Ja, oft passiert.
In der Psychologie nennt man das Phänomen Limerenz oder Projektion.
Beim Schreiben bekommen wir nur Bruchstücke von einem Menschen: Foto, Selbstdarstellung, bestimmte Wortwahl, also seine "Sicht" auf sich selbst bezogen.
Dadurch entstehen in unserem Gehirn unvollständige Bilder.
Diese Lücken füllt unsere Fantasie und eigene Wunschvorstellung nach unserem Geschmack, Bedürfnissen und Sehnsüchten.
Es entsteht ein "biochemische Rausch ohne Risiko" (Dopamin) im Kopf.
Man kennt noch keine "negativen, unschönen" Seiten des Menschen (die jeder hat) und somit bleibt der digitale Mensch makelos.
So entsteht die Sucht nach einem Ideal und man verliebt sich nicht in den Menschen und sein Charakter, sondern in das eigene Gefühl von der ausgemalten Projektion dieses Menschen.
Deine Gedanken kreisen eher um die Frage, was dieser Mensch in dir auslöst, als wie es ihm eigentlich geht und was ihn beschäftigt.
=> Man interessiert sich dafür, was der andere für einen tut oder darstellen kann.
=> Der Körper reagiert auf die Biologie oder das optische Signal des anderen.
Je länger hält der Kontakt und zwar im realen Leben, desto besser lernst du diesen Menschen durch sein Verhalten und Taten lernen.
Man spürt auch die Resonanz (oder nicht).
Das echte Interesse entsteht durch:
• Fehler Toleranz: die ersten Masken fallen, man sieht seine Schwächen
• Zuhören anstatt nur "hören": man interessiert sich tatsächlich für seine Sicht der Dinge, auch wenn sie von der eigenen abweichen
=> Man möchte wissen, wer der andere wirklich ist, wenn niemand zusieht und das neue echte Bild schreckt einen nicht ab.
Genau daran erkenne ich den Unterschied für mich und zwar von beiden Seiten.
Die Phase 1 trifft eindeutig ein und ist sehr intensiv.
Zu der Phase 2 kommt es nicht oder genau da löst sich das Interesse langsam bis schnell auf.