„Führen und Dominieren im Alltag (ohne Sex)
Ich bin mit einer sehr selbstbewußten Frau verheiratet, [...] was eine Frau empfinden möchte, wenn Sie schreibt, dass im Alltag führungslos wäre und jemanden sucht, der ihr einen festen Rahmen gibt. [...]
Aber vielleicht könnt ihr mir auch ein paar Beispiele aus eurem Alltag nennen,
1. wo ihr diese Führung oder Dominierung benötigt?
2. und wo ihr in diesen Situationen evtl. einen Unterschied zw. Führung und Dominierung seht?
Ich antwortete aus Sicht einer ebenfalls relativ selbstbewussten Single-Frau mit ADS (!) (Ja, ohne das "H")
"Führungslos" bin ich vor allem im privaten Bereich, also Freizeit.
Ich brauche aufgrund meiner ADS Veranlagung (evtl. auch in Kombination mit Autismus Aspekten, aber noch nicht bestätigt) viel Struktur und einen geregelten Tagesablauf. Im Job habe ich das weitestgehend und auch wenn nicht jeder Tag gleich ist, fällt es mir auf Arbeit leicht, Entscheidungen zu treffen und Prioritäten zu setzen. Abgesehen von festgelegten Zeiten zum Einkaufen und Kochen unter der Woche, bin ich in meiner Freizeit total unstrukturiert, nehme mir manchmal zu viel vor was ich dann nicht schaffe oder prograstiniere weil ich alles zerdenke. In meinem Kopf ist immer zu viel los, zu viel Gedanken, zu viel was erledigt werden will und ich bin völlig planlos wo ich anfange...
In einer gesunden Partnerschaft, würde es mir gut tun, wenn mir jemand zu etwas mehr Struktur verhilft, zB indem man(n) mir "vorgibt" was bzw welche Dinge ich an welchem Tag tun soll aber auch, was ich lassen soll.
Ich neige bspw dazu, die angenehmen Dinge (Hobbies) hinten an zu stellen, wenn m M. n. zu viele Pflichten unerledigt sind. Es würde also auch helfen, mir aufzutragen an Tag xy, 1 Stunde für's Lesen einzuplanen.
Größere "Vorhaben" gehen leichter von der Hand, wenn man sie gemeinsam angeht.
Manchmal reicht mir aber auch nur ein "Arschtritt" um Aufgeschobenes anzufangen. Mir fehlt oft die Motivation für Dinge, wenn ich diese "nur" für mich tun will, aber sobald eine zweite, mir wichtige Person involviert ist, fällt es mir automatisch leichter.
Manchmal sehe ich auch vor lauter "zerdenken" nur den komplizierten Weg bin aber blind für die einfachere Lösung. Jemand der mitdenkt und mir alternativen bietet, evtl. auch einfach mal eine Entscheidung trifft ("wir machen das jetzt so und so") kann enorm entlastend sein (sofern die Entscheidung sinnvoll und zielführend ist). Oder einfach mal etwas "plant" bzw mir einen Teil der Planung (z. B. Ausflug) abnimmt.
Es sind so kleine Dinge im Alltag die einen entscheidenden Unterschied bewirken können, ob ich entspannter oder gestesster bin. Wobei ich mal behaupten würde, in jeder gesunden Beziehung, sollte es diese Balance geben, sich gegenseitig in den Schwächen des jeweils anderen parts auszugleichen.
Es darf natürlich nicht so weit gehen, dass mir meine Autonomie völlig entzogen wird. Ich brauche ebenso meinen Freiraum und Entscheidungsmöglichkeiten.
Aber eine helfende Hand, die mir in meinen persönlichen Defiziten Unterstützung bietet, an den passenden Stellen die Richtung vorgibt, würde mir vor allem mehr innere Ruhe und ein Gefühl von Sicherheit geben.
Letztlich ist es ja bei jedem Menschen individuell und von der Persönlichkeit abhängig, an welchen Stellen Führung bzw Kontrollabgabe erwünscht oder unerwünscht ist und wie das ganze gestaltet werden kann, lässt sich kommunizieren.
Ich wäre jedenfalls froh, irgendwann mal einen Partner zu finden, der nicht nur im sexuellen sondern auch im gemeinsamen Alltag mehr Verantwortung übernehmen möchte bzw mir gelegentlich etwas von meiner Verantwortung abnimmt, weil es mir manchmal zu viel ist, was aber durch meine spezielle Veranlagung mit begünstigt wird.
Ich hoffe das war einigermaßen verständlich
