Als ich im bereits vorgerückten Alter von 55 Jahren neu an einem beruflichen Gymnasium mit Spezialisierung auf IT(!) unterrichtete, war eine der ersten Geschichten, die mir aus dem Kollegium zugetragen wurde, die meines Vorgängers, dessen Stelle ich einnahm.
Er war auf dieser JC-Plattform angemeldet gewesen, mit Gesichts- und anderen Bildern, auf denen er identifizierbar war, und wurde dort prompt von ein paar Schülern entdeckt, für die es zu der Zeit ein beliebter "Sport" war, sich auf solchen Seiten einzuhacken. Es kam, wie es kommen musste: die Entdeckung machte die Runde, erst über die damals prominente Plattform "Schüler-VZ", Elternvertreter wurden aktiv, Gespräche mit der Schulleitung und dem Schulträger folgten, die lokale Presse schnappte den "Fall" auf, überwiegend war man der Meinung, dass - ähnlich wie bei Geistlichen - an Lehrpersonen besonders strenge moralische Maßstäbe anzulegen seien, die mit einer Mitgliedschaft in einem Erotik-Forum jedenfalls nicht vereinbar seien. Es folgte eine beispiellose öffentlich ausgetragene Schlammschlacht, die Kinder des betroffenen Lehrers wurden gemobbt und bloßgestellt als Kinder des "Sexmonsters", die Wand seines Hauses wurde mit obszönen Darstellungen besprüht, eine Dienstaufsichtsbeschwerde folgte, aufgrund derer er um ein Haar seine Altersversorgung als Beamter auf Lebenszeit verloren hätte. Obwohl sich viele Kollegen klar hinter ihn stellten und darauf verwiesen, dass dies Privatsache sei und er sich im beruflichen Umfeld und Schüler*innen gegenüber nie etwas hatte zu schulden kommen lassen, sahen andere Kollegen das ganz anders und auch die Schulleitung konnte sich nicht dazu durchringen, sich hinter den angegriffenen Kollegen zu stellen, der außerdem bei den Schülern außerordentlich beliebt war. Das Kollegium spaltete sich an dieser Einschätzung, die Schulleitung sah das als nicht hinnehmbare Störung des Arbeitsfriedens. Der Skandal war perfekt.
Jedenfalls bekam er kein Bein mehr auf den Boden, musste sich schließlich "freiwillig" an eine Schule in einem anderen Ort versetzen lassen, sein Haus mit Verlust verkaufen, die Familie wurde aus dem gewohnten Umfeld herausgerissen und musste feststellen, dass auch am neuen Wohn- und Arbeitsort bereits stark aufgebauschte und inhaltlich nicht haltbare Gerüchte über ihn die Runde machten. Ergebnis: Seine Frau, die am neuen Wohnort keine Arbeitsstelle fand, brach zusammen und ließ sich scheiden, die beiden Kinder zogen zur Mutter und brachen den Kontakt zu ihm ab, er wurde depressiv und zum Alkoholiker, musste deshalb krankheitshalber seinen Beruf an den Nagel hängen und war fortan ein seelisch und materiell gebrochener Mann. Persönlich habe ich ihn nie kennengelernt, aber von Kollegen hörte ich, dass er sich schließlich das Leben genommen hat.
Das ist nun sicherlich ein extremes Beispiel und eine unselige Verkettung von Umständen. Dennoch war es mir eine ernste Warnung, so dass ich, als ich dann ebenfalls hier ein Profil eröffnete, um nicht mit ähnlichen Reaktionen konfrontiert zu werden, sehr strikt darauf achtete, meine Anonymität zu wahren und dieses auch beibehalte, obwohl ich mittlerweile seit über zehn Jahren nicht mehr im aktiven Schuldienst bin, denn bei genügend bösem Willen "interessierter Kreise" stünde da unter Umständen auch heute noch rückwirkend meine Altersversorgung auf dem Spiel - so ist das nun mal im öffentlichen Dienst -, und darauf habe ich selbstverständlich keine Lust.
Was Besuche von Swinger Clubs betrifft, habe ich vor diesem Hintergrund mich viele Jahre ausschließlich auf solche beschränkt, die mindestens zwei Fahrstunden vom Schulort entfernt waren, um das Risiko, dort von Schülereltern erkannt zu werden, möglichst zu minimieren. Inzwischen wohne ich aber auch in einer anderen Stadt, und es ist so viel Zeit seit meinem aktiven Dienst ins Land gegangen, dass ich gemeinsam mit meinem Partner nun auch Clubs in der Nähe meines jetzigen Wohnorts frequentiere.
Ich denke, das ist immer eine sehr individuelle Entscheidung unter Berücksichtigung der eventuellen schlimmstmöglichen Konsequenzen in Bezug auf die Frage, ob man willens und in der Lage ist, diese im Ernstfall für sich und die Menschen, die davon ebenfalls betroffen wären, in Kauf zu nehmen. Ich gebe auch gerne zu, dass ich ohne den konkret stattgefunden Fall meines Vorgängers an dieser speziellen Schule das Risiko für mich als weniger gravierend eingestuft hätte. Aber so war es nun mal und ich stand immer zu meiner getroffenen Entscheidung, d.h. sowohl dazu, hier ein Profil zu eröffnen und mich an Forumsdiskussionen aktiv zu beteiligen, aber paralell auch gleichermaßen dazu, angemessene Schutzvorkehrungen zu treffen, um mich nicht unnötig existenziell zu gefährden.