Trennung emotional schwieriger in poly BDSM Kontext als nor?
Liebe Poly-BDSM-Community,ich komme aus einer BDSM-Poly-Verbindung und leide sehr unter der Trennung – mehr, als ich es aus anderen Beziehungen kenne, die weder Polyamorie noch BDSM beinhaltet haben.
Historie in Kurzform
Ich: Single, dominant (FemDom) mit einem kleinen devoten Anteil, ohne Poly-Erfahrung.
Er: Dom mit einer Sub in einer Nebenbeziehung, die seit 2 1/3 Jahren besteht. Er ist in ihrer Familie bekannt und ab und zu auch dort. Es gibt allerdings keinen gemeinsamen Alltag. Die beiden sehen sich etwa einmal pro Woche.
Sie: Nestpartnerin mit Kindern und Co.
Die Vereinbarung zwischen ihm und mir war der Aufbau einer Hauptbeziehung.
Unsere Definition war: Wir sind die Mitte, wir teilen den Alltag. Andere Beziehungen haben Raum und Schutz.
Er und ich haben uns zunächst ohne BDSM-Kontext kennengelernt und auch sexuell nur ein wenig BDSM einfließen lassen. Relativ schnell entwickelte sich daraus das Spiel mit Keuschhaltung, Keuschheitsgürtel, dem „Verdienen“ von Sex und Spanking zu seinem Lieblingsspiel. Für mich war das sehr verbindend, und ich war dadurch sehr schnell emotional sehr nah bei ihm.
Bzw. wir waren uns sehr nah.
Der Satz „Wir sind zu Hause – nicht vergessen“ wurde unser gemeinsamer Satz.
Ein paar Monate nachdem wir zusammengekommen waren, habe ich mit ihm erste Erfahrungen in einer devoten/submissiven Rolle gemacht: D/s, Keuschhaltung, Regeln usw.
Da ich selbst dominant im Außen bin, war dieser Schritt für mich sehr groß. Ich wollte für mich zunächst herausfinden, ob dieser Anteil etwas ist, das ich dauerhaft leben möchte, und ob ich ihn auch nach außen zeigen und tatsächlich in eine Dom-Sub-D/s-Beziehung einbringen möchte und kann.
Meinen dominanten Anteil habe ich weiterhin mit Spielpartnern ausgelebt, allerdings ohne romantische Gefühle.
Er hatte mir gesagt, dass er mit seiner Sub und weiteren Partnerin die Vereinbarung hat, dass er keine weitere Sub hat. Wir waren uns einig, dass sie informiert werden sollte, sobald klar ist, dass wir tatsächlich in diese Konstellation gehen – bzw. dass er mit ihr darüber spricht.
Im Laufe der Beziehung gab es immer wieder Ungereimtheiten, und ich hatte zunehmend das Gefühl, dass er Dinge nicht klar kommuniziert und Themen, die das Polykül betreffen, nicht mit ihr bespricht, obwohl er mir das zugesagt hatte.
Im Mai kamen dann einige Lügen heraus, und ich wusste nicht, ob ich die Beziehung weiterführen kann.
Nachdem die Wahrheit herausgekommen war und er mir noch weitere Dinge gestanden hatte, haben wir die Beziehung trotzdem weitergeführt. Meine Bedingung war, dass wir im Polykül offen miteinander sprechen und es Gespräche zu dritt gibt und dass wir die gesamte Konstellation insgesamt offener und kooperativer gestalten.
Ende Juni kam dann durch einen Kontakt, der von seiner Sub/Nebenbeziehung ausging, heraus, dass es eine Vielzahl weiterer Lügen gegeben hatte.
Insbesondere hat mich eine Sache tief erschüttert:
Es gab ein generelles BDSM-/Session-Verbot.
Außerdem gab es die Vereinbarung, dass er ihr sagen sollte, wenn wir Sex haben. Das empfand ich als sehr demütigend.
Er hatte die Themen, die er mir zugesagt hatte, nie mit ihr kommuniziert.
Sowohl sie als auch ich waren tief verletzt. Für sie war der BDSM-Tabubruch so nicht haltbar, weil sie BDSM für sich exklusiv wollte und nicht teilen konnte.
Sie hat die Beziehung daraufhin für vier Wochen auf Eis gelegt und die beiden haben sich in dieser Zeit nicht getroffen.
Er hat sich dann ausschließlich um die Rettung der Beziehung mit ihr gekümmert. Er hat ihr Kontakte zu Therapeuten geschickt, aber für uns – obwohl das vereinbart war – keine gesucht.
Meine Enttäuschung war so groß, dass ich mich getrennt habe. Sicherlich zunächst auch aus dem Affekt heraus und aufgrund einer sehr großen Verletzung.
Zwei Wochen später habe ich wieder Kontakt zu ihm aufgenommen. Er bot mir an, mit mir zu sprechen, und sagte, er habe sich nicht mehr gemeldet, weil er meine Grenze respektiert habe.
Ich habe dann zugestimmt und ihm geschrieben, dass ich bereit wäre, dass wir gemeinsam im Polykül in eine Beratung gehen.
Danach hat er nicht mehr geantwortet.
Ein paar Tage später bekam ich von ihr eine Nachricht, in der sie mir alles Gute wünschte.
Sie sagte, sie könne so nicht weitermachen.
Das Ende vom Lied ist: Die beiden sind noch zusammen und ich bin raus.
Es fällt mir sehr schwer, die Trennung zu verarbeiten. Es ist ein ständiges Auf und Ab, und ich frage mich, weshalb mich das so sehr zusetzt.
Ich liebe diesen Mann noch immer.
Meine Fragen
1. Kann die Kombination aus BDSM und insbesondere der Tatsache, dass er als sehr erfahrener Dom mich in das D/s-Gefälle und in die Submissivität eingeführt hat, die Bindung massiv verstärkt haben?
2. Verstärkt das Gefühl, benutzt und gedemütigt worden zu sein, die Trennungsemotionen?
3. Sind solche Absprachen in Poly-/BDSM-Konstrukten normal?
Greift eine Beziehung tatsächlich in die Entwicklung und Privatsphäre einer anderen Beziehung ein?
4. Hatte ich überhaupt eine reale Chance auf eine Nestpartnerschaft?
5. Seit der Trennung kann ich die D/s-Beziehung zu meinem Sklaven nicht mehr führen.
Wir sehen uns momentan nur, um zu sprechen oder etwas trinken zu gehen.
Ich habe das Gefühl, nicht in meine dominante Rolle gehen zu können, weil sich dabei irgendwie meine Gefühle für meinen Ex einmischen.
Ich versuche, weiterzugehen, das Ganze hinter mir zu lassen und meinen Frieden damit zu machen. Ich wünsche keinem von ihnen etwas Böses.
Dennoch komme ich emotional nicht wirklich darüber hinweg und fühle mich vom Polykül irgendwie weggeworfen – wie ein Testobjekt.
Diese Gefühle kenne ich so von mir nicht und frage mich deshalb wirklich, ob das mit der Kombination aus BDSM, insbesondere damit, bei ihm eine devote/submissive Rolle eingenommen zu haben, und der Kombination mit Polyamorie zu tun hat.
Das treibt mich sehr um.
PS: Ich habe mir eine Poly- und BDSM-freundliche Therapeutin gesucht, zu der ich jetzt gehe.
Ich freue mich auf eure Erfahrungen und Einschätzungen.











