Tunnel
Der erste Schlag trifft meinen Hintern.Ich bin mir nicht sicher, was ich fühle. Aber schon trifft der nächste. Wieder und wieder.
Die rechte Pobacke. Dann die linke. Dieselbe Stelle. Immer wieder.
Dann woanders.
Mit zunehmender Intensität.
Mein Körper regt sich nicht. Ich analysiere.
Keine Zeit für Genuss. Dies ist ein Experiment.
Sie könnte ohnehin keinen Genuss empfinden.
Ich notiere, wie viel Schmerz der Körper ertragen kann, wenn SIE am Steuer sitzt. Ich registriere, analysiere, notiere. Wissenschaftlich. Akribisch.
Ihre Anwesenheit dämpft meinen Schmerz.
Interessant.
So völlig objektiv bin ich nicht.
Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Schmerzgrenze längst überschritten ist.
Ihre nicht.
Hat sie eine Schmerzgrenze?
Fühlt sie etwas?
Oder fühle nur ich?
Ertrage ich allein die Schmerzen, die er mir zufügt, während SIE mich in Position hält?
Ich grüble.
Ich habe keinen Impuls wegzuzucken.
Nicht, dass sie das zulassen würde.
Aber ich WILL auch nicht weg.
Noch nicht.
Er wechselt das Schlagwerkzeug.
Verdammt.
Der dumpfe Schmerz weicht einem Beißen.
Er liebt seine Peitschen.
Ich nicht.
Ihr ist es egal.
Sie hält mich in jeder geforderten Position.
Aufrecht. Still. Eisern.
Die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Waagerecht ausgestreckt. Über den Kopf gehoben.
Egal.
Sie steht reglos.
Hieb um Hieb trifft er.
Hohe Frequenz. Hohe Intensität.
Es schmerzt. Aber es sollte viel mehr schmerzen.
Ihre Anwesenheit dämpft meinen Schmerz. Genau wie das Nachbrennen. Das Ziehen. Der Nachhall, der auf jeden Hieb folgt.
Es ist kürzer. Deutlich kürzer.
Ihre Anwesenheit lässt mich mehr ertragen.
Sie hält mich in Position.
Hält den Körper aufrecht, breitbeinig, die Hände über den Kopf erhoben.
Die Frequenz der Hiebe nimmt zu. Genau wie die Intensität. Ich glaube, er hat das Schlagwerkzeug gewechselt. Es sind sogar zwei geworden.
Treffer. Treffer. Treffer.
Immer weiter.
Immer mehr.
Immer härter.
Immer höher wandern die Treffer.
Hintern. Taille. Bauch. Brüste...
Oh nein. Nicht zwischen die Schulterblätter.
Ich kann mich nicht wehren, mich nicht einmal winden. Sie lässt keine Reaktion zu. Meine Panik steigt.
Was ist, wenn er mich nicht lesen kann?
Natürlich kann er mich nicht lesen.
Sie lässt keine Reaktion zu.
Was ist, wenn er nicht aufhört?
Wenn sein Sadist eskaliert?
Zwischen die Schulterblätter.
Sie strafft die Schultern. Um besser zu ertragen. Um besser zu funktionieren.
Kein Zucken. Kein Winden. Kein Flehen um Gnade.
Sie funktioniert.
Ich schreie stumm.
Meine Angst nimmt zu. Steigert sich immer weiter. Immer weiter. Bis an die Grenze zur Panik.
Mein Verstand kratzt an seinem Gefängnis. An seinem selbstgewählten, selbst geschaffenen Gefängnis.
Imaginäre Gitterstäbe.
Ich werfe mich dagegen.
Sie halten.
Sie lässt mich nicht raus.
Sie erfüllt ihre Aufgabe. Hält die Position. Hält mich gefangen. In meinem eigenen Verstand.
Und sie lässt mich nicht raus.
Wieder trifft er zwischen die Schultern.
Ich zucke und winde mich. Innerlich.
Keine Reaktion dringt nach außen.
Ich schreie. Tobe.
Ich heule Rotz und Wasser.
Reglos und stumm.
Tränen bahnen sich ihren Weg nach außen. Laufen mir übers Gesicht.
Tonlos.
Er sieht es nicht.
Er steht hinter mir.
Und schlägt weiter.
Pause.
Ich spüre ihn hinter mir. Spüre, wie er die Peitschen sinken lässt.
Er tritt in mein Sichtfeld.
Und betrachtet mich. Distanziert.
Ich will ihn greifen. Mich in ihm vergraben. Heulen.
Ich stehe starr.
Eine Ewigkeit vergeht. Dann schließt er mich in die Arme. Aber er entlässt mich nicht aus meinem Gefängnis.
Sie verdient Aftercare.
So seine Meinung.
Er zieht sie nach unten. Auf den Boden. Hält sie.
Wozu?
Ich bin entrüstet.
Ihr ist es egal.
Sie kuschelt sich an ihn.
Ich schnaube innerlich.
Sie braucht keine Aftercare.
Sie. Die strenge Wärterin. Die Befehlsempfängerin. Die mich einsperrt. Und zwingt zu ertragen.
Sie hat das nicht verdient.
ICH habe gelitten.
ICH war gefangen.
In einem dunklen Tunnel. In Schmerz.
Er schickt sie weg.
Ich atme auf.
Und vergrabe mein Gesicht in seinem Bart.
Vanille.
Alles ist gut.



