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Grenzen, die befreien - Deutschland (03.08.2026)1
Grenzen, die befreien: Der Schlüssel zu entspannter Nähe und…
Beziehungsanarchie
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Unsicher, ob meine Wünsche sich nicht ausschließen

*****n96 Frau
6 Beiträge
Themenersteller 
Unsicher, ob meine Wünsche sich nicht ausschließen
Hi,
Ich bin neu hier und würde gerne Eure Meinungen zu meiner aktuellen Problematik hören.
Ich war bisher nur in monogamen Beziehungen, allerdings immer ziemlich unglücklich und sie haben sich meist relativ schnell wie ein Käfig angefühlt (sexuell sowie dass es nicht "richtig" wäre, romantische Gefühle für eine andere Person zu entwickeln). Zwei der Beziehungen habe ich beendet ohne diese Thematik überhaupt anzusprechen, weil mir mit Anfang bis Mitte 20 schlicht nicht klar war, was "mit mir nicht stimmt". In der letzten habe ich es angesprochen und wir hatten auch eine Öffnung der Beziehung versucht, mit dem Ergebnis, dass er unzufrieden war und mich verantwortlich gemacht hat, was wiederum dazu führte, dass ich weitere 4 Jahre versucht habe diesen "Fehler" (mit dem er laut eigener Aussage und ohne Druck anfangs einverstanden war) wieder gut zu machen.

Ich habe mich mittlerweile getrennt und bin auch sehr froh über meine Entscheidung. Nur stehe ich jetzt vor dem Problem, dass ich schlicht nicht weiß, ob ich schlicht für eine monogame Beziehung nicht geeignet bin oder ob ich einfach nur Pech mit meinen bisherigen Partnern hatte (oder beides). Ich habe mich die letzten Jahre nicht an die Thematik aufgrund meiner schlechten Erfahrungen ran getraut und möchte das jetzt ändern.

Mein größtes Problem dabei ist, dass ich mir unsicher bin, ob mein Bedürfnis nach wirklicher Nähe und Liebe und auch danach, für jemanden etwas Besonderes zu sein, nicht vollkommen konträr zu jeder Form von BA steht. Ich würde nämlich sehr gerne ein Leben mit jemanden zusammen aufbauen. Ich bin ein super emotionaler Mensch, der leider viel zu oft damit alleine gelassen wurde, anstatt zusammen daran zu arbeiten. Daher brauche ich eine gewisse Sicherheit, um mich wirklich wohl zu fühlen und ich selbst sein zu können.
Auf der anderen Seite kann ich mir nur einen Partner für den Rest meines Lebens schlicht nicht vorstellen. Ich stehe zu dem Standpunkt, dass sich zwischenmenschliche Beziehungen frei entwickeln können sollten, auch romantische. Und ja, ich habe leider auch eine sehr ausgeprägte Libido.

Ich hatte in der Vergangenheit durchaus auch F+ sowohl mit Männern als auch Paaren in offenen Beziehungen und fand das eigentlich immer ganz schön. Es war für mich immer ok, dass es eine feste Freundin gab und hab mich in aller Regel auch gefreut, wenn ich diese kennenlernen durfte. Ich habe aber aufgrund meiner letzten 7 Jahre langen Beziehung keinen Kontakt mehr.

Mir ist bewusst, dass bei einigen Punkten durchaus ein tiefer liegendes Trauma (z.B dass schon meine Eltern meine Grenzen bewusst missachtet haben und das hat sich auch durch alle Beziehungen gezogen, weshalb Kommunikation immer schwierig war, von mir ausgehen musste und meistens damit endete, dass ja alles alleine mein Problem wäre) dahinter steckt und ich versuche das auch seit Jahren und jetzt auch wieder mit einer Therapeutin aufzuarbeiten und komme damit auch gut voran. Ganz besonders versuche ich momentan zu verstehen, wie viel von dem was ich mir wünsche, wirklich das ist, was ICH will und wie viel mir schlicht als "richtig" und wünschenswert beigebracht wurde. Und BA gehört dazu.

Ich weiß, es ist viel und ich hoffe nicht zu sehr durcheinander 🙈

Ich freue mich über jeden Input!
****gen Mann
143 Beiträge
Für jemanden etwas besonderes sein und Beziehungsanarchie bzw Ethische Nicht Monogamie sind in meinen Augen erstmal nichts, was sich gegenseitig ausschließt.

Auch wenn man mehrere unterschiedliche Partnerschaften führt, kann jeder Partner trotzdem auf seine oder ihre Art ganz besonders wichtig sein.

Für mich sind Partner nicht einfach austauschbar, nur weil es eben mehrere Partner gibt. Tatsächlich braucht es für mich gar keine Form von Exklusivität, um einem Partner wichtig zu sein oder zu zeigen wie wichtig mir eine Person ist.

Also im Kern in meinen Augen kein Wiederspruch.

Am Ende ist aber trotzdem ganz viel Kommunikation notwendig. Und sich selber zu kennen und für die eigenen Bedürfnisse einzustehen ist eben auch wichtig und eine Fähigkeit die man lernen kann. Ganz unabhängig von der Beziehungsform oder dem Lebensmodell.
*****n96 Frau
6 Beiträge
Themenersteller 
Zitat von ****gen:


Für mich sind Partner nicht einfach austauschbar, nur weil es eben mehrere Partner gibt. Tatsächlich braucht es für mich gar keine Form von Exklusivität, um einem Partner wichtig zu sein oder zu zeigen wie wichtig mir eine Person ist.

Ich denke, die Angst davor, womöglich ausgetauscht zu werden, spielt dabei auch eine zentrale Rolle für mich. Ich bin mir aber bewusst, dass das meine eigene Unsicherheit ist, an der ich selbst um meinetwillen arbeiten muss.
****gen Mann
143 Beiträge
Zitat von *****n96:
Zitat von ****gen:


Für mich sind Partner nicht einfach austauschbar, nur weil es eben mehrere Partner gibt. Tatsächlich braucht es für mich gar keine Form von Exklusivität, um einem Partner wichtig zu sein oder zu zeigen wie wichtig mir eine Person ist.

Ich denke, die Angst davor, womöglich ausgetauscht zu werden, spielt dabei auch eine zentrale Rolle für mich. Ich bin mir aber bewusst, dass das meine eigene Unsicherheit ist, an der ich selbst um meinetwillen arbeiten muss.

Ich glaube die Angst vor Austauschbarkeit ist häufig ein Stolperstein bei der Nicht-Monogamie. Die Frage ist ja, wie gehst Du so an deine Beziehungen und Freundschaften heran? Ersetzt Du da auch bestehende Kontakte, wenn was "Besseres" sich ergibt? Nein. Das machen die meisten nicht. Und trotzdem haben wir oft Angst, umgekehrt genau so ersetzt zu werden.
*****n96 Frau
6 Beiträge
Themenersteller 
Zitat von ****gen:
Zitat von *****n96:
Zitat von ****gen:


Für mich sind Partner nicht einfach austauschbar, nur weil es eben mehrere Partner gibt. Tatsächlich braucht es für mich gar keine Form von Exklusivität, um einem Partner wichtig zu sein oder zu zeigen wie wichtig mir eine Person ist.

Ich denke, die Angst davor, womöglich ausgetauscht zu werden, spielt dabei auch eine zentrale Rolle für mich. Ich bin mir aber bewusst, dass das meine eigene Unsicherheit ist, an der ich selbst um meinetwillen arbeiten muss.

Ich glaube die Angst vor Austauschbarkeit ist häufig ein Stolperstein bei der Nicht-Monogamie. Die Frage ist ja, wie gehst Du so an deine Beziehungen und Freundschaften heran? Ersetzt Du da auch bestehende Kontakte, wenn was "Besseres" sich ergibt? Nein. Das machen die meisten nicht. Und trotzdem haben wir oft Angst, umgekehrt genau so ersetzt zu werden.

So hab ich das bisher noch nicht betrachtet. Ergibt aber Sinn. Danke!
***im Mann
1.053 Beiträge
Moin, erstmal Respekt und Hochachtung vor Deiner Offenheit. Mit Mitte 20 sich schon so gut seiner Gefühle bewußt zu sein und davon im joyyclub zu schreiben ist toll.
Die Ambivalenz und das Schwanken zwischen den beiden Wünschen nach Freiheit und Gebundenheit sind wohl typisch menschiich, und je nach Erfahrungen in der Kindheit bei manchen Leuten stärker oder bedrohlicher. Damit bist Du nicht allein.
Ich habe 30 Jahre lang an einer Ehe festgehalten, wir wollten beide nicht die Fehler unserer Eltern wiederholen, die sich trennten, als wir 13 waren, und das war auch falsch. Ich glaube nicht mehr an die eine, sei es aus Verantwortlichkeit aufgrund einer Entscheidung oder aufgrund romantischer Gefühle.
Ich weiß, daß ich viele Frauen lieben kann und das ist gut so. Wenn eine Unbedingtheit und Ausschließlichkeit fordert, muß sie auf mich verzichten. Gleichzeitig kenne ich das Gefühl, für einen "Idioten" verlassen zu werden, und das ist scheiße.
Das Entscheidende und ein wirksames Gegengift für Eifersucht ist alleine das, was immer gilt: Sich selbst zu mögen. Flapsig gesagt: Die beste Erwiderung auf ein Liebesbekenntnis ist die Bestätigung! Sagt jemand "Ich liebe Dich", so antwortest Du "Ich mich auch".
****ym Mann
256 Beiträge
Erstmal Glückwunsch für deinen Mut und dein wirklich gutes Gespür, was du brauchst, oder besser: nicht brauchst. Das Abenteuer "Beziehungsanarchie" könnte eine lange Reise mit vielen neuen Wegen sein.

Im Grunde gibt es ja keine Regeln für eine BA. Jeder definiert es anders. Die einen wollen völlig ungebunden sein und mit jeder Person die sich anbietet Spaß haben. Andere suchen tiefe Seelenverbindungen die zu langen Beziehugnsgeflechten werden. Wieder andere haben eine feste Hauptbeziehung mit der sie Kinder bekommen und ein Leben aufbauen, und daneben suchen sie sich in verschiedenster Weise das was sie gerne außerhalb dieser festen Beziehung wünschen. Alles ist richtig und gut solange es sich für dich richtig anfühlt. Wir können hier auch erstmal nur raten, was du brauchst.

Eine Vermutung ist, dass du jetzt im Moment erstmal frei sein möchtest. Du warst jahrelang fest und eng gebunden. Jetzt brauchst du erstmal die Freiheit. Also hab Spaß und genieße es. Auf alle Arten die dir genehm sind: ONS, polyamore Geflechte, Swingerclub, GB-Parties, F+, Hausfreundin, etc. Ich denke mit der Zeit wird es sich entweder ergeben oder du findest heraus was du brauchst. Nicht selten entstehen dann auch einfach Geflechte: aus regelmäßigen Clubbekanntenschaften werden Beziehungen, platonische Freunde werden zum Hausfreund und wiederkehrende Privatparties entwickeln sich zu Dreiecksbeziehungen.
Auch auf dem Weg wird es sich immer wieder verändern. Vielleicht fühlt sich für eine weile gut an jemandes Geliebte zu sein. Aber dann willst du etwas festeres und suchst dir eine Hauptbeziehung zu deinen Abenteuern.

Achte auf deine Gefühle und Bedürfnisse. Hinterfrage was du jetzt gerade brauchst und was sich unangenehm anfühlt. Gerade hier kannst du eine Vielzahl an tollen Informationen und Ratschlägen bekommen.
******ter Mann
1.431 Beiträge
Ich kann dir auch bestätigen, dass sich deine Wünsche nicht ausschließen.

In meinem Polykül basieren Partnerschaften immer noch auf Treue, nur beduetet dies für uns eben nicht Exklusivität sondern Loyalität.
****le Mann
14 Beiträge
Segelschiffe sind nicht für den Hafen gebaut.
****on Mann
17.350 Beiträge
Ich habe in meinen 20ern und 30ern auch gedacht, dass mit mir etwas nicht stimmt. Auf der einen Seite bin ich ein absoluter Beziehungsmensch mit großer Nähe und Nahbarkeit, Loyalität und immerwährender Verbindung. Und auf der anderen Seite ist Exklusivität eine Zumutung für mich. Nicht, weil ich ein dringendes Bedürfnis habe nach "fremder Haut" oder neue Verliebtheiten - das ist so gar nicht der Fall. Sondern weil ich schlicht offen für Menschen bin.

Nach langen monogamen Zeiten mit Treuegelöbnis (das ich auch strikt eingehalten habe), habe ich ein neues Leben der Polyamorie begonnen - sozusagen eine Ehe mit beliebig vielen Liebsten und Metamouren. Wir waren über ein Dutzend in großer Nähe und Liebe.

Seit fünf Jahren leben meine Liebste und ich nur noch zu zweit zusammen, die Gründe haben mit Beruf und existenziellen Projekten zu tun. Wir haben die größte nur vorstellbare Liebe und Nähe zueinander - aber Exklusivität wäre für beide von uns eine Zumutung. Unsere Wünsche und Bedürfnisse nach maximaler sicherer Verbindung und gleichzeitig Nicht-Exklusivität schließen sich absolut gar nicht aus.

Und eins verstehe ich längst: Niemand von uns würde einander gegen jemand anderen eintauschen. Wir sind ja beide auch mit unseren ehemaligen (teilweise vielen) Partnern weiter in tiefer Verbindung.
*******Maxx Mann
12.378 Beiträge
Gruppen-Mod 
Zitat von ****on:
Unsere Wünsche und Bedürfnisse nach maximaler sicherer Verbindung und gleichzeitig Nicht-Exklusivität schließen sich absolut gar nicht aus.
Da hake ich mal ein - genau so (er-)lebe ich es auch. *ja*

Mit Mitte 20 habe ich geheiratet. Unsere Partnerschaft selbst ist schon aus einer tiefen Freundschaft neben anderen, "mit denen wir gingen" (so nannten wir das damals, wenn man eine Liebesbeziehung hätte), hervorgegangen.

Wir kannten also beide das Gefühl, einander lieben zu lernen obwohl wir zeitgleich eine(n) andere(n) liebten.

Und bereits wenige Jahre nach unserer Hochzeit verliebte ich mich erneut (Fun-Fakt am Rande: Wir sind nach gut 30 Jahren wieder in Kontakt, weil sie zuerst nach meiner inzwischen verstorbenen Frau suchte, nicht direkt nach mir *zwinker*).

So war schon unsere Ehe zwar von viel Liebe, Nähe und Verbundenheit, aber nie vom Zwang nach Exklusivität gekennzeichnet. Und das nicht durch die Suche nach weiteren sexuellen Abenteuern, sondern einfach offen für weitere Menschen, die wir in unser Herz (einzeln oder gemeinsam) schließen können. Dass da Sex und Erotik auch eine Rolle spielen können, war nicht ausgeschlossen - aber nicht primäre Triebkraft.

Und genau so lebe und liebe ich weiterhin: frei, direkt, ehrlich, verbindlich und offen.
Das schließt Nähe in diesen Beziehungen in keinster Weise aus - im Gegenteil: emotionale Nähe ist die Grundlage für alles.
Ich finde auch nicht, dass sich deine Wünsche unbedingt widersprechen.
Viele Menschen haben dieses Bedürfnis nach Nähe, Liebe, Verlässlichkeit und danach, für jemanden etwas Besonderes zu sein und gleichzeitig den Wunsch nach Freiheit und danach, dass sich Beziehungen entwickeln dürfen. Das muss sich nicht automatisch ausschließen.

Was ich beim Lesen eher gedacht habe: Du hast offenbar lange Beziehungen erlebt, in denen deine Bedürfnisse wenig Raum hatten und du am Ende viel Verantwortung für die Gefühle des anderen übernommen hast. Wenn man solche Erfahrungen gemacht hat, ist es total verständlich, dass man irgendwann anfängt zu zweifeln, ob mit einem selbst etwas "nicht stimmt".

Mir hat irgendwann der Gedanke sehr geholfen, dass man nicht sofort das perfekte Beziehungsmodell für den Rest seines Lebens definieren muss. Viel wichtiger ist, Menschen zu finden, mit denen man offen über Bedürfnisse, Grenzen und Erwartungen sprechen kann und die bereit sind, gemeinsam zu schauen, was für beide funktioniert.
Ob das am Ende monogam, offen, BA oder irgendetwas dazwischen ist, ergibt sich oft erst im Prozess.

Das Bedürfnis nach emotionaler Sicherheit und echter Nähe ist völlig legitim, egal in welchem Beziehungsmodell. Das hat nichts damit zu tun, ob man monogam oder nicht-monogam lebt. Das sind einfach grundlegende menschliche Bedürfnisse.

Ich finde es übrigens toll, dass du dich mit deinen Mustern auseinandersetzt und therapeutische Unterstützung hast. Das ist eine sehr gute Basis, um herauszufinden, was wirklich zu dir passt. *blume*
*****n96 Frau
6 Beiträge
Themenersteller 
Was ich beim Lesen eher gedacht habe: Du hast offenbar lange Beziehungen erlebt, in denen deine Bedürfnisse wenig Raum hatten und du am Ende viel Verantwortung für die Gefühle des anderen übernommen hast. Wenn man solche Erfahrungen gemacht hat, ist es total verständlich, dass man irgendwann anfängt zu zweifeln, ob mit einem selbst etwas "nicht stimmt".

Ja, das trifft es ziemlich gut. Ich kenne es leider nicht wirklich (zumindest von sehr engen Personen, Familie, Partnern), dass meine Grenzen beachtet oder meine Gefühle ernst genommen werden. Wenn ich sie nicht rational erklären konnte, waren sie immer nur "meine Einbildung" und das hat mich auf Dauer massiv verunsichert. Gefühle durften nie einfach existieren.
Und ich denke, ein Aspekt, der mich bisher immer davon abgeschreckt hat, der ganzen Thematik nachzugehen, ist auch die Angst davor mit eben genannten Emotionen einfach alleine gelassen zu werden und dass sich im Falle von mehreren involvierten Personen das Problem massiv steigert und mir dann völlig der Halt fehlt.
Mit ist bewusst, dass ich ganz oft Panik schieben, bevor etwas überhaupt passiert ist, einfach nur, weil Szenario xy passieren KÖNNTE. Das ist etwas woran ich arbeite, schlicht, weil es mich von so vielen Dingen abhält, die mir eigentlich gut täten.
Das kann ich sehr gut nachvollziehen, mir ging es ähnlich.
Ich habe auch früh gelernt, dass meine Grenzen oder Gefühle nicht wirklich ernst genommen wurden. Dann hieß es schnell, ich würde mir etwas einbilden oder übertreiben. Das macht auf Dauer unglaublich unsicher, weil man irgendwann anfängt, der eigenen Wahrnehmung nicht mehr zu vertrauen.
Diese Angst, mit starken Gefühlen alleine gelassen zu werden, kenne ich auch sehr gut. Wenn man solche Erfahrungen gemacht hat, ist es total nachvollziehbar, dass das System sofort Alarm schlägt, sobald mehrere Menschen involviert sind oder Dinge unübersichtlich werden.

Was ich allerdings irgendwann auf die harte Tour gelernt habe ist, dass ich es tatsächlich überlebe, wenn geliebte Menschen gehen. Oder wenn Beziehungen enden. Das tut wahnsinnig weh, aber es zerstört mich nicht.
Und irgendwie hat mir genau diese Erfahrung langfristig sogar etwas gegeben. Mir ist klar geworden, dass es diese absolute Sicherheit im Außen gar nicht gibt. Menschen können gehen, Dinge können sich verändern.
Der einzige Ort, an dem wirklich Stabilität entstehen kann, ist irgendwann in einem selbst.

Das heißt natürlich nicht, dass man alles aushalten oder sich in unsichere Situationen bringen muss. Aber mir hat es geholfen, den Fokus ein bisschen zu verschieben, weg von "Ich muss verhindern, dass etwas passiert" hin zu "Ich werde damit klarkommen, wenn etwas passiert".
Allein dieser Gedanke hat bei mir schon viel Druck rausgenommen. *g*
**********nties Mann
46 Beiträge
Ihr sprecht da ein sehr grundsätzliches Problem an: beispielsweise werde ich von sehr guten Freund*innen derzeit immer wieder gefragt, ob ich nicht eifersüchtig sei oder Eifersucht bzw. "negative Gefühle" verdränge. Das verunsichert. Dass wir (hier) alle quer zu gesellschaftlichen Normen leben, ist klar, aber gerade Partner*innen, Familie oder gute Freund*innen haben viel Einfluss (was auch erstmal richtig ist, sonst würde ich mit ihnen nicht offen über poly/BA sprechen) und da kommen leichter Zweifel auf, ob wir nicht irgendwo "zu" verquer sind.
Und genau das ist das Dilemma, die eigene Stabilität ist (für mich) entscheidend, um poly/offen leben zu können. Mein Grundbedürfnis auf Sicherheit eben nicht an ein*e Partner*in zu hängen, sondern dafür selbst die Verantwortung in mir zu suchen. Und das ist anstrengend, je öfter mensch das Gefühl hat, dass da dich irgendwas mit mir nicht stimme.
Leicht gesagt: Du bist voll in Ordnung, wie Du fühlst, verkehrt (für Dich) sind die anderen, nicht Du! Und da tut eine Gruppe wie diese echt gut - nein, wir sind nicht alleine
****ym Mann
256 Beiträge
Gefühle sind erstmal in Ordnung wie sie sind. Nur haben wir an vielen Stellen Gefühle mit falschen Bedeutungen oder Handlungen verbunden. Angst sehen wir nahezu immer als schlecht an. Aber dabei wird vergessen, dass Angst eine Warnung ist und und hilft mit maximaler Power zu agieren.
Gleiches gilt auch für Liebe und Eifersucht. Wir lernen über unsere Kind- und Jugendzeit hinweg, dass Liebe das höchste Gefühl ist und man es nur wirklich wahrhaftig mit einer einzigen Person haben kann (selbst Elternliebe wird da gerne ähnlich klassifiziert). Wer jedoch schonmal zwei Personen gleichzeitig geliebt hat (das kann auch Liebe zum Kind UND zum eigenen Partner sein), wird merken, dass das gar nicht so stimmt. Auch geht aus Liebe nicht zwingend eine Handlung hervor. Wir verlieben uns oft unabsichtlich. Aber ob wir mit dieser Person eine Lebensgemeinschaft führen, unser Leben mit ihr synchronisieren oder gar fest verbinden ist eine Entscheidung, kein Zwang.

Eifersucht ist, in meinen Augen, sehr ähnlich. Wir lernen, dass Eifersucht etwas schlechtes ist. Und noch schlimmer: wir lernen nicht damit umzugehen. Wenn jemand eifersüchtig ist, ist der allgemeine Ratschlag: die andere Person macht etwas falsch und man muss sich noch enger aneinander binden. Eifersucht wird also mit Zwang begegnet. Gleichzeitig entsteht in einem Selbst Schuld und Scham. Nur, Schuld an was? Und Scham vor was? Wenn wir uns aber bewusst werden woher dieses Gefühl eben kommt, was die eigenen darunter liegenden Ängste sind oder gar echte Verletzungen, dann können wir mit Eifersucht besser umgehen.
Ich finde, dass Eifersucht erstmal nützlich sein kann um eigene Grenzen zu sehen und auf seine eigenen Bedürfnisse zu achten. Beispiel: "Ich bin eifersüchtig auf den Liebhaber meiner Frau". Das darunter liegende Gefühl ist meistens: "Ich habe Angst sie an ihn zu verlieren." Warum? Der Grund kann sein, dass man in der Vergangenheit mehrfach eine geliebte Person (an dritte) verloren hat oder man unzureichende Nähe erlebt hat. Der Grund für die Eifersucht in diesem Fall ist also nicht die Frau die einen Liebhaber hat. Der Grund ist die eigene Angst sie zu verlieren und eventuell ein erlernter Selbstwertverlust. Was wäre nun ein guter Weg damit umzugehen? Erstmal die eigenen Gefühle äußern, ohne Beschuldigung natürlich. Und dann Mechaniken installieren, die diese Angst mindern. Das könnte zb bewusste Paarzeit nach einem Date sein; oder Nachrichten von ihr wenn sie bei ihrem Liebhaber angekommen ist und wieder fährt; oder ausführliche Gespräche danach, sich damit wieder verbinden und die eigenen Ängste aussprechen.
Wir entscheiden ob und wie unsere Gefühle unser Handeln beeinflussen. Wir selbst entscheiden, was wir als richtig und falsch empfinden. Die andere Person mag Einfluss darauf nehmen können, doch tief beeinflussen können nur wir uns selbst (schwere psychische Trauma und Erkrankungen ausgenommen).
**********nties Mann
46 Beiträge
Das hast Du sehr schön geschrieben, aber ich weiß nicht, ob wir hier etwas zu weit von den konkreten Fragen der TE Sjoefn96 abschweifen. Eifersucht ist ja nichtmal ein klares Gefühl, sondern ein Cocktail verschiedener Gefühle in unterschiedlichen Mischungen. Es kann auch Neid dazu gehören, z.B. dass meine Liebste was genießt, das mir gerade nicht vergönnt ist. Aber Verlustangst ist oft eine dominante Komponente dieses Cocktails. Und damit ein brüchiges Selbstwertgefühl, weil wir gelernt haben, uns zu dessen Erhaltung besonders der Spiegelung des Gegenübers zu bedienen. Vielleicht als Gegenbeispiel, wie es mir gerade geht (Nachahmung zwecklos, weil jede*r nunmal das empfindet, was er*sie spürt und nicht das, was z.B. ich empfinde): statt Angst, dass meine langjährige Partnerin mich nur noch "halb" lieben würde, als sie die Beziehung geöffnet hatte, empfand ich das Gegenteil: "endlich werde ich als schon lange polyamor empfindender Mensch ganz geliebt!" Und auch gerade durch diese compassion, meine Mitfreude über ihre neuen Erfahrungen, ist unsere gemeinsame Tiefe noch gewachsen, was wiederum bestens gegen jegliche Verlustangst hilft. Es gibt seit dieser Öffnung eigentlich noch weniger Gründe, unsere Beziehung zu verlassen.
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