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Polyamorie und monogame Singles

**********staIt Mann
158 Beiträge
Themenersteller 
Polyamorie und monogame Singles
Hallöchen in die Runde.

Ich bin noch sehr neu in dieser Gruppe, fand jedoch auch in der Suchfunktion nicht ganz das, was ich suche.
Ich war die meiste Zeit meines Lebens monogam, als wir dann die Beziehung öffneten ging es sehr schnell: offene Beziehung, offene emotionale Beziehung, Beziehungsanarchie, Polyamorie. Alles wirkt in sich logisch und es passt einfach in unsere Weltanschauung. Dazu kommt, dass unsere größte Stärke dieKommunikation ist, was eine phantastische Basis für diese Beziehungsform darstellt.

Nun frage ich mich jedoch, wie monogam lebende Menschen, vielleicht auch Singles, diese Beziehungsform verstehen können.
Ganz konkret scheinen Menschen eine polyamore Verbindung abzulehnen, selbst wenn sie identisch zu einer monogamen wäre. Dass dank intensiverer Kommunikation in polyamoren Beziehungen deutlich weniger Unsicherheiten entstehen, sage ich nicht dazu.

Ich nutze gerne Vergleiche mit engen Freundschaften (mehrere = gut), sowie Familienmitglieder (mehrere = gut). Aber es wird immer die Grenze zur amourösen Beziehung gezogen. Ich habe bei Gesprächen teilweise den Eindruck, dass es da ums Prinzip geht, vielleicht auch, weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Oder dass die aufkommenden Unsicherheiten beim Gegenüber zu großen Hürden werden.

Aber ich frage mich, wie ich diesbezüglich mit meinem Umfeld sprechen kann, ohne dass unmittelbar diese Unsicherheiten aufkommen, die zu einer Abwehrhaltung führen können. Ist bei monogamen Menschen nach kurzen Gesprächen Verständnis möglich, oder ist Widerstand und Unverständnis eine absolute Standardreaktion?
*******1992 Mann
35 Beiträge
Bei mir hilft oft der Hinweis, dass es in meinen Augen keine besseren oder schlechteren Beziehungsformen gibt. Dass ich das als eine sehr individuelle Entscheidung sehe und Monogamie natürlich genauso richtig sein kann.

Ich denke viele Menschen fühlen sich intuitiv angegriffen und/oder abgewertet. Das rauszunehmen, hat bei mir oft eine bessere Atmosphäre geschaffen.
Ist bei monogamen Menschen nach kurzen Gesprächen Verständnis möglich, oder ist Widerstand und Unverständnis eine absolute Standardreaktion?

Leider eher Letzteres.
Es triggert einfach zu viele Ängste, etwas darüber zu hören, dass ein Leben auch ganz anders möglich wäre.

Wenn ich erzähle, dass ich alleine zu Fuß mit dem Zelt durch andere Länder reise oder dass ich (fast) vegan lebe, kommen ähnliche Abwehrreaktionen. Die Leute reagieren teils schockiert, wollen mir das unbedingt aus- oder schlechtreden, haben ein großes Bedürfnis, sich sofort abzugrenzen mit "also SOWAS könnte ICH mir ja GAR NICHT vorstellen".
Viel häufiger, als dass mir jemand einfach mal interessiert zuhören würde und das spannend fände.

Menschen, die außerhalb von Boxen leben, sind gefährlich.
Für die vielen Menschen innerhalb der Box.
Bzw. für deren Denkmuster.
Jemand hat noch nie darüber nachgedacht, dass Leben auch ganz anders funktionieren könnte.
Und wird dann überraschend damit konfrontiert. Und vor allem ungebeten. Wie schrecklich.
Das könnte ja einen Teil des eigenen Hirn dazu bringen, Dinge zu wollen, die man eigentlich nicht will, weil sie Angst machen.
Also wird abgegrenzt. Und abgwertet. Manchmal sogar der Kontakt reduziert oder abgebrochen.
So bleibt es schön sicher und bequem im eigenen Kopf.

Also entweder sehr konsequent so sein und leben und dazu stehen, wie du möchtest, und ein paar weniger Menschen in deinem Umfeld haben, aber dafür besser passende.
Oder aber den Leuten wirklich nur das in ganz kleinen Häppchen erzählen, was unvermeidlich ist und wonach sie selbst aktiv fragen.
Erstaunlicherweise überhören Leute manchmal Dinge, die man laut und deutlich gesagt hat, weil diese Dinge nicht ins eigene Weltbild passen. Das Hirn rechnet das dann weg. Das kann praktisch sein, wenn man solche Leute trotzdem in eigenen Umfeld behalten möchte. Dann aber das Thema besser nicht mehr ansprechen.
*******dev Frau
22.808 Beiträge
Geht es dir nur um dein Umfeld?
Möchtest du Freunden und Bekannten von deinem/eurem Lebensstil erzählen und bist auf Verständnis?

Zitat von **********staIt:
Nun frage ich mich jedoch, wie monogam lebende Menschen, vielleicht auch Singles, diese Beziehungsform verstehen können.

Warum gerade Singles?
Oder geht es dir darum, ob eine Beziehung zwischen einem polyamoren Menschen und einem monogamen Single möglich wäre?
******in2 Frau
72 Beiträge
Als meine Mutter mit bekommen hat das ich
Mit mehreren Personen Kontakt hab .hat's geholfen zu sagen das diese von einander Bescheid wissen.
Allerdings mehr wollte Sie dan auch nicht mehr wissen .
*******n_M Mann
1.975 Beiträge
Naja, das Hauptproblem ist die Ehrlichkeit aller Beteiligten. Wenn einer es unter dem Deckmantel der Polyamorie des wilde rumvögeln nutzt. Es scheitert oft an der Komplexität des Zusammenlebens. Es ist eben durchaus eine Menge Energie nötig um das Leben mit seinen Herzmenschen zu pflegen.
**********nside Frau
113 Beiträge
Um deine Frage zu beantworten: "Ist bei monogamen Menschen nach kurzen Gesprächen Verständnis möglich, oder ist Widerstand und Unverständnis eine absolute Standardreaktion?"

• Ich hab alles schon erlebt.

Und ich glaube mittlerweile, dass es zu großen Teilen von den eigenen Bindungsmustern abhängig ist, was man sich für sich vorstellen kann.

Ich habe lange in einer offenen Beziehung gelebt (ob glücklich ist die Frage ) und kann dem polyamoren Gedankenlonstrukt sehr viel abgewinnen (es erscheint "logisch"), aktuell bin ich in einer Beziehung, in der es sich für mich sehr schwer anfühlen würde, wenn da noch andere Menschen involviert wären.

Ich kann diese Entscheidung aber bei jedem Menschen für sich lassen.
******lia Frau
11.484 Beiträge
Ich suche mir sehr genau aus, mit wem ich über meine Art zu lieben und zu leben rede.
Ich glaube, Menschen, die sich bewusst auf den Weg gemacht haben, sich glückliche Momente zu schaffen, die sich also mit sich und ihren Bedürfnissen positiv auseinandersetzen, diese Menschen sind eigentlich immer offen - egal in welcher Form sie lieben.
Wer immer mal wieder glücklich ist, gönnt auch anderen das Glück.

Und wenn es hier speziell um monogame Singles geht. Als polyamore Frau erlebe ich auch viel Ablehnung im JoyClub. Entweder es wird eh falsch verstanden und ich gelte als Vielvöglerin oder die monogamen Singles sehnen sich nach ihrer eigenen einzigen Prinzessin. Was ja auch völlig legitim ist! Nur wird es echt schlecht von den meisten Mono-Männern kommuniziert.
**********staIt Mann
158 Beiträge
Themenersteller 
@*********lerin Du bestätigst meine Befürchtungen, ich hatte dieselben Hintergründe vermutet (auch ich tue ungewöhnliche und 'verrückte' Dinge, auch ich lebe vorwiegend vegan). Aber es erschreckt mich dennoch, dass bei einem Beziehungsmodell ebenfalls so abgestoßen wird. Wenn wir bei meiner ursprünglichen Formulierung bleiben wollen, dann ist das einfach vollkommen unlogisch.

@*******dev "Warum gerade Singles?"
Bei bestehenden Paaren könnte ich einen Widerstand mit der Begründung nachvollziehen, dass das/die Gegenüber Angst davor haben, dass ich das Gespräch als Vorwand nutze, um mich ihnen anzunähern. So wie Menschen teils alleine deshalb in eine Abwehrhaltung bei homo- oder bisexuellen Gesprächen gehen, weil sie keine falschen Zeichen vermitteln wollen. Denn es ist ja ganz klar: outet jemand, dass er Menschen einer bestimmten Sorte anziehend findet, bedeutet das automatisch, dass dieser auch ALLE Menschen dieser Gruppe umwerben/flachlegen möchte.

Bei Singles ging ich daher davon aus, dass eine neutralere Unterhaltung möglich wäre. Ich wollte die mentale Frage klären, ob eine polyamore Beziehung, wenn sie identisch oder besser als eine monogame wäre, denn nicht erstrebenswert wäre. Vielleicht hätte ich mir auch das Nachdenken über meine Worte gewünscht, statt den alleinigen Sieg des inneren Widerstands (wie es Grenzwandlerin bereits ansprach).


In meinem engen Freundeskreis erwarte ich andere Reaktionen, aber ich hätte auch einfach gedacht, dass das gar keine so große Sache wäre. Es geht ja erst einmal nur um mich.
**********staIt Mann
158 Beiträge
Themenersteller 
Zuletzt geht es mir in meiner Frage auch darum, dass beispielsweise meine (mit mir verheiratete) Frau gerne sehr offen vor unserer Tochter leben würde, weil sie für eine vielfältigere Gesellschaft einstehen möchte. Das hatte ich mit der Begründung abgelehnt, dass ich Sorge vor Verurteilung gegenüber unserer Tochter hatte, wenn sie ganz entspannt davon erzählt, dass die Mama mehrere Männer küsst. Damit läge die Verantwortung für den Kampf um eine vielfältigere Gesellschaft bei ihr und ich finde, als Kind hat man es oft schon schwer genug.
Ich forderte also, dass meine Frau lieber den Eltern nach und nach erzählt, wie wir leben und lieben. Aber nachdem ich erstmals einer komplett außenstehenden Person davon erzählte, war ich von dem Unverständnis und plötzlich rauen Ton doch sehr überrascht. Und da ging es eher um die hypothetische Möglichkeit, nicht einmal um irgendeine Annäherung (wobei natürlich nie auszuschließen ist, dass das Gegenüber nicht doch so interpretierte).

Jetzt bin ich unsicher, ob wir das überhaupt teilen können, weil ich meine Tochter auch nicht passiv da reinziehen möchte (nach dem Motto: zu der komischen Familie schicken wir unser Kind nicht).
**********nside Frau
113 Beiträge
Zitat von **********staIt:

Jetzt bin ich unsicher, ob wir das überhaupt teilen können, weil ich meine Tochter auch nicht passiv da reinziehen möchte (nach dem Motto: zu der komischen Familie schicken wir unser Kind nicht).

Wir haben das Glück hier in einer Gegend zu leben, in der es wirklich auch sehr offene Menschen gibt.

Ich finde die Lebens- und Liebeskonstrukte, die hier auch in anderen Beziehungen vorherrschen sehr bereichernd. Meine Tochter wächst mit dem Bild auf, dass auch das normal sein kann. Ich halte das für sehr wertvoll.
*******n_M Mann
1.975 Beiträge
@**********staIt
Dein Einwand, das Singles offener sind/sein werden kann ich nicht bestätigen. Es gibt bei den meisten Menschen eine vorgefasste Meinung. Wodurch diese auch beeinflusst wurde, kann das positiv oder negativ sein.
Die Gesellschaft gibt aber häufig vor, das offene oder Polybeziehungen nicht die gleichen persönlichen Tiefen Beziehungen leben wie monogame. Die Angst eine Person von vielen zu sein löst Ängste aus. Ich kenne nur sehr sehr wenig Singles, die offen für solche Lebensweise ist, obwohl ich mich schon in einen positiven Umfeld dazu bewege.
*******dev Frau
22.808 Beiträge
Ah, ok, du möchtest einfach "nur" anderen von deiner Polyamorie erzählen (können).

Zitat von **********staIt:
weil ich meine Tochter auch nicht passiv da reinziehen möchte (nach dem Motto: zu der komischen Familie schicken wir unser Kind nicht).


Das könnte tatsächlich schwierig werden.
Ich glaube, dass viele Menschen sich überhaupt keine Gedanken machen, wie andere Beziehungsmodelle sein könnten. Dass sie Polyamorie auch gar nicht kennen.
Und wenn sie dann davon hören, könnte ihr eigenes Kopfkino (da finden bestimmt ständig Orgien statt...) genau das auslösen, was du oben schreibst.
Mit dem Mädchen soll unser Kind sich nicht treffen....

Ich hatte eine Phase der offenen Beziehung/Polyamorie. Das hat für mich/uns so nicht funktioniert.
Ich habe mich dann von meinem festen Partner getrennt und bin anschlusslos mit meinem anderen Partner fest zusammen gekommen. Und nachdem mein Ex-Partner ausgezogen ist, ist der Neue auch direkt eingezogen.

Das war schon für meine erwachsenen Töchter sehr schwierig nachzuvollziehen. Obwohl sie durchaus wussten, dass ich in einem alternativen Beziehungsmodell lebe.

Meine Kolleg*innen, denen ich davon ansatzweise erzählt habe, waren aber eher irritiert.

Ich glaube auch, dass sich bestimmte Dinge bei jüngeren Menschen schon eher durchgesetzt haben.
Eine jüngere Kollegin erzählte mir zb auch von einem F+, den sie regelmäßig besucht.
Die "alte" Generation, also mein Alter (ü50?) tickt da größtenteils echt noch viel konservativer.

Also würde ich an eurer Stelle wohl auch eher Vorsicht walten lassen. Zumindest bis eure Tochter ein bestimmtes Alter hat.
*******n_M Mann
1.975 Beiträge
@**********staIt
Würdest Du anders reagieren wenn Du einen Sohn hättest. Die Behauptung das Du deine Tochter vor vielen Männern beschützen willst, ist lobenswert, jedoch völlig fehl am Platz.
Meine Söhne haben irgendwann ( als Sie wirklich begriffen haben, wie wir leben) erstmal entsetzt reagiert um ihre Mutter zu schützen. Das hat von allen Seiten Ruhe, Zeit und viele Gespräche gebraucht um das zu erklären..
Schutz ist nicht nötig. Aufklärung und Verständnis ist wichtiger
**********staIt Mann
158 Beiträge
Themenersteller 
Zitat von *******n_M:
@**********staIt [...]Die Behauptung das Du deine Tochter vor vielen Männern beschützen willst, ist lobenswert, jedoch völlig fehl am Platz.

Da liegt irgendwo ein Missverständnis vor.
Ich würde bei jedem Geschlecht gleich reagieren, weil ich Sorge vor Mobbing und Ausgrenzung zwischen den Kindern habe (die ich jedoch eher für toleranter, weil unvoreingenommener halte), aber auch gegenüber den Eltern, die sich dann gegen die Freundschaften zwischen Kindern stellen könnten.
Deswegen möchte ich aktuell noch vermeiden, dass in Gegenwart unserer Tochter Zärtlichkeiten ausgetauscht werden (zum Kontext: sie ist sieben und beispielsweise noch nicht in der Pubertät). Denn unsere Tochter würde es irgendwann erzählen, diese Erzählung würde irgendwann zu anderen Eltern gelangen und à la stille Post dann als Fremdgehen, Herumhuren oder Swingen interpretiert werden. Die Chance zur Mitsprache hätten wir ganz lange nicht.

Jedoch scheint mein Ansatz, ERST mit den Eltern zu reden, ehe wir unsere Tochter einweihen, auch sehr risikobehaftet zu sein. Und da suche ich nach Strategien, das Risiko zu reduzieren.

Aktuell sind andere Menschen (von mir oder von ihr) einfach Freunde, die zu Besuch kommen und ggf. mal übernachten. Aber ich kann den Wunsch meiner Ehepartnerin auch verstehen, dass sie sich da einfach noch freier ausleben wollen würde.
******rls Frau
194 Beiträge
Eine super gute Frage, ich habe bisher keine Ablehnung oder Abwehrhaltung erfahren .... ABER ich spüre auch sehr oft, das mein Gegenüber ganz schnell an seine Grenzen kommt. Daher greife ich immer erst einmal meine Einstellung, meinen Grundgedanken dazu auf, das schafft schon erstmal wieder "Erleichterung/Entspannung".
Anschließend geht es für mich vielmehr darum, welche Grundthemen dahinter stecken und was mein Gegenüber daran am meisten triggert.
Wie du schon geschrieben hast, ist Kommunikation ein Schlüssel. Und jetzt sind wir mal ganz ehrlich, wie viele Menschen können zum einen ihre eigenen Grenzen & Werte wahren und das dann auch noch kommunizieren?! Ich meine es absolut nicht wertend, es wichtig die Grenzen meines Gegenübers zu wahren.
Allerdings sehe ich in der Gesellschaft extrem wenige (ich weiß nicht wie hoch der eigentliche Prozentsatz von Polyamoren ist) die dazu wirklich in der Lage sind.
Daher finde ich selbst den Gedanken einer solchen Beziehungsform wunderschön und fühle das ich es könnte, im Alltag zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich es allerdings nicht als realistisch das jemals umzusetzen. Aufgrund dessen habe ich diesen Gedanken frei gelassen und entweder schenkt mir das Leben diese Möglichkeit oder nicht ♡
*******n_M Mann
1.975 Beiträge
@**********staIt
Meine Jungs waren 8 und 11, als meine zweite Herzdame dazu kam. Wir pflegen im Umgang miteinander einen herzlichen aber keine intimen Umgang vor den anderen.
Selbst als sie in der Pubertät waren und wir mit Ihnen über unsere Art des Zusammen Seins gesprochen haben, war ihnen das „wie“ nicht klar. Erst mit der Schwangerschaft wurde ihnen bewusst was ein zusammenleben auch beinhaltet. Eltern und Sex ist für Kids ehr ein abstoßender Gedanke. Deshalb war die Erkenntnis damit ein übertreten einer roten Linie. Ihnen war plötzlich klar das es Körperlichkeit gibt.
Aber wir haben das mit viel Erklären und ein offenen Ohr für ihre Bedenken und Fragen gehabt.
*****lim Frau
5.675 Beiträge
In meinem Umfeld wissen alle mehr oder weniger deutlich Bescheid. Und ich bin noch nie auf Ablehnung dabei gestoßen. Es gab mehrere Menschen, die feststellten, dass es für sie kein taugliches Modell wäre. Was ja völlig ok ist, das mache ich auch immer gleich klar.

Ich gehe aber auch nicht hin und leite ein Gespräch zu dem Thema ein. Wenn sich eine passende Gelegenheit ergibt, dann erwähne ich es. Oder erwähne halt zusätzlich zu meinem Mann auch meinen Freund. Und beantworte Rückfragen, solange sie gestellt werden. Ich versuche, mich nicht aufzudrängen, sondern meinem Gegenüber Raum zu geben. Bisher fahre ich damit gut.
******erz Paar
18 Beiträge
Wir könnten noch einen draufsetzen. Bei uns kommt noch ein Altersunterschied hinzu, der gravierend ist. 39 Sie/ 66 Er. Weiter kommt hinzu, dass wir hier ein eher ländliches Umfeld haben und damit auch einen entsprechend großen Bekanntheitsgrad. Wie dem auch sei, wir binden keinem unsere Partnerschaftsverhältnisse auf die Nase. Die, die es wirklich interessiert oder wo wir der Meinung sind, dass sie es wissen sollten, wurden ganz sachlich aufgeklärt und darüber hinaus wurden gleich eine Menge von Unwissenheiten und nachfolgend auch Vorbehalte ausgeräumt. Es kommt natürlich immer darauf an, was für Menschen um einen herum sind. Ggf. muß man eben auch welche ziehen lassen, wenn es gar nicht anders geht.
****ven Mann
1.737 Beiträge
Einige wissen von unserer Lebensweise, andere nicht.

Einige, die gerne davon auch mehr erfahren wollten, haben daraufhin sogar selber Schritte in diese Richtung vollzogen. Andere nicht.

Uns ist es auch schon begegnet, dass monogam veranlagte Personen danach proaktiv immer wieder davon erzählten, was für ein Frauenschwarm sie doch früher waren und wie viele Möglichkeiten sie aktuell schon ausgeschlagen hätten.

Es ist im Prinzip ähnlich, wie wenn ich jemanden früher bei Essenseinladungen erzählte, ich sei Vegetarier. Da gibt es dann kein anderes Thema mehr.

Vielleicht ist das auch eine Angst, ein Schutzverhalten vor dem Partner. Denn viele monogame Beziehungen sind ja nicht aktiv "Ja, lass uns monogam leben" so deklariert worden sondern haben sich so ergeben. Und wenn plötzlich das Thema Polyamorie aufploppt, könnte es ja sein, dass die Partnerperson das ganz sexy findet.

Unsere Erfahrung ist: erzählen wir nicht davon, gibt es besagtes Schutzverhalten nicht und es ist leichter. Sprich: aktuell selektieren wir noch, wem wir davon erzählen.

Da du explizit nach monogamen Singles fragtest:
nicht jeder Single weiß, ob er/sie monogam ist. Dieses auszuprobieren kann mitunter kräftig daneben gehen. Ist mir auch schon mit einer Verbindung passiert. Das liest sich so leicht, doch haben wir beide eine ganze Zeit gebraucht, um das zu verarbeiten. Details dazu wenn überhaupt via cm.
*******wers Frau
108 Beiträge
Du hast die Befürchtung geäußert, dass deine Tochter etwas erzählen könnte und dafür ausgegrenzt wird.

Meine Kinder haben durchaus gemerkt, dass es bei uns anders ist, als in anderen Familien und haben sich nach außen immer eher bedeckt gehalten, gehen aber trotzdem im richtigen Umfeld unbekümmert und selbstverständlich damit um - sie haben instinktiv gewusst, wo Zurückhaltung angebracht ist. Da musst du aber schauen, wie deine Tochter ist, wie viel Feingefühl sie für soziale Situationen hat.

Ich persönlich verstecke meine Lebensweise nicht, halte mich jedoch im allgemeinen auch eher bedeckt und spreche es eher nicht von mir aus an, sodass gar nicht besonders viele Menschen in meinem Umfeld davon wissen.
*****izu Frau
665 Beiträge
Zitat von *********lerin:
Ist bei monogamen Menschen nach kurzen Gesprächen Verständnis möglich, oder ist Widerstand und Unverständnis eine absolute Standardreaktion?

Leider eher Letzteres.
Es triggert einfach zu viele Ängste, etwas darüber zu hören, dass ein Leben auch ganz anders möglich wäre.

Wenn ich erzähle, dass ich alleine zu Fuß mit dem Zelt durch andere Länder reise oder dass ich (fast) vegan lebe, kommen ähnliche Abwehrreaktionen. Die Leute reagieren teils schockiert, wollen mir das unbedingt aus- oder schlechtreden, haben ein großes Bedürfnis, sich sofort abzugrenzen mit "also SOWAS könnte ICH mir ja GAR NICHT vorstellen".
Viel häufiger, als dass mir jemand einfach mal interessiert zuhören würde und das spannend fände.

Menschen, die außerhalb von Boxen leben, sind gefährlich.
Für die vielen Menschen innerhalb der Box.
Bzw. für deren Denkmuster.
Jemand hat noch nie darüber nachgedacht, dass Leben auch ganz anders funktionieren könnte.
Und wird dann überraschend damit konfrontiert. Und vor allem ungebeten. Wie schrecklich.
Das könnte ja einen Teil des eigenen Hirn dazu bringen, Dinge zu wollen, die man eigentlich nicht will, weil sie Angst machen.
Also wird abgegrenzt. Und abgwertet. Manchmal sogar der Kontakt reduziert oder abgebrochen.
So bleibt es schön sicher und bequem im eigenen Kopf.

Also entweder sehr konsequent so sein und leben und dazu stehen, wie du möchtest, und ein paar weniger Menschen in deinem Umfeld haben, aber dafür besser passende.
Oder aber den Leuten wirklich nur das in ganz kleinen Häppchen erzählen, was unvermeidlich ist und wonach sie selbst aktiv fragen.
Erstaunlicherweise überhören Leute manchmal Dinge, die man laut und deutlich gesagt hat, weil diese Dinge nicht ins eigene Weltbild passen. Das Hirn rechnet das dann weg. Das kann praktisch sein, wenn man solche Leute trotzdem in eigenen Umfeld behalten möchte. Dann aber das Thema besser nicht mehr ansprechen.

Auch wenn es erstmal auf Unverständnis stößt, regen solche Gespräche doch zum Nachdenken an. Sicherlich nicht bei jedem und nicht bei jedem wird es wirklich etwas ändern aber die Sicht auf Möglichkeiten erweitert sich. Das ist erstmal beängstigend und in dem Moment werden die meisten, die nie mit solchen Themen konfrontiert worden sind, mit Ablehnung reagieren. Was man zumeist leider nie erfährt ist ob nicht trotzdem ein kleines neugieriges Pflänzchen gesät wurde, das sich auch nach dem Treffen noch damit beschäftigt. Das sich selbst wagt vorzustellen, wie es in der gleichen Situation leben würde. Welches die Abenteuer sieht und sich doch ein bisschen neidisch darauf fühlt.

Veränderung kommt meist nicht über Nacht oder in einem Gespräch. Dafür ist neues für Menschen, die nicht gewohnt sind mit neuem umzugehen, einfach zu plötzlich, harsch und fremd.
Aber Veränderung kann kommen, wenn man dann mit diesen gesäten Gedanken wieder alleine ist und nicht darauf reagieren muss, sondern sacken lassen kann.

Ich kann deinen Frust darüber, nicht positiver aufgenommen zu werden, sehr gut nachvollziehen. Gleichzeitig sehe ich vor meinem inneren Auge hinter Menschen mit solchen Geschichten eine Spur von kleinen zarten sich entwickelnden Pflänzchen. Vielleicht hilft dir das Bild ja auch.
********s866 Frau
13 Beiträge
Für meine Tochter war es wichtig, dass ich ihren Papa lieb habe und andere nicht lieber habe. „Ich hab mal gedacht, den .. magst du lieber. Aber wenn du den Papa auch lieb hast, dann ist es okay für mich.“ 😉 (Zitat)

In meiner Wahrnehmung stecken bei dir zweierlei Themen drin.
Wie gehe ich/ geht ihr als Eltern eurer Tochter gegenüber mit dem Thema / eurem Lebensstil und Haltung des Miteinanders um. Und wie wollt ihr damit Umgehen gegenüber Anderen Personen außerhalb eures Familienkosmos.

Mich beschäftigt das auch.
Ich glaube, wie auch schon jemand geschrieben hat, es macht Sinn den Kreis langsam zu erweitern und instinktiv zu selektieren, wem man davon erzählen kann.
Dann überfordert man die anderen nicht und sich selbst auch nicht (- dann kommt die Seele mit - die eigene und die der anderen.☺️)
****by Frau
2.613 Beiträge
Das ist ein tolles Thema. Ich bin ja selbst erst ganz frisch darin und es waren viele tolle Ideen und Erfahrungen bei den vorangegangenen Antworten dabei.

Im Bezug auf deine Tochter habe ich mich gefragt, ob der Wunsch sie vor Ausgrenzung zu schützen so gut ist?
Versteh mich bitte nicht falsch, das soll keine Kritik sein und ich habe selbst auch Kinder, aber wird man nicht auch irgendwie in Richtung „people pleaser“ gedrückt, wenn man eben nicht will, dass eine alternative Lebensweise zu Problemen bei Mitmenschen und zu Ablehnung führt.
Vielleicht könnte es helfen sich mit Eltern mal darüber auszutauschen, die in einer gleichgeschlechtlichen Partnerschaft leben, denn da ist es ja offensichtlich dass das Kind 2 Mamas oder eben 2 Papas hat. Ist ja im Grunde ähnlich fürs Kind, aber ich glaube eben auch, dass Kinder zum einen damit wachsen können und zum anderen auch gut selektieren können, wer - ich sag’s mal ganz platt - „Freund oder Feind“ ist.

Die Gratwanderung ist eben wirklich, wieviel erzählt man und vor allem wann?
Wenn deine Tochter es von außen irgendwann erfährt, z.b. weil dich jemand mit deiner anderen Herzdame gesehen hat… dann stört es nur das Vertrauensverhältnis zwischen dir und deiner Tochter.

Ich glaube, dass ihr das aus dem Bauch heraus richtig entscheidet, wann der Zeitpunkt ist, es ihr zu sagen. Mit den Eltern der anderen Kinder zuerst darüber zu reden, halte ich aber auch für einen Fehler. Ist da nur ein „ablehnendes“ Paar darunter, könnte das eine Lawine lostreten, die ihr bestimmt nicht wollt.
**********staIt Mann
158 Beiträge
Themenersteller 
Ca. anderthalb Monate später möchte ich gerne einen kleinen Nachtrag geben:

In den letzten Wochen und Monaten haben wir uns nochmal viel zu Polyamorie ausgetauscht, Menschen auf Stammtischen getroffen und auch ein offen lebendes Dreier-Polykül bei ihnen zuhause getroffen. Diese vielen Erfahrungen gaben uns die Sicherheit, unseren Lebensstil in unserem näheren Umfeld zu erklären. Und erfreulicherweise erhielten wir immer positive Rückmeldungen, auch wenn häufig abgegrenzt wurde und irgendwann der Kommentar entstand: "Das wäre nichts für mich/uns".

Ein entscheidender Unterschied gegenüber der Person, bei der ich solch eine ablehnende Haltung erfuhr, war die Sicherheit, dass ich nur von mir erzähle. Sobald ich frage, ob das nicht auch etwas für mein Gegenüber sei (das tat ich damals, was mich zu diesem Forenbeitrag führte), wird ein Schutzmechanismus aktiv und sorgt dafür, dass die Beziehungsform schlecht gemacht wird.
Ganz ähnlich wie beim Veganismus, der mittlerweile weitgehend geduldet wird, aber sofort verteufelt würde, wenn meinem Gegenüber sein Essen infrage gestellt wird. Wie auch hier geschrieben wurde sind Gewohnheiten sehr mächtig (was logisch ist, weil sie evolutionär bedingt überlebenswichtig waren).

Die Worte müssen also sehr achtsam gewählt werden, damit unser jeweiliges Gegenüber nicht den Eindruck bekommt, man wolle ihm etwas nehmen oder einen Lebensstil vorschreiben.
Wir haben übrigens viel Verständnis erhalten, indem wir Vergleiche zur Freundschaft zogen. Hier gibt es viele Analogien, die sich meist nur auf Intimität ausweiten. Mit solchen Vergleichen war es nichts außerirdisches mehr sondern nur noch ungewohnt.

Auf die Schule bezogen sind wir noch zurückhaltend, aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, werden wir da auch offen kommunizieren. Das Thema Intimitäten vor unserer Tochter austauschen ist erstmal vom Tisch, dahingehend habe ich Verständnis von meiner Frau bekommen. Dafür sind wir (bin ich?) nochmal deutlich entspannter, was gemeinsame Unternehmungen und Übernachtungen angeht und kommunizieren das auch unserer Tochter gegenüber sehr offen.
Wenn es einmal Fragen dahingehend gibt, werden wir unserer Tochter erste Wahrheiten präsentieren, sie jedoch langsam in das Thema einführen.

Insgesamt hat die Beziehungsform auch für uns an Abstraktion verloren, seit wir häufig Vergleiche mit engen Freundschaften ziehen. Denn eigentlich ist es gar nicht so anders.
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