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Beziehungs-Anarchie und BDSM?63
Ich bin eine verspielte Sadistin und mich triggert auch ein wenig die…
Beziehungsanarchie
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Anarchie vs. Hierarchie

*******Maxx Mann
12.369 Beiträge
Themenersteller Gruppen-Mod 
Anarchie vs. Hierarchie
Im Vorstellungsthread kam der Gedanke auf:
*****enz:
selbstverständlich gibt es in der anarchie auch hierarchie. aber eben nur solche hierarchischen strukturen, denen man freiwillig zugestimmt hat (z.b. durch vereinbarung, beitritt, vertrag etc.).

Wie seht ihr das? Gibt es in der Anachie auch Hierarchien oder widerspricht die Existenz von festen (vereinbarten) Hierarchien nicht auch dem Grundgedanken der Anarchie?
*********inanz Paar
48 Beiträge
Anarchie in der Hierarchie...
gibt es in unseren gelebten Beziehungen auf jeden Fall *g* Ich liebe zwei Männer, zum einen meinen Mann, zum anderen meinen Sub, ich verstehe beide als meine Lebenspartner, jedoch gibt es sehr klare Hierarchien. Mein Mann und ich sind pangender, bisexuell, switcher und leben dieses mal hier, mal da, auch mit anderen Männern und Damen aus, vorwiegend auch in festen meist klar definierten Beziehungen (BDSM macht alles einfacher *g* ). Die völlige Anarchie in der Hierarchie in unserem Verständnis. Mein Sub gehört allein mir und darf keine anderen amorösen Beziehungen leben. Zumindest nicht ohne meine Einverständnis *zwinker* Also jetzt keine Sorge, es ist alles vertraglich geregelt ^^ *g*
*****ica Frau
303 Beiträge
Ich finde, alles was von Menschen erdacht oder gemacht wird/wurde ist nie "ganzundgar".
Ob Hierachie, Anarchie oder z B.: Kommunismus....der Faktor "Mensch" verändert auf seine jeweils eigene Weise den modellorientierten Gedanken.
*******z_st Mann
785 Beiträge
hängt natürlich, wie immer, von der definition ab *g* ...auch jene, welche anarchie nicht mit anomie verwechseln, definieren anarchie meist recht individuell (ein beispiel von vielen wären anarchokapitalisten und linksanarchisten mit z.t. konträren ansichten zum anarchismus). auch der begriff herrschaft wird meist unterschiedlich definiert und verwendet, was die sache erschwert. daher stellt alles was ich nachfolgend schreibe meine individuellen ansichten dar, ohne anspruch auf allgemeingültigkeit.

die ausgangsbasis aller überlegungen zu dem thema und die basis meines wertesystems ist folgende aussage: "mein körper gehört mir." dies ist für die meisten menschen einleuchtend und auch rein logisch richtig. diese fakt ist übrigens auch eine gute ausgangsbasis für alle überlegungen zum thema freiheit (mein lieblingsthema), alles ander folgt daraus.

sobald jemand gegen meinen willen (!) verfügungsgewalt über mich, meinen körper und mein leben ausübt, bin ich nicht mehr frei. dann werde ich beherrscht... und zwar herrschaft im sinne von gewaltherrschaft (z.b. vergewaltigung, sklaverei, herrschaft durch staatliches gewaltmonopol, usw.). anarchie ist die abwesenheit von herrschaft.

so, nun zur hierarchie. hierarchie ist nicht immer an herrschaft gekoppelt! hierarchie ist eine ordnungsstruktur auf basis einer führung, beispielsweise einer autorität. bei autorität ist mit hinblick auf freiheit / anarchie wichtig zu unterscheiden, ob es eine aufgezwungene (vorgesetzte) autorität ist, oder eine natürliche und/oder freiwillig gewälte.
beispiel: ein politiker, der mit gesetzen und gewaltmonopol verfügungsgewalt über mein leben ausübt, ist eine aufgezwungene autorität in einer hierarchie. habe ich vor, zwei wochen durch den himalaya zu klettern, dann suche ich mir eine gruppe mit einem guten bergführer und werde als flachlandbewohner alles tun was der bergführer in 8000 metern höhe sagt. den er ist eine natürliche autorität aufgrund seiner mir haushoch überlegenen kompetenz und dem fakt, dass ich mich freiwillig dieser gruppe angeschlossen hab (abwesenheit von herrschaft).

anarchie kommt nicht ohne regeln aus. zur wahrung der regeln durch alle beteiligten, haben sich in vielen menschlichen gemeinschaftsstrukturen hierarchische organisationsformen als gute lösung herausgestellt. beispielsweise nicht nur aufgrund der vorteile einer führung durch eine kompetente autorität (bergsteiger, ärzte-team in der chirurgie, usw.), sondern auch weil viele menschen gerne verantwortung abgeben, gerne geführt werden wollen, etc. ...beispielsweise ist BDSM m.e. durchaus mit anarchie vereinbar, da es sich um eine freiwillig gewählte hierarchie handelt, inkl. der gewalt, da es gewaltausübung ist, welche vorher freiwillig vereinbart wurde.
ein anderes typisches beispiel wäre ein inhaber geführtes unternehmen. dies ist auch meist hierarchisch organisiert. aber das ist ebenfalls keine herrschaft, da ich nicht gezwungen werde, in diesem unternehmen zu arbeiten. erst wenn ich einen (arbeits)vertrag mit diesem unternehmen unterschreibe, gehe ich damit (freiwillig) die verpflichtung ein, mich der hierarchischen struktur unterzuordnen.

jegliche form von erzwungener hierarchie und gewaltherrschaft ist hingegen mit anarchie unvereinbar.
Beziehungs - Anarchie
Für meine Beziehungen bedeutet Anarchie vor allem, dass es keine Hierarchie gibt. Ich halte sogar feste Vereinbarungen innerhalb von Beziehungen für kontraproduktiv, was Anarchie angeht. Wobei: offener Umgang und transparente Kommunikation sind schon auch eine Grundvereinbarung, die aber sehr wenig einschränkt.
Andere Vereinbarungen, wer mit wem wann was darf oder nicht - die möchte ich nicht. Weder ich möchte eingeschränkt werden, noch möchte ich, dass eine meiner Sexualpartnerinnen sich meinetwegen einschränkt.

Daher passen für mich Anarchie und Hierarchie gar nicht zusammen. . .
******aul Mann
99 Beiträge
.. etwas esoterisch-philosophisches Geschwurbel zu dem Thema? Mir ist an diesem Karfreitag danach ... *zwinker*

Der anarchische "Frei-Geist" ist im Laufe seines Lebens oft damit konfrontiert sein, sich in Hierarchien einzugliedern ... Beispiele dafür gaben meine Vorredner schon ausreichend.

Kennt er jedoch das Konzept der 'kontrollierten Torheit', was jener Autor durch den lehrenden Protagonisten in etwa so beschreiben läßt:

„Dir gehen bestimmte Dinge in deinem Leben nahe, weil sie wichtig sind. Deine Handlungen sind für dich sicher wichtig, aber für mich ist gar nichts mehr wichtig, weder meine Handlungen noch die Handlungen irgendeines meiner Mitmenschen. Ich lebe trotzdem weiter, weil ich meinen Willen habe. Weil ich mein ganzes Leben lang meinen Willen gezähmt habe, bis er klar und dienstbar wurde, und jetzt macht es mir nichts mehr aus, dass nichts wichtig ist. Mein Wille kontrolliert die Torheit meines Lebens.“


... dann ist 'gelebte Hierarchie' für einen solchen Geist ein Klacks... so denn diese 'kontrollierte Torheit' korrekt angewendet wird.

Aber wie eingangs erwähnt ... nur das Geschwurbel eines Suchenden, vielleicht sogar etwas offTopic *zwinker*

Wuensche allseits schöne Feiertage *wink*

-----------------
Quellen: ich verlinke nix, sucht bitte selber ...

P.S. Der Versuch des Abschaffens strenger Hierarchien im BDSM-Spiel gehört natürlich unter Androhung höchstmöglicher Strafen und qualvollster Folter gesetzlich verboten ! *peitsche*
*********under Frau
4.350 Beiträge
Die Anarchie braucht ebenso Strukturen. Das anarchistische ist das ich mich nicht nur freiwillig den Strukturen unterwerfe, sondern auch jederzeit diese Struktur verlassen kann wenn ich sie nicht mehr akzeptiere. Eine Hierarchie gibt es Zeitweise im Organisatorischen. Jedoch in Teilbereichen und nicht davon ausgehend in alle Bereiche über fassend.
*******s_U Mann
963 Beiträge
Eine Hierarchie gibt es Zeitweise im Organisatorischen
Nicht nur da.

Sobald ich eine Partnerin habe, ist sie mir doch per Definition in so mancher Hinsicht wichtiger als alle anderen Freunde oder Bekannten, geschweige denn der Rest der Welt.

Bei mehreren Partnern … hmm, das habe ich schon in beiderlei Formen erlebt.

Ich finde aber, man darf sich getrost als Beziehungsanarchist definieren und trotzdem zulassen, dass die Antwort auf die Frage "beide haben ein wichtiges problem und brauchen dich ganz ganz dringend, zu wem gehst du?" eindeutig ist.
*****ica Frau
303 Beiträge
Man darf sich definieren, wie man will...das ist Anarchie...

Und "nur" weil ich verheiratet bin (ich würde ihn wieder heiraten) , entscheide ich dennoch nach der Problemlage und nicht danach , wer an "erster" Stelle zu stünde...
Hätte sonst für mich keinen Sinn mehr , denn polyamor beinhaltet für mich Liebe...wenn möglich ohne Hirachie.

Und sollte die Problemlage gleichermaßen schwer wiegen, so setzt man sich halt in der Runde zusammen.
*******Maxx Mann
12.369 Beiträge
Themenersteller Gruppen-Mod 
*******s_U:
Sobald ich eine Partnerin habe, ist sie mir doch per Definition in so mancher Hinsicht wichtiger als alle anderen Freunde

In der Beziehungsanarchie gibt es keine Unterschiede zwischen “Partnern“ und “guten Freunden“. Das ist ein entscheidendes Wesensmerkmal in der Beziehungsanarchie: Ein “Partner“ ist eben nichts besseres, besondereres oder höherwertiges als ein guter Freund.

Mag sich erst einmal komisch anfühlen, aber warum soll man da eine Hierarchie einführen, die dann doch letztlich zu daraus abgeleiteten Ansprüchen führen (“XY ist dir immer wichtiger als ich!“).

In der BA sind das alles einfach Menschen, die mir wichtig sind und mit denen ich wichtige Bereiche meines Leben gemeinsam gestalte und erlebe.
*******na57 Frau
22.315 Beiträge
Gruppen-Mod 
So
sehe ich das auch, wobei das Wort "Hierarchie" für mein Leben nicht so gut passt, denn es ist mir zu statisch. Eine Hierarchie ist in der Regel festgelegt - z.B. erst der Ehemann, dann die Kinder, dann der Rest der Welt.

Ich hatte schon in meiner Ehe große Probleme damit, denn was ist, wenn das Kind krank ist ? Und dann war ich die einzige Tochter, die kranke Eltern versorgen konnte und ich habe diese Verpflichtung auch ernst genommen. Das war einer der Punkte, warum unsere Ehe auseinander-driftete, denn mein Ex hat mich darin nie unterstützt, hat es nie verstanden und fühlte sich vernachlässigt.

Also - klar wäre die Person, mit der ich leben würde, die, die mir in der Regel "am nächsten" steht, aber wenn ich mit jemandem anders Zeit verbringe, dann ist dieser Mensch das. Und wenn mich jemand braucht, dann er oder sie.

Dass ich auch meinen Partnern die Freiheit gebe, andere Beziehungen wichtiger zu nehmen als die zu mir, ist dabei auch selbstverständlich.

Und so erfordert BA, so wie sich sie lebe, eine Menge Eigenständigkeit aller Beteiligten, denn notfalls muss ich mich eben alleine beschäftigen, wenn die Tochter meines Liebsten ihn braucht. Und ich empfinde das dann nicht als "Belastung" unserer Beziehung.

Den Fall, dass eine Freundin lebensgefährlich erkrankt im Krankenhaus liegt und mein Liebster einen schweren Autounfall hat und ich hin- und hergerissen bin, hatte ich noch nicht und halte ihn auch für unwahrscheinlich.

Und in all dem habe ich auch eine Beziehung zu mir selbst und muss - immer in Gefahr des Helfersyndroms, eine meiner Schwächen - aufpassen, dass ich mich auch um meine Stärkung kümmere.
*******Maxx Mann
12.369 Beiträge
Themenersteller Gruppen-Mod 
Natürlich gibt es auch in der Anarchie Situationen, in denen eine bestimmte Person oder auch Gruppe die Führung übernimmt. Das sind aber noch keine Hierarchien.

Hierarchien sind festgeschriebene (“heilige“) Herrschaftsstrukturen, das ist aber etwas völlig anderes als wenn jemand aufgrund seiner Fähigkeiten von der Grupe das Vertrauen ausgesprochen bekommt. Das gilt auch nur auf Widerruf und für einen bestimmten Bereich.

Und genau so gibt es eben in der BA keinen primären Partner, generell sind alle gleichberechtigt und gleichwertig. Das schließt ja nicht aus, dass es nicht zeitlich begrenzt und situationsabhängig Prioritäten geben kann.
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