnell gemerkt, dass wir viel gemeinsam haben. Er sagte, er hätte die letzten 3 Jahre immer überlegt, sich von seiner Freundin zu trennen. Mit uns entwickelte sich etwas Wunderschönes und er wollte seine Beziehung beenden. Ich bin normalerweise nicht die, die das verlangen würde, aber in seinem Fall, wie er die Beziehung geschildert hat, dachte ich, es wäre für beide besser getrennte Wege zu gehen. Machte mir auch deshalb wenig Vorwürfe, weil die Beziehung ja anscheinend wirklich am Ende war. Er hat dann lt. seiner Aussage versucht sich zu trennen und als es schwierig wurde, von Beziehungsöffnung geredet. Mein Gefühl hat mir aber gesagt, dass das so für mich nicht geht. Und ich bin mir im Nachhinein unsicher, ob er es wirklich mit seiner freundin angesprochen hatte. Wir hatten enorme zukunftspläne geschmiedet mit Haus, Kind, zusammen wohnen als Familien-WG mit meinem Mann und Sohn. Anfangs beteuerte er noch, er würde sich nun entgültig trennen, als ich mich zurückgezogen hatte. Auch mein Versuch, wenn er es ehrlich öffnen wolle, solle er ihr zumindest von mir erzählen, konnte er, obwohl versprochen, nicht durchziehen. Darauf folgte ein Monat Kontaktpause, weil meine Gefühle das so als Affäre nicht mitmachen konnten. Nach dem Monat kam eine riesen Liebeserklärung, aber keine konkreten Schritte. Und außerdem, dass er in der Zeit ohne mich halt bei seiner Freundin gefunden hat. Und ich habe es leider nach 2 Tagen voreilig beendet, weil ich nicht wieder in den strudel aus Gefühlschaos gezogen werden wollte. Ich mache mir nun Vorwürfe, dass ich nicht mehr kommuniziert habe, aber es kam halt von seiner Seite nichts. Das Konzept polyamorie war für ihn neu. Er meinte er hätte durch mich erst erfahren, was Liebe wirklich bedeutet, ist nun aber handlungsfähig.
Ich freue mich über einen Austausch, bitte seid lieb, habe schon so, so großen herzschmerz. Und mir ist bewusst, dass ich nichts anfangen hätte sollen mit jemanden der monogam lebt. Anfängerfehler..Ich dachte alles wird sich klären.

Danke
****4me Frau
5.875 Beiträge
Als erstes: fühl dich umarmt.

Als zweites: ich glaube nicht, dass das Problem seine Monogamie war (denn er war ja gar nicht monogam), sondern eher, dass er dir etwas vorgespielt hat, dass in der Realität anders war.
Klar könnte man es als Fehler ansehen, dass du dich auf eine Art Affäre eingelassen hast, aber mir geht es an der Stelle gar nicht um Schuld / Fehler oder Sonstiges.
Meine Erfahrung ist, dass ein Mensch, der eine Beziehung mit Unehrlichkeit anfängt (und seiner Partnerin gegenüber war er ja unehrlich) auch im weiteren Verlauf oft ein Problem mit Ehrlichkeit hat.

Meine beiden Partner sind beide nicht polyamor. Beide sehen sich als monoamor, wenn auch nicht unbedingt monogam. Daher würde ich die Thematik nicht am Punkt der Polyamorie festmachen, sondern eher am Charakter der Person und wir können einem Menschen leider immer nur vor den Kopf gucken und müssen uns bis zu einem gewissen Punkt darauf verlassen, dass sie uns in ihr Innenleben auch wirklich rein lassen.
*******enig Mann
17.613 Beiträge
Offensichtlich warst du weiter auf dem polyamoren Weg als er. Es wird dir nicht helfen, aber man kann das bzw sein Glück nicht erzwingen. Und wenn er nicht will, braucht es schon ein mittelgroßes bis sehr großes Wunder, dass "alles sich klären wird", wie du es geschrieben hast. Und für ein funktionierendes Polykül müssen eben alle Beteiligten einverstanden sein, was hier offenbar nicht der Fall war. Das tut mir leid für dich, wird sich vermutlich aber nicht mehr ändern lassen.
******m78 Frau
346 Beiträge
Es wird bestimmt etwas dauern das der Schmerz vergeht, aber dann wirst du spüren das du das Richtige gemacht hast.
Ich glaube ich das er was geändert und auch nicht das seine Freundin je von dir erfahren hätte.
Du hattest die berühmte rosarote Brille auf.
Er hat dich bestimmt geliebt, kommt aber aus seinem bequemer, sichern Leben nicht raus.
Wer liebt kann loslassen.
Sei stolz auf dich 💕
Ein Mann verhält sich unreif und fügt damit zwei Frauen Verletzungen zu. Kurz und knapp auf den Punkt gebracht.

Er will halt das Beste für sich rausholen. Ist ein normaler menschlicher Charakterzug. Aber er liebt dabei offenbar weder seine Partnerin noch dich.
Liebe bedeutet, dass man möchte, dass es dem geliebten Menschen gut geht.

Halte die Kontaktpause mal für ein Jahr durch. Dann sind die Hormone komplett weg. Vermutlich wirst du es dann klarer sehen können.

Sobald ich den Charakter meiner Expartner klar sehen konnte, war die Liebe weg. Denn letztlich ist der Charakter für meine Art von Liebe wichtiger als Aussehen, Sex oder intensive Gefühlsstrudel.
PS:

Mein gedanklicher Trick, um mich nicht auf Fremdgänger einzulassen, ist recht simpel:
Alles, was er mit ihr tut, wird er im Zweifel in einiger Zeit auch mit mir tun.

Er sagte, er hätte die letzten 3 Jahre immer überlegt, sich von seiner Freundin zu trennen.

Möchtest du das? Möchtest du einen Partner, der vielleicht mehrere Jahre mit dir zusammenbleibt, obwohl er unglücklich ist? Und dabei Fremden erzählt, dass er sich schon längst trennen wollte, aber dir nichts davon sagt?

Er hat dann lt. seiner Aussage versucht sich zu trennen und als es schwierig wurde, von Beziehungsöffnung geredet.

Möchtest du das? Einen Partner, der sich nicht entscheiden kann, ob er mit dir zusammen bleiben möchte? Der dauernd seine Meinung ändert und alle möglichen Dinge vorschiebt und damit so viel Leid verursacht?

Anfangs beteuerte er noch, er würde sich nun entgültig trennen, als ich mich zurückgezogen hatte. Auch mein Versuch, wenn er es ehrlich öffnen wolle, solle er ihr zumindest von mir erzählen, konnte er, obwohl versprochen, nicht durchziehen.

Möchtest du das? Einen Partner, der dich vermutlich ebenfalls betrügen wird (auch wenn er es gar nicht müsste), weil er das Gespräch und die Auseinandersetzung mit dir scheut?

Nach dem Monat kam eine riesen Liebeserklärung, aber keine konkreten Schritte.

Möchtest du das? Einen Partner, der die schönsten Worte schwingt, aber dessen Worte und Taten in keinster Weise auch nur halbwegs zusammenpassen?


Du scheinst doch bereits Beziehung auf einem viel reflektierteren Level zu leben als er. Du hast eine tolle, entpannte, geklärte Ehe. Du hast bereits erfolgreich und ehrlich mit zwei Männern polyamor gelebt. *g*

Woher kommt dieser Rückfall, dass du dich jetzt plötzlich wieder in so einen unreflektierten, verletzenden Blödsinn von einem Mann hineinziehen lässt? (Nicht böse gemeint, ehrlich, ich wundere mich nur.)
Geht es dir gerade nicht so gut, hattest du da einen Moment der Schwäche aufgrund anderer Dinge in deinem Leben?
*******ss88 Paar
7 Beiträge
Themenersteller 
Danke für eure Zeit mir zu antworten! Das hilft mir gerade. Mein Mann sagt auch, dass er mich wahrscheinlich gar nicht so sehr liebt/geliebt hat, wie er es beteuert. Aber für mich fühlte es sich wirklich nach Liebe an, nach heimkommen. Wir hatten so viel gemeinsam. Und ich vermisse das Gefühl, wie ich mich mit ihm fühlte. Aber ich kenne es von mir, dass ich einfach ein großes Herz habe und den anderen dann vielleicht in gewissem Maße mitreiße, mit meinen Gefühlen. Ich weiß es nicht. Er hat gesagt, er wisse erst durch mich was Liebe wirklich heißt. Er dachte, das wäre etwas, dass man nur in seiner Jugend hätte. Und ich dachte, ich könnte ihm zeigen, wie schön Liebe sein kann.

Aber @*********lerin, wie du es super auf den Punkt bringst, so einen Mann möchte ich nicht. Ich möchte gewählt werden und dass meine Gefühle respektiert bzw. als wichtig erachtet werden. Auch wenn ich die sekundäre Partnerin bin. Und ich brauche Ehrlichkeit, Transparenz, Kommunikation. Alles das, was er nicht wirklich konnte.

Ich habe in der Zwischenzeit auch ziemlich an meiner Poly-Fähigkeit gezweifelt, weil ich ihn doch für mich haben wollte. Aber ich kenne es aus Situationen mit anderen Männern, die offene Ehen hatten, dass ich immer gesagt habe, wir müssen auch gut auf seine Frau und ihre Gefühle achten. Nur hier hat er ganz andere Prämissen gestellt von Anfang an, und dann konnte ich mich mit einer Beziehungsöffnung nicht mehr anfreunden. Vorallem auch, weil er seine Partnerin mit ziemlich vielen Problemen beschrieben hatte, und ich das Gefühl hatte, so jemanden nicht in mein Leben bzw. das meines Sohnes lassen kann. Und auch, weil wir von gemeinsamen Kind und sowas geredet haben und ich aus eigener Erfahrung weiß, dass eine Öffnung nicht von heute auf morgen passiert und mit viel Geduld gemacht werden muss.

Etwas gutes hat das ganze aber, ich habe gemerkt was ich wirklich will. Ich möchte einen weiteren Partner, der mit uns gemeinsam Familie und Alltag trägt, nicht nur die sexuelle Seite. Nur habe ich das Gefühl mir läuft mit Mitte 30 die Zeit für so ein Vorhaben davon..

Ich danke euch wirklich vielmals für die guten Ratschläge, das macht es mir gerade wirklich etwas leichter.
*******ss88 Paar
7 Beiträge
Themenersteller 
@*********lerin und weil du fragtest: keine ahnung woher der Rückfall kam, am Anfang hatte ich doch immer mal wieder eine Red flag raus gehört (z.B. dass ich die einzige Person bin, mit der er von anfang an ganz ehrlich war, und sein konnte). Aber auf das wollte ich mich nicht versteifen. Und ich glaube, ich wollte mich einfach mal wieder als ICH fühlen und nicht nur als Mama.
*******enig Mann
17.613 Beiträge
Wir neigen vermutlich alle dazu das besonders gern zu hören was wir hören wollen. Ansonsten ist schon alles wichtige zum Thema gesagt.
****91 Mann
7 Beiträge
Woher kommt dieser Rückfall, dass du dich jetzt plötzlich wieder in so einen unreflektierten, verletzenden Blödsinn von einem Mann hineinziehen lässt? (Nicht böse gemeint, ehrlich, ich wundere mich nur.)
Etwas gutes hat das ganze aber, ich habe gemerkt was ich wirklich will. Ich möchte einen weiteren Partner, der mit uns gemeinsam Familie und Alltag trägt, nicht nur die sexuelle Seite.
Vielleicht liegt hier etwas drin? Ich kenne es, dass neue Menschen in meinem Leben mir sehr helfen können, neue Zukunftsideen zu entwickeln. Wenn doll Hormone dazukommen noch mehr. Die Begeisterung dafür kann schonmal ein paar red flags verblassen lassen.

Übrigens bin ich von den Antworten hier beeindruckt *g*
*******ss88 Paar
7 Beiträge
Themenersteller 
Ja vielen Dank, ich bin auch von den Antworten beeindruckt und jede einzelne hilft mir auf die eine oder andere Art weiter. Also danke an jeden, der sich die Zeit nimmt mir zu antworten.
********ch_4 Frau
380 Beiträge
Ich glaube nicht, dass Du es bei Deinem Mono-Mann mit jemandem zu tun hattest, der Fremdgänger sein wollte; der Heimlichkeiten haben wollte; der Dich hinhalten wollte - und vor allem nicht, dass er Dich nicht lieben würde sondern nur benutzen. Anhand Deiner Erzählung glaube ich das nicht. Er wird gemeint haben, was er sagt. Nur manchmal... ist es einfach noch zu früh.
Ich selbst habe die eine oder andere ähnliche Erfahrung gemacht. Und ich bin sehr überzeugt, dass Menschen, um aus einer unglücklichen Beziehung herauszukommen, mehrere Menschen brauchen, die ihn stückweise herausziehen. Dies in Verbindung mit der eigenen Gedankenarbeit für das näherrückende Ende. Das ist schmerzhaft für denjenigen. Auf der einen Seite schillert es so schön und auf der anderen Seite sind Verantwortungen und Verpflichtungen. Meistens sind mehrere solcher Schmetterlinge erforderlich, bis dem Anderen konsequentes Verhalten möglich ist. Leider Gottes bedeutet das auch, dass Du Deine eigenen Grenzen sehr im Auge behalten musst. Zermartere Dich nicht, weil Du einen Stop gesetzt hast. Es mag sein, dass er sich später wieder bei Dir meldet, weil Du einen Meilenstein bei ihm gesetzt haben wirst. Aber warte nicht und harre in der Situation aus. Das wäre mein Rat an Dich
******XII Mann
418 Beiträge
Ich gehe mit den meisten meiner VorrednerInnen überein, insbesondere mit Grenzwandlerin.

Habe ich aber richtig verstanden, dass Du diesen Mann erst vor ca. einem halben Jahr kennengelernt hast? Ist es da nicht auch etwas blauäugig bzw. voreilig, schon solche Pläne zu schmieden (Familien-WG)? Ich verstehe, dass die NRE anfangs groß ist, sich (zumindest scheinbar) alles toll anfühlt und man sich viel vorstellen kann. Aber ich wäre da vorsichtig, würde mir mehr Zeit nehmen (insbesondere wenn es Deine aktuelle Familie und vorallem Kind angeht) und schauen, wie es ist, wenn die rosarote Brille langsam abgefallen ist. Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass da Gefühle und Vernunft nicht immer der gleichen Meinung sind und versuche, so vernünftig wie möglich zu bleiben. Wenn die andere Person, die Richtige/Passende ist, hat man theoretisch noch eine lange gemeinsame Zukunft, so dass es nicht auf Monate oder ein Jahr oder so ankommt. So denke zumindest ich.


Zitat von *******ss88:
...Und ich glaube, ich wollte mich einfach mal wieder als ICH fühlen und nicht nur als Mama.

Darf ich noch auf Folgendes aufmerksam machen? Diesen Satz kann man als Kritik an Deinem Mann verstehen. Es liest sich für mich, als würde er Dich nur als Mutter seines/Eures Kindes sehen.
*********ldem Frau
52 Beiträge
Zitat von *******ss88:
@*********lerin und weil du fragtest: keine ahnung woher der Rückfall kam, am Anfang hatte ich doch immer mal wieder eine Red flag raus gehört (z.B. dass ich die einzige Person bin, mit der er von anfang an ganz ehrlich war, und sein konnte). Aber auf das wollte ich mich nicht versteifen. Und ich glaube, ich wollte mich einfach mal wieder als ICH fühlen und nicht nur als Mama.
Liebe Haselnuss, ein paar Beiträge weiter oben hatte ich mir gedacht "für mich persönlich ist das Konstrukt Polykül mit 2 unterschiedlichen Kindsvätern ganz schön ambitioniert, da würde ich dringendst dazu raten, nur jemanden zu nehmen, der seine Fähigkeit zu sowas in irgendeiner Form schon mal unter Beweis gestellt hat." war aber unsicher ob ich das wirklich schreiben wollte weil ich dachte, na ja ich bin eh kinderlos, was weiss ich schon ausser dem einen, ich neige zur Besserwisserei *witz* aber nach DIESER Aussage von dir möchte ich dir noch etwas anderes dazu ans Herz legen, ob du vielleicht nochmal aus anderen Perspektiven über deinen Wunsch nach so einer Polyfamilie nachdenken möchtest? Weil, wenn du weitere Kinder bekommst dann wirst du doch wahrscheinlich noch weniger Gelegenheiten haben, dich als "mehr als nur Mama zu fühlen?" Und ausserdem, die beiden Väter wären sich dann auch mega ähnlich und im Theater gilt: such dir deine Freunde bei solchen Kollegen, die ANDERE Rollen spielen als du, da ist es einfach sich gegenseitig zu unterstützen und zu bewundern *kuss*
*********yself Paar
97 Beiträge
Hier wurde es schon ausführlich beschrieben, nun meine kurze Version was ich herauszulesen meine:
Klassisches Love Bombing, Versprechungen und hinhalten. Charakterlich schwach und manipulativ. Natürlich macht man nie alles richtig, aber nach deinen Äußerungen ist es leider einseitig und diese Person eine wanderung RedFlag. Keine schöne Situation für dich, ganz viel Liebe und gedanklich dieser männlichen Person ganz viel auf die ..... geben.
*****izu Frau
745 Beiträge
Man kann auch ohne gedanklich gewaltätig zu werden daraus lernen 😅

Love bombing ist aber wirklich nochmal ein sehr guter Ansatz. Das muss die Person nicht Mal "mit Absicht" tun. Bei vielen ist das unterbewusst oder angelerntes Verhalten und ganz viel aus Angst vorm allein sein oder verlassen werden oder anderen Bindungsproblemen geschuldet.

Als Opfer durchläuft man wirklich genau das, was du beschreibst. Man stellt sich zusammen die tollste Zukunft vor, hat vermutlich schon nach wenigen Wochen "ich liebe dich" gehört oder selbst auf den Lippen und wird regelrecht mit der Gefühlswelt überrumpelt und mitgerissen.

Ich spreche aus Erfahrung, mir ist das auch mehrfach passiert bis ich für mich Mechanismen gefunden habe, damit umzugehen.

Mein größter Tipp dagegen: nimm und lass dir Zeit. Gehe keine kurzfristigen commitments ein. Definiere für dich einen guten Zeitraum, ab dem du erst dem ganzen ein Label zugestehst. Bei mir ist das ein halbes Jahr. Eine Beziehung muss erstmal ein halbes Jahr halbwegs laufen und sich stimmig anfühlen, bevor ich dieser das Label Partnerschaft zugestehe. In diesem halben Jahr habe ich zum einen Zeit die rosa rote Brille abzulegen und zum anderen lässt sich auch schauen, ob das ganze wirklich Halt und Bestand hat. Manche nehmen sich da weniger Zeit, andere mehr. Du kannst innerlich für dich schon die Zugehörigkeit und "ich möchte eine Beziehung" fühlen, aber diesen bewussten Schritt im eigenen Tempo und aus rationaler und emotionaler Überzeugung zu machen, macht sehr viel aus.

Andersherum habe ich erlebt, wie mir nach 3 Wochen "ich liebe dich" gesagt wurde, damit mehr oder minder auch schon eine Beziehung eingegangen wurde und ich dazu auf den Level gar nicht bereit war. Innerhalb von 3 Monaten hatten wir schon diverse Probleme und teils stundenlange Klärungsgespräche die an beiden gezehrt haben. Das ist keine vernünftige Basis für eine Beziehung und diesem Stress wäre ich entgangen, wenn ich das Verhalten früher als Love bombing identifiziert und mir mehr Zeit gelassen hätte.
@*******ss88
Fühl dich erstmal ganz dolle gedrückt!
Danke für deine Offenheit und ich hoffe, das es bald leichter wird, sowohl das Vermissen als auch dieses Gefühl von „was hätte sein können“.

Und auch ein riesen Dankeschön an alle die mit ihren Kommentaren ihre Sicht, Meinung und Mitgefühl mitgeteilt haben.

Ich fand die Beiträge sehr stark.
*******ss88 Paar
7 Beiträge
Themenersteller 
Ich bedanke mich auch bei allen, die sich die Zeit genommen haben, mir hier weiterzuhelfen.. Irgendwann wird der Schmerz wieder leichter werden.
**********staIt Mann
192 Beiträge
Ich hatte bisher zwei Begegnungen mit untreuen Menschen, die ich trotz hohem moralischen Kompass nicht dafür verurteilen konnte. Einmal absolute und seitens des Partners bewusst eingesetzte finanzielle Abhängigkeit und Alleinbetreuung der Kinder (über 20 Jahre in einer Beziehung) und einmal psychische Erpressung und Androhung des Suizids bei Weggang (13 Jahre Beziehung, davon sieben ohne Nähe, Verbundenheit und Interesse). Psychologische Abhängigkeit, egal ob rational oder nicht, dürfte oft ein Grund für Untreue sein.

Es wäre zwar nicht mein eigener Ansatz gewesen, in einer monogamen Beziehung untreu zu werden. Aber ich konnte es nachvollziehen. Das Problem ist leider, dass der Schritt zwangsläufig irgendwann kommen muss. Was ist in einem, drei oder 20 Jahren anders? Wenn man dafür keine Antwort hat, wenn es vielleicht gar keine gibt, dann ist vielleicht gerade jetzt der genau richtige Zeitpunkt.

Ich sehe zu der zweiten Konstellation viele Parallelen in deiner Beschreibung. Wenn er nie echtes Interesse erlebt hat, wenn er immer spürst, dass jede seiner Entscheidungen negative Konsequenzen hat, dann ist es etwas ganz besonderes, von außen gesehen zu werden. Das alleine weckt schon sehr intensive Emotionen, unabhängig davon, ob sie nun Liebe oder etwas anderes waren.

Ich finde die Idee von @*****izu , einer Verbindung ein halbes Jahr zu geben, ehe man sie labelt, sehr klug. Alleine schon, weil dieser kleine Schritt schon als Selbstkontrolle dienen kann: es kann auch sein, dass es einfach nicht passt, selbst wenn es sich jetzt ganz wundervoll anfühlt. Danke an dieser Stelle auch für deine Offenheit, was dich zu diesem Umdenken veranlasst hat.

Ich hatte der Frau in Konstellation zwei geraten, ganz aktiv darauf zu achten, sich nicht in Abhängigkeiten zu begeben. Jede Art von Dating ist bei einer solch distanzierten Beziehung zuhause besser als der Status Quo, die Gefahr von Abhängigkeiten ist enorm. Bei dir @*******ss88 hätte ich dir gerne zu selbigem geraten. Bleibe für Dating offen, blicke dich weiter um und halte eine Basis von dir selbst, in der du auch ohne umliegende Menschen glücklich sein kannst.

@*******ss88 Magst du mit mir/mit uns teilen, wie sich dein Leben seither weiterentwickelt hat? Welche Schritte bist du gegangen, wo bist du heute und was konntest du für dich langfristig mitnehmen? Konntest du dich von inneren Vorwürfen trennen?
Bitte teile nur so viel, wie du gerade kannst und möchtest. Ich kann nicht einschätzen, wie es dir vier Monate später geht und meine Neugier soll kein Anlass sein, neuen Schmerz zu erwecken.
****_79 Mann
101 Beiträge
Das Thema ist in der Kürze der Zeit schon sehr gewachsen. Dennoch auch vorweg von mir: fühl dich ganz lieb gedrückt @*******ss88 und das auch aus bestimmten Grund:

Ich bin selbst eine Beziehung mit einem monogamen Menschen eingegangen vor etlichen Monaten, wenngleich ohne den Charakter einer Affäre. Auch wenn der Versuch leider kürzlich scheiterte, hat er uns beide sehr bereichert.

Ich fühle völlig nach, was du schreibst: ich fühle mit jeder Faser meines Körpers und das mag anstecken. Natürlich ist das nur meine Meinung, aber vorwerfen würde ich mir das nicht.

Alles, was er möglicherweise seiner Partnerin angetan hat, vielleicht hinterrücks, vielleicht auch nicht, mag ich auf eines reduzieren: Für mich funktioniert meine Welt als Poly gut, wenn ich bedingungslos ehrlich und offen gegenüber jedem bin, für den ich etwas empfinde. Das ist etwas, das ich auch von meinem Gegenüber benötige. Da würde ich auch einen monogam Fühlenden nicht von ausnehmen.

Wenn ich richtig verstehe, weißt du nicht einmal genau, was bei ihm Schein und was wahr ist. Für mich wäre er an dieser Stelle niemand, zu dem ich ein Beziehungsmodell anbieten/ leben könnte - ganz gleich, wie die Gefühle in dem Moment sind.

Das sagt sich natürlich ohne diese Gefühle im Bauch leicht. Dennoch mein Rat dazu: hinterfrage nicht, ob du mehr hättest tun können. Du warst zwischenmenschlich zuvorkommend und bist auf ihn zugegangen.

Es ist schade, wie er damit umgehen konnte. Es gibt eine Art von Reife im Umgang mit komplexen Beziehungen, die er nicht gerade bewiesen hat. No offense: nicht jeder kann das. Sein Verhalten hat Unsicherheit und negative Emotionen bei Beteiligten verursacht. Ich kann nicht beurteilen, ob aus Unbeholfenheit.

Ich hoffe, meine Gedanken und Meinung dazu sind hilfreich *g*
*******ss88 Paar
7 Beiträge
Themenersteller 
Vielen Dank für eure Nachfrage. Es geht mir mittlerweile wieder besser. Noch nicht 100% gut, aber um einiges besser. Ich habe einen enormen Entwicklungsprozess durchgemacht und mir auch professionelle Hilfe dafür geholt. Das ganze hat leider im Nachhinein auch sehr an unserer Beziehung gezehrt, aber wir haben es geschafft, aus dem ganzen Trubel etwas positives für unsere Beziehung mitzunehmen und haben viel daran gearbeitet bzw. sind auch immer noch dabei. Mir haben die vielen tollen und ausschließlich wohlwollenden Kommentare von euch wirklich gut getan und ich merke, dass das wirklich ei. Austausch unter gleichgesinnten ist. Vielen Dank dafür!
Was ich aus der ganzen Erfahrung mitnehme, ist, dass ich meine Grenzen besser kennengelernt habe, und diese nun früher ziehen werde. Ich weiß nun besser was ich will und das ist nunmal nicht mit jedem x-beliebigen umsetzbar.

Vielen Dank für euren Gedanken und eure Unterstützung,
mit Liebe,
Haselnuss
**********staIt Mann
192 Beiträge
Vielen Dank für deine Rückmeldung nach der vergangenen Zeit. Schön, dass du aus all' dem Schmerz etwas Gutes mitnehmen konntest.
Ich wünsche dir und euch, dass eure künftigen Begegnungen mit sehr viel mehr Sicherheit einhergehen können und ihr eure Grenzen immer gut abstecken könnt. Da übe ich auch noch.
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