Können Männer "Feministen" sein?
Ich würde gerne eine Frage zur Diskussion stellen, die mir selbst nicht leichtfällt und genau deshalb wichtig erscheint:Können männlich gelesene Menschen Feministen sein – oder sollten sie es besser bleiben lassen?
Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist ein Paradoxon, in dem ich mich selbst ausdrücklich einschließe:
Wenn wir davon ausgehen, dass alle Männer Teil des Problems sind – ja, auch „die reflektierten“, „die guten“, „die bewussten“ –, dann deshalb, weil es strukturell unmöglich ist, nicht vom Patriarchat zu profitieren. Dieses System hat zweifellos auch Seiten, die für Männer schädlich sind. Aber global, historisch und in der Gesamtbilanz bleibt es ein System, das Männern strukturelle Vorteile verschafft.
Sich als Mann als Feminist zu bezeichnen, kann daher problematisch sein:
Es kann verdecken, dass man Teil des Problems ist.
Es kann eine moralische Überlegenheit signalisieren, die nicht angemessen ist.
Und es kann – gewollt oder ungewollt – zur Vereinnahmung eines emanzipatorischen Kampfes beitragen, der nicht aus männlicher Erfahrung heraus entstanden ist.
Gleichzeitig überzeugt mich die Gegenposition ebenfalls nicht vollständig. Ich halte die Vorstellung eines grundlegenden gesellschaftlichen Wandels nicht für realistisch, wenn er entlang einer Frontlinie „Frauen gegen Männer“ gedacht wird. Wut ist absolut berechtigt – und als Energie für Veränderung zentral. Die Frage ist für mich aber: Worauf richtet sie sich? Auf Menschen – oder auf Strukturen?
Pauschale Anfeindungen aufgrund von Geschlecht oder Körpermerkmalen erzeugen aus meiner Sicht vor allem Abwehr, Rückzug und Trotz – und damit genau jene Opposition, die nachhaltige Veränderung erschwert. Wenn wir davon ausgehen, dass Privilegien nicht einfach verschwinden, sondern aktiv abgegeben werden müssen, dann braucht es dafür auch die freiwillige Bereitschaft männlich gelesener Menschen, sich solidarisch zu engagieren, Macht zu reflektieren und Räume bewusst zu verlassen oder zu teilen.
Daraus ergeben sich für mich offene Fragen, bei denen ich sehr gespannt auf eure Perspektiven bin:
Können oder sollten sich Männer / männlich gelesene Menschen als Feministen bezeichnen?
Falls ja: unter welchen Bedingungen?
Falls nein: Welche Bezeichnungen, Haltungen oder Rollen wären angemessener?
Wo verläuft für euch die Grenze zwischen Solidarität und Vereinnahmung?
Ich frage nicht, um eine eindeutige Antwort zu finden, sondern um besser zu verstehen, wie ein solidarischer, machtbewusster und nicht-paternalistischer Umgang mit Feminismus – gerade auch im fBDSM-Kontext – aussehen kann.












