Fäden ohne Scham
Ein neues Gewebe entsteht.Nicht aus Stoff –
sondern aus Blicken, Atem, Haut.
Von uns beiden geführt,
doch deine Hand hält den Rahmen.
Meine Fäden sind warm, weich, hingebend.
Deine: fest, klar, tragend.
Manchmal führst du mich sanft,
wie deine Finger,
die langsam über meine Haut gleiten,
spürend, suchend.
Manchmal straffst du mich mit einem Zug,
der mich atemlos macht
und mich noch tiefer in dich hineinzieht.
Mit jedem Zug lege ich mehr von mir hinein:
meine Gier, die ich sonst verberge,
Sehnsüchte, die heiß unter meiner Haut brennen,
Fantasien, die mich erröten lassen,
Träume, die ich bisher nicht auszusprechen wagte.
Bei dir muss ich sie nicht verstecken.
Du nimmst sie an,
ohne Urteil, ohne Hast.
Du berührst sie –
wie du mich berührst –
und lässt sie wachsen.
Du erweckst neue in mir,
die wie feine Funken über meine Haut laufen
und sich in den Maschen festsetzen.
Unsere Gespräche sind wie deine Hände,
die Halt geben,
während deine Lust über die Fäden gleitet
und sie glänzen lässt.
Gefühle weben sich tiefer,
bis ich nicht mehr weiß,
wo ich aufhöre –
und du beginnst.
Mit jedem Zug wird es dichter.
Stärker. Wärmer.
Ein Stoff, der mich hält,
mich bindet –
und mich in dir verankert.





