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Berufliche Distanz

******r79 Frau
Themenersteller 
Berufliche Distanz
Nehmt ihr noch viel von der Arbeit mit nach Hause oder eher nicht? Ich bin jetzt 17 Jahre in der Pflege tätig und bin 14 Jahre ehrenamtlich RD, als RS gefahren. Gerade am Anfang haben mich öfters Dinge belastet und habe diese auch mit nach Hause genommen. Das man mit der Zeit etwas "abstumpft" finde ich eigentlich normal, sonst könnte man unsere Jobs auf Dauer nicht machen.
Seit einem Jahr arbeite ich nun als Krankenschwester in einer Einrichtung für Flüchtlinge und habe auch mit vielen "Patienten und Erkrankungen"zu tun, mit denen ich vorher nie einen beruflichen Kontakt hatte. Gerade auch mit Kindern.
Ich bekomme viele Gesichten zu hören die mich in den Moment traurig stimmen, aber ich nehme sie nicht mit nach Hause. Wir hatten jetzt ein 8 Monate altes Kind, bei dem eine schwere Mißbildung im Gehirn festgestellt wurde. Wir haben im Team darüber gesprochen und meine anderen Kollegen belastet das ganze bis zu einem bestimmten Grad, mich nun gar nicht. Das stimmt mich einfach nachdenklich. Bin ich zu abgestumpft oder hab ich mir über die Jahre nur die notwendige Distanz angeeignet?
*********
hi ronja
zu sehr abgestumpft bist du erst wenn du deine Patienten und deren angehörige schlechter behandeln würdest als früher.
ohne deinen guten kompensationsmechanismus wärest du nicht mehr im Job....freu dich dass er so gut funtioniert
der oli
(20 jahre unfalltraumaintensiv)
******ite Mann
ohne die Distanz...
... würde man in vielen Bereichen unserer Jobs nicht überleben können, jedenfalls nicht psychisch/seelisch.

Es hat nichts mit abstumpfen zu tun, manchen fällt es schlicht leichter, den Job nicht mit nachhause zu nehmen.
Es kommt finde ich auch immer darauf an, wie das Team in "belastenten" Phasen mit der Situation und miteinander umgeht. Fühlt man sich damit allein gelassen, dann geht man dran kaputt oder stumpft tatsächlich ab, um eben nicht dran kaputt zu gehen.

Ich hatte das Glück, dass mir in den verschiedenen Bereichen, in denen ich mit unschönen Momenten im medizinischen Bereich zu tun hatte, sich eine gewisse Akzeptanz mehr oder weniger von allein eingestellt hat, dass man einsehen muss, dass man nicht jeden retten kann.
Gewissermaßen habe ich den Job nach jeder Schicht mit meiner Arbeitskleidung nach Feierabend abgelegt.
****s91 Mann
Sehe des...
wie Oli und Coldwhite =)
Es wird erst dann zu einem Problem, wenn du die Empathie gegenüber deinen Patienten verlierst und dahin gehend abstumpfst. Dass du in der Freizeit dich nicht davon runter ziehen lässt oder auch auf der Arbeit ist erst einmal positiv.
Ich bekomme viele Gesichten zu hören die mich in den Moment traurig stimmen, aber ich nehme sie nicht mit nach Hause.

Damit sagste des ja schon selbst *zwinker* Die Empathie ist vorhanden, aber irgendwo ist auch deine persönliche Grenze und es geht ja auch nicht jede/r Pflegende gleich damit um. Sofern du deine Arbeit weiterhin gewissenhaft erledigst, brauchst du dir keine Sorgen zu machen *g*

...auch, wenn ich mit nem knappen Jahr Erfahrung auf Station nach dem Examen noch grün hinter den Ohren bin, hab ich auch schon einige unschöne Dinge erlebt und gesehen. Rede da schon noch mit Freunden oder Familie ab und zu in meiner Freizeit drüber, aber es belastet mich nicht.
Fange am 01.10. im OP an, das wird noch einmal etwas ganz Neues.

Gruß
Johannes
**********e2013 Paar
Nähe und Distanz
Zwei Igelkinder, diese Geschichte habe ich während meiner Zusatzausbildung (Hospiz) kennengelernt. Ich finde die sehr passend im Umgang mit Patienten, aber auch im privaten Bereich.

Zwei kleine Igel haben sich in einem Laubhaufen ein kuscheliges Nest gebaut. Es wird kalt, und sie suchen in Ihrem Nest die Wärme Sie rücken nah aneinander. sie spüren die Wärme und Nähe des anderen wohlig und gemütlich. Es wird noch kälter. Sie rücken noch näher zusammen, aber da pickt es und tut weh. Sie rücken auseinander und sie frieren Sie rücken wieder zusammen und tun sich weh. So versuchen sie ihr Miteinander zwischen Nähe und Distanz so zu leben, dass Nähe nicht verletzend und Distanz nicht frierend macht.
Das ist im Miteinander von Menschen nicht einfach, dem anderen so nah zu sein. ohne im weh zu tun, und ihn freizulassen ohne ihn allein zu lassen Wie oft war die Nähe erdrückend und die Distanz erkältend wie oft war eine Nähe belastend und eine Distanz zum Erfrieren. Die Nähe muss den anderen freilassen und die Distanz den anderen festhalten. Wenn ich die Nähe brauche, macht die den anderen vielleicht gerade kaputt. Wenn ich die Distanz möchte macht sie den anderen vielleicht gerade todeinsam. Wir müssen es immer wieder versuchen, uns so nah wie möglich und so entfernt wie nötig zu sein.

Und Gönne dich dir selbst
Wenn alle Menschen ein Recht auf dich haben, dann sei Du selbst auch ein Mensch, der ein Recht auf sich hat. Gönne dich Dir selbst , Tu das nicht nicht immer, aber tu es immer wieder mal, sei wie für alle anderen auch für dich selbst da oder jedenfalls sei es nach allen Anderen.
******011 Frau
Distanz
Es stimme den Vorrednerinnen und Vorrednern in vielen Punkten zu!

Allerdings ich arbeite sehr viel mit Kunden, natürlich gehen einen einige Geschichten näher als andere (Krebskranke...)

Wenn ich mir aber am Anfang meiner Berufsaufbahn immer Gedanken gemacht habe, wie kann man mit diesen Patienten am besten umgehen, was kann man tun, wie wird es dem Patienten in Zukunft gehen... Bin ich mittlerweile der Auffassung gehe ganz normal mit diesen Menschen um, denn Normalität ist das was sich sehr viele wünschen, weil sie von ihren angehörigen meist schon genug geschont werden, alles wird ihnen abgenommen usw.!


Als sei du selbst, freundlich, nett und hilfsbereit! Ein freundliches Wort hilft ihnen manchmal schon sehr *zwinker*


Ich wünsche allen einen schönen Abend

Lg Ebba
*****aer Mann
In der Zeit, ...
... als ich noch als Pfleger arbeitete (geht aus gesundheitlichen Gründen momentan nicht) habe ich beim Verlassen der Station noch einmal nachgedacht, ob ich irgend etwas vergessen hatte und ließ den Arbeitsplatz zurück, ohne etwas mit nach Hause zu nehmen.

Ohne Empathie könnten wir unseren Beruf sicherlich nicht zur Zufriedenheit der Patienten und uns selbst ausüben. Distanz heißt für mich auch, kein Mitleid zu haben. Mitgefühl ist das, was ich empfinde und das unterscheide ich genau. Wer mitleidet, dem geht es schlecht, der hat die Distanz verloren. Sicherlich gehen mir bestimmte dramatische Bilder auch nach Jahren nicht aus dem Kopf, und das ist gut so, denn sie sind Teil meiner Erfahrung, die ich in der 38 Jahren als Pfleger gemacht habe.

Es ist für mich kein Zeichen von abgestumpft sein, wenn man nichts nach Hause mitnimmt. Es ist für mich eher ein Zeichen, dass man den Beruf gut vom Privatleben trennen kann und das ist notwendig! Wie sonst soll man sich erholen. Wenn ich mit jungen Pflegekräften (hier in Wien) spreche, fällt mir durchaus auf, daß dieses Thema in der Ausbildung ein wenig zu kurz kommt. Das ist schade, denn wer nicht abschalten gelernt hat ist bereits auf dem Weg ins Burnout.

Liebe Grüße in die Runde schickt der Polybäääär
*************
Eine vielleicht "negativ" erscheinende Antwort, die ich anfangs als Witz empfunden habe. Bei näherer Betrachtung eher als Warnung!

Es war ein netter Dienst auf der Psychiatrie, mein Oberarzt und ich treffen uns auf einen Kaffee und eine Zigarette, plaudern ein wenig über die Fälle.. Als ihm folgender Satz entgleitet, welcher weit über die Psychiatrie hinaus Gültigkeit besitzt.

"Entweder du kommst mit Anteilen einer Antisozialen Persönlichkeitsstörung in diesen Job oder du erlernst sie hier...."

In diesem Sinne: Cave canem!
***
Ich
hab mir im laufe der Zeit Distanz angwöhnen müssen.
Am Anfang meiner Zeit im RD 1983 hab ich zuviel an mich rangelassen. Zu der Zeit gab es noch kein psychologische Betreung für Einsatzkräfte.
Du musstest mit dem ganzen selbst fertig werden. Leider haben einige meiner Kollegen den Weg in den Drogenkonsum usw gewählt weil sie damit absolut nicht fertig wurden.
Gut das es heute, Fachleute dafür gibt die helfen können und jeder sollte sich überlegen ob er das warnimmt.


Frohes Fest vom Rande des Spessart.
******ite Mann
ich würde sogar...
.... noch weiter gehen sigma90 und sagen, dass man es lernen MUSS.

Ganz gleich in welchem medizinischen Berufsfeld man tätig ist, eine gesunde Portion Arschloch muss man sich einfach bewahren, auch wenn man sonst der ausgeglichenste, hilfsbereiteste und friedlichste Mensch ist.

Ich denke, viele haben zum Thema Distanz vor allem solche Situationen vor Augen, in denen med./psych. Hilfe einfach nichts mehr bringt, wo eben einfach das Ende erreicht ist.

Aber nicht weniger belastend können Situationen sein, wo es zwar nicht um Leben und Tod geht, aber um andere (emotionale) Entgleisungen, wo man mit Unverständnis oder sogar Gewalt konfrontioert wird. Auch damit muss man umgehen können, vor allem dann, wenn man sich wie bsp. in der stationären Pflege sich bewusst Tag für Tag diesen Situationen/den gleichen Menschen stellt.
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